rer derselben, Hecker und Struve, mit etwa 50 ihrer Anhänger die Paulskirche.
' Diese trotzige Entfernung der republikanischen Minderheit stimmt nun sehr schlecht mit den von Hecker und Struve schon am Vorabend der ersten Versammlung gegebenen Erklärung, daß sie die Ersten sein wurden, welche sich gern und freudig den Beschlüssen der M e h r h e i t fügten, falls diese nicht in ihrem Sinne entscheiden würde (wozu sie indessen damals noch alle Hoffnung zu haben Vorgaben). Es scheint diese Entfernung vielmehr eine Art Kriegserklärung gegen die Mehrheit und deren Maßnahmen sein zu sollen — und die Zeit wird lehren, ob wir uns hierin getäuscht haben, oder ob diese Partei zur Erreichung ihrer Zwecke nicht zu Demonstrationen ihre Zuflucht nimmt, die eher geeignet sind, die Verwirklichung ihrer Wünsche noch weiter hinaus zu rücken als zu beschleunigen, und die uns nicht nur den äußern, sondern auch den innern Feinden der Freiheit Deutschlands wieder in die Hände liefern.
Rendsburg, 27. März. Die provisorische Regierung, sich beziehend auf ihre Proklamation vom 24. d. hat beschlossen, die vereinigte Ständcversammlung der Herzogthümer Schleswig-Holstein auf den 3. April des gegenwärtigen JahreS kraft' dieses einzuberufen. Sie fordert daher die Stände auf, sowohl diejenigen, welchen eine besondere Stimme beigelegt ist, als die gewählten Abgeordneten oder die verordnungsmäßig statt ihrer cin- tretenden Stellvertreter, daß sie sich zu dem gedachten 3. April hier in der Stadt Rendsburg einsinden und gewärtigen, was ihnen durch den Kommissär der provisorischen Regierung vorgelegt werden wird.
— Aufruf des kommandircndcu Generals an die heute Morgen ausgerückten Truppen. Soldaten! Das Vertrauen der Herzogthümer ruft mich an Eure Spitze; ich schätze mich glücklich, in diesem heiligen Kampfe für das theure Vaterland Euer Führer zu fein. Der Kampf hat begonnen, der Däne rückt an des Vaterlandes Grenze, schleswig-holsteinischer Muth wird ihm mit Gott den Weg über die Belte zeigen. Schaarct Euch mit Vertrauen um Eure neuen Führer, die, begeistert wie Ihr von Vaterlandsliebe, Euch zum Siege führen werden. Die edelsten Männer und Jünglinge des Vaterlandes eilen zu Euren Fahnen — ganz Deutschland sendet Euch seine besten Männer! — Auf denn mit Gott! laßt uns den Dänen schlagen, wo wir ihn finden — bevor fremde Truppen uns den Lorbeer entwinden. Ziehet mit Gott, meine Waffenbrüder, die Ihr die Vorhut bildet, am Tage der Ehre bin ich bei Euch! Rendsburg, 27. März 1848. Friedrich, Prinz zu Schleswig-Holstein.
— Das 14. und 16. Bataillon rücken soeben auf der Route nach Schleswig aus, begleitet von zwei sechspfündigen Kanonen. — Die dänischen Offiziere des Itzehoer Dragonerregiments sind hier als Gefangene eingetroffen und werden von den Bürgern bewacht. — Die Regierung ist eifrig beschäftigt, die Verwaltung so rasch wie möglich zu organischen und die einzelnen • Bureaus und Ministerien cinzurichteu. Viele der von Kopenhagen entflohenen jüngeren Beamten haben sich zur Verfügung gestellt, so daß es am Beamtenpersonal nicht mangeln wird.
Hannover. Der allgemeinen Zeitung zufolge hat der König der provisorischen Regierung von Schleswig- Holstein ein Truppenkorps zugesagt, welches bereits am 28. mit der Eisenbahn abgehen sollte.
