aasten würden, sich als Sklaven hinznstellcn, Ihr Herr wider seinen Willen Ihr Bruder werden würde.
Ihr Bruder, meine Herren, hören Sie? der Kaiser Nicolas Ihr Bruder! (Nein! Nein! Große Aufregung )
Den Unterdrücker, den erbittertsten Gegner, den persönlichen Feind Polens, den Henker so vieler Opfer (Bravo! Bravo! Bravo!), den Räuber Ihrer Freiheit, der aus Haß sowohl und Instinkt, als auch aus Politik mit wahrhaft teuflischer Ausdauer Sie verfolgt, — würden Sie den wohl als Ihren Bruder annehmen . (Geschrei von allen Seiten: Nein! nein! nein!)
Ich wußte es wohl, Sie Alle würden den Tod vor- ziehen; (Ja! ja!) — Sie Alle würden lieber Polen'S Untergang sehen, als in eine solche verabscheuenswerthe Verbindung willigen (Verdoppelte Bravo's.)
Aber gestatten Sie mir, für einen Augenblick das Unmögliche anzunehmen Wissen Sie, meine Herren, welches für Sie daS sicherste Mittel sein würde, Rußland'viel UebleS zuzufügen ? ES würde das sein, sich dem Czaren zu unterwerfen. Er würde dadurch in seiner Politik bestärkt werden und eine solche Kraft erlangen, daß Nichts mehr ihn auszuhalten vermöchte. Welches Unglück für uns, wenn diese antinationale Politik alle Hindernisse besiegte, die ihrer vollständigen Verwirklichung noch im Wege stehen. Und das erste, daS größte dieser Hindernisse ist ohne Zweifel Polen, ist der verzweifelte Widerstand dieses heidenmüthigen Volkes, das uns rettet, indem.es uns bekämpft. (Rauschender Beifall.)
Ja, weil Sie die Feinde des Kaisers Nico la ö sind, die.Feinde des offiziellen Rußlands, deßhalb find Sie von selbst, auch ohne eS zu wollen, die Freunde des russischen Volks. (Beifall.)
(Fortsetzung solgt.)
7 Die gefährlichen Personen im höher« Staatsdienst.
Ein vollkommener Schurke kennt die Schaam nicht mehr und hat von Ehre gar keinen Begriff. Er kennt nichts höheres im Leben, als die Habsucht, er erleidet Alles geduldig, wenn er nur seinen Reichthum vermehren kann, er dient jedem Regierungssystem, welches ihn bezahlt, er beschwört die freieste und die infamste StaatS- Verfassung mit derselben Unverschämtheit, wenn er nur Gelegenheit hat, daS Volk auszuplündern. Ist Metternich Herr und Gebieter, so ist der Schurke ein Handlanger Metternichs, ein Vertheidiger der Censur, geheimer Inquisition und Polizei ic., wird daS Volk endlich frei, so ist der Schurke auch sogleich bereit, die Preßfreiheit, die Geschwornen ic. als die besten Staatsanstalten zu erklären. In dieser Hinsicht konnte der witzige Lichtenberg in Göttingen sagen: „Ein deutscher Staatsmann kann Alles unterschreiben, nur seine Dienstentlassung nicht." DieS sehen wir klar in unserm armen Nassau. Obgleich das abscheulichste System Metternichs ganz und gar gefallen ist, so sehen wir doch die abscheulichsten und rohesten Handlanger dieses Systems jetzt um die Gunst des Volkes kühler nur damit sie ihre, ungeheuren Besoldungen ruhig fortbeziehcn können. — O wir armen Deutschen! — Wären wir Engländer und - Franzosen, so würden wir diese scheußlichen Raubvögel vor Gericht stellen und ihnen den Prozeß machen und sie alsdann aus dem Land jagen. — Ein solcher Hohn und Spott darf nicht mit uns getrieben werden, ^aß die. Handlanger Metternichs ferner in den höheren SlaatSâmtern bleiben. Wir werden nur warten, bis unser neuer Landtag zusammen ist, alsdann wollen wir die Namen dieser schamlosen Menschen dem Volke verkünden und eine Sprache reden, daß jedes Wort eine Kanonenkugel sein soll.
Deutschland.
