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Preußen. Berlin, 19. Dee. [®ie Demokraten und bie Bureaukratie.) Die demokratische Partei liegt am Boden und hat, um sich zu erholen, keine andere Hoffnung, als daß die R gierung ihren Sieg mißbraucht und einen Fehler begeht. Wir wollen hoffen, daß diese Hoffnung nicht in Erfüllung gehe, boch scheinen und die politischen Verfolgungen, welche setzt, von einem Theile der Bureaukratie eifrig unterstützt, sich über daS ganze Königreich verbreiten, eben keine weise Benützung dcö SiegeS, und sie geben gegen die jetzt siegreiche Partei selbst ein schlimmes Re« piel, wenn einmal ein neuer Umschwung ein­treten sollte. Durch den jetzigen Rückschlag nach dem Steuer- verweigerungSbcsptuß sind die Urheber und Beförderer dieses wahnsinnigen Unternehmens auf das Tiefste moralisch gestraft. Ob weise ist, ihnen ihren Wahnsinn auch noch zum Ler­brechen anzurechuen und von Staatowegen gerichtlich zu ver­folgen ?

Berlin, 20. Dczbr. s Stimmung in Petersburgs In Folge der Proklamation unserer okiroyirlen Verfassung soll eine mehr als gewöhnliche Spannung zwischen dem Petersburger und dem hiesigen Kabinette eingetreten und als Ausfluß dieser Stimmung der russische Gesandte mit Uebergabe einer Rote beauftragt sein, in der die Gefahren, welcher der König von Preuß n sich und feine Dynastie durch die gegenwärtige Ver­fassung audgefe^t habe, in greller Farbe geschildert und ziemlich unumwunden erklärt wird, daß man sich schwerlich in der Lage befinden werde, in späterer Zeit der Regierung Sr. Majestät zur Unterdrückung revolutionärer Uebergriffe Hülfe angcdeihen zu lassen, nachdem der Bekundung derselben Seitens der Re­gierung selbst so großer Vorschub geleistet werde.

Berlin, 21. Dezbr. In gut unterrichteten Kreisen unterhält man sich viel über die von Seiten unseres Gou­vernements getroffenen und noch zu treffenden Vorbereitun, È> zur Aufstellung eines Observalionseorpö an den Rhein grenzen. Die Stärke desselben gibt man auf 100150,000 Mann an. Mit diesem Gerüchte bringt man eine Rede Sr. Majestät an eine ihm für die Verfassung dankende Deputa­tion in Zusammenhang. Se. Masestät soll nämlich, auf die Wahl Bonapartes hinweisend, geäußert haben:Sie sehen, an der Rheiugrenze, nach der Wahl in Frankreich ist kein Zweifel mehr daran, ist das deutsche Land bedroht. Ich hoffe, daß, wenn ich mein Volk zu den Waffen rufen werde, es sich seiner Väter würdig zeigen und glorreich wie 1813 Deutschlands Grenzen vertheidigen wird; denn allen feindli­chen Bestrebungen ist es nicht gelungen, die Einigkeit zwi­schen Fürst und Volk zu stören und den alten preußischen Waffenglanz erbleichen zu machen."

Bayern. Aus München, 20. Dcc., wird von Blättern und Briefen der Rücktritt des Ministers v. Lerchenfeld lediglich bestätigt; doch fehlen noch zuverlässige Angaben über die nächlte Veranlassung, sowie über die Nachfolger im Amt. Der »Allg. ßtg.i zufolge soll dem Regierungspräsidenten v. Zwehl das Portefeuille angeboten worden sein; da er aber abgelehnt, so spreche man nunmehr vom Freiherrn von Schrenk.

X Anhalt-Dessau, 16, Dec. Dem hiesigen, so oft von allen Demokraten gepriesenen, freisinnigsten aller deutschen Mi­nisterien droht der Sturz. Warum? Der Minister hat dem Volke goldene Berge versprochen und nichts ist erfüllt worden. Unter den Gewerbetreibenden, Handwerkern und dem Proleta­riate herrscht daher eine ungemeine Erbitterung gegen den De- mokraten-Minister Habicb, und man erwartet schlimme Auftritte, namentlich auch gegen Juden, durch welche die Gewerbe in ih­rem Verdienste sich beeinträchtigt glauben.

