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bcn ein natürliches Interesse daran, den Schlüssel zur Ostsee nicht einander und keinem ebenbürtigen Dritten zu lassen; da wird eine künstliche Klein macht ausge­stellt und erhalten, in deren schwacher Hand jener wich­tige Schlüssel gut aufgehoben ist. An Englands Zart» lichkeit für Dänemark hat, auch ohne aN seine zwei­maligen Brutalitäten gegen kässelde zu denken, kein vernünftiger Mensch geglaubt, und doch »vlinineue, nicht bloß seit dem preußischen Feldzug nach ^iuland, die ganze englische Presse von grmfcnd-frcnndlichcn ^. anen- artikeln. ' Diese Artikel wurden von englischen Emissä­ren in Norddeutschland geschmiedet und mit englischen Pfunden ausgewogen, während die russischen Rubel di- rect auf die Inseln und den Comment des Danen- reiches rollten. Wir Deutschen machten dagegen ein Volkslied:Schleswig-Holstein nwerumschlungen" und Vintlev Germaniens schrieb, als die öffentliche Mei­nung in England und Frankreich langst bestimmt war, eine gelehrte Denkschrift über die ^rage. Natürlich. Welchen Begriff konnte ein System, wie es unser al­tes gewesen und bis zu seinem letzten Athemzuge ge­blieben ist, von der Bedeutung der freien Presse ha- ben? Diplomatische Lakaiendienste bezahlte man mit Gold, aber die internationalen Beziehungen in der pe. modischen Litteratur lagen über dem Horizont jener Staatsweisheit, die mit einer chinesischen Mauer sich gegen jede fremde Litteratur abzusperren und die ein- heimische halb mit der Eensurschecre zu verschneiden, halb in Treibhäusern zu ersticken meinte. In Eng­land, in Frankreich ist' die öffentliche Meinung eine Macht, sie war es schon lange, war es zu der Zeit, als sie bei uns noch eine Magd gewesen. Dorthin mußten, gleichzejtig mit den Anklagen, Deutschlands verständige, verständliche Stimmen der Vertheidigung klingen; man mußte nicht bloß in der deutschen Presse, deren geringe Minderzahl im Ausland eine geringe Verbreitung hat, auch in den großen Zeitungen^ von Paris und London muffte man deutsche, französische, englische Advocmcn unseres guten Rechtes suchen, wer­ben, anfstkllrn, unterhalten. An solchen Anknüpfungs­punkten konnte später die deutsche Diplomatie ihre Aufgabe fvrtsetzen, die, wie gesagt, in Petersburg und London lag und dort durchzuführen war. Stockholm wurde und blieb, richtig benützt, unser Stützpunkt. Wir konnten Schweden, das die skandinavische Propaganda mit dem Hintergedanken einer schwedischen Oberherr- lichkeit schon lange durch seine Studenten nach Däne­mark wirft, in unser Interesse ziehen: ein schwaches Dänemark diente seinen Planen, während ein starkes Schweden, weit entfernt den unsern entgegen zu sein, gegen England und Rußland uns nur nützen kann. Die einzig richtige Grundlinie deutscher Politik geht von Nord nach Süd: Deutschland im Mittelpunkt ei­nes central-europäischen Staatensystems, das Italien und Schweden im Süden und Norden als Ausgangs­punkte hat und sich zwischen Rußland und Frankreich gen Ostutw West 7m esteichgewl'cht hält.

Auch eine Ansicht über Volksversarum- l«»gerr.

II., den 26. Sept. 1848.

Die Volksversammlungen, eine eigenthümliche Folge der Märzrevolution, wurden von Anfang mit Vorliebe be­trachtet und beurtheilt. Man begrüßte in ihnen Zeichen der erwachenden Theilnahme des Volkes an politischen Angelegenheiten; man sah darin die Mittel, die politische Einsicht und Reife des Volkes zu fördern. Wir unsern- theils können ihnen keine Theilnahme und Zuneigung widmen, können es jetzt nicht mehr, wo sie mehr und mehr einseitig geworden sind und eine Gewalt ohne ent­sprechendes Gegengewicht im Staate haben. Volksver­sammlungen, wie sie unsere Zeit erzeugt hat, können wir nicht betrachten als Symptome eines gesunden Staatsle­bens , da, wenn alle Theile des Staatsorganismus ihre Functionen vollständig verrichten, kein Raum, kein Be­

