ben auch daS von Gott Uns anvertraute Rußland. Doch, eS wird fern von ihm bleiben!. Wir sind bereit, unter Anrufung des Herrn und dem erhabenen Beispiel Unserer Vorfahren folgend, unseren Feinden zu begegnen, wo sie uns auch entgegentreten mögen, und ohne Rücksicht auf unS selbst, vereint mit unserem heiligen Vaterlande, die Ehre deS russischen Namens und die Unverletzbarkeit Unserer Grenzen zu vertheidigen. Wir sind überzeugt, daß jeder Russe, jeder Unserer treuen Unterthanen, mit Freuden der Stimme seines Kaisers folgen, und daß Unser alter Kriegsruf: „Für Glaube Czaar und Vaterland!" auch jetzt uns auf diesem Wege zum Siege führen wird, dann rufen wir im Gefühle der Dankbarkeit, wie jetzt im Gefühle des Vertrauens auf Gott einstimmig: „Gott mit Uns! Höret ihrs Alle, die ihr in fremden Landen seid, nnd füget euch, denn Gott ist mit uns!" Gegeben zu St. Petersburg, am ''Ix-. März 1848 im 23. Jahre Unserer Regierung. Nikolai. ____
** Wiesbaden, 6. April. In Folge der bekannten Vorgänge in Frankfurt hat sich auch hier die seitherige Fortschrittspartei nun förmlich in zwei Lager geschaart: in das konstitutionell-monarchische und das republikanische. Der Hauptversammlungs- ort der republikanischen Gesellschaft ist das Nerothal, und von hieraus hat das Komite derselben unterm 4. April eine gedruckte Beantwortung „ der wichtigsten Fragen der Gegenwart" zur Belehrung seiner Anhänger, oder derer die es noch werden wollen, verbreitet. Sehr auffallend ist eS aber, daß zwei Mitglieder des Komitcs, deren Unterschrift dieser sogenannten Belehrung beigefügt ist, ihre Mit-Vaterschaft an dem republikanischen Kindlein förmlich verläugnen und durch öffentlichen Anschlag erklären: „daß sie weder der Berathung dieser Proklamation beigewohnt, noch dieselbe unterschrieben haben." — Auffallender und bezeichnender aber als dieses Dastehen von Namen, deren Träger nicht unterschrieben haben, ist das Nichtvorhandensein der Unterschrift derjenigen, die vielleicht mehr als die 7 unterzeichneten Mitglieder zusammengenommen an dem Erlaß dieser Schrift mitgewirkt haben.
Mit Ausnahme einiger Ausfälle gegen die Fürsten, welche natürlich nicht fehlen durften,, wenn der Erlaß Wirksamkeit bei denen haben sollte, die aus der seinsollen- den Belehrung noch nicht herausfinden konnten, worin eigentlich das Wesen einer Republik bestehe; — mit Ausnahme der ziemlich voreiligen und theilweise höchst falschen Berechnungen von Ersparnissen im Staatshaushalt einer Republik; — mit Ausnahme der Verdächtigung des „Eigennutzes oder der Unwissenheit" gegen diejenigen, welche die Freiheit in Anspruch nehmen, eine andere Meinung als das Komite der republikanischen Gesellschaft zu haben; — mit Ausnahme endlich der ausgestellten Behauptung, daß nur eine Republik die aufgezählten wirklichen Vortheile gewähren könne, und nicht auch eine andere Staatsform, können wir uns ziemlich mit dem R e st des Erlasses, der nichts anders als ein Auszug der Struve'schen Forderungen ist, einverstanden erklären.
Wir selbst sind durchaus für republikanische oder volksherrschaftliche Einrichtungen soweit diese nur zu erreichen und auszuführen möglich sind. Wir sind aber ganz entschieden gegen die Erklärung der Republik in dem gegenwärtigen Augenblick, da diese Erklärung nur der Anfang neuer Zwietracht für Deutschland sein und alle Einheitsbestrebungen vielleicht für immer in dem Kampf um eine reine Formsache untergehen würden.
— Der nassauische Wahlgesetzentwurf, wie derselbe aus der Berathung der zweiten Kammer hervorging, ist genehmigt.
— Das 7., 8., 9. und 10. Armeekorps soll marschfertig gemacht werden. Die nassauischen Truppen werden, wie man hört, nach Landau abgehen.