Wien. Die offizielle Wiener Ztg. bringt eine „Antwort der deutschen Nation an den König von Preußen", der wir folgende Stellen entnehmen: „Die deutsche Nation hat Ew. Majestät kennen gelernt und vertraut ihr nicht. Ew. Majestät pflanzt mit blutiger Hand die deutschen Farben auf, die seit Jahren verfolgt wurden. Die Nation bebt vor diesem königl Enthusiasmus zurück. Das preußische Volk hat nie aufgehört, deutsch zu sein, die deutsche Nation ist überrascht, daß Ew. Maj. erst jetzt den Beitritt erklären. Daß Organe der Preu- |
ßischcn Stände an bem deutschen Landtage Theil nehmen, ist eine heilige Pflicht. Daß Ew. Majestät auch die Fürsten zur Theilnahme auffordern, darin erblickte die deutsche Nation dankbar, daß Ew. Maj. sich den fürstlichen Gefährten in Allem anschließen will. Ew. Maj. haben Recht, daß die auf diese Weise sich aus Fürsten und Ständen bildende deutsche gesetzgebende Versammlung in der gemeinsamen freien Berathung das Erforderliche beschließen müsse. Ew. Maj. wird aber erkennen, daß die Berathung nicht frei, daß die Macht jener Versammlung, von der der Schutz des Vaterlandes und des Thrones verlangt wird, von vornherein gebrochen, daß auch die junge deutsche Verfassung an ihrem ersten Lebenstage von Ew. Maj. verletzt wäre, wenn daS königliche „Ich" noch jetzt über die Bahn der Gesetzlichkeit sich erheben und der deutschen Nation sich selbst als den gemeinsamen Leiter aufdrängen wollte. Oesterreichs Fahnen haben die deutschen Farben auf ihren Feldern unter allen Stürmen bis heute bewahrt: ein österreichischer Prinz hat am Rheine dem einigen Deutschland ein Hoch gebracht, als eS noch verfolgt wurde von Preußen; Habsburgs Hans hat die Geschichte vergangener Jahrhunderte, hat die Liebe der Völker zur Seite, wenn cs seinen alten Vorsitz im deutschen Reiche behaupten will. Oesterreichs Kaiser erkennt aber, daß jetzt von den Vertretern des deutschen Volkes allein die Wahl ausgehen und daß diese Wahl frei bleiben muß. Nicht für, nicht gegen eine Dynastie, nur für die Unabhängigkeit des deutschen Bundestages, legt bie deutsche Nation hiemit Protest ein gegen die Usurpation der Ehrenstelle eines deutschen Führers. Es beschwör- die deutsche Nation Ew. Maj., nicht neuen Samen de Zwietracht anszustreuen, nicht die Stunde zu entheilig gcn, in welcher Berlin seine Todten begräbt, die gefallen sind für die deutsche Freiheit, für die deutsche Einigkeit." —
Berlin. Die Voss. Z. stellt über einen bevorstehenden Krieg mit Rußland folgende Betrachtung an: „Ein Artikel in der Spenerschen Zeitung stellt die -Jsâtmg dar, in welcher sich Rußland befindet; darin wird Jeder mit dem Verfasser übercinstimmen. Allein derselbe führ- am Schluß den Satz aus: „daß ein Krieg mit Rußland sehr unwahrscheinlich sei." Darin wird Niemand mi ihm übereinstimmen. Er ist nicht nur wahrscheinlich, sondern fast unvermeidlich. Die Bewegungen in dem preußischen und österreichischen Antheil Polens sind mit denen in Deutschland, in ganz Europa in Einklang. Kann man glauben, daß diese gewaltig brandenden Wellen sich kraftlos zerschellen werden an den Grenzen des russischen Polens? Läßt sich diesem Strom gebieten : „Halt! bis hieher und nicht weiter?" Seine zurückgestaute Flutmüßte sich nach Deutschland selbst wälzen. ES ist die Zeit da, wo alle im innern Recht der Völker begründeten Forderungen sich siegreich geltend machen. De Ruf zur Herstellung der Nationalität Polens ertönt mi unwiderstehlicher Macht. Er bringt durch die Grenzsperre dreifacher Trnppenkettcn, er fliegt über die Wälle der Festungen. Wer will cs sagen, ob er nicht schor jetzt sich in den Mauern Warschaus selbst Luft macht? Es gibt eine geistige Gewalt, der gegenüber selbst die ausgefallenen Batterien verstummen ! — Daß ganz Po len sich als ein eigenes Volk und Land herzustellcn versuchen wird, das ist außer allem Zweifel. Und ob dieser als Gewißheit anzunehmende Versuch den Krieg sehr unwahrscheinlich läßt?? ES ist möglich, daß sogar Rußland der Gewalt des Geistes weichend, der im Sturm durch Europa weht, feine Zustimmung zur Herstellung Polens gibt. Doch ist es schwer zu glauben. — Wenn der Krieg nun ausbricht, ist er in seinem Ausganggefahrvoll für Deutschland? Nein. Er wird Opfe' kosten, aber sie werden nicht vergeblich sein. Europa ist jetzt im Bunde gegen das russische Staatspriuzip. Das ungeheure Reich war niemals ein seinem Umfang entsprechend starkes. Die Ostseeprovinzen haben den natürlichen Hang zu Deutschland, Finnland neigt sich