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Wo die einfache Besetzung eines Geschäftszweiges der Amtsverwaltung nicht hinreicht, da kann durch Amtsprakti- canten oder Bestellung mehrerer Amtsnotare, Amtsverwaltcr, Amtsrichter nachgchvlfen werden.

Der Amtmann hat die äußere Ordnung zu handhaben. Der Amtsproeurator kann zwar Amtsnotar, Amtsverwalter. Amtsrichter werden, sowie auch diese zur Amtsprocuralur übertreten können; nur kann der Umstand, daß Einer -Amts» procuratur gewesen ist, ihn, nicht davon befreien, daß er wenn er Amtmann nachher werden will, zuvor Amtsnotar, Amtsrichter, Amtsverwalter gewesen sein müsse.

Dem amtlichen Geschäftsgang wird es sehr förderlich sein, wenn für alle Amtsangestellte Eche Geschäftscoutrole ange- legt wird, worin etwa für jeden Tag eine Seite bestimmt wird, und welche jederseits für alle Amtsangestellten zum Einträgen und zur Einsicht offen liegt.

00 Wiesbaden, 23. De;.- Prüft man das Resultat der Gemeinderathswahlen aufmerksam, so ergibt sich, daß die einander gegenüber stehenden Parteien sich so ziemlich gleich stehen, ungeachtet von Seiten des Vereinsfür Wah­rung der Volksrechte" angenommen wird, daß die Gegen­partei nur 9 Gemeinderäthe durchgebracht habe. Dieses Ergebniß ist nicht ohne Bedeutung für die Bürgermeister­wahl. Denn wenn der deutsche Verein wieder, wie bei der früheren Wahl, vier Kandidaten aufstellt, wodurch sich nothwendiger Weise die Stimmen zersplittern müssen, so un­terliegt seine Niederlage keinem Zweifel; denn wenn auch auf der andern Seite nicht die Hälfte der Stimmen ist, so zählt man dort doch mehr als ein Viertel oder Drittel. Schwerlich wird der Bürgermeister ohne Weiteres aus der ersten Wahl hervorgehen; auch ist man darauf gespannt, ob die Regierung nicht vielleicht von ihrem Rechte, der einmali­gen Beanstandung Gebrauch machen werde.

$ Wiesbaden, den 23. Dec. (Kammer.) In der Nass. Zeitung vom 22. Dec. (soll heißen 23. Dec.) ist auf eine bezeichnende Weise über -die letzte Kammersitzung berichtet worden, indem diese Nummer nicht nur die gewöhn­liche Verhandlung gegeben, sondern uns auch ein Bild von der Physiognomie derselben ausgestellt hat. Solche Bilder sind charakteristisch und wir wollen hoffen, die Nass. Zeitung bringe uns mehrere dergleichen.

Wir erlauben uns noch einmal auf jene Kammersitzung zurückzukommen, da sie unstreitig nicht nur sehr interessant, sondern auch höchst wichtig war.

In dem oben angeführten Artikel wird auch des Aus' tretens des Ministers gedacht, und wie es uns scheint, ganz richtig, aufgefaßt, während wir in derFreien Zeitung" eine entgegengesetzte Ansicht aufgestellt finden. Bei dieser Gelegenheit wollten wir uns noch die Bemerkung erlauben daß durch solche, sich stets wiederholende persönliche Hindeu­tungen der guten Sache wenig genützt wird, daß es uns namentlich ungeeignet erscheint, wenn in der Mittheilung über die KaminfrD,exHandlungen selbst, persönliche Bemerkun­gen des Berichterstatters eilige mischt werden, auch von an derer Seite haben wir ähnliche Bemerkungen gehört.

Rücksichtslose Critik unserer Uebelstände ist die Haupt­aufgabe der Presse, und in sofern die Sachen durch Perso­nen vertreten werden, kann eine Beziehung auf letztere nicht umgangen werden; beide aber sind stets auseinander zu hal­ten und sogenanntePersönlichkeiten" können dem gebilde­ten Theile des Publicums nicht gefallen und der andere Theil wird dadurch nicht gebildet.

