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Der Velksfreunb.
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.
S e u m e.
Wiesbaden. Samstag, den 8. April 1848.
toter Jahn und Deutschlands Gegenwart.
Mein erster Nam' und dar ist Iahn, Der UN« Volkèthum schrieben, Von dem, da er fraß Feuerèjahn, Die Überschriften uns blieben. Drauf hat er noch mit gutem Stift, Geschrieben eine Runenschrift, Der nordische Runcnmcistcr.
Rückert.
Der Sturz der scheußlichen, auf Infamie, Lug, Trug nd Verfolgung gegründeten Adelstyrannei ist auch dem Jäter der deutschen Turnkunst, dem Verfasser des deutschen 8olkèthumS und der Runenblätter, unserm ehrwürdigen J a h n zu Stätten gekommen, denn auch dieser um das Vaterland in vieler Hinsicht hochverdiente Mann ist on der gestürzten Schurkenparthei auf das empörendste aißhandelt worden. — Die Lebensgeschichte Jahn's ist ie Leidensgeschichte Deutschlands, denn Jahn, der so drrMö gegen Frankreich geleistet,, hatte, nachdem der feind gebändigt war, keinen andern Lohn als Gefangen- chaft, Schinderei und Mißhandlung zu erdulden. Er mußte es erleben, daß man die Turnanstalten, jene Pflanzschulen der Gesundheit und Kraft zerstörte, daß aan die Turner selbst verfolgte, daß man sein reines Streben verdächtigte. Aber der Schurkenparthei ist ihre chändliche Absicht nicht gelungen, daS Gute hat trotz 'ller Verfolgung gesiegt, jede deutsche Stadt hat ihre Turnanstalt und die Zahl der deutschen Turner mag ftch wohl auf 200,000 belaufen. Von den Großen in oen Kerker geworfen, hat er beim Volke, dem sein Herz mmer warm geschlagen, seinen Lohn gesunden. DaS ältliche HauS zu Freiburg an der Unstrut im bönen Lande Thüringen, das Vater Jahn nach seinem Geschmack erbauen ließ und daS mit goldenen Buchstaben die Inschrift führt:
„Frisch, fromm, fröhlich, frei" st ein Geschenk der deutschen Turngemeinden.
Als Jahn im vorigen Jahre seinen 70. Geburtstag feierte, kamen ihm von allen Seiten, kostbare Geschenke und heiße Segenswünsche zugeflogen, und jetzt ist seine Reise durch Deutschland ein Triumphzug, wie ihn nie ein König oder Fürst gehalten hat. Von den großen Tagen zu Frankfurt und Hanan kam Jahn gestern zu uns nach Wiesbaden, um inmitten seiner lieben Turner einen frohen Tag zu verleben, er wurde mit dem Lorbeerkranz geschmückt und Hunderte lauschten seinen erfahrungsreichen Worten. Jahn will keine Republik, er will keine Hauptstadt, er will die deutschen Volksstämme gelten lassen, aber er will ein Gesetz für ganz Deutschland, er will einen Reichstag, dessen Beschlüsse bindend sein sollen für alle Länder deutscher Zunge, er will die Einheit Deutschlands ganz in der Weise, wie er sie vor 10 Jahren in seinem Volksthum gewollt hat. — Die Rechtschaffenheit ist das Schild des Vaters Jahn, und die Erfahrung, die Kenntniß der deutschen Geschichte,
der gesunde Menschenverstand sind seine Waffen. Dieses blanke Schild hat er getragen, diese scharfen Waffen hat er rüstig geschwungen sein Leben lang und wie ein alter Spartaner wird er sterben auf diesem Schild und mit den heiligen Waffen in der Hand. — Jahn's Bildniß ist sehr verbreitet in ganz Deutschland, aber man muß ihn gesehen haben mit seinem schneeweißen Barte und den weißen Silberlocken, um die schönen Worte der heiligen Schrift: „Graue Haare sind eine Krone der Ehre, wenn sic aus dem Wege der Gerechtigkeit gesunden werden" ganz zu verstehen. — Wahrlich Jahn ist ganz er selbst und hat in dieser glatten, übertünchten Zeit des Lugs und Betrugs wenige seines Gleichen. Er erinnert in seiner äußern Erscheinung an die Zeiten der alten Patriarchen, der Senatoren Griechenlands und Roms, und vielleicht am meisten an M o s e s selbst, da er vom Sinai hcrab- stieg, um seinem Volke die zehn Gebote zu überbringen.
Sidney.
Bürgerliche Gehülfen der regierenden Adels- Familie in Nassau. (Schluß.)
Um sich nun mit geeigneten Anhängern und Gehülfen zu umgeben, zog Magdeburg den Hofgerichtsaffeffor Vollpracht an die Regierung, beförderte denselben zum Regierungsrathe, und übertrug ihm die Geschäfte als Commissär bei den Landständen, bei welchen dann der Streit über die Domänen mit den geeigneten Mitteln so lange fortgesetzt ward, bis die Domänen als Familiengut in der Art anerkannt wurden, daß statt der jährlichen 140,000 fl. das Land ein Kapital von einigen Millionen aufnahm, der Domänenkasse überwies und sich damit abfand. Die Verhandlungen über diesen Gegenstand sind in den gedruckten Landtagsprotokollen enthalten. Für diese Dienste erhielt Magdeburg eine Leibrente von 1000 fl. und Vollpracht ein Geschenk von angeblich 4000 fl. Doch dauerte das Glück dieser beiden Bürgerlichen, der Gegenstand des Neides des Adels, nicht lange.
Magdeburg, der sich in die Angelegenhei der Eisenbahn von Wiesbaden nach Frankfurt eingemischt, und den Vorwurf auf sich gezogen hatte, bei Vergebung der Aktien sowohl sich selbst als den Herzog auf eine sehr vortheilhafte Weise betheiligt und den letzteren dadurch kompromittirt zu haben, fiel zur Freude und wohl nicht ohne Mitwirkung des Adels in Ungnade, behielt jedoch seine Stelle als Regierungsdirektor, und war auch mit der Direktion des Zollwesens beauftragt.
Als daher nach dem Tode des Herzogs später der Minister Gras v. Walderdorf, seinen Abschied genommen hatte, war von Magdeburg als dessen Nachfolger keine Rede mehr; vielmehr wurde anfangs ein proviso-