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No. 23.
Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile (Petitschrift) 4 kr. — Grö- ßere^Schrift wird nach dem Verhältniße des einzunehmenden Raumes berechnet.
Der Velksfreund.
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.
S e u m e.
Wiesbaden. Mittwoch, den 5. April 1848.
Mit dem i. April begann ein neues Abonnement auf den Volks freund. Derselbe kostet bis 1. Juli d. J. in Wiesbaden fl. 1. 30 kr.; in den übrigen Orten des Herzogthums Nassau, wo derselbe durch die Post bezogen wird, sowie im Großherzogthum Hessen, in Frankfurt, Hessen-Homburg und der Provinz Hanau fl. 2. 5 kr.
Deutschland.
Frankfurt, 3. April. Heute wurde hier allgemein bekannt, daß in Folge der gestern stattgehabten Verhandlungen in der Paulskirche sämmtliche Bundeslagsgesandten, welche noch als Ueberbleibsel des gestürz- ten Systems vorhanden waren, ihre Entlassung eingereicht und theilweise schon abgereist seien. In Folge dieser Vorgänge, und nachdem die vorberathende Versammlung in der Paulskirche nach dem Antrag von Soirons beschlossen hatte, daß das von der Siebner- ' Anmission ausgestellte Programm für die am 1. Mai nsammentretende konstituirende Nationalversammlung Acht aufrecht erhalten werden, dieselbe vielmehr in allen Stücken frei und unabhängig nach eignem Ermeßen handeln sollte, kehrte durch Vermittlung v. Jtz st ei ns auch die gestern so übereilter Weise ausgetretene repu- dlikanische Partei wieder in die Sitzung zurück. Hecker hielt im Namen derselben eine Art Entschuldigungsrede — und die Einigkeit war wieder hergestellt. — Die Vahlen in den Fünszigerausschuß wurden nun vorge- aommen, und das Ergebniß derselben sollte am 4. April veröffentlicht werden.
Die Versammlung hat noch außerdem beschlossen, eine Ausstellung der Rechte deutscher Bürger zu bewerkstelligen und in ganz Deutschland zu verbreiten.
K^Vo m Main, 3. April. In Nro. 17 der „freien Zeitung" sucht ein Korrespondent aus dem Rheingau arzuthun, daß ohne Beaufsichtigung durch die Geistli- hen kein Heil für unsere Schulen zu hoffen sei. Wir vollen hierauf nur Weniges erwiedern. Schon seit unvordenklichen Zeiten stehen unsere Schulen unter der Aufsicht der Kirche, werden unsere Lehrer von den Geist- üchen geknutet und geknechtet, und unsere Schulen haben de erwarteten Früchte nicht getragen, weil unsere Lehrer nicht frei wirken konnten und durften. Es folgt also hieraus, daß die bisherige Beaufsichtigung nichts taugte. Entweder haben die geistlichen Herren bisher die Schulen nicht heben können, oder sie haben es nicht gewollt; genug, sie haben ihre Ausgabe nicht gelöst. Mit welchem Rechte wollen sie die fernere Bevormun- vung der Lehrer in Anspruch nehmen? Blos das Ver- jährungsrecht scheint für sie zu sprechen, doch dieses wird hoffentlich jetzt auch verjährt sein.
Mit welcher Verachtung bis jetzt die ehrwürdigen Herren aus ihr geistliches H int er v i erte l, den Lehrer, herunter sahen, wie sehr sie ihm bemerklich zu nachen wußten, daß er unter all den geringen Dienern
der allergeringste sei, davon nur ein Beispiel. Ein Pfarrer äußerte einst in Gegenwart seines Lehrers, eines Försters und noch anderer Personen: „Ich bin zwar ein großer Jagdliebhaber, doch wenn ich auf einem Treibja- gen einen Lehrer als Schützen finden würde, würde ich aus der Stelle wieder nach Hause gehen." — Freilich, der Lehrer gehört eben so wenig auf ein Treibjagen, als — der Pfarrer; doch der Pfarrer schämt sich nicht, mit einem jeden Förster auf die Jagd zu gehen, aber mit einem Lehrer — wer möchte sich da nicht bekreuzigen ! Wenn aber die Lehrer künftig nicht mehr von den Geistlichen so liebend gehegt und gepflegt werden, wer soll sie dann beaufsichtigen? — darüber, verehrter Herr Rheingauer, wollen wir uns keine grauen Haare wachsen lassen. Allenfalls Lehrer? — warum nicht, sie hätten alsdann doch Leute zu ihren Vorgesetzten, die von der Sache etwas verstehen, was — unter uns gesagt — bei den Geistlichen ost nicht der Fall ist. — Wer führt denn die Aufsicht über diese? Warum macht man nicht den General zum Bischof und einen Geistlichen zum Oberforstmeister ? — Die Stimme des Volks ist nicht gegen die Lehrer; das Volk erkennt in ihnen die Träger seiner Bildung; es sieht bereits ein und wird immer mehr einsehen lernen, daß ein freies Volk nur durch freie Lehrer gebildet werden kann.
Wiesbaden, 4. April. Die gestern Abend zur Besprechung über die Bildung eines Wahlkomites in den Vier Jahreszeiten anwesende Versammlung hat sich für die Nothwendigkeit der Bildung eines solchen Ko- mites erklärt Es wurde in Folge dessen ein durch Vorschlag bestellter Ausschuß von 9 Mitgliedern beauftragt , auf heute Abend 15 Männer zu bezeichnen, welche er für geeigenschaftet hält, Mitglieder dieses Ko- mites zu sein. Die Annahme oder Verwerfung der Bezeichneten ist der Versammlung vorbehalten.
t Höchst, 3. April. Noch ist das neue Wahlgesetz nicht erschienen, und doch sind von der bekannten schwarzen Parthei die Wahlumtriebe für den nächsten Landtag schon in voller Thätigkeit. Gestern wurde in hiesiger Kirche, in Auftrag des Hochwürvigsten (?) Bischofs von der Kanzel aus aufgefordert, die Bürger möchten doch ja dasür sorgen, daß gut- und stark-katholische Männer zu Abgeordneten gewählt würden! Wann werden die frommen Hirten einmal die rechte Bahn finden, auf welche sie der göttliche Erlöser hingewiesen mit den Worten: Mein Reich ist nicht von dieser Welt? —
Auch von anderer Seite droht unserer kaum errun-