Einzelbild herunterladen
 
  

742

sämmtlich um 12 Uhr Staufen verlassen und sind gegen Sulzburg und Müllheim marschirt, wo sich ein hessisches Bataillon mit ihnen vereinigt haben wird. Man will heute Nachmittag aus der Gegend von Sulzburg Schüsse gehört haben, die jedoch auf keinen Fall etwas Sonder­liches zu bedeuten haben können, da die Freischärlerban- den sich in wilder Flucht aufgelöst haben.

Nachschrift. Der Graf Keller hat dem Vernehmen nach als Reichökommissär der Einnahme von Staufen beigcwohnt. Er wird die Expedition aus ihrem weitern Zuge begleiten und im Namen des Reichs alle diejenigen Anordnungen treffen, welche erforderlich sind, um das Ansehen der Gesetze durch Gewaltmaßregeln jeder Art herzustellen. Er ist dazu mit den ausgedehntesten Voll­machten versehen. (N. Fr. Ztg.)

Hessen-Darmstadt, 25. Sept. Die 'heute erschei­nende Nummer 53 desGroßherzl. Regierungsblattes" enthält das Gesetz , die Aufhebung der privilegirten Ge­richtsstände betreffend.

Alzei, 25. Sept. So eben wird die Ankunft von 1200 Mann preußischen Militärs auf heute Nachmittag durch die Schelle hier bekannt gemacht. In Wörrstadt werden 700 Mann erwartet. Aus dem Roßmarkt ist es sehr lebendig. Zahlreiche Schaaren von Turnern in Blousen finden sich dort zusammen, wie es scheint aus den benachbarten Dörfern herbeigezogeu. Es wird hie und da gegen die Ausnahme dieser ungeladene» und un­erwarteten Gäste gesprochen und stehen wahrscheinlich Demonstrationen bevor, bei denen die Turner ihre Bra­vour zu zeigen Gelegenheit haben werden. Am Samstag traf ich einen Demokratenchef aus Oberhessen, welcher ins Oberland reist, und wahrscheinlich Aufträge für die Demokraten der Umgegend hatte. Gestern sollen mehrere Turnvereine ein Stelldichein am Hundskopf gehalten haben und Alles scheint auf einen Hauptschlag von ihrer Seite berechnet zu sein. Wie es heißt, sollen sich bis 80,000 Mann concentriren, und, wie ich schon früher mich erinnere gelesen zu haben, in Rheinbaiern und Rheinhessen ihren Operationsplan eröffnen. Die Drohun­gen gegen jenen Theil der Dorfbewohner, welche sich nicht abhalten lassen, in mitten und während all der Unordnungen auch für das Brod der De r okraten zu ar­beiten, fangen an manchen Orten an ihren Zweck zu erreichen. Man hat allen Grund, für die Zukunft be­sorgt zu sein. (M. I.)

Preußen. Berlin, 24. Sept. (Vor dem 25. SeptZ So eben ist eine aroße Volksversammlung zu Ende, die ebenfalls, wie die vor acht Tagen, auf dem Erercierplatze vor dem Schönhauserthor, behufs der Ver­brüderung der Bürger mit den Soldaten und zur Ver­ständigung für die nächste Zukunft, abgehalten wurde. Es hatte sich eine unabsehbare Menschenmenge, darunter viel Militär, eingefunden. Die Redner, die auftraten, sprachen theils über die Stellung der Soldaten in Bezug aus die vorstehenden Ereignisse, theils ermahnten sie daS Volk, mit Hinweisung auf die Frankfurter Vorfälle, zur ernsten Ruhe und zur Heilighaltung der Nationalver­sammlung. Auch mehrere Soldaten betraten die Redner- bühne und gelobten, für die Freiheit zu kämpfen, die sie nach ihrem Rücktritt in den Bürgerstand mitgenießen würden, was besonderen Enthusiasmus unter den Zuhö­rern erregte. Es befinden sich wieder viele Plakate an den Ecken, die in dem verschiedenartigsten Sinne theils vor Excessen warnen, theils Erklärungen von Seiten der Vereine und Bezirke über den Wrangel'schen Armeebefehl enthalten. Unter den letztem ist eine bemerkenswerth, von den sämmtlichen Berliner Freischaren, die folgendermaßen lautet:General! die Unterzeichneten, welche in Schles­wig-Holstein unter Ihrem Kommando für die Freiheit Deutschlands gekämpft und von Ihnen gelernt haben, in stets geringer Anzahl gegen den überlegenen Feind zu streiten und zu siegen, zeigen Ihnen, Ihrem Armeebefehl gegenüber, hiermit an, daß sie noch nicht verlernt haben, für die Freiheit zu kämpfen und Ihnen keine Schande machen werden." Was für Ergebnisse uns der morgende Tag bringen wird, darüber herrscht noch die größte Un­gewißheit. Nach Einigem soll das Ministerium gewillt sein, den Beschluß der Kammer für den Stein-Schulze- scben Antrag in allen Punkten nachzukommen, nach An­dern soll es denselben durch das Circularschreiben an die kommandirenden Generale für erledigt erklären, oder sonst geringe Concessionen machen wollen. Sollte Letzteres der Fall sein, so ist die Linke entschlossen, sofort ein Miß­trauensvotum zu beantragen und, wenn dies keine Majo­rität erhielte, auszutreten.

