Cigarren. Die wohlhabenden Bürger sammelten Geld und ließen für die Arbeiter Lebensmittel herbeiholen. Die Frauen und Töchter, selbst Damen vom Adel und Frauen hoher Beamten schleppten in Körben und in den Schürzen Steine auf die Dächer und Kirchthürme und an ihre Fenster. Das Militär muß sofort aus der Stadt, daS war der allgemeine Ruf. Als die ersten Kanonen erdröhnten, da wuchs die Lust zum Kampfe, Niemand kannte ein Gefühl von Furcht. Alle Fenster waren erleuchtet, damit die Arbeiter und Kämpfer sehen konnten Sobald das Militär irgendwo anrückte, hörte dieses rege Leben wie mit einem Zauberschlage aus, alle überflüssigen Personen gingen in die Häuser und verschlossen solche, die Männer mit Schießgewehr gingen hinter die Barrikade, die andern stiegen auf die Dächer. Die Kavallerie konnte, da alles Pflaster zerrissen war, gar nicht mehr wirken, nur Infanterie waranzuwenden. Auch diese konnte nirgends in größeren Massen anrücken, da die Büchsen der Schützen und die Steinwürse von den Dächern sonst ganze Glieder niederstrecklen. Die Infanteristen schlichen daher einzeln an den Häusern entlang, aber sobald sie an eine Barrikade kamen, muß- ren sich die Einzelnen wieder in größeren Haufen sammeln, und nun begann wiederum die neue Gefahr. Am furchtbarsten war die Jerusalems straße verschanzt, weil dorr gerade Jahrmarkt war. Jede Bude wurde irr eine Festung verwandelt.
Am heftigsten war der Kampf an sieben Punkten, nämlich bei der Barrikade am Kölnischen Rachhaus, bei den drei Barrikaden an den Ecken, welche die Friedrichstraße mit der Taubenstraße, mit der Torocheenstraße und der Leipziger Straße bildet, bei dem Sturm des Ändwehrzeughauses in der Lindenstraße, bei dem Aleran- derplatz und der Hausvogtei. Fünfmal stürmte das Militär die Barrikade an dem Kölnischen Rathhause, aber jedesmal stürzten Reihen von Soldaten von den Wohl gezielten Schüssen der Bürgerschützen nieder. Man ging zuletzt^so weit, mit den Kartätschen und Granaten gegen diese Barrikade zu schießen, so, daß das ganze königliche Schloß erzitterte und erdröhnte. Diese Kugeln zerstörten aber mehr das hinter der Barrikade liegende Haus des Konditors d'Heureuse (in welchem 5 Menschen, worunter ein 12jähriger Knabe, getödtet wurden), als die Barrikade, und erst nach einem dreistündigen Kampf, nachdem immer neue Truppen heranzogen, immer neuer Kartätschenhagel gewüthet hatte, fiel diese Barrikade. Das Militär soll bei solcher 4 Offiziere und 30 Mann verloren haben. Bei der Barrikade an der Taubenstraße lagen mehrere Scharfschützen hinter Oelfässern versteckt und richteten eine furchtbare Verwüstung unter dem stürmenden Bataillon an. Noch ehe der Sturm begann, hatten die Bürger dem kommandircnden Major- den Vertrag angeboten, daß man gegenseitig von der Schußwaffe keinen Gebrauch machen wolle, der Major ging hierauf nicht ein; gleich beim ersten Sturm stürzte er getroffen vom Pscrde ; ein anderer Offizier nahm seine Stelle ein, auch dieser stürzte todt vom Pferde. Der dritte Sturm kostete einem Lieutenant das Leben. Außerdem fielen viele Gemeine. Nunmehr begann auch gegen diese Barrikade ein mörderisches Kartätschenfeuer. Ein junger Student mit fliegenden Haaren stand aus der Barrikade und schwenkte eine dreifarbige Fahne. Alle Kartätschen gingen an ihm ohne Schaden vorüber. Frauen und Jungfrauen wehetcn mit Tüchern ihm aus den Fenstern ihre Glückwünsche zu. Endlich fiel zwar auch diese Barrikade, aber schon an der Leipziger Straße erhob sich ein gleicher mörderischer Kampf. Dort hatte man die Straße mit Glas belegt, siedendes Wasser und surcht- bare Steinmassen standen auf den Dächern bereit.
(Schluß folgt.)
