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Tagesgeschichte.

Deutschland.

Preußen. Berlin, 19. Dez. ^Verhältniß zu Frank­reich. Die deutsche Krone.1 Mit Bestimmtheit wird ver­sichert, daß General Wrangel nächstens nach dem Rheine adgehen würde. Zuverlässige Aufklärungen über den Stand der Dinge in Frankreich, welche in den letzten Tagen hierher gelangt sind, machen es nicht unwahrscheinlich, daß die fried­lichen Aussichten in Frankreich grade nicht im Steigen sind. Einen andern Punkt von gleicher Wichtigkeit bildet die bevorstehende Entscheidung über die Stellung der obersten Erekutiv-Gewalt im centralisirten Deutschland. Bekanntlich neigt man sich in Frankfurt vorzugsweise dahin, Preußens Kraft als Vorhut Deutschlands zu bestellen, und damit auch die symbolische Handlung zu verbinden, daß man das äußere Zeichen der Einheit auf Preußens Krone übertragen will. Wenn nun auch feststeht, daß in diesem Acte, eine große, vielleicht unendlich folgenreiche Frage zu erledigen, der grö­ßere Theil von Norddeutschlands Bevölkerung und ein kleiner von Süddeutschland seine volle Befriedigung findet, so ver- behlt man es sich hier doch nicht, daß an eine solche Erle­digung sich wiederum bedenkliche Zerwürfnisse knüpfen wer­den, indem es ausgemacht erscheint, daß in Süddeutschland vornehmlich dadurch die heftigsten Antipathien gegen Preußen überhaupt geweckt werden würden. Und dennoch erscheint es fast als das unabweisliche Gebot politischer Nothwendig- fett, daß, wenn das inhaltschwere Anerbieten der deutschen Krone an Preußens König gelangen sollte, von dieser Seite aus keine Ablehnung erfolgen dürfte. Bis jetzt hegt man aber hier in unterrichteten Kreisen Vie Ansicht, daß keine Weigerung zur Annahme, ja daß ein bestimmter Ent­schluß d a g eg env o e w a l i l

Preußen. Berlin, 20. Dezember. Der Staatsanwalt Sethe hat drm Staatsministerium die Anzeige gemacht daß er gegen die Mitglieder der Nationalversammlung, welche am 15. Nov. die Steuerverweigerung beschlossen und diesen Beschluß in den Provinzen verkündigt oder in Ausführung gebracht haben, die Anklage erheben werde, und je nach den Resultaten aus Hochverratb.

X Aus S i g m a r i u g e n. Es ist wohl gewiß, daß nach Einberufung einer allgemeinen Landesverwaltung der Fürst die Regierung an den König von Preußen übertra­gen wird.

Bertin, 19. Dezbr. (Minister - Conferenz.) Gestern hielten die sämmtlichen Minisier eine lange Conferenz. Das Resultat derselben war der bestimmte Entschluß, daß das ganze Ministerium zurücktreten solle; der Zeitpunkt dieses Rücktritts ist noch unbestimmt. Das Ministerium einigte sich alsdannferner in dem Entschlusse, dem Könige schon jetzt bestimmte Nachfolger zu empfehlen. Man glaubte, in dieser Beziehung die Aufmerksamkeit des Königs auf Herrn von Vincke, als den zur Bildung des neuen Ministeriums geeignetsten Mann, lenken zu müssen.

Stettin, 18. Dezbr. (Der Bau von 33 Kanonen- Schaluppen.) Dieser soll sofort in Angriff genommen wer­den, damit dieselben bis zum 1. April vom Stapel laufen können. Die Stärke unserer Marinemannschafl soll zugleich im Frühjahr auf 2000 Mann gebracht werden.

Magdeburg, 19. Dezbr. (Herr von Unruh.) Ge­stern Abend halb 10 Uhr kam Herr v. Unruh hier an. Eine zahlreiche Menge empfing ihn am Eisenbahn-Gebäude, vor dessen Portale Fahnen mit deutschen Farben flaggten. Der Jubel und die Lebehochs, als der Gefeierte in die Mitte der Versammelten trat, war ein gewaltiger.

