hat, und wodurch damals der erste Grund zu dem nach folgenden unheilvollen Sonderbundskrieg gelegt wurde.
Die Bestrebungen eines in diesen Tagen in Limburg erstandenen „Vereins für religiöse Freiheit" haben indessen bei Manchen die Befürchtung erweckt, daß derselbe unter dem Deckmantel der Religion eine Einwirkung auf die bevorstehenden Wahlen in jesuitischem Sinne anstrebe. Die offen ausgesprochenen Erklärungen dieses Vereins sind auch gerade nicht geeignet diese Befürchtungen zu widerlegen, denn ein Aufruf des CentralvereinS in Limburg an die katholischen Bewohner Nassaus sagt:
„DaS nächste Ziel der Bestrebungen deS hiesigen, wie aller Vereine für religiöse Freiheit, muß die Erlangung einer verhältnißmäßigen Vertretung der katholischen Bevölkerung in der demnächst nach dem neuen Wahlgesetz zu constituircnden Deputirtenkammcr sein. Wir werden aber ohne organisirte Anstrengungen dieses Ziel nimmer erreichen."
Derselbe Aufruf sagt ferner: „Die Herren Pfarrer werden hiermit eingeladen, dem ihnen nächsten, resp, dem hiesigen Centralvercine unter der Adresse des unterzeichneten Präsidenten des Vereins (geistl. Rath Halm in Limburg) solche Personen aus ihren Gemeinden namhaft zu machen, welche dazu geeignet sind daS katholische Volk in der neuen Kammer zu vertreten. Aus den als gceigenschaftet bekannt gewordenen Personen werden dann die Vereine so viele auswählen, als Wahlmünncr beziehungsweise Deputirte von den Wahlbezirken in die Kammer zu senden sind, und demnächst, um eine Zersplitterung der Wahlmänner und Urwähler zu verhüten durch Namhaftmachung der daS Vertrauen der katholischen Bürger besitzenden Wählbaren den katholischen Urwählern und Wahlmännern ihre hochwichtige Pflicht zu erleichtern."
' Wenn wir nun auch nicht diese Befürchtungen vor dem Wirken des sogenannten Vereins für religiöse Freiheit (?) theilen, so glauben wir doch — bei der bekannten offenen und geheimen Rührigkeit der Parteien, die ein religiöses Interesse verfechten, und deren Thätigkeit sich nicht nur auf Erlassung von Aufrufen nnd Mittheilungen von Namensverzeichnissen beschränken wird, sondern die in häuslichen Kreisen sowie auf der Kanzel nnd im Beichtstuhl ihren Einfluß geltend machen können — nicht unthätig zusehen zu dürfen, während diese Partei alle Anstrengungen macht,.nur Männer ihrer Ansicht in die Kammer zu bringen. Deßhalb finden wir denn auch den von einer im Ncrothale stattgehabten Versammlung nassauischer Bürger auSgegangenen Vorschlag zur Bildung von Wahlkomitcs im freisinnigen Geiste ganz zweck- und zeitgemäß. Die Art, wie diese Komi- leS „organisirt" werden müßten, sowie die denselben zufallende Wirksamkeit ist schon ganz in dein Aufruf der Limburger Partei vorgezeichnct. ES wäre demnach in Wiesbaden ein Ccntralkomite zn bilden, welches sich mit den in allen Haupt- und Amtsorten zusammentretcn- den WahlkomitcS in Verbindung setzte; es müßten ferner Listen von den zu Wahlmännern tauglichen Bürger ausgestellt werden, von denen man versichert ist, daß sie, ohne Rücksicht aus S t a n d u n d V e r in ö g e n, ihre Stiinmen zu Abgeordneten nur solchen Männern geben, die Kraft, Lust und Geschick haben, auf dem am 4. März gelegten Fundamente fortzubauen, seien diese Männer nun Juden, Protestanten, römische oder Deutsch- Katholiken.
Wenn wir ferner auch diese Wahlcomiteö nicht gerade als Gegengewicht der Bestrebungen der Limburger Partei für erforderlich hielten, so sind sie doch bei der im Durchschnitt außerordentlich geringen politischen Bildung und der noch anklebcnden hergebrachten Gleichgültigkeit gegen öffentliches Leben im höchsten Grade nothwendig.