*** Wiesbaden 24. Dec. Man sagt ziemlich allgemeiir in Wiesbaden, der Kammer habe, wenn eine Verständigung über die Zehntablösung nicht eingerreten wäre. die Auflösung bevor gestanden.

Es wird zugleich behauptet, daß sich viele Mitglieder hierdurch hätten veranlaßt gesehen, so und nicht anders zu stimmen.

Wir können Beides nicht verbürgen und geben es so, wie wir es an verschiedenen Orten gehört haben.

Wiesbaden, 24. Dez. Nachdem die Gemeinde- rathswahlen beendigt sind, wird nun in dieser Woche zur Wahl des Bürgermeisters geschritten werden. Zunächst fin­det eine Versammlung des Gemcindeausschusseö statt, um den Gehalt des Bürgermeisters zu bestimmen. Bei der Fest­setzung dieses Gehaltes möge man zwei Dinge nicht verges­sen: 1) daß der Bürgermeister auch noch anderweitige Ge­bühren bezieht, die sich hier wenigstens auf 600 fl. belaufen; 2) daß ganz gewiß noch ein zweiter Bürgermeister gewählt werden muß.

Herr Conlin hat in diesen Tagen ein Verzeichnis der Arbeiten aufgestellt, welche der Bürgermeister zu verrichten hat, und wer es gesehen, dem wird es unglaublich sein, daß ein Mann dies Alles vollständig versehen könne.

Zudem kann nach dem Gesetz nur ein Rathsschreiber cm gestellt werden, und es könnte wohl kommen, daß der Bür­germeister sich noch einen Schreiber aus eigene Kosten halten müsse.

In Betreff der Polizei verdient bemerkt zu werden, daß, obgleich der Bürgermeister die niedere Polizei ausüben wird» dennoch von der Regierung ein Polizei-Kommissarius gehal­ten werden dürfte.

Tagesgeschichte.

Deutschland.

Oesterreich. Wien, 18. Dec. Man erwartet, unsere HeereSmacht in 8 bis 14 ,Sagen in Pesth einrücken zu sehen. Heute wird stark von Mmisteriaiveränderuiigen gcspochen. KrauS soll abgedankt haben und Stadion an dessen Stelle bad Mini sterium ver-Finanzen übernehmen, wogegen Schmerling das Por­tefeuille des Innern erhielt.

Olmütz, 18. Dczbr( Das Ministerium fühlt sich seit dem bewilligten Credit immer stärker und kräftiger. Jetzt hat es ein Deeret erlassen, welches sämmtlichen Staatsdie- nern die Theilnahme an politischen Vereinen unbedingt ver­bietet. Ferner hat das Ministerium ein Recrutiruugöge- setz entworfen, das es dem Reichstag vorlegen wird, und wonach 80,000 Mann ausgehoben werden sollen. Die Re- crutirung soll durch's Loos geschehen, Adelige nicht befreit sein, die Altersklasse der Recrutirungsfähigkeit vom 18. bis 26. Jahre festgesetzt werden und die Dienstzeit die bisherige bleiben. (L. Z.)

Preußen. Aus der Rhein Provinz, 20. Dezemb. Die Officiere eines an der Grenze liegenden französischen Kürassierregimenis hatten vor einiger Zeit die Offieiere eines preußischen Husarenregiments, welches in ihrer NachtbarsHaft garnisonirt, zu einem Diner gebeten. Bei Tisch brachte der Obrist des französischen Regiments einen Toast auf den König von Preußen aus, der mit Aeclamation ausgenommen wurde. Der preußische Regimentsches erwidert mit einem Toast auf die französische Republik, und siehe da die Offiziere des französischen Regiments bleiben sämmtlich laut­los auf ihren Plätzen sitzen.