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Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden

Sonntag, den 1. Oktober

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o^.^, Jf OT1 ^ 3* Pro Oktober bis Dezember wolle man neue Beftellunaen auf die //Nassauische

F8ÜMH«sW^1^ 111,6 Schulblatt" schleunigst machen bei der nächsten Postanstalt des Her-

Uebersichten , Erörterungen und Aktenstücke.

Die deutschen Aufstände.

In einem Artikel vom Rheine in derKölnischen Zeitung" heißt es:

Der Freund wahrer Freiheit, welche sich nur auf Gesetzlichkeit gründet, sieht jetzt mit tiefem Bedauern, wie wenig die Männer, die sich als die einzig wahren Apostel der Freiheit hinstellen, dieses Wort verstehen; denn während sie eine unbedingte Freiheit für sich selbst verlangen, wollen sie Andersgesinnten oft nicht einmal erlauben, nur ihre Ansichten auszusprechen. Im höch­sten Grade gefährlich für ganz Deutschland ist dieses Verfahren in Frankfurt und Berlin, wo man vermit­tels der großen Masse durch das Einschüchterungs-Sy­stem Einfluß auf die Beschlüsse der Natioual-Versamm- lung auszuüben sucht, was manchen Abgeordneten in Hinsicht aus seine Familie veranlassen mag, gegen seine bessere Ueberzeugung zu stimmen, um sich nur keinen Mißhandlungen auszusetzen. Die berliner Clubs spre­chen oft aus, daß Blut fließen muß; in Mauer-An­schlägen droht man mit der Guillotine, und Bilder, Minister an Laternen-Pfählen hangend vorstellend, wer­den öffentlich verkauft. In Frankfurt will man Heck­scher zerreissen, weil er sich entschieden für die Geneh­migung des Waffenstillstandes ausgesprochen hat u. s.

Drc. ..bâvn ââ^âârs^ijivluugeu., MpWMW Ende ihre Verlegung an kleine Orte, z. B. Wetzlar und Brandenburg, beschließen müssen, damit die Ab­geordneten nur frei berathen und nach ihrer Ueberzeu­gung stimmen können. Allerdings läßt sich mit voller Gewißheit erwarten, daß die Linke, sowohl in Frank­furt als in Berlin, sich entschieden gegen eine solche Ortsveränderung aussprechen wird, denn sic verliert dann die Alliirten, auf deren Beistand sie sich beson­ders stützt; wenn es aber, wie in diesem Falle, das Wohl des Ganzen gilt, so muß jede Negierung, ge­stützt von der Majorität, die Entschiedenheit haben, eine solche Maßregel auch gegen den Willen der Linken zu fassen und auSzuführen; sie würde von allen Deutschen, denen das Wohl des Vaterlandes wahrhaft am Her­zen liegt, mit Freude begrüßt werden. Möge man sich in Frankfurt, Wien und Berlin endlich daran erinnern, daß die erste Französische Revolution erst dann einen blutigen Gang nahm und zur Schreckens-Herrschaft wurde, als sich Robespierre, Danton re. auf die fana- tisirten Massen des Pariser Volkes stützen konnten! Doch diese eine Maßregel, so nothwendig sie auch ist, kann uns allein noch keine Hülfe bringen. Es ist nicht

Einzelne Züge, einige Ausführungen zu den Umrissen des erschütternden Bildes der heutigen Geschichte.

Als Hr. Heckscher am 16. Sept. nach der Abstim­mung über dem Waffenstillstand von der tobenden Horde in der Westendhalle, dann im englischen Hofe geincht ward, um das Lynchgesetz an ihm zu vollstrecken, saß er zum Abendbrod nach dem heißen Parlamentstag im Bür­gerverein, an der Ecke der Eschenheimer Gaste und der Zeil. Sein Muth hielt festen Stand vor der Wuth, vor der auch die Fenster des Bechmannzchen Hauses, wo der Minister wohnte, in Stücken flogen. Allein, als er sich überzeugen mußte, daß er von der ohnmächtigen Stadt auch nicht den mindesten Schutz erwarten dürfe, nahm er das Anerbieten des Herrn Wilhelm Jordan, seines poli­tischen Gegners, an, um bei ihm zu übernachten. Am andern Morgen (Sonntag) fuhr er auf der ^raunusesten- bahn aus Frankfurt. Wie man ihm in Soden begeg­nete, wie er in Höchst abermals gewissermaßen schon auf der Leiter zur Hinrichtung stand, ist bekannt. Fürst Lich- nowsky war im Begriff, eine Reise anzutreten, von wel­cher er flch nur abhalten ließ, weil er es im entscheidenden Augenblick nicht an seiner Mitwirkung int Parlament wollte fehlen lassen. Aber Dienstag wäre er bestimmt ausgebrochen, wenn der Montag, der verhängnißvolle 18. September, ohne gewaltsame Ereignisse überwunden wor­

