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Nassauische Zeitting.

Wro* 2r< Wiesbaden, Freitag 22. December 1848.

Bestellungen auf die Nassauische Zeitung, welche auch vom 1. Januar 1849 an täglich erscheint, wöchentlich 6 Mal, unv bei der Expedition mir 1 fl. 15 fr. bei allen Postanstatten im Herzogtum nur 1 fl. 30fr. inclusive des Postporto kostet, bitten wir schleunig zu machen bei dem zunächst gelegenen Postamt oder direct bei der Expedition in Wiesbaden.

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

#*# Die Gegner der deutschen Einheit.

Die Parteibestrebungen der verschiedensten Naturen tre­ten in der widerlichsten Weise nunmehr offen hervor, nach dem der deutsche Mann, H. v. Gagern, offen und ehrlich es ausgesprochen hat, waS längst als Thatsache vorlag, nämlich' das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland. Die Zuschrift der österreichischen Regierung an das Neichsmini- sterium kutet:Die Verkündung der Reichsgesetze, die Einführung der Wechselordnung, die Zahlung des Matrikula-rbeitrages für die Flotte sind ver­weigert, und es will die österreichische Regie­rung mit der Centralgewalt nur noch durch das auswärtige Ministerium verkehren." Diese Sprache ist deutlich genug, und sie hat das Programm des jetzigen Reichsministeriums, welches H. v. Gagern dem Parlament wegen der österreichischen Frage vorlegte, dikttrt. Es han­delt sich, das ist klar, nicht darum, Oesterreich von dem bisherigen völkerrechtlichen Verbände (ein anderer war, selbst nach dem Ausdruck der Wiener Schlußacte, nicht vor­handen) auszuschließen; die Sache ist vielmehr in folgenden Worten auszudrücken:Das bisherige zu einem völ­kerrechtlichen Bunde vereinigte Deutschland ver­einigt sich von nun an in sein ein großeren Theile zu einem Bundesstaat; der kleinere Theil, der diesem nicht beizutreten vermag, verbleibt in dem bisherigen Verbände." - In solcher Wem kann die österreichische Frage nur gelost werden. Der deutsche Bundesstaat kann aber als sein Oberhaupt da- mit selbstredend keinen Habsburger, sondern nur einen Hohenzollern erwählen. Da sind aber nun die Oesterreicher, die sich zusammemhun, um ihrer Regie- rung den beim alten Bundestag geübten Einfluß auch er- ner zu sichern, - und die große Idee der deutschen Einheit buben die widerliche Eifersucht auf Preußen nicht zu tilgen vermocht. Da sind die Ultramontanen, welche auch, nach­dem das Verbot der Jesuiten bet der zweiten Lefung der Grundrechte gefallen, noch immer ber W1^ zu haben glauben, wenn nicht das katholische Oester­reich an die Spitze komme. Da sind die Schutzzollmanner, welche mit Preußens Erhebung ihren Tarif gefährdet g au- ben, als ob nicht Preußen den Zollverein nms«»em --ch V zollshstem geschaffen hätte. Und da ist endlich die Alles verneinende Linke. Außer dem Parlament aber.macht Bavern's Krone Anträge zur Sonderbrn^dlerel. Würtemberg soll sie abgewiesen haben, und an Baden hat man sie nicht zu stellen gewagt. - Das sind die Gegner

der deutschen Einheit, und je näher das Verfassungswerk zum Ziele kommt, um )o tiefer nistet sich die Eigensucht in die Parteien, statt daß gerade jetzt, wo das einige Va­terland geboren werden soll, der Gedanke an des gemeinschaftlichen Vaterlandes Zukunft alle anderen Beweggründe sollte beschämend ver* stummen machen. Wahrlich, mitten durch den Knäuel solch' widerstrebender roher Kräfte die Frucht aller bisherigen Kämpfe zu retten, ist selbst für Heinr. v. Gagern eine schwierige Aufgabe. Doch zu dem S ch w e r st e n haben wir den Besten gespart, und wenn ein einiges Deutschland den Deutschen erst ab gerungen werden muß, so mögen die Guten nun zeigen, daß es nicht mehr wahr bleibt:Deutsch­land gehe in Uneinigkeit zu Grunde."

Ein neuer Raub/ und Mordplan der Pariser Kommnnisten.

So eben erfahre ich aus höchst authentischer Quelle, daß die hiesigen Kommunisten in der That nicht nur für Paris, sondern für alle großen Städte Europa's neue furcht­bare Unordnungen beabsichtigen und einen großen Raub­und Mordplan organisirt haben, demzufolge sie diesmal nicht mit den Waffen in der Hand, sondern als wahre Mord­brenner auftreten und bei dem Scheine der an hundert En­den zugleich in den großen Städten zu erregenden Feuers­brünste durch Blutbad und Plünderung zu der Theilung der Reichthümer schreiten wollen, die sie schon lange belauern. An der Spitze dieser Verschwörung stehen hier namentlich die Raspailaner, welche ganz unverholen sagen, daß sie, wenn die Präsidentenwahl für Napoleon mißfalle, noch drei Monate zusehen wollten; falle sie aber für Cavaignac aus, so sei feine Gnade mehr und cs müsse der bisherigen Socie­tät und Bürgerschaft der Garaus gemacht werden. Zu die­sem Ende haben sich schon mehrere sehr verdächtige Indivi­duen in reichen Quartieren und sonst nicht von Handwerkern bewohnten Häusern eingemielhet, um diese, wenn der Zeit­punkt gekommen sei, in Brand zu stecken. Unsere Regierung aber wacht und ist eben so fest entschlossen, bei dem aller­ersten Versuche von Seiten dieser Rotte ihre Streiche so zu führen, daß dieser für ein halbes Jahrhundert wenigstens die Lust zu thätigen politischen Eingriffen vergeht. Darum will die Regierung auch, falle die endliche Wahl auf wen sie wolle, den Erwählten nicht nur treu begünstigen, sondern auch bis zu seiner Proklamirung Alles thun, was sie kann, Frankreichs und Europa's Ruhe zu erhalten unb_ die Gesell­schaft vor dem Einbrüche des Mordgesindels zu schützen.