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No. 24.

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Der Vtlksfreunk.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Donnerstag, den 6. April 1848.

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Deutschland.

Wiesbaden, den 3. März. Große Demon- trationen haben während der vergangenen Woche im Rheingau stattgefunden Dieselben gingen von den sämmt­lichen Schiffern der beiden Rheinufer auö, welche der für ihren Erwerbzweig so verderblich konkurrirenden Dampfschleppschifffahrt ein Ende zu machen beschlossen.

Die diesem Beschlusse zuerst folgende Handlung be- f&qk darin, indem sie das zunächst herüberfahrende Boot arretirten und somit die Aufmerksamkeit der beteiligten Gesellschaft und durch diese jene der Regierung auf sich zogen.

Wie wir vernehmen, so sind bereits Deputationen der beiden Theile in Thätigkeit gewesen. Obgleich das ganze Ereigniß bis jetzt scheinbar unbedeutend und blos durch ^ Bewohner der Strecke zwischen Mainz und Coblenz verursacht ist, so kann dasselbe bei den nicht minder be­einträchtigten Brüdern des Niederrheins sehr bald jedoch bie, allgemeinste Nachahmung finden. Die schleunigste Lösung dieser für Tausende so wichtigen Frage ist sehr anempfehlenswerth, um so mehr, da bald noch viel ernstere Aufgaben zn erledigen sein dürften. Hoffen wir, daß sich die Gunst der Entscheidung aus die Seite der Opposition neigt, denn ihre stürmischen. Forderun­gen beruhen aus Abhülfe unverdienter und verhütbarer Noth. Tritt, was wir nicht erwarten wollen, ein nicht zufriedenstellender Beschuß in Kraft, so wird eine ge­rechte und nachdrückliche Widersetzung kaum ausbleiblich ein. Der Regierung kann kein anderer Weg übrig bleiben , als den Wünschen dieser Bittsteller entgegen zu kommen, denn welche Macht will man dieser ent­schlossenen Schaar entgegenstellen? Etwa eine improvisirte?

Daran ist nicht zu denken, wenn man annimmt, daß . zur Jetztzeit Niemand die Waffen für eine Sache rgreift, ohne zu fragen, ob diese gerecht oder ungerecht ist. Auch der Direktion der Dampfschifffahrtsgesellschaft wird ein wohlgemeinten Rath jetzt nicht unzeitig kom­men. _ Diese kann nichts vernünftigeres thun, als den Dienst unverzüglich cinzustellen. Der Schutz der ihr unter dem ancien régime und von diesem geleistet wurde, besteht gegenwärtig blos noch dem Namen nach, denn ohne den Volkswillen ist der Wille der Regierung gar nichts. A. M.

Frankfurt. Aus der Sitzung der vorberathenden Versammlung vom 3. April theilen wir noch den Antrag o. S o i r o n ö sowie die darüber stattgehabte Abstimmung nach der deutschen Zeitung ausführlicher mit. Derselbe kantete:

daß die Versammlung von jeder Berathung über das Programm der Siebnerkommission Umgang nehme, dagegen beschließe, daß die Berathung über die deutsche Verfassung einzig und allein von der vom

Volke zu erwählenden Nationalversamm­lung ausgehen solle.

Es war damit einerseits der Versammlung ein nahes Ziel gesetzt, andererseits der künftigen Nationalversamm­lung der weiteste Wirkungskreis gezogen; es war das Prinzip der VolkSsouveränetät nicht nur in die Sache verhüllt und eingekleidet, sondern vom Antragsteller aus­drücklich aus die Hauptsache bezeichnet worden. Es war die erste Prinzipienfrage, die wir entscheiden sollten; alle bisher verhandelten waren keine eigentlichen Prinzipien- fragen, so eifrig man sie auch dazu zu machen suchte; eS kam hier darauf an, daß die Versammlung zeigte, wie sie in ihrer Mehrheit auch ohne die ausgetretene äußerste Linke für eine gründliche und durchgreifende Re­form der deutschen Verhältnisse entschieden gestimmt sei. Auffallend war es, daß der Antrag auf der einen Seite nur Bedenken, aus der andern nur den lebhaftesten Bei­fall veranlaßte; eine vollständige Diskussion fand nicht statt nachdem man vorher über unbedeutende Form­fragen Stunden lang diskutirt hatte. Die Abstimmung über den zweiten Theil des Antrags: daß von der kvn- stituirenden Versammlung einzig und allein die künftige Verfassung Deutschlands auSzugehen habe, war bei der ersten Probe zweideutig; viele Mitglieder schie­nen über den Grundsatz der VolkSsouveränetät zu er­schrecken, andere in den Worteneinzig und allein" eine Ausschließung jeder Verständigung mit den Regierungen zu erblicken, während doch nur der Sinn unterlag, die künftige Nationalversammlung, die freigewählte Vertre­terin des souveränen Volks, solle die Berathung über die Verfassung nur nach eigenem Ermessen ohne hem­mende Einflüsse, wenn auch auf dem Wege der Verstän­digung. zum Ziele führen. Es war bereits namentliche Abstimmung verlangk, als nach einer Erläuterung im Sinne eine zweite Abstimmung durch Aufstehen und Sitzenbleiben versucht ward, und diesmal war die Mehr­heit, wenn auch nicht sehr groß, für den Antrag. Lau­ter Jubel begleitete das Ergebniß ; wir waren uns ganz klar bewußt, daß wir damit ein Prinzip ausgesprochen hatten, daS durchgreifender und mächtiger wirken muß, als alle Nebenfragen über mittelbare und unmittelbare Wahlen, Permanenz einer Versammlung oder Permanenz eines Ausschusses. Hier begann deßhalb auch nach un­serm Ermessen die erste scharfe Scheidung der Partheien, der alten und der neuen Zeit, und wir durften und wohl eines Ergebnisses freuen, das wir ungeachtet deS Austritts der äußersten Linken und ohne sie allein er­reicht hatten.

Mit dem Soiron'schen Antrag waren zugleich eine Reihe von andern Anträgen aufgetaucht, deren Inhalt übereinstimmend dahin ging, noch vor der Auflösung der Versammlung die wesentlichsten deutschen Volkörechtc