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No. 7.

Der Velkssreund.

Sobald wir Deutschen eine Nation sind, sind wir die erste.

S e u m e.

Wiesbaden.

Freitag, den 17. März

1848.

t An Deutschland.

Es ist ein Characterzug der edeln und großmüthigen deutschen Nation, daß sie im Hochgefühle wicdererlang- ten Glückes nicht die Opfer einer brutalen Gewalt und scheußlicher Heimtücke vergißt. Dieses Gefühl ist tief eingewurzelt in den edlen deutschen Character, welcher darin besteht, sich für alles Schöne zu begeistern und alles Unrecht zu hassen und seine Hülfe jederzeit den Opfern der Ungerechtigkeit darzubietcn. Ein Beleg für diese Wahrheit wurde vor einigen Tagen gegeben. Kaum begrüßte man in Wiesbaden die Morgenröthe der Freiheit, kaum hatte dieser glorreiche Tag, der durch keine Unordnung, durch kein? Gewaltthat entweiht wurde, dem übrigen Deutschland den Impuls gegeben, welchen Weg man gehen muß um die Freiheit zu erlangen und ihrer würdig zu sein, als schon am folgenden Tag die erste Nummer der »Freien Zeitung" einen Artikel bringt zu Gunsten deS unglücklichen polnischen Volks, einen Artikel, welcher daS Gepräge deS edeln HerzenS und deS politischen Glaubensbekenntnisses seines Verfassers aus der Stirne trägt. Ehre daher dem Verfasser, wel­cher nicht die Einheit und Freiheit seines Vater­landes begrüßt, ohne zu gleicher Zeit einige Worte des Trostes einem Volke darzubringen, welches als Opfer eines politischen Mordes gefallen ist, der in der Ge­schichte nicht seines Gleichen hat; einem unglücklichen Volke, welches schon so ost die größten Anstrengungen ge­macht hat, um seine Nationalität wieder zu erlangen, aber welches immer unterlag nicht der Gewalt der Waf­fen, sondern der Treulosigkeit einer unwürdigen Diplo­matie aller französischen Regierungen, deren Werk durch jenen König gekrönt wurde, dessen Schicksal uns lehrt, welches Loos allen gekrönten Häuptern vorbehalten ist, welche ei» muthwilliges Spiel treiben mit dem Ver­trauen der Völker.

O könnten diese trostreichen Worte gehört werden bis in die finsteren Gefängnisse des Spielberg" und die BergwerkeSibiriens", wo so viele edelmüthige Opfer unter den schauderhaftesten Mißhandlungen der Tyrannei und Barbarei das Verbrechen büßenihr

Vaterland zu lieben" sie würden durch die Hoff­nung neue Kraft gewinnen! O könnten wenigstens die Schatten der an russischen und österreichischen Galgen erwürgten polnischen Patrioten und die jener vielen Tausende, welche ohne Unterschied deS Alters und Ge­schlechts von besoldeten Kannibalen ermordet wurden, vom Himmel herabschauend sehen, daß daS deutsche Volk, nachdem es seine Einheit und Freiheit wieder er­langt hat, hoffen läßt, daß die Stunde der Tyrannei und der politischen Verbrechen geschlagen hat und die der Auferstehung ihres unglücklichen Vaterlandes heran­naht! ES ist an dir, freigewordene deutsche Presse deine gewaltige Stimme zu Gunsten deS unglücklichen Polens zu erheben! Es ist an dir, die schönen Worte:Polen ist noch nicht verloren, so lange wir leben" zur Wahr­heit zu machen, jene schönen Worte, welche die verge­bens ihr Vaterland suchenden Polen, mit demselben Ge­fühle anstimmten am Fuße der Pyramiden und unter dem heißen Klima von St. Domingo, am Po und Tajo, und überall wo sie ihr Blut vergießend sich mit citeln Hoffnungen nährten, mit denen sie die französische Re­publik und der Despot bethörten.

t Vin Wort über die Ursachen der Auswanderung.

Welchem Freunde des Vaterlandes blutet nicht daS Herz, wenn er sieht und in allen Zeitungen liest, daß jährlich mehr als 50,000 Menschen, meistens fleißige, rechtschaffene Menschen nach Amerika auSwandern und mehr oder weniger einem ungewissen Schicksal entgegen­gehen? Indessen daS Vaterland auf diese Weise einer ungeheuren Kraft beraubt wird, bleiben die vornehmen Müssiggänger, welche vom Volk bezahlt werden, aber nichts produciren, zu Haus und leben häufig wie die Götter in Saus und BrauS, ohne sich im geringsten um die Leiden des Volks zu bekümmern. Wenn es in dieser armen Welt vernünftig zuginge, so müßten eigent­lich jene unnützen und kostspieligen Müssiggänger zur Auswanderung gezwungen werden, denn häufig sind sie es, welche den fleißigen, nüchternen Geschäftsmann durch daS heillose Schuldenmachen und Jahre lange