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Willesen jedenfalls einen überaus schwierigen Standpunkt, und wir glauben kaum, daß es ihm gelingen werde, den vielfach verschlungenen Knoten friedlich zu entwirren; das Schwert wird wohl zuletzt auch ihn lösen müssen. Die Deutschen hielten heute zwei Mal Volksversammlungen, worin mit großer Aufregung gegen die Anordnung deS CommissarS declamirt wurde; eine gewählte Deputation mußte ihm sofort mehrere Protestpunkte überbringen. Desgleichen warman mit der Zusammensetzung der Com­mission, die daS Revrganisationswerk betreiben soll, wenig zufrieden und erklärte das deutsche Element nicht genügend vertreten.

Einige Stunden nach der Willisen'schen Proclamation erschien eine Bekanntmachung deS Obcrpräsiventen v. Beurmann und deS commandirenden Generals v Colomb folgenden Inhalts:Durch Aufruf, durch Reden und Gespräche hat man euch, Bewohner deS GroßherwgthumS Posen, veranlaßt, die Waffen in die Hand zu nehmen und euch auf ein gegebenes Zeichen zu versammeln. Diejenigen, die euch das gesagt oder befohlen haben, bilden nicht eure Obrigkeit. Euer oberster und erster Herr ist der König, und eure Obrigkeit sind die Behörden, die dazu ausdrücklich eingesetzt sind. Diese befehlen euch nun auf Grund der Gesetze, die Waffen niederzulegen und euch nicht in großer Anzahl zu versammeln k." Der Schluß lautet:Legt ihr die Waffen, Sensen w. nicht nieder, versammelt ihr euch dennoch zu Hunderten, um den Behörden und dem Militär zu trotzen, so setzt ihr euch harten Strafen aus." Nach dem Städtchen Schroda, wo etwa 4000 Sensenträger eine Art Lager bezogen haben, sollten schon gestern die nötigen Streitkräfte zur Herstellung der gesetzlichen Ordnung von hier abgehen; indessen ist das noch nicht geschehen, weil man noch einige Tage anstehen will, um erst den Erfolg der Pro­clamation abzuwarten. Es ist jedoch kaum anzunehmen, daß die Leute friedlich auseinandergehen werden, und so dürfte es daselbst leicht zu einem blutigen Zusammen­stöße kommen. Ebenso steht eS bei der Stadt Trzenics- zno, wo circa 5000 Sensenträger versammelt seyen sollen. Nach wenigen Tagen müssen also die hiesigen Differenzen zur Entscheidung kommen. In der Provinz wird von den Polenhaufen bereits arg gehaust, sie brandschatzen die Einwohner und nehmen ohne weiteres Lebensmittel und Pferde; ja auf der Post in der Stadt Werschen haben sie gestern sogar eine an die Regierung adressirte Summe von 400 Thlr. weggenommen. Dieser Zustand von Auflösung und Anarchie muß durchaus ein Ende nehmen. Auch in der Kreisstadt Samter, vier Meilen von hier, sollen bedenkliche Unruhen auSgebrochen seyn.

In Trzemeszno, zwei Meilen von Gncscn, wurden schon am ersten Tage des Auftretens des polnischen KomiteS die preußischen Wappen abgerissen und die polnische Republik auSgerufen. Hierauf setzte man die Kreisbeamten ab und Polen an deren Stellen und nahm die öffentlichen Kassen in Beschlag. Von hieraus wurde nun auch dieser Tage von dem Kommandanten Garczyusky ein Aufruf erlassen, in welchem nicht nur alle waffenfähigen Polen der umliegenden Kreise aufge­fordert werden, sich in Trzemeszno zum Nationalheere zu stellen, sondern auch die Bitte ausgesprochen wird, Naturalien und Kriegsbedürfnisse dorthin zu liefern. Nur durch die umsichtigste Berücksichtigung aller Ver­hältnisse von Seiten der preußischen Behörden, durch schnelle Gewährung billiger Wünsche kann es jetzt noch gelingen, die Ruhe in den östlichen Theilen der Pro­vinz ausrecht zu erhalten. Das Mißtrauen gegen das Deutschthum ist leider wieder erwacht, eine ungeschickte und zur Unzeit entwickelte Energie kann von den un­seligsten Folgen sein. (D. A. Z.)

Verschiedenes.

