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Abends 9 Uhr. Während ich diese Zeilen schreibe, ist der nächtliche Himmel geröthet: herrschaftliche Dominien stehen in Flammen. Am 28. März hatten wir Abends dasselbe Schauspiel; am Tage erschrecken uns die flüch­tenden Gutsbesitzer und resp. Estaffetten, die von den Dominien hierher eilen, Hülfe zu erlangen. Die Bauern sind im vollen Aufstande; überall bedrohen sie daS Ei­genthum der Gutsherrn und bezeichnen ihren Weg durch Plünderung und Verwüstung. Wenn die Bedrohten Pisher nicht durch die Flucht ihr Leben gesichert hätten, so würden wir schon die blutigsten Ereignisse erlebt ha­ben. In den Tagen vom 28. März bis jetzt sind sieben Edelhöfe geplündert und drei in Asche gelegt. (BreSl. Z.)

Polen.

Von der polnischen Grenze, 1. April. Be­richte auS Warschau von ganz neuem Datum melden, daß man dort und in ganz Polen einer politischen Be­wegung und Erhebung binnen ganz kurzem entgegen sehen könne. Auf den Straßen Warschaus seien schon häufig starke Gruppen von Männern, besonders von al­ten gedienten polnischen Offizieren, sichtbar, die sich leb­haft über politische Dinge unterhielten, besonders in und an den Eisenbahnhöfen. Alle politischen und an- dere Gefangene, welche in den zwischen Warschau und E deutschen Gränze gelegenen Städten und Orten, fest­saßen, sind an befestigte Orte, die hinter Warschau lie­gen, tranSportirt worden, auS Besorgniß, daß sie plötz­lich befreit werden könnten. Aus Petersburg selbst erfährt man, daß der Kaiser fest entschlossen sei, die den Polen und dem russischen Reiche drohende Gefahr durch Aufstellung eines starken Armeecorps an die Gränzen Fes Reichs zu imponiren. Von erhofften, den Polen zu gewährenden Concessionen, hört man durchaus nichts.

(F. 3)

Ungarn.

Preßburg, 30. März In der Ständetafel wurde der Antrag gestellt, den Fürsten Metternich, welcher 1826 das ungarische Heimathsrecht erhalten, als einen Verräther, auS den Listen der ungarischen Staatsbür- Hr"zu streichen. Der Antrag sollte bereits als Beschluß ausgesprochen werden, alS es dem Pesther ComitatS- Deputirten v. Szentkiralyi gelang, die ganze Sache zu beseitigen. Er fah in dem Sturz Metternich's den Fall deS Absolutismus überhaupt und fand es unangemessen, in so großen Momenten sich an Personen rächen zu wollen. Die Tafel stimmte ihm bei.

Italien.

Rom, 25. März. Der Papst hat es zulasseu müs- ftn, daß das Volk unabhängig vom Gouvernement den Oesterreichern in der Lombardei den Krieg erklärt hat. Freiwillige sind zwar noch nicht abmarschirt, aber die Zurüstungen werden mit Eifer betrieben. Heute sind an mehreren öffentlichen Plätzen Zahltische ausgeschla­gen, an welchen die freiwillig dargebotenen Kriegsbei­träge von Bürgergardisten entgegengenommen werden. Gestern Nachmittag versammelten sich die Freiwilligen sowohl der Bürgergarde als der Plebs znm erstenmal auf dem Petersplatz zu einer Art von Appell. Da es den Meisten der letzteren an dem Nöthigsten fehlt, so hat man heute mit der Austheilung von Schuhen, Wäsche und Kleidern begonnen. Es scheint, als ob nur Wenige von der übernommenen Sendung einen richtigen Begriff hätten. Man hört Aeußerungen, die Verwunderung erregen. Glauben doch Viele, sie könn­ten in 5 Tagen in Mailand sein!

