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Schweiz.

Zürich, 2. April. Heute war hier eine Versamm­lung von etwa 500 deutschen Aerzten, Lehrern, Kauf­leuten, meistens aber Handwerkern, welche eine Adresse an die Nationalversammlung in Frankfurt beschlossen, deS Inhalts, daß der Volksbundestag die außerhalb Deutschland lebenden Bürger nicht vergessen möge, daß das nunmehr vereinigte Deutschland einen Gesandten für die Schweiz ernenne, der den deutschen Ausbürgern und Reisenden mit Rath und That an die Hand gehe, daß endlich der Bundestag die heimathlichen Verhält­nisse der AuSbürger in Erwägung ziehen und wahren solle. Nach Absingung einiger Vaterlandslieder und Erwählung mehrerer Beauftragten zur Ausarbeitung einer Adresse ging man wieder auseinander. Auch nicht eine Stimme erwähnte der hirnlosen Bieler und Pariser Giessereien wegen einer deutschen Republik; _ im Gegen­theil war man einig, nicht gegen, sondern für das Wohl deS Vaterlandes zu rathen und zu handeln, soweit eS deutschen Bürgern im Auslande zuständig und möglich ist. (E. 3 )

Verschiedenes.

In seiner Thronrede vom 2. April erklärte der Herzog von Braunschweig, daß er den deutschen Brüdern in Holstein militärische Hülfe gewähren werde und von der Vaterlandsliebe der Stände die Bewilligung der hierzu erforderlichen Mittel erwarte.

Die Israeliten in Mailand sind durch die proviso­rische Regierung in den vollen Besitz aller bürgerlichen und politischen Rechte eingesetzt. Die freiwilli­gen Ga b en zu den Kriegskosten der Lombardei belaufen sich auf 1,038,549 Franken und wachsen noch fortwährend.

Eine Versammlung der reichsten Bankiers hat der öster­reichischen Regierung dringend einen friedlichen Vergleich mit den Lombarden angerathen. Desgleichen die in Wien versammelten Fabrikanten von Oesterreich und Böhmen, welche die Lombardei als Markt zu verlieren fürchten. In Wien soll in der Staatsconferenz am 2. April der Beschluß gefaßt" worden sein, den General Radetzky zwar gegen die Piemontesen oder Sardinier marschiren zu lassen, doch auf die Wiederbesetzung Mai­lands zu verzichten.

In Folge der Zerstörung eines Theils der Taunus­eisenbahn, sowie der Verwüstung des Hauses des Bau­unternehmers Lothary in Mainz, sind jetzt die kräftig­sten Maaßregeln gegen die Wiederkehr solchen Unfugs getroffen. Die Truppen der Bundesgarnison im Verein mit der Bürgergarde sorgen für die öffentliche Sicher­heit und den Schutz deS Eigenthums. Gegen alle Zu­sammenrottungen auf offener Straße wird sogleich cin- geschritten. Die Festung ist in Belagerungszustand erklärt.

Die Münchner Petitionslust hat sich jetzt auf prak­tische Gegenstände geworfen. Es wurde nämlich eine Adresse an einen Brauer erlassen, daß er sein Fabrikat wohlfeiler geben solle; und siehe auch in dieser wichti­gen LandeSangclegenbeit siegte der Volkswille, denn von da an verlangte der Wirth nur 9 fr. statt 11 fr. für die Maaß. Dieses Fallen deS Preises äußerte durch größere Durftbesriedigung auch bald seine Wirkung da­hin, daß allgemeine Verbrüderung und bestmöglich» Ab­singung deutscher Lieder erfolgte.

Auch im Elsaß sind in neuerer Zeit Plündcrnngs- und Zerstörungsauslritte vorgefallen, die wie überall von dem gemeinsten Gesindel auSgingen. Friedensrichter und Notäre wurden so wenig geschont, wie ganze Judenfamilien.

In der bairischen Ständekammer erklärte der Finanz­minister, daß die vorhandenen Hülfsquellen nicht mehr auSreichten. Er werde daher einen Gesetzentwurf zur Einführung einer Einkommensteuer einbringen. Durch dieselbe wird die Last deS Armen erleichtert und

die Kraft deS Reichen mehr in Anspruch genommen.