dürfniß, kein Stoff für dieselbe übrig bleibt. Wir können sie nur mit Geschwüren auf gleiche Linien setzen, wohin verdorbene, ungesunde und scharfe Säfte sich sammeln und ablagern. Bei solcher Ansicht muß es natürlich bedenklich mache», daß diese Geschwüre des Staatskörpers nicht nach und nach verschwinden, sondern immer zahlreicher und größer an den Tag treten. Ob wir der Volköversamm- lung hiermit kein Unrecht thun? Sind sie nicht ganz angemessene, unschuldige und ungefährliche Mittel, das Volk, das bisher politisch indifferent sich hielt, über po­litische Gegenstände zu belehren ? Nein, sie sind jetzt nur Mittel, die Revolution parmenent zu machen. Man wirft wohl auch dem Volke eine unschuldige Frage vor, man vermeidet es vielleicht mitunter, von aufregenden Dingen zu reden, eben um dem Ganzen einen unverfänglichen Schein zu geben und den Arglosen Sand in die Augen zu streuen. Ist aber Hecker's Aufstand, sind die Vorgänge in Berlin, sind die blutigen Folgen der Versammlung auf der Pfingstweide bei Frankfurt nicht eine Enthüllung des Zweckes, den die Führer im Auge haben? Betrach­tet die Führer! Sind cs nicht Männer von der entschie­densten Vorliebe für Republik, die vor keiner ihrer Con­sequenzen zurüâbeben ? Soll doch ein solcher bei der Nachricht von dem Frankfurter Vergnügen wir glau­ben fest bei der Nachricht von der Ermordung Auers­walds und Lichnowsky's gesagt haben:Mord und Todschlag, das ist mein Element! da werde ich 20 Jahre jünger." Wir scheuen uns, näher diesen Mann zu be­zeichnen, da cs zu schwer wird, zu glauben, daß ein Mann , dessen Element der Friede sein soll, sich in dieser Weise geäußert haben soll, wenn er auch mit den Augen eines Republikaners jene Vorgänge betrachtet. - Wenn nun in solchen Volksversammlungen solche entschiedenste Anhänger der Republik allein oder auch nur fast allein die Führer und Redner sind, und sich als die privilcgir- ten Volksfreunde darstellen glaubt ihr, daß cs ihnen zu thun sei, das Volk zu belehren? Wenn sie auftreten und sagen:Hecker ist mit 40,000 Mann und 500 fran­zösischen Offizieren in Baden eingerückt, um dem Volke seine Rechte und Freiheit zu schützen, morgen reise ich ab, um ihm beizustehen"; wenn sie also sagen, glaubt ihr, es sei zu thun, um aus gesetzlichem Wege die Errungen- schaftcn der Revolution zu sichern? Die Republik, die Permanenz der Revolution ist ihr Ziel; Volksversamm­lungen, Aufreizung durch parteiische, um nicht zu sagen, lügenhafte Darstellung (was doch bei Einzelnen vielleicht nicht mit Unrecht gesagt werden könnte) sind das Mittel. Und sehet die Elemente, die dort sich sammeln, ziehet davon ab die Neugierigen und saget dann, ob sich dort nicht eine Ansammlung verdorbener Säfte findet.

Man täusche fich nicht! Die Volksversammlungen fangen an, gefäbrlich zu werden. Vetheiligt euch darum dabei, die ihr die Ordnung in der Freiheit wollt; haltet den excentrischen Volkstribunen das Gegengewicht, damit nicht verführter Unverstand und verblendete Leidenschaft das Vaterland mit neuen Stürmen heimsuche! Vor Al- lemchutetcuchjihr Vertreter ' Völrs^vafflh^dura) Gesetze die Ordnung zurückführet und festgründet! Ihr seid die Heilkünstler des Staates und der Zeit, ihr sollt es sein! So zeigt euch nicht als Quacksalber, die die Krankheit vermehren oder vie Heilung verzögern. Seid wahre Hcilkünstler, die emsig ihres Kranken warten und nicht durch langes unnöthiges Geschwätz ihn ermüden! Und könnt ihr die Krankheit nicht auf einmal heben nun, so seid bedacht, die Schmerzen wenigstens zu erleich­tern! Lasset die Geschwüre sich nicht tiefer einfressen!

Nassauisches.

D Kammer - Verhandlungen.

50. Sitzung.

Wiesbaden, 29. September.

(Schluß.) §. 27.

