Einzelbild herunterladen
 

Ein WieSbader Sprüchmoxtitn- eineFrage.

_ (Eingesandt.)

Erst kommt der Storch, dann kommen die Landstände, dann kommt Herr Bloß, das ist seit langen Jahren ein WieSbader Sprüchwort. Bis voriges Jahr ist's immer cingetroffen. Und wenn Herr Bloß erst da war, dann kam die Cur bald in vollen Gang. Die Badehäuser füllten sich, und konnten die Menge der Fremden nicht alle beherbergen, und an dem, was sic hier ließen, hatte am Ende jedes WieSbader Haus seinen Antheil. Freilich bekamen es zunächst die Bade-, Wein-, Speise-, Haus­wirthe und Kaufleute, gerade wie Alles, was der Kör­per genießt, zunächst in Mund und Magen kömmt. Aber so wie der Magen von Allem, was er Tag für Tag einnimmt, für sich selbst Nichts behält, sondern eS als Blut in Umlauf setzt, wovon die kleine Zehe ebenso gut ihren Antheil bezicht, als Kopf oder Brust: ebenso gut hat der ärmste Taglöhner in Wiesbaden von der Cur eben so gewiß seinen Antheil bekommen, als der Adler oder die vier Jahreszeiten. Und wenn einmal die WieSbader Cur ausblcibcn sollte, so müßten es nicht blos die vier Jahreszeiten und der Adler, sondern auch die geringsten Taglöhner eben so gewiß fühlen, als un­fehlbar, wenn einmal der Magen zwei oder drei Tage Nichts erhielte, nicht blos Mund und Magen, sondern auch der kleine Finger und die kleine Zehe schwach wer­den müßten. Wer's nicht glaubt, kann bis übermorgen die Probe machen.

Unser Kochbrunnen wird im Jahr 1848 eben so reichliches und eben so heilkräftiges Wasser geben, als in den vorigen Jahren, denn der, welcher ihn aus ge­heimnißreichen Tiefen hervorqurllen läßt, hat ein Ver­mögen und eine starke Kraft, die sich nimmer erschöpfen. Unser Storch ist auch schon dm, und steht ernsthaft und nachdenklich auf seinem alten Neste; er hat seine Zeit wohl gewußt, und hat seinen Weg sicher gefunden, denn Zeit und Pfad hat ihm eben der angewiesen, der unseren Brunnen auö verborgenem Grunde sprudeln heißt. Un­sere Landstände sind schon da gewesen und am 1. Mai wählen wir die neuen, denn das hat unser Herzog verspro­chen, und bei dem heißts: Ein Wort, ein Mann. Fragt sich also nur, ob auch Curgäste kommen werden.

An Kranken, die gerne gesund werden möchten, wirds nicht fehlen; sogar an Solchen wird cd nicht fehlen, die in einer stürmischen Zeit gerne in dem schönen Wies­baden einen ruhigen Zufluchtsort fänden. ' Leute, die zu Hause Unruhe, Angst, Unsicherheit, Gefahr ausge­setzt sind, würden ohne Zweifel gerne zu uns kommen, wenn sie bei uns Sicherheit, Eintracht, Ruhe, Frie­den finden. Aber obwohl schon manche Aerzte Schreck- bäder sehr heilsam befunden haben wollen, so schcintS doch nicht, daß Kranke oder auch Gesunde eine weite Reise darum unternehmen möchten, um solche in Wies­baden sich beibringen zu lassen, wenn sie dieselben zu Hause schon häufiger und kräftiger, als ihnen lieb sein mag, haben können. Da scheints, diesmal haben wir die Cur so ziemlich in der Hand, und je nachdem wir es machen, wird sie ausfallen.

Also noch einmal die Frage: Sollen Curgäste kommen?

Dcutschla n d.

Frankfurt, den 10. April Nachdem gestern Nach­mittag zwölf Abgeordnete aus Oestreich mit ihrer aus sechs Mitgliedern der akademischen Legion in Wien be­stehenden Ehrenwache sich in feierlichem Zuge unter Vor- Äntragung der schwarz-roth-goldnen Fahne nach dem Si­tzungslokale des Fünfziger-AuSschusscS (im Römer) be­geben, und dort die ersten Begrüßungen stattgefunden hatten, erfolgte heute ihre förmliche Einführung in die Versammlung. Eine Kommission des Ausschusses hatte sich mit den österr. Abgeordneten dahin verständigt, daß neben Schuselka und Baron Andrian (der aber, durch dringende Gründe zur Rückreise genöthigt, Hrn, Schilling für sichzubstituirte) die HH. Hornpostler, Kuranda, v Müh- lendorf, und Endlicher in den Ausschuß eintreten sollten,

