(nicht Fabrikanten und Verwalter) zu werden wünschen, weil sie sich als solche geehrt sehen und sich nie gescheut haben, den Hammer und Pflug zu suhren.
Werden die verschiedenen Arten der Grundabgabcn, die oft so bedeutend sind, daß sie, auf magerem und schwer zu bearbeitendem Boden, nach Abzug alles andern Aufwandes den ganzen reinen Ertrag hinwegnch- men, und der scheinbare Eigenthümer in der That nur Pächter ist, oder sogar alS Taglöhner aus seinem eigenen Acker arbeitet, auf eine nicht bloö gerechte, sondern selbst billige Weise ablösbar gemacht, so wird der Erwerb und die Erhaltung eines selbstständigen ländlichen Haushalts auch auf diesem Wege erleichtert.
Auch durch die Art der Verpachtung oder des Verkaufs großer Güter kann auf die Erhaltung eines Mittelstandes auf dem Lande gewirkt werden, wenn man nicht sowohl die augenblickliche größere Rente, sondern die Sicherheit derselben für eine ferne Zukunft berücksichtigt, und solche Besitzungen weder im Ganzen noch in einzelnen Feldstücken, sondern in solchen Theilen verpachtet, daß jeder derselben eine zahlreiche Bauer- familie mit einigen Knechten und Mägden vollständig beschäftigt und bei richtiger Behandlung und fleißiger Bearbeitung auch reichlich ernährt. — Wird nicht durch den Vertrag festgesetzt, sondern durch die That, durch das Beispiel gezeigt, daß Söhne ausgezeichneter Land- winhe, die ihren Hof bedeutend verbessert haben, unter denselben Bedingungen, in den Pacht des Vaters ein- tretcn, so wird dieses nicht nur die Fortschritte des Ackerbaues beschleunigen, sondern ebensowohl dem Wohlstand deS Besitzers als der Pächterfamilie mehr Sicherheit geben.
Durch allgemeine Leihanstalten, die den Wucher ^beschränken und so angeordnet sind, daß jeder Landbesitzer gegen die üblichen Zinsen ein dem Pfande angemessenes Kapital erhalten kann, welches nicht aufgekündigt wird, so lange die Zinsen richtig eingehen, kann ebenfalls der Zertrennung und Verschleuderung der Güter durch die so häufig vorkommenden Zwangsverkäufe einigermaßen Einhalt gethan werden.
In sehr bevölkerten Gegenden, wie in einigen Theilen deS HerzogthumS Nassau, ist die Art des Erwerbs so höchst mannigfaltig und die Verhältnisse der städtischen und ländlichen Gewerbsthätigkcit, des Handels und Feldbaues, der Schifffahrt und des Fuhrwesens greifen so in einander und gehen auf eine so verschiedenartige Weise in einander über, daß dort gewiß nichts anders als die vollste, auf jede Weise erleichterte Freiheit des Verkehrs, die immer zunehmende Bevölkerung in steigender Thätigkeit erhalten kann, und denen, die ihre körperlichen und geistigen Kräfte in einem andern Lande, in einem fremden Welttheil zu üben sich geneigt füh- . len , wohl kein Hinderniß in den Weg gelegt werden dürfte.
Ganz anders verhält cs sich aber in Gegenden, die von großen Städten und lebhaften Handelsstraßen entfernt sind und wo von Außen noch keine Veranlassung gegeben ist, andere Beschäftigungen, andere Gewerbe zu ergreifen, als nur die einfachste, die zunächstliegende und nothwendigste: Landbau und Viehzucht.
In solchen Lagen sind auch in der Regel die Besitzungen noch nicht zu sehr zerstückelt, und die Söhne der Bauersleute sind noch gewohnt, wieder Bauern zu werden. Die fortdauernde Vertheilung hebt aber nach und nach diese schöne Gewohnheit auf und zwingt sie, einen andern Broderwerb zu suchen, obgleich mit zweifelhaftem Glück. Gewerbsleute können sich in kleinen Dörfern nicht ernähren. Ein einziger Schuhmacher, Schneider, Wagner, Schmied ist hinreichend, um die beschränkten Bedürfnisse aller Bauersfamilien nicht allein in einem Dorfe, sondern selbst in mehreren Dörfern vollständig zu befriedigen. Auch mit Taglohn ist in einem Dorf nichts zu verdienen, das nur von Bauern bewohnt ist, die ihre wenigen Felder selbst bestellen.
(Schluß folgt.)
Deutschland.
