'erproviantirt. Die benachbarten Straßen sind abgeschnitten , und es gelangen keine Lebensmittel mehr dorthin. Die Bewohner dieser Festung, Greise, Frauen und Kinder, haben gestern den Befehl erhalten, innerhalb 24 Stunden diè Stadt zu verlassen. Ganz Italien ist wüthend über die Oesterrcicher. Ueber das, was jenseits der Alpen vorgeht, ist man hier in völliger Ungewißheit. (Bas. 3)
Merschi c & e n e s.
Bei einem Gastmahl der zum Fünfzigerausschuß angekommenen österreichischen Abgeordneten, welches vor einigen Tagen im russischen Hof in Frankfurt stattfand, wollte einer der Anwesenden dem Fürsten Metternich in Percat (er verderbe! gehe zu Grunde!) bringen, wurde aber sogleich von einem Andern mit den Worten unterbrochen: „Von den Todten soll man nur Gutes reden!" — Wenn diese Ansicht wirklich auf Metternich Anwendung finden soll, so wird es nicht viel von ihm zu reden geben.
Die Wahlen zur Nationalversammlung, welche in Preußen durch den vereinigten Landtag vorgenommen werden sollten, aber vielseitig angefochten wurden, sind zurückgenommen und werden jetzt alldere angeordnet wer- den, die mit ben Beschlüssen deö Vorparlaments in Einklang stehen.
Wegen der immer lauter werdenden Klagen der Fuhrleute , Kutscher, Schiffer re. :c. soll die Regierung in Koblenz die vorläufige Aufhebung der Schleppdampf- schifffahrt auf dem Rhein verordnet haben.
In Stuttgart geht eS mit der Bekleidung der Bürgergarde wie bei uns. Uneinigkeit hinsichtlich jedes Stücks. Eine Kommission, welche eine Bekleidung vor- chreiben sollte, hat jetzt, beleidigt durch die Unzufriedenheit, erklärt, jetzt solle Jeder sich kleiden wie er 'volle. Warum will man auch wieder für jeden Ort und Oertchen etwas Besonderes schaffen ? Warum war- cet man nicht die Bestimmungen des Parlaments hierüber ab, dessen erster Gegenstand der Berathung unzweifelhaft die Volkswehr sein wird?
Der 18jährige künftige Thronerbe, Erzherzog Franz Joseph ist zum Statthalter von Böhmen ernannt worden.
Die Oesterrcicher ziehen sich in Italien immer weiter urück. Das Generalkommando der lombardisch-venetia- rischen Truppen ist bereits in Botzen angekündigt.
Erzherzog Johann wird sich nach Tyrol, sodann — edoch ohne amtlichen Charakter — nach Frankfurt begeben.
Graf Zichh, Oheim der Fürstin Metternich, ist als befangener in Wien angekommen. Er wird wegen der schmählichen Uebergabe Venedigs, die an die Uebergabe Ulms durch den General Mack erinnert, wahrscheinlich or ein Kriegsgericht gestellt werden.
Die Ligorianer mußten am 6. April Wien verlassen. ,)as Volk hatte deren Kloster erstürmt, und nur dem kräftigen Einschreiten der Bürgergarde ist es zu verdauen, daß nicht Schlimmeres geschehen.
Mehrere österreichische Zeitungen von Einfluß sprechen sich aufs entschiedendste für ein freiwilliges friedliches Aufgeben der Lombardei aus. — Dem Erzbischof in Wien wurde in Folge einiger höchst unvolks- : heimlicher Erlasse und Handlungen am 5. April eine ingcheure Katzenmusik gebracht.
Von österreichischer Seite soll eine Nordarmee von 30,000 Mann gebildet und die Städte Ollmütz, Königgrätz mb Josephstadt in Vertheidigungsstand gesetzt werden. — Der Erzherzog Franz Karl ist soviel wie Mitre- ; e n t geworden.
Die Leiter der deutschen Freischaaren in Frankreich, Herwegh und Bornstein in Paris, veröffentlichen eine Erklärung, worin es heißt: „Die Legion ist von den patriotischen Gesellschaften und von den wohlhabenden Deutschen in Frankreich und in der Heimath so rcich- ich mit Geldmitteln versehen worden, daß sie allen Be- dürfnissen genügen kann. Sie steht in keiner Bezie
hung zu der provisorischen Regierung der französischen Republik, wohl aber ist sie auf das Innigste mit allen bedeutenden Männern des Fortschritts in Deutschland verbunden."
