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No. 17.
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Der Velksfnuâ
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.
S e u m e.
WlksbadkN. Mittwoch, den 29. März 1848.
Rußland wie es wirklich ist! (Fortsetzung.)
Sie sehen, meine Herren, ich kenne meine Lage vollständig; und doch stelle ich mich hier als Russe vor, nicht obgleich Russe, sondern weil Russe. Ich komme mit dem tiefen Gefühl der Verantwortlichkeit, welche aus mir ruht, ebenso wie auf allen andern Bewohnern meines Landes; denn die Ehre der Einzelnen ist nicht zu trennen von der Ehre der Nation. Ohne diese Verantwortlichkeit, ohne diese innige Verbindung zwischen den Nationen und ihren Regierungen, zwischen Den Individuen und den Nationen, gäbe es kein Vaterland und keine Nation. (Beisall.)
Diese Verantwortlichkeit, diese gemeinsame Verpflichtung für das Verbrechen, nie, meine Herren, nie habe ich re, fe,. schmerzlich empfunden, als. in diesem Augenblick. Denn der Jahrestag, den Sie heute feiern, meine Herren, ist eine große Erinnerung für Sie, die Erinnerung an eine heilige Erhebung deS Volks und an einen heroischen Kampf, die Erinnerung an eine der schönsten Epochen JhrcS Volkslebens. (Längerer Beifall.) Sie Alle haben dieser großartigen Erhebung des Volks beigewohnt; Sie haben Theil genommen an diesem Kamps; Sie waren Mitspieler und Helden dieses Dra- ma's. In diesem heiligen Krieg haben Sie Alles, was die große Seele der Polen an Begeisterung, an Hingebung , an Kraft und Vaterlandsliebe enthält, entwickelt und erschöpft. Erdrückt durch die Zahl, mußten Sie endlich unterliegen. Aber die Erinnerung an diese ewig denkwürdige Epoche ist mit Flammenzügen in Ihre Herzen geschrieben; Sie Alle sind wiedergeboren aus diesem Kriege hervorgegangen; wiedergeboren und gestärkt , abgehärtet gegen die Versuchungen des Unglücks, gegen die Schmerzen der Verbannung, mit Stolz erfüllt auf Ihre Vergangenheit, mit Vertrauen auf Ihre Zukunft!
Der Jahrestag dcö 29. November, meine Herren, ist nicht allein für Sie eine große Erinnerung, er ist auch das Unterpfand einer nahen Befreiung, einer nahen Rückkehr in Ihr Vaterland. (Beifall.)
Für mich als Russe ist er der Jahrestag eines Schandflecks. Ja, eines großen nationalen Schandflecks ! Ich sage cs laut: der Krieg von 1831 war unsererseits ein unvernünftiger, ein verbrecherischer, ein bruder- mörderischer Krieg. Es war nicht blos ein ungerechter Angriff gegen ein Nachbarvolk, es war ein scheußliches Attentat aus die Freiheit eines Bruders. Es war noch mehr, meine Herren: es war ein politischer Selbstmord von Seiten meines Landes. (Beifall.) — Dieser Krieg wurde im Jntcreffc des Despotismus unternommen, aber wahrlich nicht im Interesse der russischen Nation; diese beiden Interessen stehen sich schnurstracks entgegen.
Die Befreiung Polens wäre unser Heil gewesen: wart Ihr frei, so wurden wir es auch; Ihr konntet den Thron des Königs von Polen nicht umstürzen, ohne den des Kaisers von Rußland zu erschüttern. . . (Beifall) — Kinder desselben Volksstamms , sind unsre Schicksale unzertrennlich, und unsere Sache muß eine gemeinschaftliche sein. (Beifall.)
Ihr hattet das wohl verstanden, als Ihr auf Eure Revolutions-Fahnen die russischen Worte schriebt: za nachu i za vachu voIno8t: „Für unsere und Eure Freiheit!" (Beifall.) Ihr hattet es wohl verstanden, als im kritischen Augenblick deS Kampscs ganz Warschau, der Wuth des Kaisers NicolaS Trotz bietend, sich eines Tages, getrieben von dem großen Gedanken der Brüderlichkeit, vereinigte, um unsern Helden, unsern Märtyrern von 1825, Pestel, Rylecff, Murawiess- Apostol, Bestuschefs-Rumin und Kohofssky (Beifall), die in St. Petersburg dafür aufgeknüpft worden sind, daß sie die ersten Bürger Rußlands waren, — um diesen Helden öffentlich eine feierliche Huldigung darzubringcn!
Ja, meine Herren, Sie haben nichts vernachlässigt, um uns von Ihren brüderlichen Gesinnungen zu überzeugen, um unsere Herzen zu bewegen und uns aus unserer verderblichen Verblendung zu reißen. Vergebliche, Versuche! Verlorne Anstrengungen! Soldaten des Czaren, taub gegen Euern Ruf, sahen wir nichts und verstanden nichts; wir marschirten gegen Euch, — und das Verbrechen war vollbracht.
Meine Herren, von allen Unterdrückern, von allen Feinden Ihres Vaterlandes haben grade wir am meisten Ihre Verwünschungen und Ihren Haß verdient.
Und dennoch erscheine ich hier nicht blos als ein reuiger Russe. Ich wage es, in Ihrer Gegenwart meine Liebe und meine Achtung für mein Vaterland auszusprechen. — Ich wage noch mehr, meine Herren, ich wage es, Sie zu einer Verbindung mit Rußland einzuladen.
Ich muß mich darüber näher aussprechen.
Vor etwa einem Jahre — ich glaube, es war nach den Mordscenen in Galizien — machte ein polnischer Edelmann in einem an den Fürsten Metternich gerichteten, mit vieler Beredtsainkeit geschriebenen Briefe, der seitdem Berühmtheit erlangt hat, Ihnen einen befremdenden Vorschlag. Hingerissen ohne Zweifel von einem an sich sehr gerechten Haß gegen die Oesterreicher, forderte er Sie zu nichts Geringerem auf, als sich dem Czaren zu unterwerfen, sich ihm ganz zu geben mit Leib und Seele, ohne Bedingung und ohne Rückhalt; er rieth Ihnen, auS freien Stücken das zu thun, was Sic bisher nur gezwungen erduldet hatten, und er versprach Ihnen als Ersatz dafür, daß, sobald Sie