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zu Schweden. Im Süden hat der Kampf seit Jahren nicht aufgehört. Endlich, und das ist der stärkste Bun­desgenosse gegen die Macht dieses Gegners, trägt Ruß­land so gut wie jedes Land Europas das Element der Umgestaltung in sich- Wie tief der Funke unter der Asche verborgen liege, er kann aufflammen in einem Hauch und das Sturmathmen der Freiheit, das Europa überweht, ist stark genug, diese Flamme zu ent­zünden. Ja, der eiserne Druck, der bisher den Ge- vanken belastet hat, muß seine Kraft höher gespannt haben, und die Erplosion erfolgt gewaltiger, wie die der belasteten Mine! Mit den politischen Umwäl- zungSelementen können dort in dem Lande der Sklave­rei , die gesellschaftlichen in das furchtbarste Bündniß treten. Und wie wäre dieses unermeßliche Reich in sol­chen ©errungen zu übersehen und durch einen Zügel zu leiten?--Der Krieg mit Rußland, wir spre­chen cs nochmals aus, ist mehr a.s wahrscheinlich: er ist nur vermeidlich unter der einen Bedingung, die viel­leicht wie so vieles, zu spät zugestanden wird, der An­erkennung Polens."

Berlin, 27. März. Die anwesenden Polen begaben sich dieser Tage nach ihrer Provinz zurück, um den Krieg gegen Rußland vorzubereiteu. Diesmal beabsich- ngen die polnischen Patrioten nicht, wie 1630, die rus­sischen Kosackeu durch eine Feldschlacht zu besiegen, son­dern sie wollen einen GueriUakileg gegen das czaaiische Heer führen, und es so mii.be machen und ab mählich aufreiben. Wie uns Polen erzählen, hat man nicht MieroSlawSki zum ersten Feldher, n erkoren, sondern Kosinsky und Dabrowski; MuroSlawski soll mehr thevrelisch als praktisch in der Kriegösührung arbeiten. Der offene Kampf wird erst alSdann beginnen, nachdem auf Des einen Seite genug Munition herbeigefchaffl und auf der anderen im inneren Rußland die Revolution verbreitet ist. Der hiesige russische Gesandte v. Meyen- dorf, hat heute Berlin verlassen, was als ein offener Freundschaflsbruch der beiden Großmächte angesehen werden kann. Man hat bemerkt, dav er seit dem Be­ginne unserer Revolution stets die Thüren vei schlossen hielt und sich nie auf den Straßen erblicken liest.

BreSlau, 27. März. Nachrichten auS Warschau zufolge ist daselbst ein Verbot der Ausfuhr von Roggen, Mehl aller Art und Hafer erschienen. AIS Grund wird der Mangel an hinlänglichen Lebensmitteln augezühit: die wahre Ursache scheint aber der Bedarf der ang.häuf- ten Truppenmaffen zu seyn. Das Gerücht von Un­ruhen in Warschau oder wenigstens in Polen scheint nicht unbegründet zu sein. Ein Edict des Militärgou- oerneurS von Warschau, Fürsten Gortzakow, verbietet alle Zusammenrottungen unter Androhung der Waffen­gewalt. Eben so ist daS Anhäufen von Menschen bei Feuersgefahr verboten; zum Loschen fei die Feuerwache beordert. Gegen Diejenigen, die sich an der Stätte der Gefahr einfinben, wird eben so verfahren werden, wie gegen Störer der gesetzlichen Ordnung!

Koblenz, 30. März. Gestern reisten die Depu­tationen von Düsseldorf und Elberfeld auf einem fest­lich geflaggten Dampfer der Düsseldorfer Gesellschaft unter Kanonendonner hier vorbei. Auf demselben Dampfboote befand sich auch Heinzens Schwager, Moras, der im vorigen Sommer den Gensdarmen vom Dampfboote in den Rhein entsprang und so seiner Haft ekitging. Jetzt kehrt er in Folge der politischen Amnestie nach Deutschland zurück. Mit vieler Naivi- tät grüßte er vom Dampfboote aus einen am Rheine hier stehenden hohen Beamten der exekutiven Polizei. Auch sahen wir mit dem von Mannheim kommen­den Dampfboote eine Anzahl Heidelberger Studenten nach Schleswig-Holstein hier vorbeifahren. Sie wollen ein Freischaarencorps dort errichten und führten eine schwarz-roth-goldne Fahne mit der InschriftFreischaar für Schleswig-Holstein" bei sich.

