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laß des Kriegsministers vom 23. d. M. zur allgemeinen Kenntniß gebracht wurde. Später zogen starke Arbeiterhaufen in die Stadt und nach dem Schauspielhause, wo sie von dem Conditor Karbe mehrmals atme, redet und zum ruhigen Nachhausegehen aufqcfordert wurden. Auch unter den Linden wogte und trieb es Hierher waren gleichfalls mit rochen Federn versehene Erd- und Canalarbeiter gezogen, welche, wie man hörte, von Denen, die sie beschieden hatten, Vcrsäumniß-Gebühren für den verlorenen Arbeitstag verlangten. Auf dem Molkenmarkte hatten sich große Massen, welche den Platz bedeckten, angcsammelt. Sie verlangten Befreiung der politischen Gefangenen, ließen cs aber bei Worten bewenden. Gegen Abend wurden Anstalten zur Säuberung des Platzes getroffen.
— Dem Präsidenten der National-Versammlunq, welcher im 67. Stadtbezirk wohnt, wmde von diesem Bezirk am Abend des 23. d. M. ein soUenncs Ständchen gebracht. Eine zahlreiche Deputation, denen Sprecher der Büchdruckcrei-Besitzer Schiementz, Stadlver- ordueter des Bezirks, und Oberlehrer Danz, Ordner des Uhrwählcrvereins des Bezirks, waren, drückte dem Hru. Grabow die Freude des Bezirks aus, daß er des sen Mitbewohner sei. — Eine politische Demonstration war durch das Ständchen nicht beabsichtigt, vielmehr jede politische Beziehung, selbst die Auswahl der Musikstücke, vermieden: den ausgezeichneten, anspruchlosen Mann, den die National-Vecsammlung zum vierten Male an ihre Spitze berief, wollte' der Bezirk freundlich begrüßen.
Preußen. Aus Schlesien laufen ebenfalls betrübende Nachrichten ein: So schreibt man der Leipziger Zeitung aus Liegnitz, 19. Sept.: „Wir gehen einem vollkommenen Bauernkriege entgegen. Die Aufstände in Oberschlesien sind zwar gedämpft, und die dortigen Bauern sollen im ganzen viel weniger aufgeregt sein als die niederschlesifcheu. Desto schlimmer steht cs aber in den Regierungsbezirken Breslau und Liegnitz, am schlimmsten in der Gegend von Strehlen, wo der Landrath schon seit längerer Zeit mit mehreren Dorfgemeinden in Zwist lebt. Dort rüstet man sich förmlich zum Kriege, schmiedet Lanzen, übt sich im Gebrauch derselben u. dcrgl. m. Auch nach Rad;chütz bei Köben hat in diesen Tagen eine Abtheilung Infanterie eines Aufstandes wegen gesendet werden müssen. Die Wühler rathen zwar hie und da vom Aufstande ab, aber nur in der Absicht die vereinzellen Aufstände
zu hindern. Sie wünschen das ganze VanO in Masse sich erheben zusehen, und es sieht jetzt vollkommen so aus als würde dieser fromme Wunsch in Erfüllung gehen. In Glogau und Liegnitz gilt die Gemeindeordnung jetzt Anlaß zu heftigen Debalien; hier in Licg- nitz geriethen die Berathenden sich vorgestern wegen der Frage in die Haare: ob Dienstboten in den Ge- meinderath ausgenommen werden.dürften
dessen tönen in Breslau allabendlich die Katzenmusiken fort. Ja, der Breslauer Ztg. zufolge haben sich die als Corps organisier, welches
Katzenmusiker vollkommen jedem Bezahlenden seine Verfügung stellt.
Köln, 26. Sept.
Kunstfertigkeit fraglos zur
In Folge der Vorfälle des darauf folgenden Nacht ist
gestrigen Tages und der ...... „
Köln in Belagerungszustand erklärt. „1) Alle Vereine zu politischen und socialen Zwecken sind aufgehoben. 2) Alle Versammlungen von mehr als 20 Personen bei Tage und 10 Personen des Abends und bei Nacht auf den Straßen und öffentlichen Plätzen sind untersagt. 3) Alle Wirthshäuser sind um 10 Uhr Abends geschlossen. 4) Die gesetzlich bestehenden Behörden verbleiben in ihren Functionen, und werden in ihren zu treffenden Maßregeln auf's kräftigste untestützt werden. 5) Die Bürgerwehr ist vorbehaltlich ihrer Ncorgaul- sation aufgelöst ; die Waffen sind heute Nachmittags vcn 2 bis' 5 Uhr an die zur Empfangnahme bestimmten Personen abzuliefern. 6) Wer in offenem nub bewaffnetem Widerstände gegen die Maßregeln der gesetzlichen Behörden betroffen wird, soll vor ein Kriegsgericht gestellt werden. 7) Die „Neue Rheinische Zeitung", die „Zeitung des Arbeitervereins", die „Neue Kölnische Zeitung", der „Wächter am Rhein" sind sus- vendirt." Die Ruhe ist inzwischen vollkommen wieder
hergestellt worden.