Mailand, 29. März. Das osfizielle Mailänder Blatt gibt Auskunft über die mit dem König von Sardinien, betreffend die Unterstützung der Lom­bardei, gepflogenen Unterhandlungen. Aus diesen geht hervor, daß der Lombardei klar und unzweideutig das Recht vorbehalten wurde, ihre künftigen Geschicke selbst zu bestimmen. Die provisorische Regierung veröffent­licht sodann den Vertrag mit Sardinien. Der König heißt da der treue und redliche Verbündete der provi­sorischen Regierung. Den Sold für die piemontesischen

Truppen zahlt der König und die provisorische Regie­rung liefert die Lebensmittel. Die provisorische Re­gierung hat ein Sendschreiben an Pius IX. erlassen, in dem sie ihn bittet, seinen Segen über die italienischen Waffen zu sprechen. Das Lottospiel ist abgeschafft. Etwa 4000 italienische Soldaten, die im Dienste Oesterreichs standen, haben sich zu Cremona für die Sache Italiens erklärt. Radetzky soll bei Crema noch 89000 Mann beisammen haben. '

Schweiz.

Bern, 3. April. Wegen der deutschen Republikaner in der Schweiz kann die bürgerkönigliche Parthei in Deutschland ohne Sorgen sein. Sie haben sich aller­dings organisirt und üben sich in den Waffen; aber von einem Zug ä la Herwegh ist nicht die Rede. Der Regierung in Bern haben die in diesem Kanton sich aufhallenden Deutschen ein förmliches Versprechen in diesem Sinne abgelegt, woraufhin ihren Waffenübun­gen kein Hinderniß in den Weg gelegt wird.

Frankreich.

Paris, 2. April. Die provisorische Regierung hat verfügt: jeder Franzose, der im Kampfe für die Freiheit der Februartage dieses Jahres gestorben sei, oder Wun­den erhalten habe, die ihn unfähig machen, im Heere zu dienen, gebe seinem Bruder oder demjenigen seiner Brüder, der zunächst zur Rekrutirung berufen wäre, An­sprüche auf Befreiung vom Dienst.

Die constituirende Versammlung von 1848 wird am 4. Mai eröffnet. Am 5. Mai 1789 hatte die Er­öffnung der Generalstaaten, der ersten conftitnirenoen Versammlung Frankreichs statt.

Die Zahl der Fremden, welche in Frankreich ein­gebürgert zu werden verlangen, ist gegenwärtig so groß, daß man sich genöthigt gesehen hat, im Justizministerium ein besonderes Büreau zu errichten, welches sich aus­schließlich mit der Prüfung dieser Gesuche zu beschäftig gen hat.

Paris, 2. April. Der Moniteur behandelt heute die Bewegung der deutschen Flüchtlinge etwas wegwer­fend und versichert, man werde den Deutschen so wenig Waffen geben, als den Belgiern, Italienern und Polen. Frankreich wolle weder die wirkliche Eroberung noch die bewaffnete Propaganda, der Einfluß seiner Ideen habe mehr Macht als die Gewalt der Bajonette. Auch der National äußert sich in ähnlichem Sinne; er meint, in einem Augenblick, wo Deutschland Polen befreien wolle, solle man nationalen Zerwürfnissen auch nicht den ge­ringsten Vorwand leiben. Wir werden, fügt der Na­tional hinzu, nickt uns in Polen einmischen auf dem Wege durch Deutschland und wider den Willen Deutsch­lands, aber wir hoffen, daß Deutschland unsre Mitwir­kung suchen wird. Verschiedene Berichte wiederholen die Nachricht von verdächtigen Bewegungen französischer Trup­pen an den savoyischen Grenzen. Der General Chaban- neS, Adjutant des Erkönigs Louis Philipp, macht heute in den DebatS bekannt, daß Louis Philipp nicht im Sinne habe, eine Besitzung in England zu kaufen, daß er keine Kapitalien in fremden Ländern angelegt, son­dern sein ganzes Vermögen in Frankreich gehabt habe, und daß er in Claremont unter dem gastfreundlichen Dache des Königs der Belgier in der größten Beschrän­kung lebe.

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Petersburg, 26 März. Hier ist so eben folgen­des Manifest des Kaisers erschienen: Nach einem langen und segensreichen Frieden ist der Westen Eu­ropas plötzlich von Unruhen bewegt, welche der gesetz­lichen Gewalt und der gesellschaftlichen Ordnung den Untergang drohen. In Frankreich entstanden, hat sich der Aufruhr und die Anarchie schnell dem nachbarlichen Deutschland mitgetheilt, und die zerstörende Fluth hat, im Verhältniß der Nachgiebigkeit der Regierungen wachsend, die mit uns verbündeten Staaten, Ocstcreich und Preußen, ergriffen. Jetzt, mit Mißachtung aller Schranken, bedroht dies blinde und unverständige Trei-