abzulängneu, daß eine Menge republikanisch Gesinnter in Deutschland sind, die der bei Weitem überlegenen Majorität die Republik um jeden Preis aufbringen wollen. Diese Republikaner sind äußerst thätig und eifrig bemüht, immer mehr Anhänger zu gewinnen. Das Landvolk suchen sie durch Vorspiegelungen von Steuer-Freiheit, die Arbeiter in den Städten durch communistiiche Ideen zu Republikanern zu machen; ja, es ist ihnen, leider! sogar schon geglückt, Soldaten durch Versprechungen mancherlei Art von ihrer Pflicht abwendig zu machen. Die Presse wird dazu benutzt, um die eingebildeten Vorzüge der Republik ins Licht zu stellen, es wird über Reaction geschrieen, die Re­gierungen .und deren Absichten werden verdächtigt, doch ganz besonders wird dahin gewirkt, Preußen zu Grunde zu richten, wozu eine kleine Partei, die in derRhein- und Mofel-Ztg." ihr Wesen treibt, den Anarchisten den größten Beistand leistet; doch da das nicht so schnell gehen will, trotz der Waffenstillstands-Frage, die für diesen Zweck gehörig ausgebeutet worden ist, so wird dahin gearbeitet, die Arbeitslosigkeit und da­durch die allgemeine Roth zu vergrößern; denn reichen die Hülfsmittel der Regierungen nicht mehr zu, der Noth der großen Masse abzuhelfen, so läßt sich mit Sicherheit darauf rechnen, daß dieselbe willig den Arm dazu bieten wird, dir bestehende Ordnung umznstürzen, und die Freiheits-Apostel, die ihr ja alles irdische Glück verheißen, an die Spitze zu stellen. Leider muß man eingestehen, daß die Freunde der constitutionellen Mo­narchie und der wahren Freiheit diesem Treiben sorg­los zusehen, und werden nicht bald ernste Mittel von M â^H",geu er griffen,-WPWWMWMkrngen ret^e die verheißene Konstitution schnell zu einem Resultate zu bringen, und dauert diese Unthätigkeit fort, so wer­den wir zuletzt Alle vom Strudel, erfaßt und verschlun­gen werden. Ein sicheres Mittel, alle guten Bürger auzurcizeu, mit Wort und Thal für die E, Haltung der Ordnung und die Belebung des allgemeinen Vertrau­ens thätig zu sein, wäre es, wenn endlich das Gesetz erlassen würde, daß jede Gemeinde für die Beschädi­gung, die bei Siraßen-Aufläufen an öffentlichem und Privat - Eigenthume Statt finden, verantwortlich ge­macht wird; daß jeder Ort auf seine eigenen Kosten für die Beschäftigung und den Unterhalt seiner Arbei­ter zu sorgen hat und für seine Sicherheits-Wachen selbst bezahlen muß. Am 18. Sept. fand das frank­furter Attentat Statt, am 21. machte Struve seinen Einfall in Baden und hoffte am 25. in Karlsruhe zu sein: auf dieselbe Zeit war ein Aufstand in Kassel angesagt; am 23. erklärte das württembergische Mini­sterium, das frankfurter Attentat stehe mit verabrede­ter Schilderhebung ähnlicher Art in Württemberg, Ba­den, Hessen rc. zusammen und man erwartete in den nächsten Tagen einen Aufruhr in Stuttgart; auf den

den wäre. Auf dem Platze vor der Paulskirche stand ein Bataillon des preußischen 38. Regiments, Landsleute von Lichnowsky, Schlesier. Der Fürst befand sich mehr­mals, aus der Kirche tretend, bei ihnen.Aber eure Väter haben mir ein Mißtrauensvotum geschickt", sagte er lächelnd, als er sich von Officieren und Soldaten freundlich empfangen sah.Das sind nicht unsere Väter, das sind Lumpaci, die das thaten", antwortete eS aus den Pickelhauben. Von der Mittagstafel des englischen Hofes, nach dem Schluß der Sitzung, entfernte sich Lich­nowsky in seine Wohnung, im HauseMozart" auf der Zeil. Wornach er eigentlich ausritt, ist zweifelhaft. Es scheint nicht, daß er die württembergische, vom schleswig- holsteinischen Marsch rückkehrende Artillerie rascher cinho- len wollte, sondern vermuthlich schaute er mit General v. Auerswald darnach aus, ob denn wirklich die Aufrührer so viele Zuzüge von außen her erhielten, als in der Stadt ereilst ward. Die Schüsse, die auf die beiden Reiter abgefeuert wurden, als sie an den Promenadegebüschen beim Friedheimer Thor vorüberkamen, trafen nicht; aber die Barrikaden hinderten sie, ihre Flucht in die Stadt zu nehmen. Sie wendeten sich daher in's Freie und suchten das Versteck bei einem Gärtner, wo sie ]tcb getrennt, der eine aus dem Boden, der andere im Keller verbargen. Beide hatten die Gelegenheit, zu entkommen. Da aber Keiner gehen wollte, ohne den Andern mitzunehmen, so ward der Zeitpunkt versäumt, und die Mörder ereilten ihre Opfer. Der ältere Auerswald erlag alsdann den viehischen Mißhandlungen der Feinde. Aber das zähe Katzenleben des armen Fürsten überdauerte die martervol-

