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Alö etwas Neues könnte Turnen und Errichtung einer 1. und 3. Abtheilung von Volksschulen bezeichnet werden von denen letztere aber bereits in Wiesbaden und Schwalbach, fac« tisch bestehen. Ob dieses dem demokratischen Princip entspricht und ob diese Scheidung bei freien Unterricht möglich ist, wollen wir vor der Hand unentschieden lassen. Doch auf die Sache zurück zu kommen, hielt man bei der Entwerfung dieses Plans die Lehrer fähig, den bezeichneten Unterricht zu geben, so denke ich, wird jener Einsender auch jetzt nicht mehr an dieser Möglichkeit zweifeln. Sollte er eö dennoch , so unterhalte er sich einmal mit einem tüchiigen Lehrer (wenn es untüchtige gegeben hat und gibt, die nie etwas Ordentliches leisteten und ferner leisten werden, daran ist der Stand nicht Schuld) über Geographie, Mathematik re. und er gehe einmal auf die Prüfung des Seminariums in Idstein und ich glaube, er wird anderer Meinung werden. Daß seit einigen Jahren, aber auch nur seit einigen Jahren keine Geschichte mehr auf den Semi- narium gelehrt wurde, wird keinen Ausschlag geben, da früher in diesem Gegenstände dort viel gethan wurde und viele junge Lehrer, die keine Grschichtc dort gehört, durch fleißige Lcctüre in diesem Gegenstand das Versäumte nachgeholt haben. Oder sollte dieß nicht möglich sein? Sollte ein tüchtiger junger Mann, dem es Ernst mit seiner Bildung ist, Geschichte nicht als Autodidakt erlernen können.
Man betrachte den Lehrplan für das Scminarium zu Idstein und vergleiche ihn mit den Ansichten der Volkslehrer und man wird finden, daß auch für diesen wenig Neues gewünscht wird, sondern daß derselbe eben wie z. B. durch das Streichen der Geschichte einige Jahre nicht eingehalten wurde.
Ebenso ist ein fünfjähriger CursuS vorgefchlagen, dadurch aber ein zweijähriger Aspircntcnkurö weggefallen. Weiter ist das Erlernen des Französischen, jedoch nicht obligatorisch, als Unterricht im Seminar vorgeschlagen worden und nach meiner Ansicht sollte nicht blos Französisch, sondern auch Englisch und zwar obligatorisch auf dem Seminarium gelehrt werden. Warum, habe ich bereits früher in diesen Blättern gesagt. Der Lehrer muß nicht Alles lehren sollen, was er kann, so wenig als der Geistliche lateinisch, griechisch und hebräisch predigt, obschon er diese,Sprachen kann. Jedenfalls aber wäre dem Lehrer die Kenntniß dieser Sprachen für seine naturwissenschaftlichen Studien Mr nützlich, abgesehen von der Humanitätsbildung, die er gewänne, auch abgesehen davon, daß er sie in Stäkkei^raucht/ weßhalb gar mancher Lehrer seither diese Sprache später noch erlernt hat. Dadurch aber werden die übrigen Lehrer des Landes durchaus nicht als Lehrer ferner unnütz und unbrauchbar. Daß aber der Lehrerstand für sich und seine Leistungen „vorwärts!" ruft, ist gewiß nur zu loben, wenn er auch damit durchaus nicht Alles aus den Angeln werfen und alle bisherigen Zustände und Menschen damit als untauglich bezeichnet wissen will. —
(Schluß folgt.)
Aphorismen
aus Michelet's Schrift: „Zur Unterrichtsfrage" (1848).
1. Befreiung der Schule von der Aufsicht der Kirche sei die erste Forderung. Räumen wir jeder Confesfiou und Gemeinde das Recht der Selbstregierung ein, weil sie eine freie Corporation geworden, so muß sic es auch der Schule gewähren.
2. Das Leben beginne schon in der Schule, die Öffentlichkeit des Unterrichts sei, wie im Alterthum die Regel. — Nur die Elementarschulen können rein örtlich sein. An die Stelle des wirklichen Lebens tritt hier noch das Spiel. Der Elementarlehrer muß in Spiel und Lehre seine Kleinen leiten.
