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deutschen und französischen Politik nicht denkbar ist. Franzosen und Deutsche, sehen wir nicht rück­wärts, wir würden nur Erinnerungen finden, die unS stören und verirren könnten. Blicken wir vorwärts; wir werden dann nur Pfänder der Sicherheit, Hoffnungen der Eintracht unv Verbrüderung wahruchmen."

Ein Dekret der provisorischen Regierung in Paris bestimmt: Jeder Fabrikbesitzer, der von seinen Arbeitern mehr als 10 Stunden Arbeit fordert, wird das erste Mal mit 50 bis 100 Fr. Geldbuße, das zweite Mal mit 100 bis 200 Fr., daö dritte Mal mit Gefängniß von 1 bis 6 Monaten bestraft. Durch eine zweite Verordnung sucht die Regierung der gedrückten Lage der Lyoner Indu­strie aufzuhelfen ; sie überträgt nämlich den Fabriken von Lyon die Verfertigung von 130,000 dreifarbigen Sei- denschärpen und von 43,000 seidenen Fahnen. Eine weitere Verordnung endlich bestimmt: Die Eisenbahnen von Orleans und du Centre werden, da die Akticngc- sellschaften dieser Bahnen nicht mehr vermögend sind, den Dienst fortzusetzen, unter Verwaltung der Regierung gestellt und unter Vorbehalt der Rechte der Eigenthü­mer durch den Staat betrieben.

E n g l a n d.

Lond o n, 4. April. Eine englische Zeitung geißelt den bewaffneten Einfall des Königs, von Sardinien und den Charakter des Letztern aufs Schärfste. Karl Albert, sagt sie, habe nicht etwa wie der König von Preußen erklärt, er begehre und wolle Nichts für sich, indem er sich an die Spitze der Bewegung stelle; die Lombarden möchten sich daher vor ihm in Acht nehmen; Karl Al­bert sei, so lange er es sein konnte, ein größerer Tyrann gewesen, als selbst der König von Neapel, wenigstens habe ihn dieser nicht an vcrrâtherischer Hinterlist über­troffen. Im Uebrigen, meint diese Zeitung, sei eS für Oesterreich ein Glück, daß der König von Sardinien mit den Lombarden gemeinsame Sache gemacht, die Ungarn und Böhmen würden sehr ungern gegen die Lombarden zu Felde gezogen sein, so lange diese für ihre nationale Unabhängigkeit und Freiheit gekämpft, aber wohl wür­den sie mit Vergnügen gegen einen Despoten kämpfen, der diese Freiheitsbestrebungen nur zu seinem Vortheile benutzen wolle und außerdem in seinem Rücken von ei­nem Aufstande des republikanischen Genua bedroht sei. Jedenfalls habe die Sache der Lombarden durch die Al­lianz mit dem übel berüchtigten sardinischen König NichS gewonnen.

Verschiedenes.

Der Vorort Bern hat die Tagsatzung im Hinblick auf die immer ernster werdenden europäischen Verhält­nisse auf den 13. April zusammenberufen.

In der Jubelsreude über die Gewährung der reichs­ständischen Bitten, daß die LehnrechtSlasten mit unbe­stimmter Entschädigungsanssicht abgeschafft und die Mi­nisterliste gutgeheißen sei, erboten sich die ungarischen Stände, alS der Palatin Stephan meldete, der Kaiser- brauche 60,000 Mann, 100,000 uniformirte Soldaten zu stellen.

Der frühere Minister Fürst Wallerstein hat einen Antrag an die Kammer der Reichsräthe gebracht, der die Fürsorge für die minder bemittelten und besitzlosen Staatsbürger betrifft. Er sagt darin unter Andern: Die Masse der Besitzarmen und Besitzlosen ist geboren: sie muß leben." Die Münchner meinen, nachdem der Fürst von der eigentlichen Bürgerschaft zurückgewiesen worden, wende er sich nun an das Proletariat; wün­schen ihm indessen Glück der guten Sache wegen. Das Benehmen Wallersteins, der als Minister die beste Ge­legenheit hatte, für das Wohl der Besitzlosen zu wir­ken, und es nicht that, ist jedenfalls so befremdend, als wenn, wie dies'jetzt häufig vorkommt, in öffentlichen Versammlungen Leute mit Donnerstimme für die Rechte der arbeitenden Klasse auftreten und die Abhülfe des Nothstandes derselben berathen wollen, die Gleich­

stellung der arbeitenden Hand mit dem Kapital verlangen sie, die jeder Arbeit aus dem Weg gehen, wo sie sie finden.