womit auch die Versammlung einverstanden war. ES wurde dabei festgesetzt, daß, bei etwaiger späteren An­kunft eines der vom Ausschüsse bereits früher Eingela- denen, derjenige von den anwesenden Abgeordneten, der die wenigsten Stimmen gehabt, wieder austreken solle. Kuranda äußerte den Wunsch, daß besonders aut t>en Eintritt Palazky's hingewirkt werde, damit auch die böhmische Nationalität in dem Ausschusse »erdeten sei. Den sechs übrigen hier anwesenden Abgeordneten auS Oesterreich wurde der Eintritt, zwar ohne Stimmrecht, aber mit berathender Stimme, eingeräumt.

Rendsburg, 7. April. Gestern hat eiuVorpo­st engefecht zwischen unsern und den dämschckk-Trup- Pen stattgehabt, wobei von unserer Seite ein Theil Jäger und Dragoner betheiligt waren. Die Dänen sind von Hockebüll nach RinkeniS in der Nähe des Herzog!. Äugustenburqischen Schlosses Gravenstein zurückgctrie- ben. Ein Offizier und einige Gemeine der Dänen sind getödtet, von unserer Seite ist ein Soldat verwundet. Die Feinde scheinen von der Insel Alsen aus eine Lan­dung bei Holniß am Flensburger Meerbusen zu versuchen, um unsere Truppen in der Stellung bei Ban zu um­gehen. Wahrscheinlich wird schon heute bei Holniß gekämpft. Die Preuß. Truppen, bis jetzt etwa 4000 Mann stark, werden sich ohne Zweifel an dem Kampf betheiligen, sobald sich ergeben haben wird, daß die Sendung eines außerordentlichen preußischen Abgeord­neten nach Kopenhagen erfolglos gewesen ist.

Aus Baden, 10. April. Außer Fickler, dessen Verhaftung ich bereits vor zwei Tagen gemeldet, ist auch der kürzlich amnestirte Literat Blind wieder fcst- genommen worden, und ein gleiches Schicksal traf einen Artillerie-Unteroffizier, welcher durch das Amnestie-Ge­setz begnadigt worden, aber nachher gleichwohl wieder Patronen ausgetheilt hat. Ueber Ficklers Verhaftung erfährt man folgende Thatsachen : Derselbe hat sich näm­lich schriftlich an die provisorische Regierung in Paris gewendet, mit dem Ersuchen, sie möge., die...deutschen Arbeiter bewaffnet über den Rhein senden und denselben möglichst zahlreiche Franzosen sich anschließen lassen; sie würden im See-Kreis mit offenen Armen empfangen werden. Die provisorische Regierung, welcher es un­zweifelhaft mit der Erhaltung des Friedens voller Ernst ist, hat jedoch das Schreiben Ficklers an das badische Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten übersen­det und damit unserer Regierung die Beweise von Fick­lers schändlichem Landesverrat!) in die Hände gegeben.

(F I.)

Sch »veiz.

Bern, 9. April. Die hiesige Regierung hat sich endlich veranlaßt gefunden, gegen die deutschen Frei- schaaren eiuzuschreiten. Es wurde gestern nachstehender Beschluß öffentlich bekannt gemacht: 1) Die Bildung bewaffneter und militärischer organisirter Vereine zum Zweck der Einmischung in die politischen Verhältnisse be­nachbarter Staaten ist untersagt; 2) die bereits errich­teten Vereine dieser Art sind ausgelöst; 3) die Rcgie- rungSstatthalter sind mit der Vollziehung dieses Be­schlusses beauftragt.

Italien.

Ein Privatbrief auS Mailand vom 5. April mel­det folgendes Nähere vom Kriegsschauplatz: Die österreichischen Vorposten stehen eine Stunde vor Man­tua, und es ist der Befehl gegeben worden, sie anzu­greifen. Die piemontesische Armee, welche am 25. und 26. März in die Lombardei eingerückt ist, besteht aus 30,000 Mann regelmäßigen und 600 Mann unregel­mäßigen Truppen; die Artillerie führt 80 Kanonen mit sich. Außerdem sind bereits 2000 Florentiner, 1000 Calabresen, 1000 Römer zu unserer Hülfe angckommcn und haben sich mit den 8000 lombardischen Patrioten vereinigt. Die piemontesischen Truppen sind nicht schlecht, vorzüglich die Artillerie ist gut, und die Armee hat etwas von französischer Heftigkeit. M a n t u a, wohin sich Radetzky zurückgezogen hat, ist auf 15 bis 20 Tage