Die Gesuche um Ertheilung des Bürgerrechts sind mit allen erforderlichen Zeugnissen dem Gemeinde­

rath der Gemeinde, in welche die Aufnahme erfolgen soll, vorzulegen, welcher zu entscheiden hat, ob nach Vorschrift dieses Gesetzes die Aufnahme zu bewilligen oder zu versagen seiF

Bei den Receptionsgesuchen und Receptionsdecreten finden die bisher für die amtlichen Verhandlungen vor- gkschriebenen Bestimmungen über Gebrauch des Stem- pclpapicrs Anwendung."

Der Paragraph wird ans Antrag des Ausschusses angenommen.

> 28.

Gegen einen abweisenden Beschluß auf ein Gesuch um Gestattung des Antrittes des angeborenen Bürger­rechts oder um Aufnahme als Bürger findet eine Be­schwerde des Betheiligtcn an die dem Gemeindcrath zunächst vorgesetzte Verwaltungsstelle und von dieser an die obere Behörde statt."

Der Ausschuß beantragt, hinterfindet" einznschal- ten:außer der Berufung an die Gemeindeversammlung, resp, den Bürgeranöschuß."

Dieses Amendement wird angenommen.

§. 29.

Die Stelle, an welcher der Recurs ergriffen wird, hat immer nur darüber zu entscheiden, ob die Vorschrif­ten des Gesetzes kn richtige Anwendung gekommen seien oder nicht, und ob hiernach die abweisende Verfügung zu bestätigen oder die Gemeinde zur Aufnahme ver­pflichtet sei.

Die Gründe eines abändernden Erkenntnisses find jedesmal kurz anzugeben. Der Gemeinderath ist eben­falls zum Rekurs gegen abäudernde Entschließungen der Staätsverwaltungs^telle oder wegen Zutheilung von Heimathlosen berechtigt, ohne Aenderung angenommen."'

Ueber die drei folgenden Paragraphen wird zusam­men Bericht erstattet.

§. 80.

Jedem, der durch betrüßfirfje Angabe oder auf falsche Urkunden, oder auf solche Urkunden, welche un­richtige Angaben enthalten, deren Unrichtigkeit er ge­wußt hat, um die Bürgeranfnahme nachsucht, kann von dem Gemeindcrath die Aufnahme als Bürger versagt werden. Er leidet außerdem die gesetzliche Strafe sei­nes Verbrechens."

§. 3t.

Der gesetzlichen Strafe unterliegt ebenso derjenige, der auf solche Urkunden oder betrügliche Angaben das Bürgerrecht erschlichen hat. Außer diesen ist demselben, wenn er ein nassauischer Staatsangehöriger ist, auf Klage des Gcmeindcraths von den Staatsverwaltnngs^ stellen das Bürgerrecht wieder zu entziehen und derselbe in seine frühere Gemeinde zurückzuweisen, wenn der Gemeinderath dieser Gemeinde wissentlich oder durch grobes Verschulden ein falsches Zeugniß ausgestellt hat, durch welches die Aufnahme in der andern Gemeinde veranlaßt wurde.

Das bezahlte Einkaufsgeld wird demjenigen, dessen Bürgerrecht nichtig erklärt worden^ ist, nichjzürück- gegeben."

§. 32.

Wird im Falle des §. 31 der Aufgenommene auch nicht zurückgewiesen, so verliert er dennoch und zwar der Inländer auf 3 Jahre, der Ausländer aber auf 6 Jahre den Bürgergenuß."

Der Ausschuß beantragt, vor dem letzten Satz in §. 31 einzuschalten:Der Antrag auf Ungültigkeits­erklärung einer ertheilten Bürgeranfnahme kann nur in demselben Jahre, in welchem die Ausnahme erfolgte, gestellt werden."

Lang ist dafür, daß das Eintrittsgeld zurückge­geben würde und beantragt deßhalb, in dein letzten Satz des §. 31 das Wortnicht" zu streichen.

Raht beantragt, in §. 31 den Satz vonaußer diesen ist" an bis zuentziehen" zu streichen und dafür zu setzen:als Theil der Strafe ist zugleich der Ver­lust des erschlichenen Bürgerrechts auszusprechen."

Bei §. 32 beantragt Lang, die Inländer und Ausländer gleichzustellen.

