kränkt und verletzt fühlte, operirte gegen ihn und er erhielt seinen Abschied. Da raffte er sich noch einmal auf und ließ sich als Landstand wählen, um die Trennung der Domänen als Hauptgut von dem Vermögen des Landes zu bestreiten, sank aber schon vor Eröffnung deS Landtages wieder zusammen und übernahm die Leitung der Regierung in Homburg, wo er selbst noch den Adel annahm und starb..
Nachdem Jbell somit den Haß deö Landes aus sich geladen, äußerte sich nachmals der Minister v. Marschall verächtlich dahin, daß er nicht begreife, was man eigentlich mit dem Jbell gewollt; dieser sei nur sein Sekietär gewesen und habe blos die Ideen, die er demselben angegeben, auSgeführt.
Der Streit über die Domänen entbrannte dadurch um so heftiger, als von Seiten deS Ministers nicht nur diese als Familiengut in Anspruch genommen, sondern vom Lande noch jährlich 140,000 fl. für Aufhebung der Leibeigenschaft gefordert wurden, ohngeachtet die Leibeigenschaft in der Constitution als bereits getilgt genannt worden war.
Als nun alle verfügbaren Kräfte zur Beendigung dieses jährlich auf dem Landtage wiederkehrenden Streites verbraucht worden waren, die erste aus lauter Adel zusammengesetzte Kammer aber sich natürlich im Interesse deS Hauses erklärt hatte, erstand zur Bewältigung der widerspenstigen zweiten Kammer ein neuer Kämpfer in der Person des zum Ministerialrath ernannten Doma- nenaffefsorS Magdeburg. Es wurden alle Mittel angewendet, die Wahlen der Landstände zu leiten, die erwählten Landstände aber zu überreden und einzuschüchtern. Es wurde das Hofgericht mit seinen Prokuratoren, die man für Rathgeber der Landstände hielt, an einen andern Ort verlegt; Schultheißen, die als Landstände sich nicht gefügt, wurden ihres Dienstes entlassen und die übrigen so behandelt, daß alle, bis auf fünf getreue Anhänger, worunter aber vier Staatsdiener, den Landtag verließen, mit diesen fünf aber der Landtag fortgesetzt. Es ward ein Offizier, der als Wahler sich ungeeignet benommen haben sollte, seines Dienstes entlassen; es fanden Untersuchungen statt, namentlich gegen den gewesenen Präsident der zweiten Kammer wegen eines Aufsatzes desselben, welcher in der Hanauer Zeitung erschienen war, diesen Domänenstreit betreffend, weshalb derselbe wegen Beleidigung deS Herzogs und des Ministers zu einer mehrjährigen Correktionsstrafe verurtheilt wurde, deren Vollzug er nur durch den Tod entging.
Obgleich nach dem Tode deö Ministers v. Marschall der Gras v Walderdorf, ein Mann übrigens, der bis dahin in keinem Staatsdienste gestanden und daher keine GcschäftSkenntniß hatte, zum Minister ernannt worden war, so blieb doch der zum Regierungsdirektor beförderte Magdeburg der Rathgeber des damaligen Herzogs und der Leiter aller Geschäfte, so daß er der eigentliche Minister war, und er sich selbst, wie das Publikum, als den künftigen wirklichen Minister zu sehen glaubte, weshalb denn der Adel ihn zu sich hinüber zu ziehen suchte. (Schluß folgt.)
D c u t sch l a n d.
Darmstadt. Der Gememderath zu Darmstadt hat beschlossen, daß die Grabstätte des großen Mär- I y r e r s Dr. Weidig der Familie desselben als Eigenthum übergeben werden solle.
Von der Eider, 31. März. Wir hören hier in > diesem Augenblick (2 Stunden von Kiel) aus der Gegend von Schleswig oder Eckernförde starkes Kleinge- wehrfeucr mit Kanonenschüssen untermischt. Gestern traf hier die Nachricht ein (welche jedoch noch der Bestätigung bedarf), daß das Kriegsdampfschifs Hekla, welches in Flensburg die Filialbank abholen wollte, dort von dem Kieler Studentenkorps und einem Jägerbataillon erobert worden ist. (Brem. Z.)
Wien. ES werden hier noch außerordentliche Rüstungen gemacht, um die Bewegungen in Italien zu be-
wâltigen. Wahrscheinlich vergeblich. Die bereits i Bewegung gesetzten Truppen marschiren auf Mailan zu, und könnte bald ein blutiges Zusammentreffen mi der sardinischen Armee stattfiiiden.
