Die preußischen Truppen mit ihren Kanonen mußten derweilen ruhig in der wohlverschanzten Festung Rendsburg sitzen, und die schleswig holsteinischenVoiräthe verzehren. Unterdessen nahmen die Dänen durch Verrath und Waffengewalt eine Stadt nach der andern und schleppten die angesehensten Einwohner fort, von denen sie alle Männer von 20— 50 Jahren aus die Schiffe bringen, um dieselben für den Seedienst zu verwenden. lJn Kopenhagen hat man ein Schiff zu einem schwimmenden Gefängniß für die eingebrachten Schleswig-Holsteiner eingerichtet!) Vergebens suchten die schlecht befehligten und schlecht unterrichteten schleswigschen Truppen und Freikorps, bei ihrem Mangel an Artillerie, Kavallerie und Kriegsschiffen, dem Vordringen der Dänen Einhalt zu thun. DaS Ergebniß war^ dap Truppen und Freikorps, trotz der helbenmülhigsten Tapferkeit, überwunden, zersprengt und vernichtet wurden. Die Dänen sollen über 700 Gefangene gemacht haben und die Blüthe der schleswig-holsteinischen Jugend, das Kieler Studenten- und Turnerkorps, liegt bis aus Wenige erschlagen! — Fluch dem verruchten Syuem, das die Interessen Einzelner über diejenigen des Volkes sitzt nur diesem ist der unglückselige Ausgang beS Kampfes beizumessen. Zauderte man doch am 18. März nicht so tauge, die preußischen Truppen einhauen zu lassin — Doch war da freilich auch nicht die ungnädige Miene eines ebenbürtigen, mit der Erbweisheit begabten Monarchen von GotteS Gnaden zu fürchten; eS handelte sich nur um die Kanaille, die mit Kartätschen gefüttert werden mußte.
Die Dänen stehen jetzt nur noch etliche Stunden von Rendsburg und suchen die Festung zu umzingeln. Auf diese Weise werden die Preußen doch endlich zum Kampf Ammen müssen.
Eine eigene Art von Verrath scheint der Graf von Luckner an seinem aus SchleSwigern gebildeten Freikorps begangen zu haben Als am 10. der Feind angriff, kam Befehl zum Rückzüge. Die ganze Abtheilung, bei welcher daS Korps stand, maischte hierauf, ohne an diesem Tage einen Feind gesehen zu haben, in Einem Marsche zurück bis zur Schlei. Hier erklärte plötzlich der Graf daS Freikorps für aufgelöst und fordert die Theilnehmer zu ihrem nicht geringen Erstaunen auf, sich allerseits nach Hause zu begeben Die Mannschaft begab sich hieraus theilweise nach Rendsburg, theilweise ••'.ad) Kiel , um noch in irgend einer Weise am Kamps Theil zu nehmen.
Konstanz, Am 12. erschien hier folgender von Hecker und Struve unterzeichneter und an die Äemter Donaueschingen, Engen, Blumenfeld, Villingen Bonndorf, Neustadt und Hüfingen gerichter Aufruf: „Mitbürger, Brüder, Freunde! Der Augenblick der Entscheidung ist gekommen. Worte können uns unser Recht nicht -roboru. Darum sorden wir auch alle waffenfähigen Männer auf, Freitag den 14. April, Mittags 12 Uhr, u Donaueschingen auf dem Marktplatz mit Waffen und Munition, in geordneten Zügen, mit Lebensmittel auf ^Tagc versehen, zu erscheinen. Unsere Fi eunde Bruh n, Au, Willmann, Rans, Rasina und andere werden zu Euch treten und Euch sagen, was das Va- erland von Euch erwartet. Sie sind bereit sich an Eure Spitze zu stellen. Struve ist bereits in Do- taueschlngen angefommen und wird der Versammlung mit Rath und That zur Seite stehen."