25. war allgemein ein Aufstand in Berlin vorausge­sagt; auf den 25 erwartet ganz Wien mit ängstlicher Spannung eine neue Revolution auf den 28., erklärte der Minister Dobblof einer prager Deputation, sei ein Aufstand in Prag angesagt; âm 25. endlich wurden in Köln unter Leitung fremder Emissäre Barricaden gebaut. Ich überlasse Jedem, seine Schlüsse aus die­ses nackten Thatsachen zu ziehen. Wenigstens wäre auf dem Erdboden kein gesetzloseres Volk als das deut­sche aufzufinden, wenn jene Facta in keinem inneren Zusammenhänge ständen."

Zur deutschen Politik nnd Diplomatie.

Zuerst wenn es erlaubt ist, an einen Diplo­maten eine undiplomatische Frage zu richten was macht der Gesandte des deutschen Reiches bei der Eid­genossenschaft in dieser Zeit zu Frankfurt? Er ist, quasi re bena gesta, auf seinen Abgeordnetensitz in der Paulskirche zurückgekehrt. Was that er also in Bern? Er überreichte dem Vorort sein Beglaubi­gungsschreiben. Aber nein, das schmeckt zu sehr nach altem Cabinktsstyl. Einen Nachbarbesuch stattete er ab. Wie gute Nachbarn um Feierabend thun, wenn sie vor der Thür ein Dämmerstündchen halten, so plau­derte ervertraulich" mit dem Haupte des biedern Hirtenvolkes, das in den Alpen seine Ziegen und un­sere Gutmüthigkeit melkt. Da klagt man sich seine liebe häusliche Noth mit der Frau, mit den Dienstbo-

+9taveaur erzählte wir ernten nach den Berner Cor- respondeiizeii der Deutschen Zeitung und des Schwä­bischen Merkur von den innern Zerwürfnissen und Spaltungen im neuen Deutschland. Er sprach sich aus mit einer liebes würdigen, anerkennenswerthen Of­fenheit, die darum nicht undiplomatisch genannt werden darf, weil sic keine Geheimnisse verrieth. Dann reiste er wieder ab, und traf wenige Tage früher auf der Tribüne in St. Paul ein, als Hr. v. Struve mit Gefolge", d. h. mit seinen Banditen, im Seekreis. Hr. v. Struve kam ebenfalls, wie Hr. Raveaur, aus der Schweiz; beide könnten sich möglicherweise unter­wegs begegnet sein. Hat Hr. Raveaur von Hrn. v. Siruve's Reiseplanen in die badische Amnestie nichts gewußt, so muß sie dieser sammt seinen mehreren Hun­dert, andere sagen sogar mehreren Tausend Begleitern mit einer Vorsicht und Heimlichkeit betrieben haben, die an seine russisch-diplomatische Schule erinnert, und unsere junge Diplomatie erröthen macht. Wußte aber Hr. Raveaur von dem über seinem Schilderhaus sich zusammenziehenden Unwetter, das uns drohte, warum allarmirte er das Lager nicht? Der Seekreis war von Truppen entblößt; in einem Nu walzte sich die schmu-

len Wunden um mehrere entsetzliche Stunden. Er er­wachte aus seiner Betäubung, als man ihn zum Wegtragen aufhob, und blieb dann trotz aller Leiden von einer Be­sonnenheit, daß er nicht bloß den Hergang erzählen, son­dern auch letztwillentliche Bestimmungen treffen, daß er mit der Bitte um Vergebung und mit Friede,iswünschen auf den Lippen sterben konnte. Der Major Deetz, Ab­geordneter für Wittenberg-Schweinitz, nahm den Fürsten mit einer preußischen Compagnie in Schutz, nachdem der­selbe freilich schon zur Hälfte eine Leiche war. Allein der Sterbende entbehrte doch nun nicht des Trostes, Hel­fer und Freunde um sein Todeslager zu erblicken. Herr Deetz hatte aber bei den Barrikaden auch ein Zusammen­treffen mit einem Abgeordneten aus dem Königreich Sach­sen, welches der nähern Aufklärung bedürftig wäre. Denn in gerechter Wallung seines Zorns äußerte sich Hr. Deetz auf eine herausfordernde Bemerkung des Andern in einer Weise, die nicht ohne Folgen bleiben könnte, wenn wir nur einiges Zartgefühl bei dem betreffenden Mitgliede des deutschen Hofes vorauszusetzen berechtigt wären.

ES gilt ja nur das Geld

Des Herbstes trüber Nebel Lag auf dem alten Rhein, Warum war er w traurig Und gab doch seinen Wein?