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Dieses Blatt erscheint, Montags auè- genommen, täglich, und kostet sährlich 6 fl. Bei allen Postämtern so wie in der Stein'schen Buchdruckerei . zu Wiesbaden werden Bestellungen hierauf angenommen.

No. 22

Anzeigen aller Art werden in diesem Blatte ausgenommen und kostet die Zeile (Petitschrift) 4 kr. Grö­ßere Schrift wird nach dem Verhält­nisse des einzunehmenden Raumes berechnet.

Der

Velksfreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Dienstag, den 3. April 1848.

Mit dem 1. April begann ein neues Abonnement aus den Volksfreund. Derselbe kostet bis 1. Juli d. I. in Wiesbaden fl. 1. 30 kr.; in den übrigen Orten des. Herzogthums Nassau, wo der­selbe durch die Post bezogen wird, sowie im Großherzogthum Hessen, in Frankfurt, Hessen-Homburg und der Provinz Hanan fl. 2. 5 kr.

Prophezeiungen.

Unter diesem Titel finden wir in Jochmanns hinterlassenen Papieren eine Mittheilung des im Jahr 1824 in Parish verstorbenen Grafen v Schlabren- d o^f, welche wir hier folgen lassen, indem wir unsern Lesern anheimstellen, sich die hieran zu knüpfenden Be­trachtungen selbst zu machen.

Wir leben in den Zeiten der Träume und Prophe­zeiungen, weil keiner mit der Gegenwart zufrieden ist, und jedermann das Ende des europäischen Romans voraus wissen möchte.

Der Jesuitengeneral Ricci, unter welchem Cle­mens XIV. den Orden der Gesellschaft Jesu aufhob, soll geweissagt haben: die Türken würden ihre Pferde am Dome von Köln anbinden. Dann aber kämen bessere Zeiten und das tausendjährige Reich.

In Preußen trägt man sich, wie man mir sagt, jetzt mit einem Traume Friedrichs II., der mir bedeut­samer scheint, als die Offenbarung Ricci's.Mir träumte", soll der König einmal erzählt haben:es sei mir Lust angekommen, zn wissen, was lange nach meiner Zeit vorgehen werde; habe mich zu dem Ende mit Speise und Geld versehen, in eine abgelegene Gegend begeben, und da einen Epimenides-Schlaf ge­hakten. Als ich erwachte, waren die Speisen fort; doch hatt' ich das Geld noch. Ich ging aus die Land­straße und wußte nicht mehr, wo ich war? Zum Glück begegnete mir ein Bauer, den ich um den Weg zum nächsten Ort fragte.- Er gaffte mich dumm an und schwieg. Als er mir den Rücken zuwenden wollte, bot ach ihm einen Friedrichsd'or an, um den Kerl geschmei­diger zu machen. Er besah das Geldstück von allen Seiten, wunderte sich und sagte:Dies Geld kann man hier zu Lande nicht gebrauchen. Das kennt nie­mand. Ihr müßt von unserer Sorte'haben, wenn Ihr nicht Hungers sterben wollt." Dabei griff er in die Tasche und zeigte mir einigerussische Kopeken. Er verließ mich und ging zu seinem Ackerfeld, wo er seinen Pflug hatte, vor welchem einige Menschen an­gespannt waren.Oho!" ries ich:ist es hier Sitte, Menschen an den Pflug zu spannen"?Warum nicht ?" entgegnete der Bauer:Sie sind wohlfeiler und nützlicher, als anderes Zugvieh."Aber lassen sich denn die Leute das gefallen?" ries ich.Warum nicht?" antwortete er:Man kann cs ihnen schon beliebt machen!" und zeigte lächelnd auf seinen Kantschu.

Ich lief in meiner Angst durch manches Dorf. Je­

des bestand aus einem prächtigen Schloß, einigen Kir­chen und Klöstern und einer Menge unflächiger, niedriger Ställe. In diesen wohnten die Unterthanen deS Edel­manns. Ich kam in die Hauptstadt. Mel LurnS. Aber das Heiligste und Edelste war inS Gemeine und Ek.l- hafle travestirt. Mir war zu Much, wie einem from­men Christen, dem man in Kamtschatka, beim Hei­ligen Abendmahl, in Ermangelung von Brod und Wein, gedörrten Fisch und Branntwein darreicht. Wo bin ich denn? schrie ich. Und ich wachte auf."

D c u t sch l a n d.

Frankfurt. Aus der Sitzung dervorberathenden Versammlung vom 1. April haben wir nachzutragen, daß der Antrag: politischen Flüchtlingen, Sie in fremden Ländern Bürgerrechte angenommen hätten, das deutsche Wahlrecht wieder zu ertheilen, wenn dieselben erklären/ wieder deutsche Staatsbürger sein zu wollen, mit Bei­fallszuruf angenommen wurde. Ebenso der Vorschlag, F r a n k f u r t als Sitz des Parlaments zu erklären.

Aus der Sitzung vom 2. April haben wir leider weniger Erfreuliches zu berichten. Es sollten an diesem Tage die 50 bis zum Zusammentritt der fonftituirenben Versammlung in Frankfurt bleibenden Ausschußmitglieder gewählt werden. Da dieser Ausschuß nun mit dem der­malen erst theil weise durch Männer des Volkes ersetzten Bundestag zu verkehren hat, so machte die republikanische Partei den Antrag, daß vorher alle Mitglieder des Bundestags, welche Diener des alten Systems gewesen seien, und namentlich die, welche an den berüchtigten Karlsbader, Wiener und Frankfurter Ausnahmcbeschlüffen mitgewirkt hätten, durch Männer des allgemeinen Pertrauens ersetzt und jene Beschlüsse widerrufen werden sollten. Die Annahme dieses Vor­schlags hätte nun unvermeidlich eine Verzögerung der Wirksamkeit des Ausschusses um 814 Tage zur Folge haben müssen. Daher erklärte sich auch die Mehrheit der Versammlung für die Ansicht Bassermanns: daß der Antrag auf unverzügliche Reinigung des Bun­destags und Widerruf der Aüsnahmebeschlüsse wohl ge­stellt, der zu wählende Fünfzigerausschuß sich aber auch sogleich mit dem zum Theil schon ergänzten und durch Vertrauensmänner verstärkten Bundestag in Verkehr setzen solle.

Nach erfolgter Abstimmung und dadurch offenkundiger Niederlage der republikanischen Partei verließen die Füh-