Es werden daher alle vaterlandsliebenden Nassauer aufgefordert, sich auf Sonntag den 2. April, Abends, im Saale zu den Vier Jahreszeiten dahier einzufinden, wo die Frage über die zu bildenden Wahlcomite'S
weiter besprochen und erforderlichen Falles ein solches für Wiesbaden gewählt werden soll.
D c u t sch l st n
Frankfurt, 27. März. Amnestie allen politischen Vergehungen — nur dein Kanzleistyl nicht, denn er ist, wie mancher andere Pedant auch, nicht nur sehr langweilig und unverständlich, sondern auch sehr tückisch und arglistig. Er zieht um junges Recht eine dicke chinesische Mauer von altem Unrecht, und seine Jedoch und Wenn und Aber sind Nichts als Fußangeln, die der böse Feind Euch legt, und wenn Ihr Laien, die Ihr bekanntlich Nichts versteht, Euch freut über die Gerechtigkeit, die Euch in §. 1 geworden, fragt nur schnell einen Juristen vom Handwerk, ob §. 97 nicht mit der anderen Hand nimmt, was Euch jener gegeben. Darum haben wir eine angeborne Antipathie vor langathmigen, langphrasigen undvielparagraphigen Gesetzen. Die neueste Zeit, die gar Manches gelehrt hat, hat den Perrücken auch Deutsch gelehrt, sie reden jetzt in ihren Gesetzen, wie ein anderer Mensch auch, und das AssociationSge- setz, das heute in unserer gesetzgebenden Versamiâng verhandelt wurde, war kurz, deutlich und aus dem olympischen Himmel herab zu den Kindern der Erde gestiegen. ES wird darin nicht gedroht, nicht Bezug genommen auf die so und so vielen Paragraphen eines alten Gesetzes, das Niemand kennt, sondern es heißt einfach, Versammlungen und Vereinigungen sind erlaubt. . Nur muß, wenn diese politischer Natur sind, am Tage zuvor die Anzeige gemacht (nicht die Erlaubniß einge- holt) werden, und der Zweck des Vereins oder der Ein- berusung angegeben werden. Sollte sich der Zweck M ein gesetzlich verbotener herausstellen, oder die Versammlung sich als ordnungsstörend erweisen, so kann die Administrativbehörde sie verbieten, jedoch steht den Betheiligten Berufung an das Appellationsgericht zu (D. Z.)
Berlin. Von hier sollen bereits 15,000 Mann der ehemaligen Garde sowie eine meistens aus Studenten bestechende Freischaar nach gen sein.
Frankfurt, 29. März. Fast unmittelbar nach der gestern Abend stattgehabren freundlichen Begrüßung Jordans und Uhlands fanden bei dem preußischen Gesandten und an etlichen Privathäusern Katzenmusiken und Fensterzertrümmerungen statt.
— Die Presse soll hier trotz der proklamirten Preßfreiheit so eingeschüchtert sein, daß sie nur Artikel von der Rich- tung aufzunehmen wagt, welche im Augenblick die Oberhand hat. Nichts von der Gegenpartei wird ausgenommen, selbst nicht gegen Bezahlung — waö doch viel sagen will.
— Camphausen hat die Stellung eines geh. Staatsministers nicht angenommen; weil er glaubt, augenblicklich in außeramtlicher Stellung dem Vaterlande nützlichere Dienste leisten zu können.
Berlin, 26. März. In einer Korrespondenz der Bremer Zeitung find die Stimmungen in Beilin in fol- , gender bemerkenswerthen Weise bezeichnet: Die bisherigen Royalisten alten Schlags sind jetzt Alles eher, als Freunde eines Königs, der mit der „Revolution," Wie sie sagen, fraternisirt und die deutsche Demagogie vertritt. Die entschiedenen Liberalen sehen gleichfalls mißtrauisch auf eine Veränderung, die so sehr über Nacht gekommen ist, daß sie allerdings auch den Gläu- bigjten verwundern muß. Die wühlenden „Kommunisten" oder „socialistischen Radikalen" werden zwar von der Partei der Bürgerschaft noch in Schach gehalten — und das ist gut — aber sie setzen ihre Hoffnungen auf die Verwirrung unserer Zustände, bei denen es an dem für Alle Vertrauen erweckenden Mittelpunkt fehlt. Darin sind übrigens alle Besonnenen einig, daß dieser Mittelpunkt nur das vorläufige provisorische deutsche Parlament sein , oder doch dieses allein einen solchen Mittelpunkt zu bezeichnen fähig könne.
Hanau, 29. März. Wie überall so haben auch