Karlsruhe, 31. März. Nach einem Bundesbe- schluffe vom 26. d. M. sind daö siebente und das achte

Armeecorps mobil gemacht. Die Truppen sind bereits auf dem Marsche nach ihren Sammelplätzen. (K Z.) München. Unsere Polizei hat auf die so üppig Wuchernde Flugblätterliteratur, die an jever Straßenecke zu Dutzenden emporschoß, vor einigen Tagen plötzlich die .gestrenge" Hand gelegt und dieselbe interimistisch un- terbrückt. Die Buchhändler sollen nämlich Klage wegen Gewerbsbeeinträchtigung geführt haben und die Polizei bezeichnete den bisherigen Verkauf als Hausirhandel. Dagegen haben nun einige zunächst beteiligte Literaten protestirt, jedoch noch keine Antwort erhalten. Sie sehen in der Handlungsweise der Poltzei eine Verletzung der vollständig gewährten Preßfreiheit und der Verfassung überhaupt, die jedem Schriftsteller 4ien Selbstverlag und die Selbstverwerthung seiner schriftstellerischen Erzeugnisse ohne buchhäudlerische Vermittlung gestattet. Es ist dem­nach nicht zu zweifeln, daß die Regierung die Polizei zur Aufhebung des obigen Verbots veranlassen wird; wo nicht, so soll die Sache vor die Stände gebracht werden. (D. Z.)

Schweiz.

Bern, 28. März. In der Sitzung vom 27. d. hat die Bundesrevisionscommission mit Einstimmigkeit die Einführung der Geschw or n cngerichte für die Beurtheilung von politischen Vergehen beschlossen.

Freiburg. Der Große Rath beschloß am 29. März die Einziehung aller Klostergüter; ferner die so­fortige Aufhebung dreier Männerklostcr sowie das Aus­sterben aller' übrigen Klöster. Nur das Kloster der barmherzigen Schwestern bleibt

Dole it.

Semberg. Am 20. März Abends war die ganze Stadt illuminirt, Und man sah an vielen Orten Trans­parente mit der Aufschrift:Es lebe Polen! Es lebe der konstitutionelle König von Polen!" Am 22. Nach­mittags gegen 2 Uhr versammelten sich die Studenten aller Fakultäten und die Schüler der Gewerbschule vor dem Schloß des Gouverneurs. Graf Stabion erschien und las ein Patent vor, des Inhalts, daß Schußwaffen an die Bürger ausgetheilt werden sollten, unter der Be­dingung, daß sie den Kaiser von Oesterreich als König von Polen anerkennten, daß sie sich derselben nur gegen die Feinde des Vaterlandes bedienten, daß sie die Deut­schen und Israeliten als ebenbürtige Bürger ansähen it s. w. Diesen Revers mußte Jeder unterschreiben, der ein Gewehr verlangte, worauf er es erhielt. Die nunmehr bewaffneten Bürger und Studenten zogen im Triumphe und unter Vivatrufen des Volkes durch die Stadt, Tücher und Fahnen wehten von allen Fenstern, Blumenkränze wurden der Bürgergarde zugeworfen, und der Ruf:Es lebe die Nationalgarde!"Es lebe die Jugend Polens!"Es lebe der König von Polen!" nahm kein Ende.

Ungarn.

Preßburg. 23. März. Der Reichstag hat die Ju- benemanjipation ausgesprochen und deren praktische Durch­führung dem ungarischen Ministerium und dem nächst, ir Landtag in P.sth anheimgeg.ben. Einige einleitende Maßregeln sind bereits getroffen, so namentlich die Ge­staltung von Cwilehen zwischen Juden und Ehristen. Dessenungeachtet ist die Judenverfolgung in einigen Ge­meinden beständig im Gange, und Scharren dieser Ver­folgten sollen um Schutz zu suchen in Wien augekom- men sein, wo sie indessen Niemand aufnehmen wollte und deßhalb unter freiem Himmel übernachten mußten!

P e ft h, den 25. März. Die Pesther Ereignisse vom 15. März haben dem ganzen Lande zum Vorbilde ge­dient. UeberaU her gehen täglich Nachrichten ein über Volksversammlungen, in denen die P. scher 12 Punkte angenommen, und mit Uebergehung der bestehenden Be­hörden vom Volke Sicherheitsausschüsse ernannt wurden, die mit Hilfe der bestehenden oder in aller Eile errich­teten Nationalgarden die Ruhe und Ordnung aufrecht erhalten. Auch ist diese bis jetzt nirgends als in Preß-