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Deutschland.

WieShäden, 18. März. Das heutige Verordnungs­blatt briytzt folgenden Erlaß der Regierung:

Die Vollziehung der höchsten Veroidnung über die Erricht/ng einer Volkswehr betreffend.) Wir sind zur Beseitigung von Mißverständnissen ermächtigt, zur öffent­liche/ Kenntniß zu bringen, daß nach der Fassung des r. Li deS Evicts vom 11. l. M kein Zwang zur An­schaffung der nöthigen Waffen ausgesprochen, sondern Er die allgemeine Aufforderung und Empfehlung an vermögende Wehrmänner, sich mit Waffen zu versehen, erlassen ist. ES ist die Zusage ertheilt, daß für Unver­mögende, soweit eS die vorhandenen Mittel erlauben, die Anschaffung der Waffen auf öffentliche Kosten nach Möglichkeit beschleunigt werden solle."

Der erst vor einigen Tagen zum RechnungSkam- merdirector ernannte frühere Regierungsdirector von W i n tz i n g e r o d a, ist aus sein Ansuchen zum Amt­mann in Idstein ernannt worden.

Wie pünktlich von gewissen Aerzten die Besuche bei den Kranken niederer Stände stattfinden, mag fol­gende Thatsache beweisen. Am 19. fragte ein hiesiger Arzt nach der Wohnung einer kranken Frau, welche er aus Auftrag eineS höher gestellten Kollegen besuchen sollte. Man antwortete demselben, daß die Frau auf dem Todtenhof wohne. Der Arzt protestirte indessen, daß sie in dieser Straße wohnen solle, worauf man ihn endlich aufklärte, daß die gute Frau bereits vor sechs Tagen gestorben sei!

* Wiesbaden, 18. März. Als vor Zeiten die heilenden Kräfte der deutschen Mineralquellen anfingen sich Ruf zu erwerben, da waren eS meistens wirklich Hülfesuchende, welche in Masse diesen herrlichen Gaben der Natur zueilten, um bei ihnen Linderung ihrer Schmerzen und Genesung ihrer Gebrechen zu suchen. Wie abweichend hiervon sind die Verhältnisse heutzutage! Der beginnende Frühling sieht den sogenannten feineren und bemittelteren Theil der Gesellschaft deS Kontinents Und der Inseln sich in Bewegung setzen. Der Reiche hat sich einen Winter lang herkömmlicher Weise gelang­weilt und sucht nun im Reisen Erholung von den Stra- patzen, die ihm die vielen Bälle, Soireen rc. der schlechten Jahreszeit verursacht haben. Ganze Schwärme Engländer, Russen, Franzosen u. A. bedecken die grö­ßeren und beliebteren Touren unseres Vaterlandes. Sie vertheilen sich, je nach ihrem Geschmacke, in die ver­schiedenen Kurorte und bilden in diesen, beinahe durch­gängig, deneher genießenden als genesungsuchenden" Theil der Besucher. Das jährliche Wiederkehren dieser modernen Wanderschaft hat manchen kleinen Ort zu einem gewissen Grade von Wohlhabenheit gebracht. Auch unsere Vaterstadt vermag sich zu erinnern, was sie vor 25 Jahren gewesen ist. Indessen ist es unbe­streitbar, daß Letztere, anderen Kurorten gegenüber, sehr vieles gethan hat, um den Aufenthalt in ihren Mauern zu einem der vorzüglichsten zu machen. Die Beweise hierfür liefern die herrlichen Kurbauten, die Anlagen, das Theater u. s f. Auch das Aufstellen von Spiel­bänken ward seiner Zeit zum Bedürfniß erklärt und so­fort inS Werk gesetzt. Gerade diese Anstalt ist eS, welche ein Kurbesucher im obenausgesprochenen Sinne nicht gerne entbehrt; ihm dem Reichen, bietet sie eine beliebte, aufregende Unterhaltung, während der ärmere Einheimische bei ihr öfter den Weg des Lasters beginnt.

Gerecht sind die Wünsche, die über das Aufhören dieser Werkstätte einer schändlichen Leidenschaft, in letz­terer Zeil ausgesprochen wurden. Eine beispielgebende Aufhebung am hiesigen Platze zu beginnen, ist indessen nicht ausführbar, ohne hierdurch Hunderte von Fremden vom gewohnten Besuche abzuhalten, und somit die Früchte 25jâhriger Arbeit theilweise über'n Haufen zu werfen. Allgemein muß daS Werk der Ausrottung seyn; nur alSdann kann die Sache zu Aller Zufriedenheit und ohne Schaden für uns und die Bewohner der übrigen Badeorte ausfallen!

