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Der Bolksfreun-.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

Seume.

Wiesbaden. Dienstag, den 28. März ' 1848.

Adresse der Turner zu Wiesbaden an die Turner zu Wien.

Teutschland ist frei! Die Ketten der Knechtschaft sind gebrochen und ein freies teutsches Volk ist wieder erstanden. Die frohe Kunde dringt zu uns aus allen Gauen oeS weiten teutschen Vaterlandes. Schnell und entschei­dend war der Sieg, aber auch seine Opfer hat er ge­fordert; vornehmlich waren es die Bewohner der Kai­serstadt, die sich mit dem Schwerte in der Hand die Freiheit erkaufen und über Bruderleichen zum Siege schreiten mußten. Mit Bewunderung und inniger Freude hat ihr kräftiges entschiedenes Auftreten unS und die übrigen teutschen Brüder erfüllt, mit Bewunderung und inniger Freude hat uns insbesondere Euer Heldcnmuth, edle-Jünger der Wissenschaft, erfüllt Ihr HM den Ausschlag gegeben für die völlige Befreiung Eures Va­terlandes, Ihr habt Euer Volk für die heilige Sache zu begeistern gewußt, Ihr habt das Banner der Lolks- freiheit vorangetragen, Ihr habt den Mann unschädlich gemacht, auf dem der Fluch Teutschlands, der Fluch Europa'S lastet, und habt dadurch einen Sieg erfochten, ohne den der unsrige immer noch zweifelhaft geblieben wäre. Zum größten Dank sind wir Euch dadurch ver­pflichtet, den wir, Eure Brüder und Gesinnungsgenossen, Euch hier darbringen. Die Nachwelt wird Euer An­denken segnen und die Geschichte mit Flammenschrift Eure Namen auszeichnen. Wandelt fort, edle Jünglinge, auf der Bahn, die Ihr betreten, schließet Euch fest mit uns an das gemeinsame Vaterland, denn schwere Zeiten stehen ihm bevor, und nur im einmütigen Zusammen­halten aller Teutschen ruhet sein Heil und Glück. Darum haltet fest am gemeinsamen Vaterlande und stehet mit unS ein mit Gut und Blut, wenn es gilt für es zu kämpfen und zu streiten. Indem wir nochmals Euch unsern Dank aussprechen, entbieten wir Euch unsern Brudergruß und den teutschen Handschlag. Es lebe die Freiheit! Gut Heil dem freien, einigen, großen, star­ken, teutschen Volke!

Nußlant» wie es wirklich ist!

Unter obigem Titel ist bei H. Hoff in Mannheim die in's Deutsche übertragene Siebe deS russischen Flüchtlings M.Bakunin erschienen, welche derselbe am 17. Jahrestag der polnischen Revolution (29. Nov. 1847) zu Paris in der zur Feier dieses Jahrestags stattgesundenen Versammlung gehalten hat. Es läßt diese Rede so tiefe Blicke in den innern , morschen Zu­stand Rußlands thun, daß wir, besonders bei der jetzt überall neu erwachenden Sympathie für das unglückliche polnische Volk, unsern Lesern einen Dienst zu erzeigen glauben, wenn wir dieselbe hier mittheilen.

Meine Herren! Der gegenwärtige Augenblick ist für mich ein höchst feierlicher. Ich bin Russe und ich trete mitten unter diese zahlreiche Versammlung, die sich vereinigt hat, um den Jahrestag der polnischen Revolu­tion zu feiern, und deren bloße Anwesenheit hier schon gewissermaßen eine Herausforderung, eine Drohung und ein Fluch gegen die Unterdrücker Polens ist; ich trete unter Sie, meine Herren, getrieben von einer ticfwur- zelnden Liebe und einer unwandelbaren Achtung für mein Vaterland.

Ich weiß es wohl, wie unbeliebt Rußland bei den Völkern Europa'S ist. Die Polen halten es, und viel­leicht nicht ohne Grund, für eine der Hauptursachen alles ihres Unglücks. Die unabhängigen Männer der andern Nationen sehen in der reißend schnellen Ent­wicklung seiner Macht eine von Tag zu Tag wachsende Gesahr für die Freiheit der Völker. Ueberall erscheint der Name Russe gleichbedeutend mit brutaler Unter­drückung und schimpflicher Sklaverei. Ein Russe ist in der Meinung Europa'S nichts Anderes: als ein feileS Werkzeug zur Eroberung in den Händen des verhaßte« sten und gefährlichsten Despotismus.

Meine Herren! Nicht um Rußland wegen der Ver­brechen zu rechtfertigen, deren man es anklagt, nicht nm die Wahrheit zu verläugnen, habe ich diese Tribüne be­stiegen. Ich will nicht das Unmögliche versuchen. Die Wahrheit thut mehr als je meinem Vaterlande Noth.

Wohlan denn, wir sind noch ein Volk von Sklaven! Bei uns gibt es noch keine Freiheit, keine Achtung vor der Menschenwürde! Bei uns herrscht noch ein scheuß- licher Despotismus, zügellos in seinen Launen, schran­kenlos in seinem Tbun; wir haben noch Nichts von dem, waS die Würde und den Stolz der Nationen auö- macht. Man kann sich keine unglücklichere und ernie­drigendere Lage verstellen.

Unsere Stellung nach Außen ist nicht weniger bekla« genswe^th. Geduldige Vollstrecker eines Gedankens, der und" fremb ist, eines Willens, der eben so sehr unsern Interessen, als unserer Ehre zuwiderläuft, sind wir ge­fürchtet, gehaßt, fast möchte ich sagen verachtet; denn man betrachtet uns überall als die Feinde der Civilisa­tion und der Humanität. Unsere Herren bedienen sich unserer Arme, um die Welt in Fesseln zu legen, um die Völker zu unterjochen, und jeder ihrer Erfolge ist eine neue Schmach für unsere Geschichte.

Ohne von Polen zu reden, wo wir seit 1772, be­sonders aber seit 1831, uns täglich durch abscheuliche Gewaltthaten, durch namenlose Schändlichkeiten enteh­ren, welche erbärmliche Rolle hat man uns für Deutschland, in Italien, in Spanien, selbst in Frank­reich, kurz überall da spielen lassen, wo nur unser ver­derblicher Einfluß hindringen konnte! Gibt es wohl