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ür einige begleitende Zeilen eines seiner Freunde in en vereinigten Staaten voraus, so weit sie über die Leiden und Schicksale Zeuner's Aufschluß geben

Werther Herr!

Inliegend erhalten sie ein Manuskript unseres Freun­des Karl Zeuner in Cincinnati, Ohio U. S, wel­ches er mir bei meiner kurzen Anwesenheit daselbst im Derbste 1844 zur Besorgung an Sie übergab Dieser .nteressante Beitrag zur Geschichte der politischen Unler- achuitgen wird Ihnen leider sehr verspätet zukommen, a meine damals nahe bevorstehende Abreise von Amerika urch unerwartete Umstände bis zum August dieses sahres verzögert wurde.

Dieser Aufsatz tvird Ihnen die Fähigkeit und den alten Patriotismus unseres Freundes abermals be- akunden, und Sie überzeugen, daß er, während eines mehrjährigen Aufenthaltes in den vereinigten Staaten, èichts von seiner Warne und seinem Gefühle für alles Wahre und Gute verloren. Zeuner ist, wie unser seliger Weidig, durch Religion und das höchste ältliche Gefühl, Patriot. Seine politischen Ansichten find enge und innig mit seinen religiösen verknüpft, ruf dieselben gebaut. Darum hat er auch in seiner Untersuchung so viel Ruhe und Festigkeit bewiesen, so siel Achtung für seinen Charakter sich erzwungen Darum konnte er auch nicht um Gnade für Etwas '.»kommen,. was ihm als Verbrechen vorgehalten wurde, vas er aber alö eine göttliche und menschliche Pflicht aus innigster Ueberzeugung gethan hatte, und was er in ähnlichen Fallen wiederzuthun selbst protokollarisch u erklären keine Scheu trug. Letzteres war der Grund, daß er, der Einzige von allen übrigen hessischen Behafteten, nach Amerika verbannt wurde. Er wurde n einem wohlverschlossenen Wagen von Gensdärmen urch Butzbach gebracht; er durfte hier nicht einmal eie Häuser seiner Geburtsstadl von weitem, er durfte nicht einmal seinen alten greisen Vater und seine Schwe­ster sehen, ihnen ein flüchtiges ewiges Lebewohl zuzu­winken.

Wir. sehen ihn nun in Amerika. Sein Fleiß, seine Geschicklichkeit verschaffen ihm bald ein einfaches Auö- kvuunen, sein Wesen, -sein Charakter allgemeine Achtung. Mit Liebe widmet er seine freie Zeit dem Besten seines Avoptivvaterlandes, nimmt Antheil an den Bestrebun­gen der demokratischen Partei. Die Rächte wendet er äufig an, um in schriftlichen Ausarbeitungen seine Gegenpartei vor dem Publikum zu widerlegen, oder auf eine Rede sich vorzubereiten. Mit den größten Schwierigkeiten hat er dabei zu kämpfen, weil ihm während seines fünfjährigen Gefängnißlebens die Sprache geraubt wurde, und er jetzt nur durch mühevollstes Stottern und Anstoßen seinen Gedanken Worte geben kann. Voll von innerem Grimme und Schmerze näm- ich über die Behandlung, die ihm und seinen Freun­den während seiner Verhaftung von Georgi namcnt- 'ich zu Theil wurde, hatte er in seiner Einsamkeit keine Seele, in die er das Uebermaß seiner Gefühle hätte nedcrlegen können. Allem Umgänge mit Menschen rbgcschnitteil, hatte er vielmehr, in den oft jahrelang ausgesetzten Verhören, nur in einzelne kalte und über­legte Antworten die ganze Fülle und Bitterkeit seines Herzens gewaltsam zufamcnznpressen. Nur im Feuer- Blicke seines Auges durfte sich noch die innere Kraft und die moralische Ueberlegeuheit aussprechcu. Der großherzoglich hessische Hofgerichtsrath und Unter­suchungsrichter Georgi, in seinem Wahnsinn und feinen Wuthausbrüchen, konnte dem zwanzigjährigen einfachen Handwerker die schreckhaftesten Drohungen machen; er onnle feine Drohungen ausführen, er konnte ibn an enge Ketten an die Wand schmieden und ihn wochen- 'ang bei Wasser und Brod dem eigengewählten Hun­gertode entgegenschmachtcn lassen, aber dem Blicke seines jungen Gefangenen war er nicht im Stande zu be­gegnen: der Richter schlug schuldig das Auge vor dem Beschuldigten nieder. (Fortsetzung folgt.)

