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seS Schauspiel war groß, feierlich und deS gewichtigen Ereig­nisses würdig. Die vonIL. Napoleon nach der Eidesleistung verlesene Rede war ruhig, gut gedacht und fand sehr gute Auf­nahme. Die Worte, welche er nach Verlassung der Tribune an Cavaignac richtete, indem er ihm herzlich die Hand schüttelte, lauteten: «General, ich bin stolz darauf, einem solchen Manne, wie Sie, in der Gewalt zu folgen.» Cavaignac, der wahrschein­lich, als er den Prinzen auf sich zugehen sah, geglaubt, derselbe ,volle seinen früheren Platz wieder einnehmen, war durch dessen Anrede sichtbar überrascht, so daß er im Augenblicke keine Ant­wort zu finden vermochte.

Nach der «Estafette« wird die erste Amtshandlung des Präsidenten der Republik der Antrag auf Aufhebung des Ge­setzes sein, welches die beiven Zweige der bourbonischen Familie aus Frankreich verbannt.

Man versichert, daß der Präfivent der Republik nächster Tage eine große Heerschau über die Nationalgarde und die Li­nientruppen von Paris abhalten werde. Die Fonds, welche be­reits gestern etwas wichen, sind heute noch bedeutender zurück­gegangen und es scheint, als ob sie eben so rasch fallen würden, wie sie während der letzten Tage rasch gestiegen waren.

Spanien.

Madrid, 15. Dec. Heute eröffnete die Königin Isabella II. unter dem üblichen Cermoniell die Sitzungen der Cortes.

Italien.

Aus Turin vom 17. December fehlen die Blätter. Ein Schreiben aus Genua vom 17. aber melvet der «Allg. Ztg.,-> daß man daselbst die Nachricht von der Abdankung Karl Al­berts zu Gunsten seines ältesten Sohnes, des Herzogs von Sa­voyen, erhalten habe. In Genua selbst stieg die Gährung im­mer höher.

Trieft, 15. Dec. Gestern Nachmittags wurden gedruckte Bulletins verkauft, wonach die Oesterreicher sich nach dreistün­digem heftigen Kampfe am 11. der Veste Malghera (bei Ve­nedig) bemächtigt hätten; Näheres wurde nicht angegeben, außer daß die Croaten auf Flößen unter dem Schutze der Landbatte- rien sich dem Fort genähert hätten.

Schulehronik.

Als Antwort auf eine Anfrage im Fragekasten der Nro. 245, Beilage;Wie sieht'ö mit der sogenannten Schulcommisston aus?" können wir vorläufig folgende geben:

Für'ö Gelevrtenfach werden wahrscheinlich eintreten die Herrn Conrector Diez und Dr. Müller von Wiesbaden, Caplan Creutz von Diez und Director Creizner von Haramar; für das Elcinentar- schulwesen sind in Aussicht genommen Welker und Meister von Wies­baden.

Ueber die Wiederbesetzung de- Directorstelle am Seckinar zu Id­stein verlautet , daß dießmal ein katboliscber Director diese Stelle er« halten werde, und zwar werden als Candidatcn genannt: Prof. Bel­linger und Prof. Kehrein von Hadamar.

Die Gemeinde Camberg soll beschlossen haben, ihre Kinder nicht mehr in die Schule des kedrers Rühl schicken zu wollen; eine Depu­tation soll in dieser Angelegc»h«tt nach Wiesbaden geschickt worden fein.

Antworten aus dem Briefkasten.

Als Antwort auf die Frage im Fragekasten Nro. 249 diene Fol­gendes :

In einer Sitzung unserer Stândekammcr erklärte Hr. Regierungs- Eommiffarius Gieße,die Sparkassen haben in unserem Lande bisher nicht den Erfolg gehabt, den man von ihnen erwartete."

Unsere Ständekammer bat bereits gestern die Frage in Nro. 254. der Nass. Zeitung dahin entschieden , daß die übrigen Pedellen und die P oli ze ivi e ner dieselbe Zulage von 40 ft. jährlich für den gestri­chenen'Fruchtmehrbetrag erhalten sollen. Der chrenwerthe Abg. Hr. Jung I. bat die Sache bevorwortet.