— Die Haupträdelsführer bei der Zerstörung der Eisenbahn zwischen Kastel und Kostheim, 15 an der Zahl, sollen bereits eingezogen sein, und die Eisenbahn morgen wieder fahrbar werden.
Verschiedenes. Erzherzog Albrecht in Wien hat seine Entlastung eingereicht. — Erzherzog Ludwig weicht der öffentlichen Stimme, und verläßt die Hauptstadt. Er ist verdächtig, eine Wiederherstellung der alten Ordnung, nötigenfalls? durch die Russen, angestrebt zu haben. — In Wien bildet sich ein Freikorps, das nach Italien gehen will. Am ersten Tage meldeten sich 3000 Mann. — 300 Polen sollen bei dem Versuch über die russische Grenze zu gehen, von dem General Read gefangen genommen worden sein. — Der König von Preußen läßt sich durch seine Minister entschuldigen, weil er etwas voreilig nach der deutschen Krone gereicht. Er habe durchaus nicht der freien Entschließung von Deutschlands Fürsten und Völkern vorgreifen wollen.— Die beiden preußischen Regimenter Kaiser Franz und Alexander haben Befehl erhalten nach Schleswig zu niarschiren. - Dänische Kriegsschiffe kreuzen vor Pillau, haben den Seehafen abgesperrt und die Festung ist in Llokadezustand versetzt. — In Frankfurt ist das 15. baierische Infanterieregiment , sowie der Staab und 1 Bataillon des 12. Regiments nach Rheinbaiern durch- passirt. — Die Ausfuhr baaren Geldes auS Oesterreich ist verboten. Das Anlehen von 1847 ist aufgelöst, d. h. die Bankiers haben die weitern Einzahlungen aufgefagt. — Eine Deputation von Mailand ist in Wien angekommen. — Es soll in Berlin eine Erklärung Englands eingegangen sein, wonach das Ueberftreiten der Eider durch deutsche Truppen als Kriegserklärung angesehen werden würde. — Der österreichische Gesandte am sardinischen Hofe hat Turin verlassen; dem sardinischen Gesunden in Wien hat man seine Pässe gegeben. — Die Nationalbank in Wien hat dem Handels- und Jn- dustriestande eine Million Gulden auf Waaren und Fabrikate vorgeschossen. — Zum Präsidenten der Vertrauens- männer bei dem Bundestag ist Gagern aus Nassau, zum Stellvertreter Bassermann erwählt worden.
Lied her
Mel.: W
Laßt Lieder erklingen Boll fröhlicher Lust; Die Freiheit zu besingen Auè voller, starker Brust.
Sie hat sich erhoben Aus Wunden und Tod, Vom Himmelsglanz umwoben Und goldnem Morgenroth.
D'rum Jubel durchdringe Das glückliche Land;
Um alles Volk sich schlinge Der Eintracht festes Band.
So lasset uns streben Im regen Verein, Der Freiheit stets zu leben, Stets ihrer werth zu sein.
Wenn streirer Soll scheidend d
Wehrmänner.
: halten gebauet rc.
Nicht rohe Gewalten Statt Spruch und Gericht; Die Ordnung zu erhalten Ist heil'ge Bürgerpflicht.
So lasset uns schaffen • Mit Herz und mit Hand, Mit Worten und mit Waffen, Für'è theure Vaterland.
Wann blutiges Mahnen Uns rufet ins Feld, Sei bei den stolzen Fahnen Ein jeder Mann ein Held.
Und müssen wir werben Mit Wunden und Blut, Wer zaudert noch, zu sterben Für's hohe Freiheitsgut? wir fallen, h noch
Aus unsrer Brust erschallen Dem Vaterland ein Hoch! Wiesbaden. G. Freudenberg.
Cours her Gelds orten.
Frankfurt, 3. April 1848.
fl.
kr.
Neue Louièd'or .
11
5
Friedrichsd'or
9
54
Ducaten ....
5
37
20 Frank-Stücke .
9
40
Holländische 10 fl. Stücke
10
4
Englische Souverains .
12
—
Laubthalec ....
2
43-k
Preußische Thaler.
1
45
Verantwortlicher Redacteur : Lippe. — Druck der J. A. Ster n'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.