Noch eine Frage.

Nach der neuen Verordnung über die Wahlen zur Na­tionalversammlung istjeder großjährige Preuße i lt der Gemeinde, w or i n er seinen Wohn- s i tz o d e r Aufenthalt hat, stimmberechtigter Urwähler. Dieser Verordnung zufolge haben wir Nassauer im Verhältniß wenigstens ein Sechstel Urwähler weniger als Preußen, da nach unserm Wahl­gesetz die großjährigen Nicht-Gemrindebürger, sofern sie nicht Angestellte oder Adelige ic. sind, kein SliMm- recht haben. Ebensowenig kann bei uns Jeder an seinem Wohnsitz oder Aufenthaltsort stimmen. Dies steht gleichfalls nur .denselben genannten Vorrechtlern zu. Wèr hätte nach den Vorgängen vom 4. März in Nassau und denen vom 18. in Berlin wohl ge­dacht, daß wir in 4 Wochen schon wieder hinter Preußen wären!?

Man hat laut Verordnungsblatt vom 10. April für die Wahlen zur Nationalversammlung eine Ausnahme von dem neuen Wahlgesetz zu Gunsten derhohem Staatsverwalrungsbeamten, besoldeten Hosdiener, Amt­männer und Recepturbeamten" gemacht. Wäre es nicht billig, wäre es nicht gerecht, eine solche Ausnahme für die bevorstehende Wahl nun auch zu Gunsten der Handwerker, der Tagelöhner rc. eintreten zu lassen?

Deutschland.

Rendsburg Die Schleswig-Holsteiner sind am 8. Wpnl mit den Dänen hart ;uf-imm- uaetrofsn. Bei­derseits kämpfte man mit Erbitterung und bewies sich das deutsche Militär wie auch die Freikorps, namentlich die Studenten" und Turner, höchst wachr. Das 14., (nach andern Angaben auch däS 16.) Bataillon stand so lange einer dreifachen feindlichen Übermacht entgegen, bis es bis auf 2 Kompagnien fast rueserq. schossen war. DänischeisilS soll der Verlust sehr bedeutend syn; daS 10 Infanterie-Bataillon soll fast vernichtet flirr. Die Schleswiger mußten sich, besonders auS Mangel an Aitillerie endlich zurnckuehen, was iirdeß in gröiuer Ord Ming geschah. Der Kommandant, Graf von Baudl.fsin, Wird vermißt.

Rendsburg, 11. April. Unsere Truppen haben gestern auch Schleswig geräumt und die Dänen sind heute Nacht, 2000 Mann stark, dasselbst eingerückt. Der Prinz von Roer hat sich mit dem Gros M Truppen nach Hutten zurückgezogen. Durch die Vèrrâtherei der Bürger im Vordenheil der Stadt Flensburg ist am meisten gegen und gewirkt worden. - Mehrere Offi­ziere sind gefalle», aber der F.ind hat den durch Z»sam- menwiiken günstiger Umstände errungenen Vortheil theuer erkaufen müssen. Die zögernde Diplomatie hat daS Leben vieler Tapfern auf dem Gewissen. Während sie ruhig verhandelt, muß Deutschland .es zu­sehen, wie der Däne sich zum Muster einer Stadt nach der andern macht.

Rendsburg. Eine Verfügung der provisorischen Regierung betreffend die Volksbewaffnung, verpflichtet jeden S taa t ö b ür ger, dem a »dringenden Feinde mit Waffen jeder Art sich zu widersetzen und ihm durch alle nur aufzutreibende Mittel, welche mit der Man- nesehre vereinbar sind, zu schaden. Die Volksbewaff­nung wird mit einem Worte durch diese Verfügung die Rolle der Führung des kleinen Kriegs durch alle ge­eigneten Mittel, Versperrung des Rückzuges, Aufsaugung der Lebensmittel, nächtliche Ueberfälle u. dgl übertragen.

Berlin, 11. April. Das immer sehr räthsclhaft gewesene Institut - des Staatsschatz e s hat zwar jetzt sehr niederschlagende "Entdeckungen herbcigeführt, da sich der Vorgefundene Baarbestand nur in 8B Mill, ergeben hat, während man bisher selbst von kundigen Finanzmännern die Ansicht hätte aussprechen hören, daß der preußische Schatz auf eine Höhe von 6070 Mill, veranschlagt werden müsse. Die bedeutendste Fundirung dieses Staatsschatzes war unter Friedrich Wilhelm III. obne Zweifel durch die französischen Contributiousgel-