Mainz. Die Volksstimmung über die blutigen Gräuelthaten in. Berlin ist auS folgendem hier allgemeinen Beifall findenden Ausruf zu ersehen:
„ Bürger Rheinhessens! Deutsche Brüder! Ein Schrei des Entsetzens durchdringt alle Gauen Deutschlands, ja ganz Europa's. Der König von Preußen hat ein blutiges Drama in Berlin aufführen lassen, wie die Geschichte, zur Ehre der Menschheit sei's gesagt, wenige Beispiele aufzuweisen bat.
Deutsche! Ist ein Fürst, der die heiligen Rechte eines Volkes, ja seines eigenen Volkes so mit Füßen tritt, daß er aus bloßem Uebermuth und Hartnäckigkeit dasselbe zu Hunderten niedermetzeln läßt, nievermetzeln, weil dieses Volk seine ihm von Goit verliehenen und nur durch Despotengewalt widerrechtlicher Weise so lange zurückgehaltenen heiligen Rechte der Fieiheit von ihm zurück verlangte!
Sind die Rathgeber eines solchen Fürsten, die ihm noch zu diesen Schandthaten angeralhen; sind die Führer, welche die Unerfahrenheit der Soldaten, die schon so lange Jahre in knechtischer Unwissenheit und Despotismus herangebildet wurden, dazu benutzen, unt sie ihre eignen wehrlosen Väter, Brüder, Freunde auf solche niederträchtige Weise morden ;n lassen? — Wir fragen: sind solche Kreaturen werth, den Namen Deutsche zu tragen? — Nein! Nein! und abermals Reinl — Deutsche Brüder! und wir Rheinhessen insbesondere, die stets bereit sind, jede despotische Unterdrückung zu bekämpfen, — einigen wir unS daher zur Unterzeichnung einer Petition an die Stände unserer zweiten Kammer (eine erste Kammer wollen und brauchen wir nicht), damit sie bei unserer Regierung den Antrag stelle, dieselbe möge mit allen ihr zu Gebot stehenden Mitteln bei allen wahren deutschen Fürsten dahin wirken, daß ein solcher Fürst, dem das Leben eines deutschen Mannes so wenig gilt, aus unserm deutschen Staatenbund ausgeschlossen, und ein Andrer an dessen Stelle gesetzt werde; daß ein solcher Fürst, mit seinen Rathgebern und den Ausfuhren! ihrer grausamen widernatürlichen Befehle, deS deutschen Namens verlustig erklärt, und ihre Namen an den Pranger gestellt werden. Denn eS wäre eine Schmach für unsere besseren Fürsten, einen solchen Mann zu den Ihrigen zu .zählen. Es wäre eine Schmach für uns Deutsche, solche Rathgeber und Anführer den Namen Deutsche tragen zu lassen!
Drum auf, ihr deutschen Brüder! Drum auf, ihr Rheinhessen! wirkt mit aller Kraft bei Euren Deputir- tcn, bei Euren Fürsten dahin, daß diese Schmach aufhöre l Vertilgt die Namen solcher Männer aus Eurer Mitte, stellt sie an den Pranger, damit die Nachwelt nicht sage: Seht, die Deutschen, mit ihrer kaum errungenen Freiheit, duldeten noch, daß solche Menschen (wenn sie noch den Namen Mensch verdienen) sich unter ihnen aufhalten durften."
Berlin, 18. März. Ueber den Anfang des Kampfes an diesem Tage berichtet die Berliner Zeit.: In einer Stunde war der Anblick der Stadt völlig verändert. „Auf die Thürme", ries man, „an die Sturmglocken." Die Kirchthüren wurden erbrochen, die Thürfächer mit Aerten eingeschlagcu, die achtbarsten Männer läuteten selbst Sturm und riefen zu den Waffen. Wie durch Zauberschlag stiegen die Barrikaden empor. Jeder gab bereitwillig, was er hatte, Thorflügcl, Zäune, Wagen, Pfähle u. s. w Selbst königliche Beamte, Schriftsteller und Gelehrte arbeiteten mit dem gemeinsten Taglöhner im Bunde, Alle reichten sich brüderlich die Hand. Die Frauen kochten Kaffee und schnitten Brode entzwei und reichten diese Lebensmittel aus die Straße hinaus. In den Straßen goß man Kugeln und schmiedete Lanzen. Jeder Soldat, der sich sehen ließ, wurde entwaffnet, jede Wache gestürmt. Im Wohnungsanzeiger ermittelte man die Wohnungen der Offiziere und zwang die Frauen die Waffen der abwesenden Männer auszuliefern. Die Kaufleute vertheilten unentgeltlich