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tzige Lawine bis an unser offenes Thor, nein, sie drang herein, sie überfiel den Anfangspunkt unserer wichtig­sten Coinmum'cationslinie in Westen, den Bahnhof zu Schlingen, sie setzte eine ganze deutsche Neichsprovinj unter Schlamm und Wasser, fremden und deutschen Pöbel.

Gerechter Gott, was sind das für Fehltritte auf dem Weg unserer internationalen Polilik s! Daß in der Schweiz die größte Wachsamkeit vonnöthen war, lag und liegt ja doch auf flacher Hand. Wir kennen die Loyalität dieses Nachbarn, wir kennen sie nicht fett gestern. Seine Simmung gegen uns wächst nun Jahr und Tag lang bis zur' Verstimmung. Seine Käse­krämerpolitik sieht mit demselben günstigen Auge wie Englands Handelspolitik auf unser Einigungswerk. Dies einmal in allen Consequenzen fertig gedacht, so sind die Fabriken der Schweiz ruinirt, oder doch in ihrer Eristenz gefährdet. Daß also die Schweiz keine hülfreiche Hand uns bieten wird, ist klar. Ihre Ant­worten an die badische Regierung in der Flüchtlmgs- frage zeigten zur Genüge, wie diese drüben aufgefaßt und behandelt wird. Hier war die größte Entschie­denheit, die rascheste That am Platze. Pfui, daß ein alter Haudegen unsern jungen Staatskünstlern zeigen muß, auf welche Art das deutsche Interesse gegen hä­mische Feindseligkeiten gewahrt wird. Dereiserne Marschall" mit doppeltem Recht taufen wir ihn so, weil er unser Iron-Duke ist und die eiserne Krone für uns gerettet hat wird Ruhe haben vor Tessin, und deßhalb doch keinen Krieg mit der Schweiz. Und wenn selbst eck ist ein Hauptirrthum unserer neuen Politik, daß sie, dem Auslande gegenüber, so unendlich sanft, so überaus und überall friedfertig an ft wen zu sollen meint. Als wir Deutschen eine deutsche Politik hatten, wenigstens die Anfangsgründe davon, unter Karl dem Großen, unter Friedrich dem Zweiten dem Kaiser, nicht dem König nämlich da waren wir im Auslande für ein sehr wildes, ungestümes Volk verschrieen, gens ferox et imperiosa, sagen die dama­ligen Chronisten. Dieser Ruhm ist freilich nicht sein, er schickt sich nicht für eine gesittete Nation, aber im­merhin ist er uns besser angestanden, als der, den wir später verdienten und noch besitzen, der Ruf der Be­scheidenheit, der tiefen Gemüthlichkeit in äußern Bezie­hungen und und des noch tieferen Familienneides in innern. Keinen Krieg anfangen sollen wir, nicht mit aller Welt Händel suchen, niemanden reizen, der uns nichts zu leide thut und das alles, was wir nicht sollen, haben wir redlich gethan. In den Falten des neuaufgefârbten Kaisermantels muß, wie in jener rö­mischen Toga, Krieg und Frieden, Oelzweig und Reichs­schwert zu finden sein, damit die Nachbarn wählen, kurz und gut. Diese Wahl wird jetzt, wird sobald nicht Nach dem eilest gwW: ' MM dèr 'änMlicbl^ Blick wird einsehen, daß die kleine eidgenössische Re­publik so wenig wie die große überrheinische einen Krieg gegen Deutschland aufnehmen und durchführen kann, am allerwenigsten in ihren eigenen Verhältnissen. Un­sere Vertretung in Paris und in Bern hätte deßwe­gen entschieden auf eine rasche Erledigung der gerech­ten Ansprüche Deutschlands an seine südwestlichen Gränz- nachbarn bringen und jede Eventualität dabei im Auge haben, in Aussicht stellen müssen; die Wallfahrten in die Einsiedelei von Muttenz und die sogenannten Ab­schiedsbesuche am Hoflager des Prätendenten im Reb­stöckel zu Straßburg waren Unverschämtheiten, in de­nen der französische und schweizerische Antheil, der fremde, mit dem deutschen oder vielmehr undeutschen und widerdeutschen, an höhnisch frechem Uebermuth ge­gen Gesetz und Sitte rühmlichst wetteifert. Bis zur Stunde, wir dächten ein pari drauf zu halten, weiß der Pariser Polizeipräfeet, welcher den Berliner Colle­ge« unlängst mit einer ungeheuer liberalen Nase heim­schickte, viel besser als der Neichsgesandte in Paris, wo Hr. Hecker sich aufhält. Wir haben ihn mit schwarz-roth-goldenen Fahnen zu Straßburg in die Messageries, in Havre aufs Dampfboot steigen sehen,

und legen nun, aufathmend, nachdem ein schwerer Stein vom Herzen gefallen, uns zu Bette. Fragt in Rue de Jerusalem nach der Adresse des großen Ver­bannten, und seid überzeugt, er ist noch im Trocknen, wie eure Erfahrung schon auf dem Trocknen.

(Schluß folgt.)

Kreisschreiben des Minister-Präsidenten v. Pfuel.