Magdeburg, 26. Sept. Hier sind bereits b-S gestern 224 Menschen an der Cholera gestorben. Gestern erkrankten 32 und starben 10.
Naumburg, 20. Sept. Gestern sind hier der Redakteur des KreiSblatteS, Cand. Leist, und der Verleger dieser Zeitschrift, Buchhändler LitfaS, verhaftet worden. Mücheln ist mit Militär ungefüllt, weil die Regierung glaubt, daß dieses kleine L>tädtchen zum Herde einer großen republikanischen Verschwörung auser- sehen sei. A
Posen, 23. Sept. Wir sind hier abermals in Be- soraniß vor dem Ausbruch von Unruhen; wenigstens ist seit gestern hier ziemlich allgemein das Gerücht verbreitet, daß die Polen hier abermals eine bewaffnete Erhebung beabsichtigen. Wir sind geneigt, anzunehmen, daß eine Jnsurreetion, jedoch nicht hier, sondern in der Provinz beabsichtigt und eingeleitet gewesen sein mag, indessen nur für den — von den Polen freilich allzuverlassig angenommenen — Fall, daß die Revolutionspartci in Frankfurt den Sieg davon tragen würde. Seit die Polen wissen, daß die Sache wider Vermuthen gerade den entgegengesetzten Ausgang genommen, ist ihre Bestürzung ebenso groß, als vorher ihre Zuversicht; jedoch rechnen sie darauf, daß das Frankfurter Attentat zu einem un- versönlichen Bruch in der jungen deutschen Einheit führen, und sie dadurch von der Furcht, Deutschland einverleibt s
zu werden, befreien müsse. Die jungen Polen sind seit vorgestern sämmtlich von hier verschwunden; wie verlautet, sind sie auf der Eisenbahn nach Berlin gereist, wo sie in dem bevorstehenden Kampfe eine eigene polnische Legion zu bilden beabsichtigen sollen. Außerdem wird der Czaar und seine an unserer Grenze stehende Armee je nach den Umständen benutzt; denn bald heißt es, er stehe bereits vor der Thür und werde alle Polen mit Stumpf und Stiel ausrotten; bald dagegen, er komme binnen acht Tagen, um die Deutschen zu züchtigen und das Königreich Polen in seinen alten Grenzen wieder herzustellen. Die Ereignisse in Frankfurt haben hier einen unbeschreiblichen Eindruck gemacht.
Schleswig-Holstein. Altona, 24. September. Die provisorische Regierung macht bekannt, daß bis auf Weiteres der Verkehr mit dem Königreich Dänemark wieder gestattet ist. In einer andern Bekanntmachung werden die Beamten in Schleswig-Holstein beauftragt, der sogenannten königlich dänischen Jmmediatkommission entgegenzuwirken. Der kommandirende Generalmajor v. Bonin erklärt in einem Rundschreiben an die Kommandanturen, daß ihm von der Einsetzung dieser sogenannten königl. Jmmediatkommission nichts bekannt sei, und daß diese von der einzusetzenden gemeinsamen Regierung für beide Herzogthümer sehr unterschieden werden müsse. Man erfährt übrigens, daß Lord Palmerston eine sehr energische Note nach Kopenhagen ergehen lassen und erwartet in Kurzem die Wirkung derselben zu sehen.
Oesterreich. Wien, 23. Sept. ^Eindruck der Ereignisse in Frankfurts Es herrscht hier die größte Bestürzung über das Blutbad in Frankfurt. Jede Note über die dortige Bewegung findet Tausende Leser. Kein Bericht war erschöpfend genug, genaue Details über den Charakter dieser grauenhaften Ereignisse, welche traurige Folgen haben werden, fehlen uns ganz. Wir sind hier überzeugt, daß gewalsame Ausbrüche dieser Art uns in die Hände der reactionâren Partei liefern werden, welche alle Triebfedern springen läßt, um sic hervor zu rufen. Die große demokratische Partei, die in Wien lebt, bietet alle Besonnenheit, alle Vorsicht auf, um nicht in die Fallen zu gehen, die ihr gelegt werden. Die Freiheit aller europäischen Völker wäre gefährdet, wenn jetzt in Wien ein Slraßenkampf beginnen würde, um die schwebenden Fragen der Demokratie zu entscheiden. Theils gegen Wien, theils gegen die ungarische Grenze bewegen sich Regimenter auf Regimenter. Die hiesige Garnison ist beinahe um das Doppelte verstärkt. Aehnliches geschieht in Berlin, wo durch das neue Ministerium offen der Kampf provocirt wird. Es ist als ob eine geheime Cabiuels- combination in den gleichen Vorkehrungen in Wien und Berlin stattfände.
