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Der Volksfttunr.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die e r st e.

Seume.

Wiesbaden.

Sonntag, den 26. März

1848.

DieFolgen der Gewerbefreiheit und un­beschränkten Theilbarkeit des Grund- eigenthums.

(Schluß.)

Das traurige Loos, dem ein junger Mann entgegen geht, der sich mit einem kleinen Vermögen oder einem zu geringen, oder ohne allen Grundbesitz in einem Dorfe niederläßt, ist leicht vorauszusehen. Auch zeigen schon jetzt die Beispiele in vielen Dörfern, wie einige wohlhabende Familien nach und nach die besten Felder an sich zu bringen und die ganze Gemeinde sich zins­bar zu machen wissen Gelingt eS endlich einem solchen wohlhabenden und zugleich schlauen, gewandten Manne Schultheiß zu werden, so ist er in der That mehr Herr des Ortes als dessen Vorfffteher. Denn wel­cher arme Schuldner kann es wagen, einer andern Meinung zu sein, als sein reicher Gläubiger, der ihn durch Aufkündigung des Kapitals jeden Tag von Haus und Hof vertreiben, und die persönliche Absicht durch seine Amtsgewalt unterstützen kann.

Gesetze können dagegen nicht schützen. Nur der aus Berücksichtigung der Familienereignisse, die wir täglich erleben, aus ruhiger Ueberlegung und Berathung her­vorgehende Entschluß verständiger Männer unter den Bauersleuten selbst, kann vielleicht für die Zukunft einigen Schutz gegen die sichtlich zunehmende Ver­armung gewähren.

Wenn wir nämlich für sehr bevölkerte, durch man- nichfaltige Beschäftigung vielseitig belebte Gegenden die unbeschränkteste Freiheit des Verkehrs und der Güter­theilung als wünschenswerth anerkannt haben, so erscheint es doch sehr zweifelhaft, ob es, unter den oben geschilderten Verhältnissen, nicht im Interesse der Land­leute liege, freiwillig einen gewissen Stamm ihres Gutes für ein unzertrennliches Ganzes zu erklären und unge- theilt in ihrer Familie zu vererben.

Wie viele Felder zu einem Hause gehören, läßt sich freilich nicht allgemein und nicht für alle künftige Zei­ten im Voraus bestimmen. Es wäre nur der Grund­satz sestzustellen: daß bei jedem Bauernhause so viel Grund und Boden bleibe, als zu vollständiger Be­schäftigung und Ernährung einer fleißigen und spar- samen Familie hinreichend ist.

Der größere oder geringere Umfang eines solchen geschlossenen Hoses wäre jedoch nicht nach dem Ver­mögen des jetzigen Eigenthümers zu bemessen, sondern müßte nach der Beschaffenheit und Fruchtbarkeit des Bodens, nach der Menge und dem Werth der Erzeug­nisse, die er trägt oder doch tragen könnte, und selbst nach der Wahrscheinlichkeit eines Nebenverdienstes, auf

welchen der Eigenthümer rechnen kann, bestimmt werden.

Da in solchen von Städten und Handelsstraßen ent­fernteren Gegenden die meisten Dörfer große Gemar­kungen haben, und Viele mehr Land besitzen, als zur Ernährung einer Familie nothwendig ist, so würde im­mer noch eine sehr große Anzahl Felder, die zu keinem geschlossenen Hof gehören, zum freien Umtausch und Verkauf übrig bleiben, die nach dem steigenden oder sinkenden Wohlstand der Einwohner bald an diesen und bald an jenen übergehen können, oder auch wohl in den Besitz einer Familie kommen, die in der Gemeinde ausgenommen ist, und einen neuen bleibenden Haus­stand zu begründen beabsichtigt

Die Beobachtung, daß in einigen Dörfern, die der Verfasser genau kennt, die Theilung der Güter seit 30 Jahren gestattet, aber von den dortigen Bauern nicht eingeführt und ein großer gleichförmiger Wohlstand er­halten worden ist, während in andern Dörfern desselben Landes, wo die Theilung der Höfe schon in der letzten Hälfte des vorigen Jahrhunderts statt gefunden hatte, jetzt nur noch einige reiche Gutsbesitzer wohnen, deren (allerdings trefflich benützte) Felder von den Söhnen der übrigen verarmten Bauern um Taglohn bearbeitet werden, hat ihn bewogen, diesen Gegenstand zur Sprache zu bringen.

Ueber Polen.

Mit welch' wehmüthiger Theilnahme mögen die armen, unter russischem Joche schmachtenden Polen das uner­wartete Glück ihrer Brüder in Preußen und Oestreich vernommen haben!

War das Loos der Letzteren früher schon besser zu nennen, als das jener Unglücklichen, welche dem rus­sischen Koloß auf den Antheil eines unerhörten Län­derraubs zufielen, wie unendlich bevorzugter und glück­licher mögen sie vollends nun erscheinen. Ja! Ihr verdient eS, glücklich zu sein. Wenn gleich Euere tap­feren Arme auf den letzten, durch ganz Europa Nveder- hallenden Rufzur Erkämpsung der Freiheit" nicht thätig waren, so bleibt Euer Verdienst dennoch derselbe, so bleibt Euer und Eurer großen Väter Ruhm in seiner ganzen Hoheit ungeschwächt. Tief in der Brust wurzelt die Dankbarkeit, die die That der 30,000 von Wien jedem braven Deutschen abnölhigen muß. Keine deutsch und rechtlich gesinnten Männer waren es, welche Euern freiheitathmenden Wünschen eine so unlautere Deutung, Euern freien Gliedern solche Fes­seln anlegten; eS waren ihre unwürdigen Vertreter, deren Hauptkreatnr jetzt erst den Lohn ihrer 50jährigen Schandthaten einärntet. Von aller Welt verachtet, wird der früher Gefürchtete" das Ende seiner Tage herbei