700 fl. abwärts keinen Heller streiten dürfen, denn die Stute können sonst nicht leben, und ist diep der Fall, so leiden ihre Dienstverrichtungcn darunter, und dann gute Nacht Theater. Warum konnte dies aber geschehen? Weil die Männer, die an der Spitze stehen, trotz dem besten Willen, nichts vom Geschäft verstehen. Und was thun sie, um sich, wie sie glauben, zu helfen? Sie klammern sich an Jeden an, von dem sie glauben, er könne ihnen Winke an die Hand geben; und dadurch wird die Sache verdorben. Gewiß haben schon viele mit mir die Bemerkung gemacht, daß, seit die Mitglie­der des Comites ernannt sind, man den Tag über bei­nahe in jeder Straße einem derselben begegnet, wel­ches ein Schauspieler oder Sänger in der Arbeit hat, um Reorganisationspläne beizubringen. Jeder dieser Herren «Schauspieler oder Sänger ist aber Egoist und spricht was in feinen Kram paßt, und thut oder kann er dies nicht, so giebt er Mittel und Wege an, die ge­wiß einem Dritten zum Nachtheile sind. Eine weitere Art von Bearbeitung kommt von einer andern Seite. Da soll der Redakteur einer gewissen, äußerst ge- schmeldigcn Zeitung zum Dramaturgen und Comite- Mitglrrd gestempelt werden; der wird dann Alle fertig machen. Erst lernt er die Schauspieler buchsta- biren, dann sylabiren, giebt den Comite-Mitgliedern Unterricht, wie man das Theaterwesen verstehen lernt u. s. w.; natürlich ist dieS ein Ehrenposten, womit man sich dem rathlvscn Comite unentbehrlich zu machen wußte,

*) Ist bereits geschehen. D. R,

dann kömmt die Gage von selbst. So wurde bis jetzt reorganisirt. Man vergaß aber die Hauptsache. Die Künstler, welche die Anstalt zu Ehren bringen, und das Geld, was dieselbe kostet, durch ihre Leistungen er­werben sollen. Dies hat das wohlweise Comite ver­gessen, hat also den Gaul am Schwanz aufgezäumt. Man lud seine Mitbürger zu zahlreichem Abonnement ein, dachte aber nicht daran, daß die Leute für ihr gutes Geld auch etwas sehen wollen. Man kann jetzt, da die Vorstellungen ihren Anfang nehmen, beinahe keine ordent­liche Ausführung auf die Beine bringen, weil mehrere Fächer gar nicht, andere aber ungenügend besetzt sind. Mainz muß uns eine Sängerin vonAnno T u b a ck " leihen, während man Frl. Rummel, die uns nie wieder ersetzt werden kann, entläßt. Daö Orchester wird anch mangelhaft, hat keinen D i r i g e n d e n, der den Kopf auf dem rechten Fleck hat, und Hr. Rummel ist krank. Den ausgezeichneten Violoncellisten Hr. Schappler läßt man gehen, weil der Mensch die Kühnheit hat zu sagen, daß er mit einer Gage von 400 fl. (er hatte 700 fL) nicht leben kann. Schappler, der sich durch sein Preis­quartett europäischen Ruf erworben hat! dafür sucht man einen Stellvertreter im Frankf. Journal. Ist es keine Ehre für die Anstalt, solche Männer zu haben? Was aber, wird man sagen, thut denn der Direktor, Hr. Dr. Juris Meier da? Wenn unsre Leser uns nicht verrathen, wollen wir es ihnen sagen: -^ Er thut

*) So eben hören wir, daß Hr. Meier feine Entlassung genommen hat.

gar nichts; er ist dassiebente Rad" am Wagen, und vollzieht als Sachverständiger das, waö die, die es nicht verstehen, ihn heißen. Wie soll daö enden?

Nächstens mehr.

Anekdote N.

Ein Amtmann gab einem Bauer, der nach der Stadt fuhr, einen Brief mit, den er aüf der Post abgeben sollte, nebst Geld zum Frankiren. Da er wieder zurück« kam, klagte er, daß die PostsekretärS so theuer wären und für einen so kleinen Brief acht gute Groschen ver­langt hätten.Aber dafür habe ich sie auch recht ange­führt", sagte der Bauer mit einer bedeutenden und frohen Miene. Wie denn so? fragte der Amtmann.I! bet Sekretär wurde eben herausgerufen, da nahm ich ihm heimlich zwei andere Briefe weg, und weil meine Mutter immer haben will, ich soll ihr fleißig Briefe schicken, so will ich ihr diese beiden senden."

Jemand, der seinem Neffen mit guter Manier vor­werfen wollte, daß er ihm einen silbernen Teller gestoh­len habe, ließ folgendes in sein Testament setzen:Fer­ner vermache ich meinem Neffen Karl elf silberne Teller. Er weiß schon, warum ich das Dutzend nicht voll mache."