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No. 25.
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Der Volksfreund.
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die e r st e.
S e u m e.
Wiesbaden. Freitag, den 7. April 1848.
Die republikanische Partei, die Anarchie, das Ausland.
„Vor dem Sklaven, wenn er die Kette bricht, Vor dem freien Manne erzittert nicht."
Schiller.
Daß wir mitten in einer großartigen Revolution leben ist Jedermann klar, aber nicht Jedermann weiß, daß wir uns bereits im Zustande wilder Gesetzlosigkeit und roher Pöbelherrschaft befinden. — Wir glauben, daß unsere Regierung durch ihr feiges, rath - und thatloses Betragen das Land ins Verderben stürzt, denn wir sehen keinen Mann an der Spitze unserer Staatsverwaltung, dessen Name allein dem Volk Zutrauen einflöste, denn das scheußliche gestürzte System der Adelstyrannei und Familienherrschaft ließ keine öffentlichen Charaktere und keme-Volksmänner aufkommen. — Jetzt sind wir rath- und thatlos, unmächtig dem Aufruhr im Innern, vielleicht unmächtig den Angriffen französischer Abentheuerer zu begegnen. — Während wir uns des Sieges vom 4. März erfreuen, werden wir durch das Programm des republikanischen Comite's in Erstaunen gesetzt. Glücklicherweise kennen wir die Geschichte der Griechen und Römer, die politischen Zustände Englands und Ameri- a'S genugsam, um zu wissen, daß in jedem freien Lande Härteten sind und sein müssen, die das politische Leben aufrecht halten und die sich gegenseitig bewachen. — Aber wir halten eine Republik in Deutschland für ein Unglück. Eine Republik kann uns nichts geben, was wir nicht schon besitzen durch den schönen unblutigen Sieg vom 4. März; sondern sie nimmt uns das Un- ntbehrlichste, d. h. die Festigkeit des Staatsgebäudes, die Herrschaft weiser Gesetze, die künftig aus dem aufgeklärten Willen des Volks hervorgehen werden, dix, Kraft dem Ausland zu widerstehen. Sie bringtuns kein Glück, sondern den Bürgerkrieg, die Pöbclherrschast, die Anarchie. — Hiervon sehen wir schon den Ansang. Gestern lasen wir das aus traurigen Illusionen und Selbsttäuschungen gewebte Programm des republikanischen Comites zu Wiesbaden, heute erfahren wir, daß die Taunuseisenbahn zerstört ist, daß man in der Pfalz die Postwagen nicht mehr fahren läßt, daß die Schiffer am Rhein die Kölner Schlcppbote nicht mehr passiren lassen — Das ist keine Freiheit, das ist Tyrannei des Pöbels, das ist der Kampf der Armen gegen die Reichen^, das ist der Anfang des Bürgerkriegs. Wehe denen, die in diese zündbare Masse das Feuer ihrer unverdau- en Pläne werfen! Gleichzeitig mit diesen Zuckungen im Herzen des Vaterlandes wird der Krieg mit dem Anslande immer wahrscheinlicher. Wir lieben die Freiheit des Vaterlandes, im Innern nicht glühender als die Unabhängigkeit gegen Rußland, Dänemark und Frankreich; aber wir fürchten, daß ein Uebel das andere nach sich
zieht, daß durch die Anarchie im Innern das Ausland zu seinen Angriffen auf unsere Unabhängigkeit ermuthigt wird. — Bürger! deutsche freie Männer! das Vaterland ist in doppelter Gefahr! • Seid wachsam und gedenket der Worte des großen Nelson: „Das Vaterland erwartet, daß jeder Bürger in der Stunde der Gefahr auf seinem Posten steht." Sidney.
Bürgerliche Gehülfen der regierenden Adels- Familie in Nassau.
Der erste Gehülfe dieser Familie war der bekannte nachmalige Regierungspräsident Jbell. Als nämlich der frühere Regierungsrath v. Marschall als Minister ein eigenes Ministerium bildete, trat in dieses der frühere Regierungssekretär Jbell ein. Von diesem wurden daun alle neuen Gesetze bearbeitet, namentlich ein neues Steuergesetz; sodann die Konstitutionsakte für Nassau vom 2. September 1814, die erste in Deutschland, und die sogenannte Verwaltnngsorganisation vom 11. September 1815; in dieser letzteren aber zur Finanzverwaltung mit Aufhebung der bisher dafür bestandenen Behörden eine Generalsteuerdirektion, eine Generaldomänendirektion und eine Rechnungskammer angeordnet, und der ersteren alle direkten und indirekten Steuern, auch Regalien und Monopolien, diese letzteren jedoch mit Ausschluß der zum landesherrlichen Domanial-Eigenthum gehörigen Bestandtheile, hingewiesen, wogegen die Generaldomänendirektion in den Wirkungskreis des Lehn- Hoss eintreten solle und die Correspondenz mit den Hofämtern wegen deS Hofhaltungsetats und die Direktion deS Weinkellers zu Eberbach zu übernehmen habe.
AuS dieser Geschâflsablheilung entstand der lange Streit über die Domänen, indem die Behauptung aufgestellt wurde, daß alles, was der Generaldomänendirek- tion zugewiesen, Familien- oder Hausgut des regierenden HauseS fei.
Nachdem Jbell sich bei dieser neuen Organisation zum Regierungspräsident ernennen lassen, suchte er zwar die Bevorzugung des Adels zu beschränken, begünstigte dagegen seine Familie und diejenigen, welche sich seiner Herrschergewalt fügten, während er Andere mit despotischer Härte behandelte, dieselben versetzen, degrabiren und Pensioniren, die Theilnehmer an den hier und da entstandenen sogenannten deutschen Gesellschaften aber durch seine Trabanten verfolgen, in Untersuchung ziehen und einkerkern ließ. Indem er jedoch glaubte, sich durch seine Zurücksetzung deS Adels populär gemacht zu haben, wurde er plötzlich aus diesem Wahn durch den Dolch Löntng's aufgeschreckt, der ihn als Landesverräther treffen sollte. Damit war aber seine schwache moralische Kraft gebrochen; er konnte oder wollte seinen Dienst nicht mehr versehen; der Adel, der sich durch ihn ge«