+ Wiesbaden, 28. März Mit reißender Schnelle macht die Völkerbewegung ihren Rundlauf
durch Europa und erschüttert den europäischen Staaten- bau in Jemen innersten Fugen. Es ist unstreitig das großartigste und gewaltigste Ereignis das die Geschichte aufzuwcisen hat, unberechenbar in seinen Folgen. Wir sehen, wie die Völker mit einer achtunggebietenden Kraft und Würde gegen ihre Unterdrücker sich erheben. Ihr entschiedenes Auftreten zwingt uns um so mehr Staunen und Bewunderung ab, je länger sie unter dem Drucke herzloser Zwingherrn schmachteten. Weder Bajonnette noch Kartätschen sind im Stande den Völkersturm zu beschwichtigen, denn die Macht der öffentlichen Meinung ist größer, als die der Bajonnette. Sie hat sich Bahn gebrochen, sie hat über die Fürsten gerichtet und den Fluch ausgesprochen über ihre bisherige Regierungsweise. Was sie verlangt, eS ist zum Theile schon erfüllt und ihre übrigen Forderungen gehen der Verwirklichung entgegen. Die erste und heiligste dieser Forderungen war die Wiedererlangung'ber allgemeinen Menschenrechte, in deren Besitz wir schon wieder eingesetzt sind Die zweite, gleich heilige Forderung ist die, daß die Völker wieder nach Nationalitäten abgeschieden werden, denn diese Scheidung ist die natürliche und von der Gottheit selbst angeMnet. Bisher hat man aber die Staaten nur nach der Will- kühr der Politik gebildet. Die europäischen SMkcn bildeten ein buntes Durcheinander, insbesondere war eS der österreichische Staat, der den buntscheckigsten Anblick gewährte, ein auS den verschiedenartigsten und entgegengesetztesten Nationalitäten zusammengesetzter Staat, den die Politik durch künstliche Mittel verbinden und znsammenhalten zu können glaubte. Und wie in Oesterreich, so verfuhr die Politik in Rußland, Italien rc. auf die schamloseste Weise, sie sprach allem Göttlichen, sie sprach dem Völkerrechte Hohn und trat es mit Füßen. Wagte es doch der große Höllenfürst (die sonst so reiche Sprache ist zu arm, um den rechten Namen zu finden), Italien für einen geographischen Ausdruck zu erklären! Allein der Wille der Völker war mächtiger als alle Künste der Hölle, «nd -der^ mit Sturmschritten drängende Zeitgeist ist selbst den grop ten Meistern der maccchiavellistischen Schule über den Kopf gewachsen. Der europäische Staatenbau, wie er bisher bestanden, wirb und muß zusammenstürzen. Frankreich hat zuerst seine Fesseln gebrochen. Deutschland ist in seiner Neugestaltung begriffen. Von beiden unterstützt, wird sich Polen erheben und seine Unabhängigkeit wieder erobern, und wird von nun an eine kräftige Schutzmauer für uns bilden gegen den russischen Koloß, gegen die Feinde der europäischen Bildung. Die russischen Ostseeprovinzen wird daS schwedische und Schleswig-Holstein daS teutsche Volk zurückfordern. Oesterreich wird, wie ein Kartenhaus in sich selbst zerfallen. Bereits hat die Lombardei das fremde Joch abgeschüttelt und Ungarn und Böhmen werden sich, wenn auch auf den Augenblick durch die gemachten Zugeständnisse beschwichtigt, doch mit der Zeit von der Fremdherrschaft losreißen. So sieht Europa einer Neugestaltung entgegen und der Fürstenmachtspruch wird dem Willen der Völker weichen müssen.
Wiesbaden. Es circulirt hier folgende AdMe, welche in diesen Tagen nach Berlin abgeheN wird:
Die Bürger von Wiesbaden
an den bisherigen König von Preußen.
8Us Du vor acht Jahren den preußischen Thron bestiegen, erwartete das preußische Volk, und mit ihm ganz Deutschland, von Dir und Deinen Verheißungen die Wiedergeburt des Vaterlandes.
Du hast diese Erwartungen getäuscht, deine Schwüre gebrochen. Du hast mit der deutschen Freiheit ein die ganze Nation entehrendes Spiel getrieben.
Seitdem erkannte die deutsche Nation, daß Du selbst Dich dieser Freiheit für immer unwürdig gemacht. Sie ließ Dich, den Bühnenkönig, in dem eitlen Komödianten- prnnk einer angemaßten nichtigen Größe, denn in der Verachtung des deutschen Volkes ent-