Berliu, 25. Sept. Ich verlasse den Reichöland­tag heute vor Schluß der Sitzung, um schon durch die

Mittagspost Nachricht über den Ausfall der Erklärung des Ministeriums wegen des Stein-Schulze'schen An­trages bringen zu können. Alle Eingänge zu Tribü­nen und dem Sitzungssaale waren innerlich so stark mit Eonstablern besetzt, als es der Raum irgend zu­ließ. Draußen waren um 9 Uhr noch nicht übermä­ßig viel Menschen. Bald jedoch müssen die öffentlichen Plätze sich großartig angefüllt haben; die Deputirten drängten nach den Fenstern und sahen lange hindurch. Endlich. 10 Uhr, Eröffnung der Sitzung. Mit Ent­rüstung bemerkt Abg. Grebel, daß so viel Constabler da seien,da wir uns dem Schutze der Bürger an- vertraut haben." Der Vicepräsivent Phillips laßt sie entfernen, und Unruh meldet, daß es geschehen. An­zeige von der Ernennung des Chefpräsidenten Kisker zum Justizminister. V. Unruh: Dringender Antrag, daß die Interpellation des Abg. Par den Borrang aller anderen Gegenstände habe. Angenommen. Die In­terpellation :Ich frage das hohe Staatsministerium, welche Stellung es in Bezug auf die nach dem An­träge der Abgeordneten Stein und Schulze von der Nationalversammlung am 9. August und 7. Septem­ber gefaßten Beschlüsse eingenommen: ob es zur Aus­führung derselben bereits Schritte gethan, oder, wenn nicht, diese überhaupt zu thun gedenke." Der Miui- stcrpräsident antwortet auf die Jntcrpellcuion durch Verlesung 1) eines Schreibens, welches der frühere Kriegsminister General v. Schreckenstcin unterm 13. d. M. an die coinmandirendcn Generäle erlassen, um selbst den Schein reaclionärer Bestrebungen im Heere zu entfernen, um dasselbe bei der Verwirklichung der vom Könige gegebenen Verheißungen zu inlerressiren.

2) Verließt er sein Schreiben vom 23. d. M., mittelst dessen das gegenwärtige Kriegsministerium den comman- direnden Generälen das Programm der Regierung mittheilt, und dabei deren testen Willen ausipricht, reaktionären Tendenzen entschieden entgegenzulreten. Indem auf gutes Einvernehmen zwischen Militär und Civil gedrungen wird, weist das Schreiern auf die Verfassung hin, zu deren Aufrechthaltung das Militär eidlich werde verpflichtet werden, und womit jede re­aktionäre Tendenz in offenbarem Widerspruch stehe. (Bravo, etwas Zischen in der Vinte.) Par ist durch diese Antwort nicht befriedigt, da der islem'sche Antrag einen Erlaß an das Heer selbst wolle, und will Er­läuterungen über den Zeitpunkt der Hecrcövererdung aus die Verfassung. Der Ministerpräsident erklärt zwar, daß alle Befehle an die Armee durch die Gene räle gingen; Par ist aber noch nicht zufrieden mw be­gehrt Eröffnung der Discussion. v. Unruh meist Stück für Stück nach, daß alle Punkte des Stein Schulze'- schen Antrags in den mväbnten 2 Erlassen zur Aus­führung gekommen seien: 1) Verhinderung der Reac­tion, 2) Beförderung des guten Einvernehmens, 3) findet daher in dem Psuel'fchen Erlasse von 23. die vollkommene Erledigung des Kammerbeschlustes und tritt unter Beifall ohne Zischen ab. Schulze (Wanz­leben) würde zufrieden mit dem Erlasse sein, wenn er durch Armeebefehl zur allgemeinen Kenntniß des Hee­res gebracht wäre. Parrisius: man müsse Sachen ohne Rücksicht auf Personen beurtheilen; er stimme wie Un­ruh. Stern trägt auf Schluß der Debatte an. Und da dieser Antrag trotz Berg's Einwendung fast ein stimmig angenommen wird, so drückt die Versammlung ihre große Uebereinstimmung mit den Grundsätzen und Maßnahmen des Ministeriums in diesem Stuck aus. Die Straßen waren zwar überall sehr belebt, als ich nach Hause ging; jedoch überall die tiefste Ruhe. So ist der Schlag, den Alle hier fürchteten, durch die weise Nachgiebigkeit des Mmisterprässioenten abgewendet worden.