Die russischen .Unterthanen erhalten keine Pässe mehr in's Ausland. Selbst Kaufleute, welche hierin stets bevorzugt waren, dürfen nicht mehr über die Grenze.
In Michalowice, dem ersten Orte in Russisch-Polen wurde ein höchst achtbarer und .gebildeter Krakauer Ge- treidehändler mit Knutenhieben bestraft und in Eisen über die Grenze geschickt, weil er, um Neuigkeiten befragt, von dem Jubel in Oesterreich über die verliehene Verfassung erzählte.
£ Wiesbaden, 11. April. Aus allen Schichten der Gesellschaft, von Fürsten, Ministern, Doktoren, Professoren — sogar von Bürstenmachern — gehen jetzt Vorschläge zur Verbesserung der traurigen Verhältnisse der arbeitenden Klasse hervor. Die meisten dieser Vorschläge sind dem Grundsatz und Willen nach zwar ganz gut, aber in der Wirklichkeit leider unausführbar oder ohne großen Erfolg. Ein unpraktischer Vorschlag verdrängt den andern, und die Geduld der auf die zukünftigen Verbesserungen einstweilen Hungernden wird dabei auf eine empfindliche Probe gestellt. Die Ursache aber, warum alle diese wohlgemeinten Verbesserungsvorschläge nichts helfen können, ist hauptsächlich die, weil sie stets nur halbe Maaßregeln empfehlen. Das Uebel muß aber bei der Wurzel gepackt, es muß eine durchaus gründliche Kur vorgenommen werden, wenn dem im höchsten Grade Besorgniß erregenden Zustand der gegenwärtigen Gesellschaft abgeholfen werden soll. Die zunehmende Verarmung ist der Krebsschaden, woran die Welt leidet. Ihr muß also vorgebeugt, der bestehenden Armuth muß abgeholfen werden.
Dies ick nach der Meinung deS Einsenders nur auf folgende Weise zu erzielen. In allen Staaten müßten Einkommensteuern erh o ben w erden. Wer zum Beispiel ein jährliches reines Einkommen von 2000 Gulden hat, zahlt davon etwa 4 Gulden Einkommensteuer; wer 3000 Gulden bezieht, zahlt 8 Gulden, und so fort in steigendem Verhältniß.
Diese Steuer, die natürlich nur die Reichen oder doch die in ihrem Lebensunterhalt hinlänglich Gesicherten trifft, also auch nicht sehr lästig fallen kann, würde nun allenthalben gewiß bedeutende Summen abwerfen, welche auf folgende Art für die Armen verwendet werden könnten. Jeder erweislich arme Familienvater erhielte je nach dem Ergebniß der Einkommensteuer eine gewisse Summe entweder zur Unterstützung in seinem Geschäft, oder wenn er Tagelöhner ist, würde ihm Ackerland dafür angekauft. Auf diese Weise würde es bald Niemand mehr ohne einiges Besitzthum geben. Für diejenigen aber, welche eine schlechte oder verschwenderische Lebensweise führen, für diese muß ebenfalls gesorgt werden, und zwar durch Besscrungs - und Arbeitshäuser!
Man wird cs diesem Aufsatz wohl ansehen, daß er nur den Gedanken zu einem erst noch in diesem Sinne auszuarbeitenden Plane anregen soll. Wollte Gott, daß ein kräftigeres Talent diese Idee erfaßte und weiter verarbeitete — daS Grundübel der Welt wäre beseitigt! (?)
Den Besitzenden aber, die vielleicht auS unverständiger Engherzigkeit und Selbstsucht der Ausführung eines solchen Planes entgegenarbeiten wollen, denen rufe ich die Worte Schillers ins Gedächtniß:
„Thut es bei Zeiten, „Denn ihr müßt cs doch!"
t (An die Polizeibehörde und die Baubehörde zu Wiesbaden.) Wie Vielen bekannt;, so lebt der um sein unglückliches Vaterland hochvcrd ente polnssche General Unün^fi seit beinahe sechs Monaten unfre iwillig in unserer Stadt. Es ist nämlich so lange her, daß dieser 70jährige Greis eines Abends