Wien; 23. Sept. Einer glaubwürdigen Mittheilung zufolge, hat sich der Palatin Erzherzog Stephan M^M^MzMcâllaäâsonvernâ^ rischen Corps gegen die Serben begeben.' Gewiß scheint daß über das Eintreffen des Palatins im ungarischen Hauptquartier noch keine officielle Nachricht bekannt wurde.
Wien, 22. Sept. fCzecheneinfall in Ungarns Eine Schaar ezechischer Fanatiker, unter der Anführung der drei bekannten Panslavisten Hawlitschek, Stur und Hurban, fielen im Neutraer Comitat ein und besetzten 5 Ortschaften. Hurban fordert in einer Proklamation die Bauern in den slavischen Comilaten Ungarns auf, wider die Herrschaft der Magyaren aufzustehen, den Bertilgungskrieg gegen sie zu beginnen, und nicht eher die Waffe aus der Hand zu geben, bis der Slave sein alles historisches Recht erkämpft haben wird. Jedes Wort ist mit Blut geschrieben. Hurban lechzt wie eine wilde Hyäne nach dem Blute der Deutschen und Magyaren. Nach und nach wird das Gewebe klar, das im Slavencongresse zu Prag gesponnen wurde. Die Jnsurreetion aller jener Gebiete, auf die jemals nur der Fuß eines Slaven trat, war schon der leitende Grundsatz bei der Abfassung des Programms. Grauenhaft ist cs, zu sehen, wie blind die- ier nationale Fanatismus die Lenker der czechischen Geschicke macht, wie sie nicht sehen, daß sie nur Instrumente einer höheren Macht sind, die nach Bollen- dung der sogenannten Mission der slavischen Völker die Früchte jener blutigen Saat ernten wird. Die czechischen Freischärler erhielten aus dem Zeughause zu OUmütz Gewehre und Munition, kaiserliche Offiziere begleiteten sie und jene Emissäre, die nach dem Dior- den Ungarns reisten, um dort die slavische Bewegung anzuregen, erhielten Anweisungen auf kaiserliche Kassen. Bange Sorgen ob der Zukunft der Deutschen im österreichischen Völkercomplere und die dringende Nothwendigkeit, den Plänen jener feindseligen Partei in ihrer ersten Entwickelung entgegen zu treten^ bewo- gen eine Schaar von Wiener Bürgern und Studenten nach jenen Comitaten Ungarns aufzubrechen, um der Aufwieglung der slavischen Bauern entgegen zu arbeiten. Rieger entblödeie sich nicht, heute in einer Interpellation an den Kriegsminister einen in Prag lebenden Deutschen einen Ausländer „Colonisten" zu nennen. — Beunruhigende Gerüchte über eine Volkserhebung zu Frankfurt, über dort erbaute und vom Militär wiedergenommene Barrikaden, circuliren hier heute mit freudigen Nachrichten über einen Sieg der Ungarn bei Keßthely. - Eine eigenthümliche „Mu- qliederpresse" übt der constitutionell-monarchische Verein aus. Allen subalternen Beamten wurden durch ihre Bureauchefs die Einzeichnungsbogen zu diesem Vereine vorgelegt, in den Kasernen bereden Offiziere d.e gemeinen Soldaten, ihre gute Gesinnung durch den Eintritt in den Verein an den -vag zu legen, befrem
dend ist es, daß das bloße Vorzeigett einer Eintrittskarte in diesen Club genügt, um im kaiserlichen -Zeughaus Gewehre erhalten zu können. ; 3 “
Baiern. München, 25 Sept. Die blutige Er- c-gnisse in Frankfurt haben hier alle wohlmeinenden Gemüther mit ernster Trauer erfüllt und sorgenvoll sinb die Blicke Vieler nach der Zukunft gerichtet. Wäre bis jetzt noch ein Zweifel darüber gewesen, so haben es jene Ereignisse unwiderlegt dargethan, auf welches Ziel ein großer Theil der deutschen Demokraten loS- steuert. Auch hier rühren sie sich seit einiger Zeit mit gesteigerter Kühnheit und ihre Blätter strotzen von hochverrätherischen Jnvectiven auf den deutschen Reichstag, auf den NeichSverweser und auf alle in Recht bestehende Negierungen.
Nürnberg,' 25. Sept. Daß die republikanische Partei in Deutschland durch die Mordsceuen, welche vor den Thoren Frankfurts verfielen, einen empfind- lichen Schlag erlitten hat, ist außer Zweifel. Auch in unserm Franken, wo sie namentlich unter dem Landvolk immer mehr Terrain zu gewinnen wußte, ist dies der Fall.