Frankfurt, 23. Dec. Die Nationalversammlung hat in ihrer heutigen 143. Sitzung beschlossen, die Grundrechte des deutschen Volkes in 100,000 Eremplaren in Form des Reichs­

gesetzblattes und auf Reichskosten zum Zwecke der Dertheilung unter die Wähler drucken zu lassen.

Schleswig-Holsteinische Angelegenheiten.

Dänemark rüstet, wird aber Deutschland nicht unvor­bereitet finden. Nach ehw Mittheilung aus Flensburg in den "W. G. N.» hat ein wohlunterrichteter schleswig-holsteinischer Regierungsbeamter die von Preußen gestellten und vom Cabinet zu St. James unterstützten Friedensberingungen folgendermaßen angegeben: Das Herzoglhum Schleswig werde in den deutscher: Staatenverband ausgenommen, constitutionell - staatliche Verbin­dung mit Holstein, ewige Personalunion beider Herzogthümer mit Dänemark, Vereinbarung zwischen den beiden Erbprätenden­ten. Aus Schleswig wird ferner berichtet: Eingegangenen Nachrichten zufolge rufen die Dänen ihre Beurlaubten wieder ein, sowie sie ein kleines Heer von 6000 Mann zwischen Kol- ding und Friederici« concentriren sollen, fortwährend nach Alsen hinziehen und nach Arröe 200 Mann hinzusenden beschlossen haben. Die von dem Herrn Syndikus Banks dem dänischen Hofe übergebene Note vom 18. Nov., mit dem Verlangen der deutschen Centralmacht , daß Alsen und Arröe, der Malmöer Convention zufolge, der gemeinschaftlichen Regierung übergeben würden, hat unterm 25. v. M. eine Antwort zur Folge gehabt in der man dänischer Seits diesen Waffenstillstandsbruch damit zu beschönigen sucht, daß man der Aufruhrpartei keine neue Waffen in die Hände habe geben dürfen, wodurch das Versöh­nungswerk, welches die Contrahenten ins Auge gefaßt, verzögen werden würde. In der That, man müßte jedes deutsche Ehr­gefühl aus seiner Brust vertilgt haben, wenn diese dänische Po­litik den Widerwillen der Deutschen nicht steigern sollte.

Aufstellung eines Observationscorps an der holsteinischen Grenze. Wie genau das Reichs- kriegsminifterium jebe in Nordalbingicn einttetende Eventua­lität bereits seit einigen Wochen vorsorglich in's Auge gefaßt hat, geht daraus hervor, daß der hannoversche Generallieu­tenant Graf Kielmannsegge alle Disposition getroffen hat, um bei cintsetenbem Froste und eher der Transport über die Elbe unsicher wird, sämmtliches Kriegsmaterial (Ge­schütz, Feldlazaretb und Train) sofort über unsern Strom (auf welches Territorium zunächst? haben wir nicht in Er­fahrung bringen können) schaffen, und die Truppen selbst in angemessener Frist nachfolgen lassen zu können.

Aus Hannover, 20. Dec. , Wird von der dortigen Morgenzeitung" berichtet:Hr. v. Bo ddien war in den letz­ten Tagen hier, um die Regierung zur baldigen Absendung hanover'scher Truppen an die Eibe aufzufordern, da Dänemark rüstet. Demzufolge ist an unsere in Altenburg liegenden Trup­pen die betreffende Ordre, wie wir vernehmen, bereits abge­gangen. Dagegen wird Hannover andere Truppen nach Alten­burg schicken.

Instand.

Republik Frankreich.

Paris, 20. Dec. (Proclamirung L. Napoleon Bonapartes. Fortsetzung.) Während Hr. Waldeck Rousseau seinen Bericht verlas, sah man L. Napoleon eintreten, im schwarzen Frack, auf der linken Brust den großen Stern der Ehrenlegion und im Knopfloch« die Abzeichen des Repräsentanten. Er setzte sich neben Odilon-Barrot auf die Bank der Verfassungs-Commission, rechts von der Tribune. Cavaignac sprach seine Abdankungs­worte mit vieler Würde und allgemeiner Beifall folgte ihm bis zu seinem Platze. Bald nachher proclamirte Morrast den neuen Präsidenten und dieser leistete den Eid auf die Verfassung. Die-