Unter den mancherlei Punkten, welche von dem er­sehnten Deutschen Parlamente zur Besprechung kommen werden, wird auch diese-, in seinen Folgen unberechen­bare Uebel seine ihm gebührende Stelle finden.

Stuttgardt, 17. März. Uhland ist zum Bei­rathe deS Bundestagsgesandten ernannt worden. Daß aber der Gesandte selbst nicht durch einen andern Volks, thumlichen Mann ersetzt wnrde, findet allgemeine Miß­billigung.

In Weiler, im Würtembergischen, haben die Bauern aus den Büchern und Akten des Rentamts ein solches Feuer gemacht, daß die Löschmannschaft von Heil­bronn dahin eilte, in der Ueberzeugung, daS dortige Schloß brenne, so licht war der Himmel gerölstet nebenbei ein merkwürdiger Beleg der Vielschreiberei!

Ulm, 17. März. Eben eingehenden Nachrichten zu­folge hat die östreichische Regierung dem Marsch ihrer Truppen nach Ulm Einhalt gethan

Karlsruhe. Jtzstein, Welcker, Kapp, Hecker und sämmtliche Abgeordnete, welche bei der Offenburger Ver­sammlung zu erscheinen versprachen. haben an das dor­tige Comite geschrieben, daß sie sich zurückziehen würden, sobald Elsässer und Franzosen an den Berathungen über deutsche Angelegenheiten Antheil nehmen wollten, und daß sie ernstlich gegen Alles auftreten würden, was da­raus abzicle, Deutschland in eine Republik umzugestalten.

Ik u ff l a N d.

Petersburg, 8. März. Gestern am letzten Tage des Carneval war Ball im Winterpalast, dem auch der Kaiser beiwohnte. Es wurde eben eine Njusurka ge­tanzt, als ein Adjutant dem Kaiser ein Papier über­reichte. Es enthielt die Nachricht von der Pariser Re­volution, die eben durch den Telegraphen angekommen war. Die Züge des Kaisers veränderten sich, indem er liest; dann faßt er sich und tritt mitten unter die Tanzenden. MeS hält inne, die Musik verstummt, der Kaiser tritt vor:In Paris ist die Republik ausgeru­fen ; viel Blut ist geflossen, Tuilerien und Palais Royal verbrannt; der König und die königl. Familie sind auf der Flucht."Meine Herren," fügt der Kaiser hinzu und wendet sich gegen die Offiziere,machen Sie sich fertig aufs Pferd zu steigen." (Wes. Z.)

Frankreich.

Paris, 13 März. Eine Haupttugend der jetzigen provisorischen Regierung ist ihre lobenswertste Sparsam- samkeit. Herr Cottu erhält für seinen Dienst als Ge­schäftsträger in London jährlich nur 400 Psd., woge­gen die frühere Gesandtschaft zwischen 14,000 bis 15,000 Psd. kostete Dieser Unterschied bezeichnet deut­lich den Abstand zwischen einer ökonomischen Republik und einer Monarchie, die trotz ihres konstitutionellen Stich­namens fiel) auf den kostspieligen Fuß der Monarchie Ludwig XIV. eingerichtet hatte.

England.

London. Eine große Chartistenversammlung sand am 13. März im Kennington Common statt Bei die­ser Gelegenheit wurden Vorträge gehalten gegen König­thum und Aristokratie, und ein Beglückwünschungsschrei­ben an die französischen Republikaner beantragt. Der Antrag wurde unter unermeßlichem Beifall angenommen, auch der Beschluß gefaßt, nächsten Sonntag unter freiem Himmel im Hyde - Park abermals eine Zusammenkunft zu halten. Gegen mögliche Friedensstörungen waren allerlei Vorkehrungen getroffen, die sich jedoch im Hin­tergründe hielten; die Königin oder ihre Minister ga­ben seinen Befehl, mit scharfen Klingen einzuhauen und auch wohl Unbetheiligte mit Roffeshufen zu zerstampfen, und so lief Alles ruhig und friedlich ab. An brutalen Dürgermetzeleien, wie sie in gewissen und sogenannten civilisirten Ländern vorkommen können, hat der Brite keine Freude. Bekanntlich darf in England nur im äu­ßersten Nothfalle, bei Hellem Ausruhr und eine Stunde nach Verlesung der Aufruhrakte, bewaffnete Macht bei Zusammenrottungen einschreiten.