9Men, 22. Dezbr. Das in unserm Großherzogthum garnisonirende Armeekorps soll mobil gemacht werden. Seine Bestimmung ist der Rhein.
Düsseldorf. 23. Dezbr. Aus Berlin melden Privatbriese, daß das 3. Armeekorps demnächst Befehl zum Auf» bruche an den Rhein erhalten werde und Düsseldorf zum Sitze des General-Kommando's dieses Truppenkorps bestimmt sei.
Köln, 23. Dez. Ueber diePolitisch-Angeklagten Gottschalk Annecke und Esser haben heute die Geschwornen das „Nichtschuldig" ausgesprochen und es wurden sofort die Angeklagten unter grenzenlosem Jubel in Freiheit gesetzt und nach Hause begleitet.
Sigmaringen, 22. Dez. Ueber die Abtretung der Regierung an die Krone Preußens erwarten wir nächstens eine Proklamation. Der Fürst hat sich heute über München nach Berlin begeben. — Die Rückkehr der königlichen Linie des Hauses Hohenzollern zu den Stainmlanden seiner Ur- eltern bietet Gelegenheit zu ernsthaften Betrachtungen dar.
Schleswig-Holstein. Aus Lübeck vom 22. Dez. melden Reisende, die von Kopenhagen kommen, daß noch fortwährend Truppen sowohl nach Jütland als Alsen hinübergebracht werden, man rechnet deren. Zahl auf 14,000 Mann.
Braunschweig, 23. Dez. In der heutigen Sitzung des Landtages wurde von dem Abgeordneten Dr. Schmidt folgender selbstständige Antrag, über welchen bereits verschiedene Borberathungen unter den verschiedenen Mitgliedern außer halb der Versammlung stattgefunden hatten, ohne weitere Diskussion fast einstimmig angenommen. „In Erwägung, daß die Frage nach dem Reichsoberhaupte von der höchsten Bedeutung für das gemeinsame, wie für unser engeres Vaterland ist; ferner in Erwägung, daß die Erreichung des höchsten Ziels jedes Vaterlandsfreundes: Deutschland einig, groß und mächtig zu sehen, von der Wahl des rechten Oberhauptes abhängt; endlich in Erwägung, daß wir, als Organe des Landes, uns verpflichtet achten müssen, der Entscheidung der Reichsversammlung unvorgreiflich, die Wünsche des Landes in dieser Beziehung auszusprechen: so erklären wir, die Abgeordneten des Herzogthums Braunschweig, daß unserer Ansicht nach die erforderliche Würde und Macht der Reichsgewalt und die innere Wohlfahrt Deutschlands nicht anders gewahrt und gesichert werden kann, als wenn 1) ein Haupt und 2) ein erbliches Haupt an Deutschlands Spitze tritt und 3) die preußische Krone, als die mächtigste Deutschlands, zur deutschen Krone erweitert wird. Wir hegen die frohe Zuversicht, daß die hohe Landesregierung diese unsere Wünsche theilen und nach Kräften fördern werde."
Ärrsland.
Republik Frankreich.
