Nassauische Zeitung.
Wro* 230 Wiesbaden, Sonntag 17. December 1848.
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Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.
zu finden, um dieselbe vorkommenden Falls dem in der Na- tionalversammlung zu fassenden Beschlusse zu Grunde zu legen, und es finden darüber häufige und lebhafte Berathungen in den Parteizusammenkünften statt. Zu einem abgeschlossenen Resultate haben dieselben noch nicht geführt. Neben dieser österreichischen Frage und mit ihr im engsten Zusammenhänge drängt sich die Frage wegen des künftigen Oberhauptes Deutschlands ihrer Entscheidung immer hastiger entgegen. Auch darüber wird in den Clubs lebhaft verhandelt, indessen hat bis jetzt erst ein Club, der Augsburger Hof, eine fertige Vorlage (allerdings nur als Vorarbeit einer von ihm bestellten Commission) zu Tage gefördert und den andern Clubs, so wie dem Verfassungsansschuß zur Berücksichtigung mitgetheilt.
Ein Sonderbund gegen die preußische Hegemonie.
Die Regierungen von Bayern, Hessen und ^Hannover sollen die feste Verabredung eingegangen sein, die Uebertra- gung der Reichsgewalr auf Preußen, wenn die Reichsver- sammlung sich dahin entschiede, nicht zu dulden. — Daß Bayern namentlich gegen die betreffenden Plane entschieden Opposition eingelegt habe, wird von vielen Seiten erwähnt. Die Anwesenheit des Prinzen Karl von Bayern in Berlin soll den Zweck gehabt haben, den preußischen Hof zu bewegen, daß er seine Einwilligung dazu gebe, bei der nächstens unvermeidlich eintretenden Abdankung des Reichverwesers Erzherzog Johann den genannten bayerischen Prinzen an dessen Stelle treten zu lassen. Preußischerseits sei dies entschieden abgelehnt worden. — Oesterreich unterstützt den bayerischen Protest und soll ebenso seine Rechte an das Reich nicht aufgeben wollen. — Die Konferenzen H. v. Gagern's in Berlin sind mit Wünschen und Anerbietungen verknüpft gewesen, welche von Seiten des Königs nicht abgelehnt worden sind. Nur hat derselbe, wie man von vielen Seiten bestimmt versichert, die Bedingung an die Uebernahme der deutschen Kaiserwürde gestellt, daß die deutschen Fürsten damit einverstanden seien, deren Rechte der edle Hohenzollern nicht kränken will. — Daß die Reichsversammlung sich für die Kaiserwürde und dann zur Wahl des Königs Friedrich Wilhelm IV. von Preußen entscheiden wird, in einer überwiegenden Majorität — darf nicht länger bezweifelt werden. — In welcher Weise aber der nicht mehr zu bestreitende, wirklich bestehende Sonderbund gegen Preußen gelöst werden wird, ob in friedlicher Vereinbarung — oder endlich durch den Ausspruch des souveränen Parlaments, das wird die nächste Zeit uns gewiß schon bringen.
Die österreichische Frage.
* Frankfurt, den 12. Dezbr.
Im Allgemeinen ist die Aufmerksamkeit und Thätigkeit der Mitglieder der Nat. - Vers. fortwährend ungleich mehr auf die brennenden Fragen, welche außerhalb der Sitzungen verhandelt wurde, alo' auf die Sitzungen selbst coneenirirt. Zwar die preußische Frage, wie sie durch Wesendonk's Antrag angeregt werden, ruht noch im Schooß des Ausschusses und selbst die Linke scheint, in richtiger Erkenntniß der Sachlage, auf deren Erledigung nicht zu dringen. Aber desto gewaltiger und einschneidender tritt die österreichische Frage hervor.' Die österreichischen Abgeordneten sind natürlich in tiefer Aufregung und ängstlicher Spannung betreffs ihrer cigmeu. â'lluâ .....und der .Stellung ihres Vaterlandes zu der deutschen Nationalversammlung und zum deutschen Ver- sassungswerke. Nicht alle aber sind gemeint, die Entwickelung dieser Stürme rubig abzuwarlen, sondern ein Theil derselben sucht mit allen Mitteln von ihrem Standpunkte aus, auf diese Entwickelung einzuwirken. Wenn ich sage mit allen Mitteln, so muß ich leider hinzusetzen, daß auch solche Mittel nicht immer verschmäht werden, deren Anwendung nur dazu dienen kann, jene friedliche und freundliche Lösung der entstandenen Verwickelung, welche so sehr im beiderseitigen Interesse liegt, und daher von beiden Seiten angestrebt' werden sollte, zu erschweren, vielleicht zu verhindern Wenn österreichische Mitglieder der Rechten unumwunden bekennen, daß sie selbst mit der äußersten Linken fraiernisiren würden, um nur ihre Absichten durchzusetzen,' ) so kann man eine solche politische Doppelseitigkeit (die man bisher nur an der uliramontanen Partei kannte) nur ebenso milbeklagen, wie die Unklarheit, in welcher andere etnflnß- reiche Mitglieder aus Oesterreich die ganze Frage. zu erhalten suchen. Aus dieser Unklarheit so bald als möglich herauszukommen, das Verhältniß Oesterreichs zu Deutschland scharf und präcis zu ftrmuliren, vor Allem den klaren und raschen Fortgang des deutschen Verfassungswerkes zu sichern gegen drückende und hemmende Einflüsse, welche auch da noch sich geltend machen möchten, wo die Unmöglichkeit eines ausrichtigen und gleichmäßigen Zusammengehens anerkannt und eingestanden ist, das erscheint allen wahren und emstchttgen Freunden der deutschen Freiheit und Macht als dnngendste Nothwendigkeit. Die Centren sind deshalb eben fetzt enrigst damit beschäftigt, eine solche scharfe und klare Formul-rung für das Verhältniß Oesterreichs zum deutschen Bundesstaate
*) Ein Verhältniß, auf welches heut sogar Herr Vogt von der Tribüne aus ziemlich verständlich hindeutete.