Zur Unterhaltung.

Ein Taranteltanz in Wiesbaden.

(Fortsetzung.)

Ungern, doch fröhlich in Hoffnung, kehrten die Damen nach Hause zurück. Wie aber die Eifersucht nun den elo­quenten Mund öffnete, und das Haupt der Familie eine Strafpredigt hervordonnerte und den Utthcilssprnch ertönen ließ, daß man zur wohl verdienten Züchtigung den Abend- ball nicht besuchen werde, da fing ein Schmollen und Keifen und Weinen der schönen Sünderinnen an, welche diesen ober­sten Gerichtshof nicht weiter anerkennen wollten!

Der Abend war schwül, Gewitterluft lag über der Na­tur, im Salon der Damen herrschte sie auch, und in ihrem Gemüthe haue sich eine solche Masse von Zündstoff ange- haust, daß eine nahe Erpiosion unvermeidlich wurde.

Als sich nun die reiche Beleuchtung des Kurhaüses in dem Hotel zu den vier Jahreszeiten vor ihren Blicken entfal­tete, und Hörnerklang sich zu den lieblichsten Melodien zum Tanze unwiderstehlich einladend, gestaltete und, von linden Lüsten gelragen, sich in Ohren und Herzen stahl, da vermochten die Schönen nach langen Kampfe der Versuchung nicht langer zu widerstehen. Sie zündeten, schweigend und von beiden Mannern, welche im Nebenzimmer schmollten, wenig beachter, vi.le Kerzen an, und gegen Mitternacht fing im buchstäblichen Sinne der Tanz an.

Um 1 Uhr wurde der Arzt eilig herdeigerufen. Dieser sand vor der Thüre des Salons mehrere Bedienten, wflche unmäßig lachten und ihm erzählten; ihren Damen wäre der Besuch des Kurhauses untersagt worden, da hätte» sie den Verstand verloren und tanzten nun schon länger al» eine Stunde auf eigene Rechnung.

Der Arzt trat in das Vorzimmer, wo ihm die beiden Männer schluchzend und händeringend entgegen kamen. Sie zeigten unter einem Thränen ströme mit beiden Händen ans die geöffneten Flügelthüren des Salons. Welch ein An­blick für den überraschten Jünger des Hypokrates! Gleich rafenven Mänaden, welche den verlornen Bachus suchen, schwebten geiM ähnlich mit verschlungenen Händen flüch­tigen, leisen Trittes, tm wildesten Tanze die drei Schönen durch den Saal. Der arme Doctor! Kaum erblickten den Elulretenben die Bachantmncn, als sie ihm tanzend ent­gegen stürzten. Jede wollte sich seiner bemächtigen, jede wollte mit ihm allein tanzen. Er begriff sogleich seine Lage und lerne Ausgabe, bedeutete ihnen aber, daß er mit ihnen Allen, aber mit Jeder einzeln, und zugleich eine seine Tanzmelodie dazu pfeifen wolle. Gesagt gethan ; er pfiff und tanzte sogleich mit der Dame, welche sich seiner am festesten ver- ücherl hatte. Nun ging es raschen Fluges durch den Sa­lon, wahrend die beiden anderen jede für sich um die eigene Arc sich wirbelnd ihm nacheilten. Nach 10 Minuten ließ er die erste Tänzerin fahren, ergriff, immer tanzend und pfeifend, die zweite und hierauf die dritte, dann die erste wieder u. s. w. Die beiden Herren halten während dieser seltsamen Scene ihre Thränen getrocknet und waren schüch­tern und staunend, daß auch den Doctor der Wahnsinn er­griffen, in die Thüre getreten. Wiederholt hatte diesen der Arzt:dansez, dansez donc, Messieurs zugerufen, als die beiden allein tanzenden Damen sie plötzlich ansaßten und mit zuwirbeln zwangen. Es gab eine Scene zum Tcdilachen, obgleich Tänzer und Tänzerinnen aus den verschiedensten Beweggründen einen furchtbaren Ernst conservirten.

(Fortsetzung folgt.)

Wegen des hohen Weihnachtsfestcs erscheint mor­gen keine Zeitung.

Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich Revaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich. j