3. Der Unterricht sei unenkgeldlich. Durch Steuern der Gemeinde werde der Elementar-Unterricht, durch Steuern des Kreises und der Provinz der mittlere, durch den Staat der Universitäts-Unterricht bestritten, ohne auch bei den niederen Sphären die Subvention des Staats zur Aufrechthaltung der gleichmäßigen Besoldung anszuschließcn, wenn die Mittel der niederen Sphäre nicht ausreichen.
Miscellen.
48. Auch der Geistliche wirkt nur so viel und so weit als er in seiner Weise Pädagog ist.
49. Durch meine Methode habe ich dem Kinde seine Mutter erhalten. (Pestalozzi.)
50. Nirgends fand ich Schwäche, als in der Kunst zu benützen, was da ist. (Pestalozzi.)
51. Jeder glaubt, weil er als Knabe die Schule besucht und ihr Süßes und Bitteres genossen habe, ein Sachverständiger bei allen pädagogischen Expertisen.
52. Es gibt Lehrer, welche fast alle guten Eigenschaften besitzen und doch nichts ausrichten, aus dem einfachen Grunde, weil sie nicht gehorchen und sich in einem festen Organismus nicht fügen können. Das kommt von der schlechten Aufsicht. ' (Curt in au n.)
53. Nichts trägt in der christlichen Welt so sehr zum Verfalle des Christenthums bei, als das herrschende Herkommen, Kindern schon hö- in einem Alter mittheilen zu lassen, in welchem nur ihr Gedächtniß, nicht ihr Verstand, Freiheit 'bat, sie 'aufzunehmen.
(Zschvkke's Selbstschau Thl. I. S. 308.J
54. Aristippos wurde gefragt, was die Jünglinge lernen sollten? Das, antwortete der Grieche, was sie als Männer brauchen werden! ■ Diese Antwort ist oft nicht gehörig beherziget, selten recht verstanden, und es ist Manches nicht gelehrt worden, was doch jeder Mensch können, wissen und verstehen sollte; und hingegen Vie-' lcrlei und in Menge was die Erkenntnißkraft nicht übte und erhöhete, unv wovon später auch gar kein Gebrauch zu machen war. In Betreff dieses letzteren Falles äußerte sich aber derselbe auf folgende Weise: „Wie diejenigen nicht die gesundesten sind, die übermäßig essen, sondern jene, welche sich mit dem Erforderlichsten begnügen; so kann man auch nicht diejenigen für gehörig unterrichtet halten, welche Vieles, sondern die das Nöthige und Nützliche recht gelernt haben." (Wilberg.)
Ueber ©tto*@ biblisches Lesebuch.
Es ist hier und da bezweifelt worden, daß daö neue „Biblische Lesebuch für die evangelischen Schulen" von Herrn Kirchenrath Dr. Otto ab gefaßt sei. Diese Zweifel sind nicht begründet, doch scheinen allerdings die Geschichten des „Alten Bundes" mißrathen, weßhalb wir den College«, welche dos Lesebuch in den Schulen benutzen wollen oder müssen, eine Schrift empfehlen, welche vor mehreren Jahren bei Heyer in Gießen herausgekommen ist. Dieselbe führt den Titel: „Ueber den Gebrauch des alten Testamentes im Volks- und Jugend- Unterrichte. — Allen christlichen Reltgiouslehrern zur Beherzigung." — Das Werkchen hat zwar keinen besonderen wissenschaftlichen Werth, enthält aber doch Manches, was Beachtung verdient *).
Aeheenlefe auf dem Gebiete der Pädagogik.
22. (Wetteifer unter den Lehrern.)
Wetteifer muß auf dem Gymnasium sein, und nicht unter den Schülern nur, sondern auch unter den Lehrern mit einandern; dieser besonders bringt Feuer und Leben in alle Einrichtungen, in alle menschliche Handlungen. Die Pflicht macht, daß man viel, aber das — noch nur das verrichtet, was die Gesetze vorschreiben; Wetteifer aber im Fördern des Guten, Wettkampf, das Schönste, das Beste darzustellen, — diesem allein sind wir mehr schuldig, als allen Gesetzen zusammen und der Pflichtleistung dazu.
(van Heusde, Briefe über die Natur und den Zweck des höhe- Unterrichts. S. 135.)
*) Ist in der W. Friedrich'schen Buchhandlung zu haben.
Druck und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. — Verantwortlicher Herausgeber: Wilhelm Friedrich.