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eine Vertretung will der König, solch' eine Vertretung will das Volk. Kaun der zum 2. April d. I. einbe­rufene vereinigte Landtag eine solche Volksvertretung schaffen ? Nein, denn der vereinigte Landtag ist ein ständischer Körper mit Ständeinteressen. Der vereinigte Landtag ist also ein natürlicher Feind der vom Könige proklamirte» Konstitution; er kann das Vertrauen des Volkes nicht besitzen; er steht feindlich zwischen Königs­und Volkswillen; er würde die vom Könige proklamirte wahre Konstitution verwerfen und also unmöglich machen. Der König allein hat auf den Volkswunsch die konsti­tutionelle Monarchie proklamirt; der König ist also auch allein im Staude, sie dem Volkswunsche gemäß zur Aus­führung zu bringen. Er will zu diesem Ende, nach sei­nen eignen Worten den Volkswunsch vernehmen. Ber­linei ! drücken wir ihm diesen Volkswunsch aus! Versammeln wir uns Freitag, 24. d. M., Nachmittags 3 Uhr an den Zelten zu einem Beschluß über die Be­dingungen der vom Könige proklamirte» Konstitution. Sie bestehen in dem einzigen Gesetze: Für die Volks­vertretung der Nation ist jeder mündige Preuße Wäh­ler und wählbar."

Wien. Der Kaiser soll mittelst Handbillets allen politischen Verurtheilten in Oesterreich vollkommene Am­nestie ertheilt haben. Graf Fiquelmont, der kaum seine Stelle als Minister deS Auswärtigen angetreten, hat einen entschiedenen Schritt bei den andern deutschen Regierungen gethan, der darauf hinzielt, die deutschen Interessen auf alle mögliche Weise zu konzentriren und im Geiste freiester Diskussion zu erledigen,

Italien.

Mailand war am 20. von starken Truppenmassen eingeschlossen; die Bergamesen entsetzten ein Thor und drangen in die Stadt. Der Stadtrath hatte über die Mauer hinunter eine Proklamation geworfen, des In­halts: Mailand sey in zwei Tagen siegreich geworden, aber noch immer unbewaffnet. Es sey noch umgeben von einer entmuthigten, aber noch immer zu fürchtenden Soldateska. Alle Städte und Gemeinden mögen zu den Waffen eilen und Bürgergarden bilden. Die Pro­klamation schließt:Hülfe und Sieg! Es lebe Italien. Es lebe Pius IX.! Mailand, den 20. März 1848, Morgens." Eine andere Proklamation vom 20. sagt: die Stadt werde fortwährend bombardirt, sey aber noch nicht entmuthigt, viele Offiziere geben sich gefangen, ganze Corps strecken die Waffen vor der dreifarbigen Fahne.Bürger, in kurzer Zeit werden wir gesiegt haben, das Vaterland wird über seine Schicksale ent­scheiden; es gehört nun sich selbst!" Der Vicekönig ist in Brescia gefangen, nachdem seine Flucht mißlungen. General Radetzky ist im Castell von Mailand eingeschlos­sen. Die Clcvner haben dir Republik verkündet.

Pole n.

Posen, 22. März, Abends. Es gährt hier fort und fort in furchtbarer Weise, doch ist es bis jetzt noch nicht zum Ausbruche gekommen; wenn jedoch die Deputation, die nach Berlin gesendet ist, um die frei­willige Abtretung d e r P r o v i n z vom Kö­nige zu erbitten, mit ungünstigem Bescheid zurückkehren sollte, so würde der Kampf unfehlbar sogleich l o s b r c cb e n, weil die Polen entschlossen sind, ihre Freiheit jetzt mit dem letzten Blutstropfen zu erkämpfen; auch sollen zahllose Sensenmänner in den Kreisen umher nur auf einen Wink deS hiesigen polnischen Comites harren, um auf Posen anzurücken. Gestern Abend traf die Nachricht von der Amnestirung sämmtlicher politischen Gefangenen hier ein, worauf sogleich die Stadt illumi- nirt wurde. Heute herrschte Jubel überall, und Deutsche und Polen fraternisirten, die roth-weiße und die schwarz­roth-goldene Kokarde tragend.