In Münster wurde am 19. Abends dem Abgeordne­ten Direktor T e in in e ein Fackelzug von ungefähr 400 Ein­gesessenen aus allen Classen gebracht.

Aus Westphalen meldet man, daß dievielen Ver­haftungen" größtentheils allgemein geachteter Männer einen ungewöhnlichen Antheil erregen. Sie treffen die Führer der in Münster zu einem Songreffe am 18. und 19. November vereinigten Demokraten-Vereine. (Wir hoffen jedoch, daß diese höchst unpolitischen Maßregeln des jetzigen preußischen Ministeriums durch eine höhere andere Instanz alsbald sue- pcndirt werden.)

Bayern. München, 20. Dez. (Die Ministerkrisis.) Der treffliche Minister Lerchen fe l d hat seine Entlassung genommen; er ist dem Kampfe mit der Camarilla gewichen. Das übrige Ministerium wird ebenfalls zurücktreten. Die Nichtverkündigung der Reichsgesetze in Bayern, deren Pu­blikation vom Ministerium schon lange verlangt wurde, soll der Hauptgrund des Rücktritts desselben sein. Mit diesem Rücktritt hat Bayern aufgehört, vorderhand deutsch zu sein, und vielleicht kommi nunmehr wieder Herr v. Abel an das Regiment. In München ist die Aufregung unge­mein g r o ß.

Hannover. Die hiesige Reg-erung will die Einführung der Grundrechte nicht eher bewirken, bis die gesammte Reichs- Verfassung zur Vollendung gelangt sein wird.

Frankfurt, 22. Dez. In der heutigen 142. Sitzung der verfassunggebenden Reichsversammlung wurde der Vc- richt des Finanzausschusses über das Budget der National- versammlung und der provisorischen Centralgewalt, für die Periode vom 1. Sept, bis zum 31. Dec. d. J. berathen. In der allgemeinen Discussion sprachen die Abgg. Salz- wedel und Wichmann als Berichterstatter der Mehr- und Minderheit des Ausschusses, dann die Abgg. Grâvell, v. Bally, Eisenftück, Bassermann, Ziegert, die Reichsminister v. Beckerath, Mohl, Duckwitz, v. Gagern und Abg. Jucho.

Hierauf wurden, nach Verwerfung eines präjudiziellen An­trags des Abg. Wiesner die einzelnen Positionen zur Abstim­mung gebracht, und mit Ausnahme jener von monatlich 2500 fl (für 4 Monate 10,000 fl.) für die Untersuchung und Be­strafung der am 16. bis 18. Sept, in Frankfurt begangenen Verbrechen und Vergehen, genehmigt. Die Versammlung be­schloß jedoch auf Antrag des Ausschusses, die Kosten für die zum Zweck der Untersuchung herbeigezogenen Hülfsarbeiter aus die Reichskasse zu übernehmen. Das vom Finanzminister vor­gelegte Finanzgesetz wurde genehmigt und sodann die Berathung über den Reichstag fortgesetzt.

Ausland

Republik Frankreich.

Paris, 20. Die heutige Sitzung derNatioualversamm- lung wurde erst um halb 4 Uhr eröffnet In den Umge­bungen des Nationalpalastes werden zahlreiche Truppenab- theilungen aufgestellt.

4 Uhr. So eben vernehmen wir, daß noch eine Anzahl Regimenter auf den Eintrachtsplatz gerückt ist, wo in diesem Augenblicke mehr als 20,000 Mann ausgestellt sein sollen. Der Präsident Armand Marrast gibt dem Berichterstatter der mit der Prüfung der Protokolle über die Wahl des Präsidenten der Republik beauftragten Kommission, Herrn Waldeck-Rousseau, das Wort. Hr. Waldeck Rousseau rich­tet nachstehende Ansprache an die Versammlung:Bürger­abgeordnete! Sie haben einen großen Theil ihres patrioti­schen Mandats erfüllt durch das Werk der Verfassung; Sic haben beschlossen, daß ein Präsident der Republik, mit der Sicherung des Vollzugs der Verfassung beauftragt, von der