Würzburg, 23. Sept. Zuverlässigen Mittheilungen zufolge sollen vier stänbiqe Lager, jedes von 12,000 Mann, und zwar das eine bei Altenburg, das 2. bei Kreuznach, das 3. bei Ulm, das 4. bei Offenburg zusammengezogen werden. Die zurückbleibendcn Truppen, welche überall auf den mobilen Präsentsland gesetzt werden, formtreu nach Zurücklassung einer genügenden Reserve mobilen Colonnen. (N. W. Z.)
Württemberg. Stuttgart, 26. Sept. In Rottweil und Umgegend ist der Aufrubr unter Nau's Anführung eben ausgebrochen und deshalb in tiefer Nacht Ministerrath gehalten worden. Rau wird mit großen Schaaren morgen, am Geburtstage des Königs, zu einem bewaffneten Volkstag hier eintreffen, was wir indeß bei der bedeutenden hier versammelten Militärmacht bezweifeln möchten, Uebermorgcn aber dürfte es unruhig werden, da daS Volksfest in Cauustadt an diesem Tage ohnedies an 20,000 Menschen in unserer Nähe versammelt. ■— Die Negieruag schreitet jetzt streng gegen die Führer der republikanischen Partei ein, die sich aber meist aus dem Staube gemacht haben; auch Simon soll entkommen und das Gerücht seiner Verhaftung uugegründel sein. Den ganzen Tag zieht hier Militär aus und ein, ohne daß das Publikum weiß, woher und wohin. Man spricht von im Land eingerückten Oesterreichern und Preußen (was aber sicher ungegründet ist.
Vaden, In Karlsruhe ist folgende Bekanntmachung erschienen: Nach einem so eben eingelaufenen Bericht deS Bezirksamtes Lörrach vom Gestrigen, unterzeichnet von dem gefangen gewesenen Oberamtmann Exter, ist der Anführer der Rebellen, Gustav Struve, auf MMM^â^oer^tet worden . Karlsruhe, den 26. September 1848. Ministerium deS Innern. Bekk-
Mannheim, 27. Sept. Der Zug der Reichstruppen geschieht in großer Eile und bedeutenden Massen ; 84,000 Mann sollen daS badische Laud in 7 Abtheilungen besetzen, hiernach kämen zwischen Heidelberg und Mannheim 12, 000 Mann. Heute früh kam eine Abtheilung nassauischer Infanterie aus Schleswig- Holstein hier an; sie gehen, wie die Andern, unverzüglich nach dem Kriegsschauplatz ab.
Mannheim, 27. Sept. Vorgestern langten die ersten preußischen Truppen, ein Bataillon vom 27. Regiment, unter dem Zulaufe der halben Bevölkerung hier an. Sie sind hier cinqnartiert und versehen seit dem Abmarsche deS bad. 4. Regiments den Garnisondienst. Wir hatten die Freude, wahrzunehmen, wie die Idee der deutschen Einheit bei dem Militär sich besonders lebendig zeigt. Kaum waren die Preußen eingerückt, s» schlenderten sie alsbald Arm in Arm mit den Badensern lustwandelnd durch die Straßen.
Baden, 26. Sept. Struve'S Einsall steht mit der maßlosen Agitation in Würtemberg, Köln, Mainz, Leipzig und wo sonst noch gleichzeitige Volksversammlungen abgehalten wurden, insbesondere mit der Frankfurter Tragödie, welche die Herren Schaffrath und Zitz jetzt nur als einen unbedeutenden Krawall darzustellen sich bemühen, in Verbindung.
Freiburg, 26. Sept., Abends. Der Aufstand im Oberlande ist unterdrückt! So eben trifft die sichere Nachricht hier ein, daß G. Struve in Wehr gefangen genommen worden ist. Auch haben die Bundestruppen heute ohne Schwertstreich von Müllheim Besitz genommen. So eben kommen mit einem Extrazuge wieder badische Dragoner an. Die um 4 Uhr eingetroffen, sind alsbald nach dem Oberland abgegangen.
Ausland.
Italien.
Das Blatt „El Risorgimento" will die Nachricht verbürgen, die französische Negierung habe den Beschluß'gefaßt, Venedig mit bewaffneter Hand gegen jeglichen Angriff oder die Besetzung von Seiten Oesterreichs zu schützen.
Republik Frankreich.
Paris, 25. Sept. Die innern Angelegenheiten sowohl, wie die auswärtigen, bieten jeden Augenblick Stoff zu neuen Conflicten. Ludwig Napoleon soll, wie der „National" versichert, gestern Abend in Paris an- gekommen sein und wird vielleicht feuteju die Versammlung eintreten. Man will sogar wissen, für welches Departement er sich entscheidet. Die untere Charente soll die Gunst des Prinzen haben. Inzwischen ist der Herausgeber der „falschen" bonaparlistischen