In Köln sind am 24. etwa 300 Polen durchge­kommen, welche aus dem Heimweg nach ihrem Vater­land waren. Andre sind noch erwartet, da sämmtliche

Polen aus Frankreich in ihre Heimath zurückkebreu werden.

Der polnische General Uminski an den Abgeordneten Skeh zu Darmstadt.

Die Gefühle sind zu sehr über die gewöhnliche Höflich­keit erhaben, als daß ich zu befürchten hätte, eS werde ein Mann, der sich so allgemeiner Achtung in Deutsch­land erfreut, diesen Brief eines Unbekannten an ihn bloßer Höflichkeit znschreibcn. Ich zögere daher keinen Augenblick dem Bedürfnisfe meines Herzens zu genügen und mich zugleich zum Organ aller meiner Landsleute zu machen, um Ihnen alle Dankbarkeit auszudrücken, welche uns ihre Rede in der Deputirtenkammer zu Darmstadt einflößte, worin Sie Ihre Stimme zu Gun­sten meines unglücklichen Vaterlandes erhoben haben. Es ist würdig des edlen deutschen Charakters es ist würdig eines Mannes, welcher von der Heiligkeit der Volkssache durchdrungen, deren Rechte immer vertheidig! und für dieselbe im Gefängniß gelitten hat, eS ist würdig eines Verwandten Weidigs, dieses edeln Mär­tyrers der Freiheit und hochherzigen Polensreunves, seine Stimme für ein unterdrücktes Volk zu erheben. Ehre daher Ihnen, dessen Name jedem guten Polen ewig theuer sein und der von Mund zu Munde gehend, einstens ein schönes Blatt in unserer Geschichte füllen wird.

Empfangen Sie den Ausdruck meiner Erkenntlichkeit und die Versicherung meiner ausgezeichnelsten Hochachtung.

Wiesbaden, 26. März 1848. Uminski,

General der Cavallerie.

Dev Bundestag.

Zu Frankfurt in einer Gaffen,

Da steht ein stolzes Haus,

Da rennen mit staubigen Akten

Biel Männlein ein und aus.

Und vor dem Hause steiget,

So glänzend und so dumm,

Mit blankem Schießgewehre

Ein Wachtsoldat herum. - Ühta^-.

Und wie ich das betrachte.

Da treibt's mich hinein zu geh'n

Und in dem großen Hause

Die kleinen Männlein zu seh'n.

Da faßt es mich am Kragen,

Daè edle Kriegerlein:

Mein Herr, hinausspazieret!

Hier darf kein Fremder h'nein!"

Erlauben Sie, mein Bester!

Wer sind denn diese Herrn

Und welcher Landes Kinder?

Ich wüßt eS gar zu gern!""

Ich kann Sie nicht begreifen!

Welch' eine unnütze Frag'!

Das sind die Herrn Gesandten,

Der hohe Bundestag!"

Da hüllt ich mich mit Seufzen

In meinen alten Flaus :

O Bundestag! Kein Fremder!" "

Und schlich betrübt nach Haus.

Wiesbaden, 1848. G. Freudenberg.

§§. Unter der Regierung Louis Philipp's nahm man es bekanntlich in Frankreich nicht so genau mit der Vertheilung deS Kreuzes der Ehrenlegion. Die provis. Regierung soll deßhalb gesonnen sein, das Kreuz von denen zurückzufordern, die sie dessen für unwerth hält. Hoffentlich wird sie dann auch bei Herrn Regierungs- rath Seebode anklopfen, dem Louis Philipp in einem schwachen Augenblicke auch jene Ehre widerfahren ließ.

«r- Diejenigen Abonnenten , welche den Volks freund ab- holen lassen, können denselben, falls es ihnen bequemer ist, auch in der Schreibmaterialienhandlung vonG.PH Lippe in der Goldgasse in Empfang nehmen. Ebenfalls sind daselbst einzelne Nummern zu 3 kr. zu haben.

Verantwortlicher Redacteur: Lippe. Druck der I. A. Stein'schen Buchdruckerei zu Wiesbaden.