Einzelbild herunterladen
 

Dieses Blatt erscheint, Montags aus- Anzeigen aller Art werden in diesem genommen, täglich, und kostet jährlich Blatte ausgenommen und kostet die 6 fl. Bei allen Postämtern so wie Wsl | Q Zeile (Petitschrift) 4 kr. - Grö- in der Stein'schen Buchdruckerei stere^Lchrift wird nach dem Berhält- zu Wiesbaden werden Bestellungen nisse des einzunehmenden Raumes hierauf angenommen. berechnet. Der B-llsfttUâ Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden. Freitag, den 31. März 1848.

Mit dem 1. April beginnt ein neues Abonnement auf den Volksfreund. Derselbe kostet bis 1. Juli d. J. in Wiesbaden st. 1. 30 kr; in den übrigen Orten des Herzogthums Nassau, wo der­selbe durch die Post bezogen wird, sowie im Grvßherzvgthum Hessen, an Frankfurt, Heffeu-Homburg und der Provinz Hanau st. 2. 5 kr.

Nußland wie cs wirklich ist! (Fortsetzung.)

Ihre Feinde sind überall:, in der furchtbaren Masse E Bauern, die ihre Befreiung nicht mehr vom Kaiser hoffen, und deren von Tage zu Tage häufigere Auf­stände eS beweisen, daß sie des Wartens müde sind; in einer zahlreichen aus den verschiedensten Elementen zusammengesetzten Mittelklasse, einer unruhigen und un­gestümen Menge, die sich mit Leidenschaft in die erste revolutionäre Bewegung hineinstürzen würde; endlich Md vor Allem in jener zahlreichen Armee, welche die ganze Oberfläche des Reichs bedeckt. Nicolas betrachtet allerdings diese Soldaten als seine besten Freunde, als die festesten Stützen seines Thrones; aber diese seltsame Einbildung wird ihm sicher dereinst verderblich werden Wie! diese Menschen sollten die Stützen seines Thrones sein, die aus den Reihen des im tiefsten Unglück schmach­tenden Volks hervorgegangcn sind, diese Menschen, welche man gewaltsam ihren Familien entreißt, welche man wie wilde Thiere in den Wäldern verfolgt, wo sie sich zu verstecken suchen, nachdem sie sich nicht selten selbst verstümmelt haben, um der Rekrutirung zu ent­gehen, diese Menschen, welche man gefesselt zu ihren Regimentern bringt, wo sie verdammt sind, zwanzig Jahre lang, also fast für ihre ganze Lebenszeit, eine wahre Hölleneristenz zu führen, täglich geschlagen, täg­lich von neuen Strapatzen erdrückt, täglich dem Hunger­tode nahe gebracht zu werden! Großer Gott! was wür­den sie denn sein, diese russischen Soldaten, wenn sie bei solchen Torturen die Hand noch lieben könnten, welche sie-ihnen auferlegt! Glauben Sie mir, meine Herren, unsere Soldaten sind die gefährlichsten Feinde der gegenwärtigen Ordnung der Dinge, besonders aber die von der Garde, welche täglich das Uebel an seiner Quelle sehen, und sich keine Täuschungen über die ein­zige Ursache aller ihrer Leiden machen können. Unsre Soldaten sind das Volk selbst, aber noch viel unzu­friedener; sie sind das aller Täuschungen baare, bewaff­nete, an die Disciplin und an gemeinsames Handeln gewöhnte Volk. Wollen sie einen Beweis dafür? Bei allen Bauern-Emeuten der letzten Zeit haben die verab­schiedeten Soldaten die Hauptrolle gespielt.

Um diese Rundschau unter den Feinden der bestehen­den Gewalt in Rußland zum Schluß zu bringen, muß ich Ihnen endlich noch sagen, meine Herren, daß es unter der Jugend des Adels eine große Zahl unter­richteter, edelmüthiger und patriotisch gesinnter Männer

gibt, welche über unsre schmachvolle und verabschcuungs- werthc Stellung erröthen, welche mit Entrüstung ihre sklavische Lage empfinden, welche alle von einem unver­söhnlichen Haß gegen den Kaiser und seine Regierung erfüllt sind. Ja, glauben Sie mir, an revolutionären Elementen fehlt es in Rußland nicht! Rußland wird lebendig, es erhitzt sich, es zählt seine Kräfte, es be­sinnt sich, cs vereinigt sich, und der Augenblick ist nicht mehr fern, in welchem der Sturm, der große Sturm, zu unser Aller Heil, losbrechen wird! (Längerer Bei,all )

Meine Herren, im Namen dieser neuen Gesellschaft, im Namen dieser wahren Russischen Nation, schlage ich Ihnen ein Bündniß vor. (Beifall)

Die Idee eines revolutionären Bündnisses zwischen Polen und Rußland ist nicht neu. Wie Sie wissen, war sie schon durch die Konspirirten beider Länder im Jahre 1824 ersaßt worden.

Meine Herren, die Erinnerung, welche ich hier heraufbeschöre, erfüllt meine Seele mit Stolz. Die Russischen Konspirirten waren damals die ersten, welche den Abgrund überschritten, der uns zu trennen schien.

Nur von ihrem Patriotismus geleitet, trotzten sie den Vorurtheilen, von denen S i e ganz natürlich gegen Alles, was. den Namen Russe trug, erfüllt waren, und kamen Ihnen entgegen, ohne Mißtrauen, ohne Rück­halt; sie kamen, Ihnen ein gemeinsames Unterneh­men gegen unfern gemeinsamen und einzigen Feind vorzuschlagen. (Beifall.)

Sie verzeihen mir, meine Herren, diese unwillkür­liche Regung des Stolzes. Ein Russe, der sein Va­terland liebt, kann nicht ohne Wärme von diesen Män­nern reden; sie sind ja unser lauterster Ruhm, und ich fühle mich glücklich, ihn inmitten dieser großen und edeln Versammlung, inmitten dieser polnischen Versamm­lung laut verkünden zu können (Beifall), sie ^sind unsre Heiligen, unsre Helden, die Märtyrer unsrer Frei­heit, die Propheten unsrer Zukunst! (Beifall.) Von ihren Galgen herab und selbst aus den Steppen Sibiriens, wo sie noch seufzen, sind sie unser Heil, unser Licht, die Quelle aller unsrer guten Eingebungen, unsre Schutz­wache gegen den verwünschten Einfluß des Despotis­mus und unser Beweis für Sie und die ganze Welt gewesen, daß Rußland in sich selbst alle Elemente der Freiheit und der wahren Größe enthält! Schande, Schande dem von uns, der daö nicht anerkennen sollte! (Stürmischer Beifall.) (Schluß folgt.)