M. Hecker war am 11. Abends in Konstanz uigckommcu und in Badischen Hof abgcstiegcn, wo Tags vorher schon Struve und der ehmalige preuß. Lieut. Willich eingetroffen waren Am 12. gegen 5 Uhr Abends gcrieth Konstanz in die größte Aufregung. Man hatte einen revolutionären Aufruf verbreitet, worin die Republik proclamirt wurde und gegen den Willen des Rolkskomites und des Gemeinderaths eine Volksver- Ammlung auf das Rathhaus angesagt. In dieser Ver- ammlung nun, zu der alle stimmfähigen Bürger heran geeilt waren, erlitt Hecker mit seinen Gelüsten-, die
Republik mit Gewalt einzuführcu, eine totale Niederlage. Bürgermeister H u e t li n, sowie ein gewisser Doll, welcher seither in Paris gelebt, trat mit Mannesmuth und Festigkeit gegen Hecker auf, und stellte namentlich das Unsinnige eines bewaffneten Auszugs nach Karlsruhe ic., sowie die Gefahr, die Verantwortung dar, seine Mitbürger zur Schlachtbank und zum Untergang zu führen. In gleichem Sinne sprachen noch meliere Redner, und der Schluß war, daß auf Antrag des Bürgermeisters die Versammlung ohne Abstimmung aufgehoben wurde. Am folgenden Morgen gegen 8 Uhr zog Hecker in Begleitung von 4-i Bewaffneten unter Trommelschlag nach Stockach, um sich mit den Ueberlingein und andern von Struve revolutionirten Banden zu vereinigen. Gleichzeitig mit Hecker in Konstanz soll nämlich Struve in Ueberlingen ausgetreten und eS ihm gelungen sein, dort die Republik zu proklamiern. Als Hecker mit seinem Zuge in dem nächsten Dorfe Wollmatingen angekommen war, hielt er eine Anrede an daS Volk und forderte zur Theilnahme auf, allein man bedeutete ihm, daß die Feldarbeiten jetzt Derartiges nicht erlaubten, und daß eS auf eine Handvoll Wvllmatingcr nicht ankommen würde. Der Zug setzte hierauf seinen Marsch weiter fort.
An demselben Tage, wo Hecker in Konstanz seinen verunglückten Versuch machte und Struve in Ueberlingen auftrat, erließ auch der Wirth Weishaar in Lottstetten einen Aufruf, worin er die bewaffneten Männer nach Stühlingen (dicht an der Schweizergrenze) entbot Der Aufruf hatte den Erfolg, daß etwa 30 Mann aus Waldshut sich anschlossen Rechnet man, daß die Thätigkeit Struve's und Anderer vielleicht das doppelte an bewaffneter Mannschaft zusammengebracht hatten, wie Hecker und Weishaar, so mag der Stand der republikanischen Armeen sich wohl auf 250 Mann belaufen. Und diese wollen 40 Millionen Deutschen ihre Ueberzeugung als die alleinbeglückende aufdringen! — Es thut uns weh, über Hecker und Struve, deren Verdienste um Deutschland unleugbar sind, den Stab brechen zu müssen — allein wir können nicht anders. Sie haben sich durch ihre jetzige Handlungsweise ge- brandmarkt vor der Welt und sind auf alle Zeiten unmöglich geworden für irgend welche Wirksamkeit in Deutschland. Hoffentlich erhalten wir in ganz kurzer Zeit die Nachricht, daß sie in Folge des verunglückten republikanischen „Putsches" sich nach der Schweiz oder Frankreich geflüchtet haben
Die Deutsche Ztg. äußert sich über die Schilderhebung der republikanischen Partei u. A folgendermaßen: Als den offenkundigen Thatsachen gegenüber man das Vorhanden ein von Freischaaren an den Grenzen, die wühlerischen Umtriebe im Innern mit hartnäckigem Eigensinn abzuläugnen suchte, als sich gegen die „fremden" Truppen jene künstlich geschürte Aufregung erhob, und man mit aller Gewalt die Blosstellung unserer Grenze aus Unverstand oder bösem Willen forderte, als sich nach Ficklers Verhaftung in den Blättern der Partei jene Raserei aussprach, die nur das böse Gewissen verräth, als das Organ Ficklers Mathy einen „Gebrand- markten", eine „Bestie" nannte — erst da befestigte sich in uns die bestimmte Ueberzeugung, daß wir einer förmlich organisirten Verschwörung gegenüberständen, deren Fäden eben zu früh entdeckt worden waren. Die gefüllte Mine war der Entladung nahe; was war natürlicher, als daß die bösen Gewissen tobten und die Kompromittirtcn zu einem letzten Verzweiflungsstreich ihre Zuflucht nahmen?
Ueber den AuSgang dieses letzten Streiches sind wir nicht besorgt. Wie die Stadt Konstanz im Momente der Gefahr ihren eingeschüchterten Bürgersinn wiederfand, so werden unsere badischen Städte sammt und sonders den gleichen Muth bewähren und jede ähnliche Schilder- Hebung im Keime zu ersticken wissen. Wie die ehrlichen Bauern von Wollmatingen naiv erklärten, „die Feldarbeiten erlauben jetzt Derartiges nicht" so wird unser Land-