Paris, 24. Dec. Der Präsident der Republick hielt heute seine erste große Revue über die Nationalgarden des Seine-Departements und die Truppen der Besatzung von Paris. Die Truppenmassen füllten die Boulevards, den Eintrachtsplatz, den Beudomeplatz, die Gärten der Tuilerien u. s. w. Die Gesammtzaht schätzte man auf etwa 200,000 Mann. Um 9 Uhr verließ der Präsident seinen Palast (das Elysee-Bourbon). Er trug die Uniform eines Gene' rallieutenant der Nationalgarde, das Großkreuz der Ehrenlegion und einen mit Diamanten reich verzierten Orden auf der Brust. Er war von dem General Changarnier, dem Kriegsminister und einem Generalstabe begleitet, den mehr als 200 Ossiziere bildeten. Er ritt den Reihen der Truppen entlang; erst um 12 Uhr war diese Operation beendet;
von dem Augenblicke an, wv^er seinen Palast verlassen, hatte sich ihm eine große Volksmenge ohne Unterlaß nachgedrängt; die Menge trotz der strengen Kälte in unübersehbaren Massen versammelt, zeigte den größten Enthusiasmus; fortwährend hörte man den Ruf: „Es lebe Napoleon", es lebe die Republik", zuweilen auch den Ruf: „es lebe der Kaiser." Louis Napoleon hatte fast fortwährend das Haupt entblößt und antwortete mit freundlichen Grüßen auf die Acclamationen, mit welchem er allenthalben empfangen wurde. Louis Napoleon saß gut zu Pferd; sein Erscheinen, seine große Aehn- lichkeit mit dem Kaiser Napoleon machte sichtlich tiefen Eindruck auf das Volk. Louis Napoleon nahm, als er den Reihen der Truppen entlang geritten, seine Stelle vor dem Obelisken, dem „Triumphbogen des Sterns" gegenüber! Es begann hierauf das Defiliren der Truppen. Zuerst kamen die Legionen der Nationalgarde der Bannmeile, dann mehrere Linienregimenter, die Legionen der Nationalgarde von Paris, die Mobilgar^e und die übrigen Linienregimenter von allen Waffengattungtn. Erst um 4% Uhr war das Defiliren beendet. Kein Unfall störte das militärische Fest. Gegen 3 Uhr wurde die Masse durch einen Zwischenfall ergötzt, welcher der Boulogncr Erpedition entlehnt war; es flog ein Adler auf; es war aber diesmal ein papierner, mit Gaz gefüllt; er fiel auf dem Eintrachtsplatze nieder. Der Er-König Hieronymus staud in Generaluniform auf dem großen Balcon des Marineministeriums, wo sich auch feine Tochter, Madame v. Midoff, und mehrere andere Mitglieder seiner Familie befanden. Louis Napoleon und seine Begleiter waren, als fie gegen 5 Uhr in das Elysec-Bour- bon zurückkehrten, mit Petition, welche ihnen überreicht worden waren, ganz überladen.
Als die mit Lanzen bewaffneten Invaliden vor Louis Napoleon vorüberdefiiirten, begrüßten sie ihn mit donnerndem Jubelruf. Er entblößte das Haupt und umarmte den alten General Petit, welcher an der Spitze der Invaliden sich befand.
Heute Abend ist großes militärisches Diner bei Louis Napoleon.
Einer der ersten Gegenstände, womit sich der neue Minister des Auswärtigen, Hr. Drouye de l'Huys beschäftigte, war die Frage von den Donau-Fürstenthümern. Er hat dem russischen Geschäftsträger eine Note zustellen lassen, worin für die Türkei alle Rechte der Oberherrlichkeil und des Protektorats über die Donaufürstenthümer in Anspruch genommen sein sollen.
Zur Unterhaltung.
Eiu Taranteltanz in Wiesbaden. (Schluß.)
Dieser kehrte nun wieder zu seinen Schönen zurück. Aber welche^Sceue beleuchteten die ersten Strahlen des Frührothsl Die weibliche Dienerschaft war aufs Eifrigste bemüht, Boden und Betten, Tische und Stühle von den Spuren des Wür- genengels der in diesen Gemächern aufs Furchtbarste gehaust hatte, zu reinigen — in einer Ecke waren die kostbaren Ballkleider, in Stücke zerrissen, durch Schmutz unkenntlich, aufgeschichtet, und vergebens wurden Ströme riechender Wasser aufgegoffen, um die Zimmerluft zn verbessern.
Der Arzt nähene sich den Betten seiner Tänzerinnen. Welche Metamorphose hatte da erst statt gefunden! Da zeigte sich keine Spur mehr jener leuchtenden, rollenden Augen, jener hochglühenden Wangen, und jener klopfeuden Pulse. Bleich uud trüben Blickes, bis zur Ohnmacht ermattet, konnten sie kaum noch ein Glied bewegen. Die Kammerfrauen