Der Fürst Statthalter in Warschau soll am 1. April die verbürgte Aeußerung gethan haben: binnen heut und 10 Tagen wird Europa das Schauspiel erleben, daß 300,000 Russen in und um Warschau vereinigt sein werden.

Der Kaiser von Oesterreich hat jetzt dem Gesetzent­wurf über ein ungarisches unabhängiges Ministe­rium seine Genehmigung ertheilt und damit der großen Aufregung in Ungarn ein Ende gemacht. In Preßburg fand ein großartiger Zug nach der Wohnung deS Erz­herzogs Stephan statt, um demselben den Dank der Nation für seine Verwendung in dieser Sache auszusprechen.

Der am 3. April geschlossene Turntag in Hanau hat Beschlüsse veröffentlicht, nach welchen der deutsche Tur- n e r b u n d den Zweck hat:Für die Einheit deS deut­schen Volks thätig zu sein, den Brudersinn und die kör­perliche und geistige Kraft des Volkes zu heben." Die für dieses Jahr in dem Vorort Hanau errichtete Tagsatzungbefiehlt den Bundesgliedern, sich, soweit cs ihnen möglich ist, zu bewaffnen."

Durch eine Bekanntmachung des koinmandirenden preußischen Generals v. Colomb ist die Festung Posen seit dem 4. April in Belagerungszustand erklärt.

In welcher Weise sich der Volkswitz über die jetzigen politischen Ereignisse und Zustände ausläßt, mögen die LeserndeSVolksfreunds" an folgendem Pröbchen ersehen:

Großes Volksconcert. (Aufgeführt im Jahre des Heils 1848.)

Programm: 1.Der Weltfriede," komisches Pot­pourri, componirt von LouiS Philipp und Metternich. (Plötzlich eingetretener Hindernisse wegen kann diese Piece nicht aufgeführt werden.) 2. Ein freies Le­ben führen wir" rc., Festlied, gesungen von der fran­zösischen Nation. 3.Leb wohl, du theures Land" tc., Abschiedslied, vorgetragen von LouiS Philipp. 4.Sie sollen ihn nicht haben," großer Chor, gesungen vom deutschen Volke. 5 DaS Volk steht auf, der Sturm bricht los!" Schreckenschor, gesungen von den deutschen Bundesgliedern. 6.Immer langsam voran" rc. be­liebtes österreichisches Nationallied, gesungen von den treuen Unterthanen. 7. Große Deklamation auS dem Stegreife," vorgetragen von dem größten preußi­schen Sprecher. 8. Sohn, hier hast du meinen Speer, für mich ist er zu schwer," gesungen von einem alten bairischen Sänger. 9. Variationen über^ daS Thema:Sein oder Nicht sein," vorgetragen von drei Großmachern. 10. Wo ist deS Deutschen Safer# land," Fragment, vorgetragen von Michel. 11.Kennst du das Land, wo Couzessionen blühen?" Italienisches Lied. 12.Vergiß mein nicht," Duett, gesungen von Schleswig-Holstein und Polen. 13.In unsern fin­stern Hallen, kennt man die Freiheit nicht," eine russische Bravour-Arie. 14.Die Gastfreundschaft," englischer Scherz, gesprochen bei der Ankunft LouiS Philipps von Miß Victoria.

Alle Freien haben Eintritt ohne Ausnahme des Stan­des und der Religion. Diese Vorträge werden sich sicher allerwärts der größten Theilnahme erfreuen.

- Erklärung. Von allen Seiten werden gegen­wärtig verläumderische Anschuldigungen wegen der Un- 'terschrift derwichtigsten Fragen der Gegenwart" gegen mich vorgebracht. Ich erkläre ein - für allemal, offen und ehrlich, keinem zu Lieb und keinem zu Leid, daß ich es tief unter meiner Würde halte, mich auf Entschul­digungen einzulassen im Gegentheil das Recht der freien Meinungsäußerung so unbeschränkt für mich in Anspruch nehme, wie ich dasselbe jedem Andersdenken­den zugestehe.

Wiesbaden, 8. April 1848. Vr. Gräfe.

Verantwortlicher Redacteur : Lippe. Druck der I. A. S t e i n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.