Aus allen Theilen Posens laufen Erklärungen gan­zer Kreise und Gemeinden ein, die aufs entschiedendste den Entschluß aussprechen, sich niemals von Deutschland zu trennen.

Nach der Königsberger Ztg. stehen bei Kauen (Kowno) drei Armeekorps von 240,000 Mann, von denen 160,000 nach Warschau und der österreichischen Grenze, 80,000 nach der preußischen Grenze bestimmt seien.

Von den in Kastel und Mainz verhafteten Zerstörern der Taunuöeisenbahn sollen einige ausgesagt haben, sie seien bezahlt, alfo zu der Frevelthat förmlich gedungen w o r d e n.

200 italienische Freiwillige , geführt [von der Fürstin Belgiojoso, kamen zu Genua mit dem Dampfboot an, um an dem italienischen Befreiungs­kämpfe Theil zu nehmen. Auch von Genf sollen 800 Freiwillige zu gleichen Zweck abgegangen sein.

Das polnische Centralkomite in Posen hat einen Auf­ruf erlassen, wonach jedes Mitglied einer Familie, die einé besteuerte Ackerwirthschaft besitzt, von dieser [Steuer entbunden werde, sobald eS sich den polnischen Reihen anschließe ; ferner, daß die Frau und Kinder der Dienst- leute, welche in dem polnischen Heere dienen, alle seit­herigen Nutznießungen und auch den dritten Theil deS Dienstlohns ihrer Männer und Väter erhalten sollen. Die preußischen Blätter erblicken hierin eine offene Aus­ruhrerklärung gegen Preußen, das doch so glimpflich mit Polen verfahren.

Der König von Baiern hat 6 der vorzüglichsten Offi­ziere zur Unterstützung der Schleswig-Holsteiner ab­gesandt.

In Palermo ist das aus 2 Kammern bestehende sizilianische Parlament eröffnet. Admiral Rugierro Set- timo, daö Haupt der Revolution, ist zum Regenten von Sizilien ausgerufen.

Auch der Großherzog von Toskana zieht ein Armee­korps zusammen, ^mn-ffm Verein mit sardinischen Truppen zu handeln.

Wiesbaden, 10. April. Der Lefeverein. Wenn ein Verein die öffentliche Anerkennung verdient, so ist es gewiß ein solcher, der sich die politische Volks­bildung zur Aufgabe gestellt hat. Ein solcher Verein besteht bereits seit einem Jahre hier in Wiesbaden, und erfreut sich zahlreicher Abonnenten.

Man findet in dem Lesezimmer dieser Gesellschaft, die besten politischen Zeitschriften in größter Auswahl: ebenso ist für den Liebhaber humoristischer Blätter treff­lich gesorgt, da die beliebten fliegenden Blätter, die Düsseldorfer Monatshefte, die Grenzboten ic. aufliegen.

Allein, wie bei den großen politischen Veränderungen alles Andere in den Hintergrund treten mußte, so zeigt sich auch seit geraumer Zeit, daß die Theilnahme an dieser schönen Anstalt täglich abnimmt.

Schreiber dieses, ein Verehrer des Lesevereins, hat die Bemerkung gemacht, daß unter den wenigen Be­suchern, es stets dieselben Gesichter sind, die er täglich im Lesezimmer sieht, und kann es nur bedauern, daß die vielen Mitglieder, welche noch vor einigen Monaten das Lesezimmer so zahlreich besuchten, jetzt so sparsam erscheinen.

Es wäre sehr zu wünschen, daß die auf heute Abend in der Rose anberaumte Generalversammlung sich eines starken Zuspruches zu erfreuen hätte, da in derselben die Frage über das Sommerlokal, und über An- und Abschaffung der Zeitungen behandelt wird.

Mögen sich die Mitglieder recht zahlreich versammeln, damit die Existenz dieses für die jetzige Zeit so wich­tigen Vereines nicht gefährdet wird.

Ein Freund der politischen Bildung.

Verantwortlicher Redacteur: Lippe. Druck der I. A. Stet n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.