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Der Volksfreunh.

-è--. Sobald wir Deutschen eine Nation sind,

sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Dienstag, den I I. April 1848.

*t* Der naffauische Metternich.

Was Metternich in Oestreich war, das war der Mi­nister von Marschall bei uns. Er ist todt; ihm sei die Erde leicht, wenn es möglich ist. Er verstand, wie Metternich, sich zwischen den Fürsten und das Volk zu stellen, um jenen über dieses und dieses über jenen zu täuschen, beide dadurch äußerst unglücklich zu machen, sich selbst und seiner Familie aber aus dem Vermögen beider ein eigenes Vermögen und Renten zu verschaffen, welche alles Maß übersteigen und unerhört in der Ge­schichte dastehcn. (Die Revision des Prozesses gegen den Geheimen Rath Herber, welcher es im Jahr 183132 gewagt hat, über diesen Gegenstand sich ohne Rückhalt auszusprechen, wird einen interessanten und wich­tigen Beleg zu dem hier Gesagten liefern. Daß eineRcvision dieses Prozesses unter der neuen Verfassung verlangt und dürchgesetzt" wird, bezweifelt kein Vaterlandsfreund.)

Derselbe Mann , welcher als Lieutenant der Rcichs- armee in einem Mantelsacke seine ganze Habe in das Land gebracht haben soll, ist als einer der reichsten des Landes gestorben.

Auf dem Fundamente, welches er zwischen dem Für­sten und dem Volke zu legen verstanden hat, Habensei­ner würdig die Männer seiner Töchter, deren Schwäger und Schwiegersöhne bis zum Anfänge dieses Jahrs sort- die gebaut. Den sprechendsten Beleg hiefür haben uns noch zu Neujahr.stattgesundenen Dienstveränderungen gegeben.

Die Ertreme berühren sich! So mußte es denn auch bei uns kommen. Wenn das Maaß voll ist, dann lauft es über. Man hat wohl einen Zustand schon.öfter eine Zeit lang dauern gesehen, in welchem einzelne SAnde sich gedrückt gefühlt haben, aber einem Zustande, wie er bei uns cingetreten war, in welchem man in kei­nem Stande noch einen mit dem Ganzen es Wohl­meinenden zufrieden finden konnte, mußte jeder Den­kende eine kurze Dauer vorhersagen. Was das nassauische Volk unmittelbar gedrückt hat, das haben wir am 2. und 4. März gesehen. Was aber dasselbe mittelbar gedrückt hat, das ist in jenen großen Tagen und bis jetzt noch nicht so laut und deutlich ausgesprochen wor­den, wie jene Forderungen des nassauischen Volks. Es ist dieses der Mctternich'sche, durch den würdige Schü­ler von Marschall und dessen würdigen Nachkommenschaft und Vormundschaft auf einen ganzen Stand, welcher vorzugsweise dazu berufen und dafür bezahlt ist, das Wohl des Staates und des Volks zu fördern, geübte Druck; wir meinen den Stand der Staatsdiener und Militärs, welcher durch diesen Druck entmännlicht, dc- moralisirt und zu Herrendienern heruntergewürdigt wurde.

Zu dem Fürsten zu gelangen, ohne einem von dieser Familie in die Hände zu gerathen , war rein unmöglich. War derjenige, der das Herz seines Fürsten suchte

das edelste und größte, welches in der Brust eines Für­sten schlagen kann ein dem Civilstande Angehöriger im blauen oder im grünen Rocke, so mußte er dem Minister, war er eine Militärperson, so mußte er dessen anderem Schwager, dem General , war er im fernen Auslande, so mußte er dessen dritten Schwa­ger , dem Bundestagsgesandten von Wintzingcroda in die Hand gerathen. Er mochte also sein, was und wo er wollte, so wurden seine Aiigclegenhei tcn von einem der Familie bis auf die kleinste Einzeln- Heit untersucht, entweder auf dem Wege zum Fürsten hin oder auf dem Wege von diesem zurück; und dann wurde Familienrath und zwar, wenn rathsam und nöthig oder interessant befunden wurde, in pleno d. h. unter Zuziehung des mitunter dem männ­lichen weit überlegenen weiblichen Theiles gehalten und m owscm F a m i l i c n r a t h e beschlossen, was zu thun oder was nicht zu thun sei. Diese Beschlüsse sind zwar nicht aktenmäßig gemacht worden, deßwegen aber doch denjenigen nicht entgangen, welche die Ehre gehabt haben, die einzelnen Glieder dieses Familienrathes, so wie wir, näher kennen zu lernen und in ihrem Thun und Treiben zu durchschauen.

Was^ mußte die Folge hiervon sein ? der edelste, wohl­wollendste Fürst bekam nur zu sehen und zu hören, was die Famjlie für gut fand ihn sehen und hören zu las­sen, und doch ist es Dank der Vorsehung und der Gediegenheit der Gesinnungen des Fürsten und sei­nes Volkes diesem Thun und Treiben jener Familie durch ihr Jahre lang fortgesetztes und in einer unglaub­lichen Ausdehnung getriebenes Täuschungssystem nicht gelungen, Fürst und Volk sich einander auf immer zu entfremden , beide haben sich selbst, ohne den gro­ßen Familienrath, am 4. März in einer Weise wieder zusammengefunden, welche in den Herzen aller Wohldenkenden als ein ewig unvergeßliches Zeichen da­stehen wird, wie fest und enge Nassau's Fürsten mit ihrem Volke durch gleiche Gesinnung verbunden sind. Daß diese Gesinnung eine solche Probe bestanden hat, bürgt uns dafür, daß cs keiner ähnlichen Verbindung, keiner List und keiner Macht der Erde je möglich sein wird, dieselbe zu vernichten. Gewankt hatte diese Ge­sinnung leider am 4 März bei nicht Wenigen.

Es wird uns, da wir tief hineingeschaut haben, ewig vor dem Abgrunde des unabsehbaren Unglücks schaudern, an dessen Rand wir am 4. März den Fürsten und sein Volk geführt gesehen haben. Wären beide in den Ab­grund gestürzt, womit hätten diejenigen, welche das Unglück bereitet, sich vor Gott und der Welt haben entschuldigen können? Nicht diejenigen, welche gegen das absolut monarchische Regierungssystem laut eisern, sind es, welche dasselbe in Gefahr bringen, nein dicje-