General von Pfuel hat folgendes Kreisschreiben an die Generaleommandoö, die Generalinspection der Artillerie und der Festungen, das Gouvernement in Berlin, die Militärgouvernements in Mainz und Lu­xemburg, die Inspection der Jäger, und der Schützen und den General der Cavallerie v. Wrangel erlassen:

In Folge meiner Ernennung zum Ministerpräsi­denten und Kriegsminister, beehre ich mich, einem re. hierbei das Programm des neuen Ministeriums erge- benft zu übersenden. Se. Maj. der König haben sich bereits in dem Armeebefehl vom 1. Mai d. I. über die Stellung auszusprechen geruht, welche die Armee bei den veränderten Verhältnissen des Staates einzu- nchmen habe. Auch hat mein Aintsvorgänger, der Generallicutenant Freiherr v. Schreckenstein, wicderho- lentlich und zuletzt in dem Erlasse vom 13. d. M. erklärt, daß die Regierung Seiner Majestät reaktionäre Tendenzen überall nicht hege und den eingeschlagenen Weg konstitutioneller Entwickelung mit redlichem Wil­len verfolgen werde. Zugleich ist dabei auf die Noth­wendigkeit von ihm hingewiesen worden, in diesem Sinne durch alle Instanzen auf die Untergebenen an­gemessen einzuwirken. Einverstanden mit diesen An­sichten und entschlossen, reaktionäre Tendenzen nicht zu dulden, ersuche ich ein rc., das gute Einvernehmen zwischen Civil und Militär nach Kräften zu fördern, und wo sich reaktionäre Bestrebungen wider Erwarten bei Wohldemselben untergebenen Truppen zeigen soll­ten, denselben entschieden entgegen zu treten. Ein je. wolle zu dem Ende von meinem gegenwärtigen Erlasse die Wohldemselben untergebenen Offiziere aller Grade zur Nachachtung in Kenntniß setzen. Dieselben sind sogleich darauf aufmerksam zu machen, daß sie nach dem von Deiner Majestät der Nationalversammlung vorgelegten Verfassungsentwurfe, gleich den Civilbeam- ten zur Aufrechterhaltung der Verfassung seiner Zeit eidlich werden verpflichtet werden, und daß mit der Uebernahme solcher Verpflichtung alle anticonstitutio- nellen Bestrebungen, wie sie überhaupt mit der Stel­lung eines Offiziers in der Armee unverträglich sind, im Widerspruch stehen würden. Je schwieriger die Lage des preußischen und des gesummten deutschen Vater­landes ist, desto nothwendiger ist ein einmüthiges Zu- deM mehl' muß selbst der Schein einer Spaltung vermieden wer­den, um den Feinden des Vaterlandes jeden Vorwand, jede Hoffnung zu benehmen, um das gesäete Mißtrauen zu entfernen und allen Unbefangenen die Ueberzeugung zu gewähren, daß die von unserem Könige angebahnte freie Entwickelung des conftitutioneUen Staats von der Vaterländischen Kriegsmacht nicht bedroht, sondern geschützt wird. Ich erkenne vollständig die Schwierig­keit der Ausgabe, die ich mit dem von Sr. Majestät mir anvertrauten Amte übernommen habe, halte mich aber überzeugt, daß einc. sowohl, als die unter Wohldessen Befehl stehenden Offiziere bewährt in Treue und Liebe zu König und Vaterland mit mir nach dem­selben Ziele streben werden. Berlin, den 23. Sept. 1848. Der Kriegsminster. gez. v. Pfuel."

88. Sitzung der constituirenden National-

Versammlung.

Frankfurt, 29. Sept. In der heutigen Sitzung der Nationalversammlung wurde nach der Berathung über den Bericht des Abgeordneten Riesser, das Ver­

fahren im Falle strafrechtlicher Untersuchung gegen Mitglieder der deutschen Neichsversaminlung und deren Sicherstellung betreffend, folgendes Gesetz zum Beschluß erhoben:Ein Abgeordneter der verfassunggebenden deutschen Reichsversammlung darf vom Augenblicke der auf ihn gefallenen Wahl an, ein Stellvertreter von dem Augenblick an, wo das Mandat seines Vorgängers erlischt, während der Dauer der Sitzung ohne Zustim­mung der Reichsversammlung weder verhaftet, noch in strafrechtliche Untersuchung gezogen werden, mit alleini­ger Ausnahme der Ergreifung auf frischer That. In diesem letzteren Falle ist der Reichsversammlung von der getroffenen Maßregel sofort Kenntniß zu geben und es steht ihr zu, die Aufhebung der Haft oder Unter­suchung bis zum Schluß der Sitzung zu verfügen. Die­selbe Verfügung steht der Reichsversammlung in Betreff einer Verhaftung oder Untersuchung zu, welche über einen Abgeordneten zur Zeit seiner Wahl bereits ver­hängt gewesen ist. Kein Abgeordneter darf zu irgend einer Zeit wegen seiner Abstimmungen in der Reichs- Versammlung oder wegen der bei Ausübung seines Be­rufs gethanen Aeußerungen gerichtlich verfolgt, oder sonst außerhalb der Versammlung zur Verantwortlich­keit gezogen werden. Vorstehende Bestimmungen treten in Kraft mit dem Tage ihrer Verkündigung in dem Reichsgesetzblatt." Außerdem wurde folgender Antrag des Finanzausschusses, die Dotation der Reichskafse be­treffend, angenommen:Die hohe Nationalversamm­lung wolle dem Reichsministerium der Finanzen ihre Zustimmung zu dem Ausschreiben einer Umlage von 120,000 fl. nach der Matrikel ihre Zustimmung erthei­len, zugleich aber auch die Erwartung aussprechen, daß durch die neuerdings zugesicherte baldige Vorlage eines möglichst vollständigen Budgets tie nothwendige Vor­sorge für das weitere Bedürfniß recht zeitig getroffen werden könne."

