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Der Volksfrcund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir- die e r st e.

S e u m e.

WiesbadkN. Mittwoch, den 19. April 1848,

Gin Zeugniß Karl Zeuners in Nordamerika, über

ie Nichtswürdigkeit des heimlichen deutschen Gerichts, mitgetheilt won Wilhelm Schulz. (Forts.)

Es ist hier nicht der Ort, bei Gelegenheit der Uc- èersenduug des Einliegenden einer vielleicht späteren und ausführlicheren Gcfangcngeschichte unseres Freundes, von ihm selbst dargestellt, vorzugreifen. Also bemerke ich nur noch, daß Zeuner auch sein Gehör in der Verhaftung .ingebüßt und so von einer unmittelbaren Berührung :nit der Außenwelt gänzlich abgcschnittcn und auf sich selbst zurückgewiesen ist. Daher lebt er in seiner eige­nen inneren Welt und hängt treuer an der Vergan­genheit: die Heimath ist ihm Alles. In das herzlose, eigennützige amerikanische Parteitreiben stürzt er sich mehr, um sich zu vergessen, als aus wirklicher Sym­pathie.

Es sollte kein Jahr, kein Monat vergehen, in wel­chem nicht der Spiegel der Wahrheit mit dem blutigen bilde Wcidig's unserer Mitwelt vor Augen gehalten würde. Die Gewaltigen von Gottes Gnaden mögen erfahren, vie ohnmächtig sie sind. Sie können eine Form zer- wechen, einen Körper dahin morden, aber der Geist lebt stlgewaltig, allmächtig fort, wie die Urquelle, aus der T sprang.

Herrn Wilhelm Schulz!

Aus einigen Nummern einer in Newyork erscheinen­den deutschen Zeitung (die deutsche Schnellpost) habe ch ersehen, daß die Sache über den Criminalprozeß und den tragischen Tod des Psarrers Dr F L. Weidig neuerdings durch eine von Ihnen von der Schweiz ans verbreitete Schrift angeregt worden ist. Als ein Freund und Mitgefangener des Pfarrers Weidig finde ich mich veranlaßt, Ihnen einige mir bekannte Umstände und Thatsachen, welche ^iuf den Criminalprozeß WcidigS Be­zug haben, zu eröffnen, die vielleicht für die Sache, die Sie angeregt haben, nickst ganz ohne Interesse sein verden. Ich war von meiner frühesten Jugend an in Schüler des Pfarrers Weidig, welches Verhältniß sich später in innige Freundschaft gestaltete, die mich mit ihm vereinigte, damit ich nach meinen Kräften und nach seinem Beispiel mein Möglichstes beitrüge, um die Freiheit Deutschlands und seine Selbstständigkeit zu er­ringen. Ich wurde dieses Strebens wegen, wie er, verhaftet, und in die langjährige Untersuchung gezogen, welche Haft erst nach einer beinahe fünfjährigen Dauer, durch meine Verbannung nach den vereinigten Staaten Nordamerikas, für mich endete Aus diesem Grunde nehme ich das lebhafteste Interesse an Allem, was sich auf die Sache Weidigs bezieht.

Die Feinde Weidigs haben behauptet, daß sein poli­tisches Wirken von jeher ein revolutionäres gewesen

sei. Diese Behauptung ist falsch, und es kann durch müudliche uud schriftliche Aeußerungen Weidigs erwie­sen werden, daß derselbe mit aufrichtiger Liebe seinem Landesfürsten, dem Großherzog Luowig II. von Hessen, ergeben war, und eine besondere Verehrung gegen des­sen Vorfahren, den Großherzog Ludwig 1. von Hessen, hegte. Doch war diese Ergebenheit nicht der Art, daß er demselben die Liebe und daö Interesse, welches er für sein deutsches Volk und Vaterland fühlte, nachge­setzt hätte.

Das politische Streben Weidigs, welches seit seinem Jünglings- und Mannesalter der Freiheit seines Vaterlan­des gewidmet war, erhielt durch die von der Julirevolution in Europa angeregte allgemeine politische Aufregung eine erhöhte Thätigkeit Er intercssirte sich mit erhöhter Be­geisterung für die gahrcnde Entwickelung der Zustände Europas, arbeitete für mehrere Zeuschriften, und suchte namentlich mit größtem Eifer die landstäudischeu Wah­len des GroßherzogthumS auf liberale, dem Geist der Zeit huldigende, ihm gleichgesinnte Männer zu lenken. Seine mündlichen und schriftlichen Aeußerungen, und mehr noch seine Ermahnungen an seine mehr entschie­denen ungestümen Freunde zeigen, daß sein politisches Streben und Wünschen ein gesetzliches war Ein Be­weis, wie sehr er Mäßigung für den Erfolg des poli­tischen Strebens nothwendig hielt, gibt ein Brief, den er zu Anfang des Jahres 1832 an Dr. Wirth, den Herausgeber der damals in Homburg in Rheinbaiern erscheinenden Zeitungdie deutsche Tribüne" schrieb,, worin er denselben ersuchte, eine gemäßigtere Sprache in seinem Blatte anzunehmen. Dr. Weidig wäre nie weiter gegangen, so lange er noch die Hoffnung hegen konnte, daß eine eensurfreie deutsche Presse den verschie­denen Meinungen als ein Mittel zu ihrer Verfechtung dienen könne; und so lange der Rechtsgrund, der zwi­schen Fürst und Volk durch das Bestehen der.Unver­letzlichkeit der Verfassungen begründet war, nicht gefähr­det oder aufgehoben wurde. Doch diese'Hoffnung ver­schwand durch das Erscheinen der bekannten -Bundes­tagsbeschlüsse vom Juni 1832, durch welche das Ver­trauen zwischen Regierung und Volk vernichfit und der politische Kampf mit mehr Erbitterung und Leidenschaft geführt wurde Und so veranlaßte der Mißgriff der Regierungen nach roher Gewalt die eifrigeren Patrioten, Grundsätze anzunehmen, welche, ihnen früher .ferne ge­wesen waren ' .

Weidig, dessen ganzes Leben und Wirken mit dem Gange der politischen Ereignisse- aufs engste verflochten war,fühlte sich durch die Tücke und-den Triumpf der Gegner de>- Freiheit tief verletzt. Er konnte sich in seiner Hingebung zu der Sache Deutschlands, die er als recht und wahr erkannt hatte und mit seinem gan-