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Wiesbaden, Donnerstag 28. December
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Bestellungen auf die Nassauische Zeitung, welche auch vom 1. Januar 1849 an täglich erscheint, wöchentlich 6 Mal, unv bei der Expedition nur 1 fl. 15 fr. bei allen Postanstalten im Herzogthum nur ist. 30fr. inclusive des Postporto kostet, bitten wir schleunig zu machen bei dem zunächst gelegenen Postamt oder direct bei der Expedition in Wiesbaden.
Neverüchten, Erörterunqen und Aktenstücke. Iidas in der deutschen Wissenschaft und Culturgeschichte ungemein leicht wiegt, und 1804 durch die Berufung der prüfe-
9 Bayerns Stellung zur deutschen Sache und seine Ansprüche — Preußen gegenüber.
II.
Bayerns selbstständiges Hervortreten begann im Jahre 1700, indem der Kurfürst Max Emanuel am 7. Nov. zu Madrid mit Ludwig XIV. einen Vertrag schloß, worin Frankreich dem Kurfürsten die österreichischen Niederlande, Bayern dagegen dem Könige seine Hülfe im Kriege gegen Oesterreich zusagte. Damit erhielt Frankreich die wichtige Stellung zwi- scheu Oesterreichs deutschen und italienischen Heeren; damit begann der Kampf zwischen den benachbarten und stammverwandten Bayern und Tyrolern, dessen Erbitterung noch nach hundert Jahren nachwirkte, dann nach der Besiegung der Bayern und Franzosen bei Hochstedt 1704 die Besetzung deS Landes durch, vie Ocsterrclchcr und der Aufstand deö bayerischen Land- volkeâ gegen sie. Indeß batte der verräterische Kurfürst nur sein Land verwüsten lassen und unauslöschlichen Haß zwischen zwei deutschen Nachbarstämmen gesäet; er selbst aber wurde 1714 im Rastädter Frieden in alle Länder und Würden eingesetzt. Da sonach das französische Bündniß selbst im unglücklichen Falle persönlich ungefährlich war, bei besserem Glücke aber große Vortheile versprach, so beschloß der unfähige Karl Albrecht, der Sohn jenes Max, nach der Kaiserkrone zu streben, erlangte auch wirklich durch französische Hülfe, während Maria Theresia's Bedrängniß, die Krönung in Frankfurt, mußte aber nach der Schlacht bei Dettingen in derselben Stadt von Frankreichs Gnadengeldern leben. Das dritte, für Deutschlond unheilvollste, für Bayern aber vortherlhafteste Bündniß mit Frankreich wurde 1805 geschlossen; es führte Napoleon ins Herz von Oesterreich, Bayern zur
Königskrone. , ,
Im Jahre 1809 erneuerten sich die Thaten von 1703; Bayern wuchs trotz des heldenmüthigen Kampfes der Tyroler zur Großmacht heran, welche, nachdem sie im Vertrage von Ried sich von ihrem bisherigen Beschützer loSgesagt und von dem bisherigen Gegner, der nun der Stärkere geworden war, ihre Besitzungen hatte gewährleisten lassen, gegen den Wohlthäter die Waffen kehrte und 1815 erklärte, Bayern trete nur, weil es gewünscht würde, zum deutschen Bunde, nicht weil es als Großmacht ein Schutzbündniß bedürfe.
Wenw nun Bayern seine jetzige Größe nicht einer patriotischen Aufopferung für das gesammte Vaterland verdankt, so kann eS noch weniger Ansprüche auf geistigen Vorrang erheben. Bekanntlich war Altbayern fast bis zum Regierungsantritt von Max Joseph ein gänzlich von Jesuiten beherrschtes, von dem deutschen Fortschritt, selbst in Oesterreich, abgeschnitteneö Land,
städtischen Norddeutschen Jakobi, JakobS, Schlichtegroll, Ticrsch, Sömmering allmäkig dem deutschen Bildungsgrad angenähert werden mußte. Welche Bildungsstufe aber Altbayern heute einnimmt, geht aus der neugewählten Kammer hervor. Die Wahrheiten sind herbe, aber lassen sich nicht wegläugnen, und übertriebenen Ansprüchen gegenüber ist eâ erlaubt, die Grund
lagen solcher Ansprüche zu untersuchen.
Indem wir diesen Artikel zur Presse geben, lesen wir in der Frankf. O.-P.-Z-, daß am 23. Dez. die Bevollmächtigten sämmtlicher deutschen Staaten von dem Reichsministerium in Frankfurt zu einer gemeinschaftlichen Sitzung eingeladen waren, um denselben die von dem verfassungsgebenden Reichstag beschlossenen Grundrechte deâ deutschen Volks zur Einführung in den einzelnen Bundesstaaten nutzutheilen. Daß Oesterreich in dieser Sitzung erklärt, sowohl Publication, als Einführung ablehnen zu müssen :c., kann nur zur raschen Lösung der österreichi- schen Frage von Nutzen sein, und kann Niemand mehr verwundern. Außer von Oesterreich soll aber keine Ablehnung erfolgt sein, — nur Sachsen und Hannover behielten sich noch die verfassungsmäßige Zustimmung ihrer Landtage vor, und Bayern — dies ist für die bayerische Schaukelpolitik, wie sie jetzt in Nymphenburg ausgebrütet worden von Abel und Consorten, bezeichnend, — hat aus Mangel an Vollmacht gar keine Erklärung abgegeben. — Und was sagte Preußen? Ans die von anderer Seite erhobenen Bedenken, die Grundrechte als einen Theil der Verfassung zu pnbliciren, ehe diese selbst vollendet sei, hat Preußens Bevoll- mächtigtèr erklärt: „gerade damit daö deutsche Volk von den Zweifeln über das Zustandekommen der Verfassung befreit werde, müsse man schon an dem Theile die Einigkeit be- wahren."
Nassauisches.
X Wiesbaden, 27. Dezemb. Vor einigen Monaten wurde bekanntlich in Heidelberg an einem Antiquar ein Mord begangen, und der Mörder, ein Student, von drei Nassau i- schen 'Soldaten zur Haft gebracht, bei welcher Gelegenheit der Soldat Werner eine gefährliche Stichwunde in den Unterleib davon trug. Dem Soldaten Werner ist nunmehr die silberne Medaille verliehen worden, welche dem braven Manne eine tägliche Soldzulage einbringt.
0 Diez, 25. Dez. Die Fahnenweihe unserer Burger- wehr soll morgen stattfinden. Eine Deputation hatte se. Hoheit den Herzog zu dieser Feier eingeladen. Dem Vernehmen nach hat aber derselbe es abgelehnt, bet dieser F«er