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Der Velksfnuâ
Sobald wir Deutschen eine Nation sind, . sind wir die e r st e.
S e u m e.
Wiesbaden. Dienstag, den 21. März 1848.
t Nur keine halben Maaßcgcln.
Nur keine halben Maßregeln, beschwor in diesen Tagen der Fürst Leiningen den König von Baiern. Wir Nassauer haben keine halben Maßregeln zu fürchten, sie liegen nicht in dem Charakter unsers Herzogs. Dies haben wir wieder auS den nur provisorischen Ernennungen deS Verordnungsblatts vom 14. d. M. ersehen.
Nicht sowohl Männer von Talent und juristischen Kenntnissen, als vielmehr Männer von Charakter und tüchtiger Gesinnung, welche in ihrer ganzen bisherigen Denk- und Handlungsweise dem Volke eine Bürgschaft bieten, daß eS ihnen unbedenklich vertrauen kann, for- dert die Zeit.
Die Berufung der Herren R. und V. können wir unS durch die augenblickliche Verlegenheit um andere Persönlichkeiten in dieser dringenden Zeit erklären.
In dieser Verlegenheit allein ist gewiß auch nur der Grund, der bis jetzt noch nicht stattgehabten Entfernung anderer hochgestellten Personen von ihren einflußreichen Posten zu finden, denn die Länder, welche die Bewegung nach uns ergriffen hat, Baiern, Würtemberg, Baden, die beiden Hessen sind uns in diesen Personalveränderungen bereits mit Nachahmungswerthen Beispielen vorangegangen. Die Ministerien und zum Theil auch schon die Bundestagsgesandtschaften sind dort bereits in andere Hände übergegangen. Wir nennen blos Gagern für du Thil, Welcker für Blitterödorf und können vielleicht bald die fern vom Vaterlande lebenden Brüder Snell in der Reihe der bei uns für Wahrheit und Recht kämpfenden Männer Wiedersehen!
Ein Wechsel des Systems ohne einen Wechsel der Personen ist nur halbe Maßregel!
Darum, Nassauer, weg mit allen Bedenken!
Unser Herzog sprach zu unS: Vertraut auf mich, ich halte mein Wort!
+ An das Naffäuische Wolk.
Wir haben binnen kurzer Zeit erlangt, was wir so sehnlichst wünschten, sind wieder eingesetzt in die uns von Gott verliehenen und unS von Menschen widerrechtlich vorenthaltenen Güter des Rechts und der Frei
heit. Unberechenbar können die Folgen unsres ebenso entscheidenden als leichten Siegs werden, aber dann dürfen wir nicht schon die Hände in den Schoost legen, sondern je segensreicher und heilbringender die jetzigen Ereignisse sür Europa, insbesondere aber für Teutschland werden können, um so mehr ist es die Pflicht eines jeden, der es mit seinem Vaterlande gut meint, zu wachen und den günstigen Zeitpunkt nicht in Un- thätigkeit verstreichen zu lassen, damit die Nachwelt nicht von uns sagt: den Sieg wußten sie zu erringen, aber nicht zu benutzen.
Daher hält eö der Volksfreund, dessen Wirksamkeit sich zunächst aus Nassau erstrecken soll, für seine Pflicht und Schuldigkeit, das Nassauische Volk auf das aufmerksam zu machen und hinzuweisen, was es unter den gegenwärtigen Zeitumständen zunächst zu thun und zu lassen hat, wenn anders die über Europa sich verbreitende Bewegung zum Frommen unsers Vaterlandes, zum Besten der Menschheit geleitet und durchgesührt werden soll.
Drei Dinge sind es unsres Erachtens, die uns jetzt vor Allem noth thun: politische Bildung, Eintracht und Achtung vor dem Gesetze. Wir waren zwar mit unter den ersten teutschen Gauen, die das Banner der Volks- sreiheit aufpflanzten und wir können uns dessen billig rühmen, aber eben so wenig können wir leugnen, daß es uns schwer fallen wird, die errungenen Freiheiten mit Würde zu behaupten, weil die Veränderung der Dinge neu und überraschend war und weil wir noch auf einer ziemlich tiefen Stufe der politischen Bildung stehen. Ist uns dies auch nicht allzusehr zu verdenken, da unser Volk von Oben herab zu lange in Dummheit und Unmündigkeit gehalten wurde, so wäre es doch unverzeihlich von uns, wenn wir jetzt, da dieses ausgehört hat, nicht Alles aufböten, um mit dem übrigen Teutschland in der politischen Entwickelung gleichen Schritt zu halten. Für eines der besten Mittel, politische Bildung, politische Tüchtigkeit zu erlangen, halten wir die politischen Vereine, in denen man durch Lesen von Zeitungen und Zeitschriften mit den Verhältnissen