Die österreichische Regierung hat bei der Natio­

nalbank ein Anlchen von 30 Millionen Gulden ge­gen entsprechendes Unterpfand von Staatsgütern gemacht. Einerseits hört man, daß Abgesandte nach Italien gegangen seien mit unbeschränkten Vollmachten zum Frie deusschluß; andererseits wieder, es seien bestimmte Be fehle abgegangen, sich Venedigs um jeden Prei« wieder zu bemächtigen.

Die Gleichheit soll in Frankreich auch für die Todtei. hergestellt und ein Todtenwagen für alle Bürger ge- braucht werden.

t Wiesbaden, 14. April. ES tauchen gegen­wärtig viele Projekte auf zur Unterstützung der Arbeit, von denen gewiß manche nichts weniger als dieß erzie­len, vielmehr den Ruin des ganzen Kredits herbeiführen. Das uns am nächsten liegende Übersicht man am Häu. figsten. Oberstes Gesetz in jedem Staate ist, daß jeder lebe, und dies wird nur möglich durch den Gewinn vom Arbcitskapital. Wird der Gewinn nun so unbedeutend, daß der Geschäftsmann seine Eristenr nicht mehr dadurch decken kann, so geht er nicht nur selbst zu Grunde, sondern er entzieht auch seinen Mit- bürgern den ihnen zukommenden Lebensunterhalt, uni untergräbt hierdurch die Wohlfahrt deS Staates. (Sin Beispiel möge dies erläutern. Bei der bald stattfinden­den Uniformirung unserer Bürgerwehr hat sich ein Schneidermeister erboten, die Uniform zu einem Preis zu liefern, daß er an Rock und Hosen, zu deren An­fertigung gewiß vier Tage erforderlich sind, 30 fr. Ge­winn habe. Nun frage ich jeden, die Hand auf'S Herz, ob hiervon ein Mann mit Familie leben kann? Der, welcher den Vorschlag machte, betrügt sich, mdem er zu Grunde geht; er betrügt die Andern, iildem er ihnen Arbeit entzieht; er betrügt den Staat, indem er vielen Menschen, welche zu den Staatslasten beitragen müssen, die Mittel hierzu abschneivet.

Es ist übrigens sehr die Frage, ob dieser Vorschlag eines Einzelnen und dessen Preisbestimmung überhaupt maßgebend und von Einfluß sein dürfe auf die An­fertigung der Kleidung der Bürgerwehr, "besonders aber noch aus dem Grunde, weil dieser unbefugte Preis­macher nachträglich erklärte, daß er die Anfertigung weder übernehmen wolle noch könne. Zudem hat der­selbe wohl zur Ueberzeugung bewiesen, daß er nicht im Stande ist, eine richtige Berechnung in seinem Geschäfte aufzustellen, sonst würde trotz seiner beständigen un­geheuren Kundschaft vor einiger Zeit die Bilanz des Soll und Haben sich nicht so zu seinen Un­gunsten heranSgestcllt haben.

Die hiesigen Schneidermeister werden unter diesen Ver Hältnissen wohl thun, wenn sie zusammentreten, oder aus ihrer Mitte einen Ausschuß wählen, um den möglichst billigen Preis zu bestimmen.

Von der Arbeit darf durchaus keiner ausgeschlossen werden, am wenigsten durch den Vorschlag eines unbe­rechtigten Einzelnen, im Gegentheil soll sich jeder nach seinen persönlichen Verhältnissen dabei betheiligen können.

Der gleiche Grundsatz ließe sich noch bei vielen andern Geschäftsleuten, namentlich bei den Baupro- fesstoniften, anwenden, und würde bei dessen Durch­führung dem Stichwort unserer Zeit:an den Wenigst nehm enden" dem Untergang unseres Mittelstandes alle Macht gebrochen.

Der hiesige Quartettverein hat auf Sonntag den 16. d. eine Abendunlerhaltung zum Besten der Schles­wig-Holsteiner veranstaltet.

In Köln sind am 11. d. mehrere Hundert Gefan genen auS dem Arresthause mit Gewalt ausgebrochen.

Dienstvorschriften für die Volkswehr der Stadt Wies baden" sind zuhaben in der S tein'schen Buchdrücken! Mauergasse Nr. 2. Preis 1 fr.

Verantwortlicher Redacteur : Lippe. Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.