Berlin. Die Volkswuth gegen den Prinz von Preußen, der die Truppen zum Feuern befehligte, ist allgemein. Um sein Schloß vor der zugedachten Zerstörung zu schützen, mußte man es als „Eigenthum
der Nation" erklären. Alle Wappenschilder, welche der Prinz seinen Hoflieferanten verliehen hatte, wurden abgerissen. — Er und seine Familie mußten die Stadt verlassen. — Wir fragen: Warum jagt man den Prinzen fort, der doch nur ein untergeordnetes Werkzeug war? Hat der nicht gleiche, hat der nicht mehr Schuld, der das Feuern nicht verhinderte (weil er konnte), wie derjenige, welcher (aus höherm Auftrag) dazu k o m in a n d i r t e? —
— Man rechnet über 400 Todten und Verwundete in den Reihen der Bürger, vom Militär gegen 1000, worunter an 100 Osiziere, die von den Schützen vorzüglich aufs Korn genommen wurden.
Offenburg, 19. März. Die heute hier stattqe- fundene Volksversammlung lief ohne alle Störung und ohne die geringste Kundgebung Der so gefürchteten un- zeilig- n Hinneigung zu einer deutschen Republik ab. Die V rsammlung beanspruchte für unser Vaterland vor allen Dingen ein deutsches Parlament, w lches im Großen feine Verhältnisse nach Innen und Außen fräs* tiq ordne und frei gestalte, und dessen erste Äu'gabe sein wird, der deutschen N monalität und S>!bustän- digkeit Anerkennung zu verschaffen. WaS insM sondere die badischen Angelegenheiten d- trifft, so wurde erklärt das dem Volke namentlich der Ei: iluß anstößig sei, welchen Markgraf Wridelm seit langer Zeit auf die StaatSg- schäfte überhaupt und auf das Milnäiw-sen insbesondere auSübe. (Derselbe soll in Folg- dieser Erklärung bereits seine Stelle als Befehlshaber der groß- herwglichen Truppen niedergelegt haben ) — Tie Versammlung beschloß endlich noch, daß künftigen Sonntag den 26 März, Mittags 12 Uhr, auf dem alten Schlosse zu Heidelberg eine Volksversammlung zu weiterer Besprechung der vaterländischen Angelegenheiten abgehalten werde, wozu alle Deutsche eingeladen sind.
München, 20. März. Der König von Baiern begründete seine Abdankung zu Gunsten seines Sohnes Mar 11. durch folgende Erklärung: „Er habe seit drei und zwanzig Jahren regiert nach Grundsätzen, die er für die richtigen gehalten, nun sei er gezwungen worden, Concessionen, Versprechungen zu machen, die er nicht zu halten im Stande sei; er sehe sich unter diesen Umständen veranlaßt, seine Krone niederzulegen." — Dieses unumwundene Aussprechen seiner G-sinnungen ist an dem nun abgetretenen König höchst achtungswerth — und wir können diese Offenheit und sein darauf begründetes Zurücktreten von den Geschäften Allen denen nur zur Nachahmung empfehlen, die sich nicht mit ganzer Seele und aus innigster Ueberzeugung der neuen Bewegung anschließen können. Ob indessen durch diesen Personenwechsel die Sache des Volkes gewonnen habe, wird noch sehr in Zweifel gestellt; der neue König soll nämlich dem Adel sehr zugethan sein.
Stuttgart, 21. März. Der hiesige Beobachter- macht heute folgende Mittheilungen : „ Ohne Zweifel werden in den nächsten Tagen die Anträge der in der Heidelberger Versammlung bestellten Commission, über die deutsche Bundesverfassung, welche dieselbe der Frankfurter Versammlung vorlegen wird, veröffentlicht werden. Sicherem Vernehmen nach. bestehen die Hauptgrundzüge der von der Commission entworfenen deutschen Bundesverfassung in folgenden Sätzen: Das deutsche Parlament hat die Aufgabe, das deutsche Volk, einschließlich Ostpreußens und Schleswigs, als ein e Nation zu repräsentiren; demgemäß verllitt das deutsche Parlament Deutschland gegen Außen, beschließt über Krieg und Frieden, hat das Recht der Gesandtschaft, ein deutsches Kriegsherr; unter ihm steht die Marine; es hat für die Herstellung der Einheit in Zoll, Post, Maß und Gewicht zu sorgen; möglichste Einheit in der Gesetzgebung der einzelnen deutschen Länder anzubahnen ; unter seiner Garantie stehen die Verfassungen der einzelnen Bundesstaaten, so wie die unveräußerlichen staatsbürgerlichen Rechte aller Deutschen, als welche insbesondere bezeichnet werden Preßfreiheit, Denkfreiheit, Ge-