Berlin. Ein russischer Kurier hat so eben ein Ma nifest auS Petersburg vom 26. März überbracht, welches eine Neutralitätserklärung in Folge der Berliner Vorgänge enthält (Voss. Z.)
Aus Westphalen. In dem großen Dorfe Spenge bei Herford hatte man schon seit längerer Zeit gedroht, eine Demonstration gegen die Angesehenern des Dorfe- loszulassen Dies geschah gegen Ende voriger Woche durch Zertrümmerung der Häuser und besonders der ganzen Möbeln der Reichern. Die beiden adeligen Gü ter und sechs bis sieben Kaufleute, die Bürger un Colonen wurden furchtbar mitgenommen. Kein Stück in ihren Häusern blieb ganz. Alle Fenster wurden zerschlagen, die Dächer abgedeckt; der Wittwe des vorigen Pastors wurde mit über ihrem Haupte geschwungenem Knittel Geld abgepreßt; eine andere Frau von 76 Jah ren wurde aus dem Bette geholt, geschlagen, beraubt und ihr Haus demolirt. Nur der Prediger, Cantor, Küster und Doktor wurden verschont. Der Häufen mochte 300 Mann stark sein. Am andern Tage kam Militär, welches mit Hülfe der Einwohner 130 Mann gefangen nahm und in ein Zuchthaus abführte.
Sachsen. Dem Schwäbischen Merkur zufolge ist im Erzgebirge die Hungerpest ausgebrochen. Mit in Folge dessen haben dort bereits Ercesse von Seite der gabtif- arbeiter stattgefunden, indem dieselben mehrere Fabriken zerstört haben und sich gegenwärtig, wohl an 1000 Mann stark, nach Chemnitz wälzen sollen, um dort ihr Werk fortzusetzen. So wenigstens berichten Reisende, welche eben aus dem Erzgebirge kommen.
Leipzig, 1. April. Gestern war hier eine zahl- reich besuchte Versammlung von Gliedern aller Confessionen, Lutheranern, Reformirten, Römischkatholi sehen, Griechischkatholischen, Dentschkatholischen und Israeliten, zu einträchtiger Besprechung einer an die Volksvertreter zu Frankfurt gerichteten Ditte um völlige Religionsfreiheit, Gleichheit aller religiösen Bekenntnisse und Trennung der Kirche vom Staate.
Von der Weser. Der Allg. Z. wird folgende Mittheilung gemacht: „Bürgermeister Dr. Smidt von Bremen ist auf seiner Reise nach Frankfurt zufällig in Wunstorf mit dem weiland preußischen Minister v. Bo» delschwingh zusammengetroffen. Dort sagte ihm der letztere, wie glaubhafte Personen unS erzähltest: „An diesen unglücklichen Ereignissen haben ihre Bremer Zn- tungen anch ihren Theil Schuld!" Wir würden dem Herrn Minister geantwortet haben: Daß es besser für Preußen und ihn gewesen sein würde, wenn er, statt jene freisinnigen und patriotischen Zeitungen als preußenfeindliche mit brutaler Polizeigewalt zu verbieten, ihrer Stimme auch ein wenig Gehör gegeben hätte. Die Bremer Zeitungen haben seit zwei Jahren mahnend prophezeit, was jetzt furchtbare Wahrheit geworden. Aber freilich wie konnte der Hr. Minister auf Organe einer Presse hören, die nicht seine Censur am Gängelbande führte! Hr. von Bodelschwing wird sich erinnern, in welcher Weise er noch vor wenigen Monaten die gerechten Anträge der Bremer Zeitung auf Zulassung in Preußen beantwortete: Nie, so lange ich Minister bin (sprachen Se. Er.) wird Ihre Zeitung in Preußen zugelassen — wenn sie sich nicht vollständig umwandelt und bessert. Buben, die auf der Gasse gezogen ftnb, unehrliche Schurken sind es, die Eure Zeitung schreiben! Jetzt ist eine Umwandlung und Besserung eingetreten. Preußen hat sich „umgewandelt", Preußen hat sich „gebessert", und Hr. von Bodelschwingh kann auf seinem Dorfe in Westphalen nachdenken: warum und wie das Alles so gekommen. Wir wollen nicht höhnen, wo das Gericht der Geschichte so laut gesprochen und so unerbittlich gerichtet hat".
Schildberg, (Gioßherzogthum Posen) 30. März