MttssEifches.

D Kammer - Verhandlungen.

50. Sitzung.

Wiesbaden, 29. September.

Präsident: Anfangs Wirth, später Gergens.

Rcgierungskommissäre: Werren, Schapper, Gieße.

Nach Verlesung der Petitionen übergibt Negierungs- kommissär Gieße eine Vorlage der Regierung, den Chansseeban von Herschbach, Amts S.lters, nach Val­lendar.zu bis an die preußische Gränze betreffend.

Wenckenbach 1. fragt an, warum in dem großen Amt Marienberg kein einziger Medizinalaccessift sei.

Werren verspricht nächstens Auskunft.

Es mirö "3uf£ägeöorbniiT^ und zwar zuerst zur Landesgestütfragc.

Schmidt verliest einen etwas abgeänderten Kom­missionsantrag.

Es entsteht darüber eine nochmalige lebhafte De­batte, die aber nichts Neues von der Sache bringt, sondern das schon einmal Gesagte wiederholt. Nach geschlossener Diskussion wird abgeftimmt und der An­trag Wenckenbach'ö auf nochmalige Probe für 3 Jahre angenommen.

Lang trägt nun den Bericht vor über den Bau einer Quaimauer, resp, eines Verbindungswegs am untern Thor bei St. Goarshausen, wofür 950 fl. ansordert werden.

Der Ausschuß trägt auf Verwilligung an, welchem Antrag die Kammer beitritt.

Es wird nun zur Fortsetzung der Berathung des Gemeindegesetzes übergegangen.

8. 21.

»Die Staats- und Kirchendiener erlangen durch ihr Anstellungsdekret daS Bürgerrecht in derjenigen Ge­meinde, welche ihnen kraft ihrer Anstellung zum Wohn­sitz angewiesen worden ist."

Wie? fragt ich einen Winzer, Schallt nicht Gesang durch's Feld? Ach", seufzt der brave Bursche, ,,Es klingt jetzt nur das Geld."

Ich hatt daheim ein Liebchen, Wir waren uns so hold;

Ich dachte: Fleiß und Treue, Die wiegen mehr als Gold. Da sprach die mürrische Alte: Ihr kommt nicht durch die Welt Mit eurer leichten Treue; Denn schwer nur wiegt das Geld.

Da eil ich zu dem Freunde, Well siedeln mich im Ort. Könnt Ihr dazu mir helfen, So zählt nur auf mein Wort!" Wiel ruft er aus verwundert; Habt Bürgschaft Ihr gestellt? Es zählen nicht die Worte; Es zählt ja nur das Geld.""

^un sprach vas holde Liebchen: Tewirb Dich um ein Amt!

Wirst glänzen durch Talente." Ich that's, doch sei's verdammt. Ja,"" brummte der Beamte, Ihr seid der rechte Held! Die Stelle fordert Ansehn, Und glänzen mag nur's Geld.""

Mich dauerte der Bursche;

Doch wisset, was geschah, Es starb ein reicher Oheim In Nordamerika. Jetzt ist der Bursche Schulze, Hat Weibchen, Hof und Feld. Denn, wie die Kluge meinte, Es gilt ja nur daS Geld.

* Bilder von J. Stahl.

VIII.

Wkllengräber.

Die Schlacht erklang, aus dem wilden Meer Ruht feierliches Schweigen;

Viel Trümmer treiben hin und her, Daran geklammert Leichen.

Rings keinen Laut; cs schließt die Flut Sich stille über den Todten, Und zieht hin in wilder Liebesglut Jn's schimmernde Haus am Boden.

O, schlaft in des Meeres Tiefe Wohl, Auch ohne Kranz in den Haaren; Euch klang keine Glocke dumpf und hohl, Ihr wackern, muthigen Schaaren.

Kein' Freund' drücken euch die Augen zu, Das thaten die liebenden Wogen; Die haben zu stiller, süßer Ruh' Euch zu sich hinab gezogen.

Ihr ruht nicht im engen, dunkeln Schrein, Euch grüßen des Himmels Sterne; Die Sonne taucht in die Fluth hinein Und spielt mit den Wogen gerne.

So ruhet sanft im krystallenen Haus .

Von allen Leiden und Sorgen, Von aller Mühe und Trübsal aus Bis zum Auferstehungsmorgen,