Oesterreich. Die neueste Wiener Post vom 22. Sept, meldet nichts von größerer Bedeutung. Die ungarische Deputation hatte cs verschmäht, schriftlich mit dem Reichstag zu verkehren, und war nach Pefth zurückgekehrt. Im Reichstag erklärte Minister von Doblhoff das Gerücht für unwahr, als sei eine Aus­hebung der Innsbrucker Hochschule beabsichtigt. Es wird bestätigt, das österreichischerseits Innsbruck als Congreßort für eie italienischen Differenzen vorge- schlagen worden, und daß Preußen an den bießfälli- gen Conserenzen theilnehmen will. Indeß beharrt Oesterreich dabei, daß die fremde diplomatische Einmi­schung sich nur auf die Händel mit Sardinien bezie­hen, und die Ordnung der Angelegenheiten im lom- bardisch-venezianischen Königreiche nicht berühren dürfe;

diese Ordnung müsse Oesterreich, das sich seine Pro­vinzen mit seinem Blute wieder erworben habe, allein überlassen bleiben. Wird aber, darf man fragen, nicht bald etwas geschehen, die dortigen Gemüther wenig­stens in etwas zu versöhnen, das Landvolk zu eman- cipiren, kurz die Herrschaft auf eine sichrere Basis zu stellen als Radetzky's Schwert? Radetzky hat mehr gethan, als von ihm irgend erwartet werden konnte; aber was was hat das Ministerium gethan, was thut co um im Frieden zu sichern, waoder' Krieg so wun­derbar wieder errungen?

Wien, 23. Sept. Der Ban Jellachich soll, wie aus ganz zuverlässiger Quelle versichert wird, bei sei­nem Uebergange über die Drave sich geäußert haben, seine Aufgabe sei nicht nur nach Pesth zu gehen, son­dern er sei beordert, auch nach Wien zu kommen, um das dortige Gesindel zu züchtigen.

Republik Frankreich.

Paris, 25. S.ptemben. Frankreich befindet sich wieder im Zustande des Provisorium, welches man, wie jedes Provisorium, schnell beendigt zu sehen'wünschte. Soll Cavaignac Präsident der Republik vor beendig­ter Vcrfassungorevision, soll das Kaiserthum wieder hergestellt werden? Daß die. letztere Eventualität al­lenthalben als solche sich barstellt, ergibt sich aus dem sonderbaren Umstanb, baß ein Mensch wie V. Bona­parte, dessen ganzes Leben ein fortwährendes Hin- und Herstürzen aus der einen Blamage in die andere gewesen ist, eine so unglaubliche Bedeutung gewonnen hat, daß man alle seine begangenen Thorheiten ver­gißt. Der offene Kampf gegen ihn wird erst begin­nen mit dem Augenblicke, wo er offen als Kandidat für die Präsidentschaft auftritt.

Ungarn.

In unserer neuesten Wiener Corresspondenz vom 22 Sept, wird der Sieg über die Serben bei Tho­mas wiederholt, aber auch heute nur als Gerücht. Ein großes Straßenplacat verkündigt einen Sieg der Ungarn über die von dem Banus befehligten Croaten, angeblich am 18. Sept, bei Szala Eger szegh erfochten. Der Banus habe 9000 Mann regelmäßigen Militärs und 14,000 Mann unregelmäßiger Truppen gehabt. Von den Magyaren mit Ungestüm angegriffen, sei der rechte Flügel der Croaten in wilder Flucht davon ge­laufen; die übrigen, die gar nicht zum Schlagen ge­kommen, seien in die Flucht mit fortgeriffenen worden. Die Croaten hätten 12 bis 1500 Todte und Verwun­dete, nebst 17 Kanonen und 3 Fahnen verloren: die Ungarn zählen 123 Todte und 192 Verwundete. Die morgige Post wird wohl entscheiden, ob etwas oder wieviel an diesen bis jetzt unverbürgten Angaben ist Jm ungarischen Reichstag erklärten die sechs sächsischen Deputirten ihren Austritt wegen der Ungesetzlichkeiten hie sich der Reichstag herausaenommen. Die Maav- areneryoVen IcMnvenP rötest ^Vlusreißer/^

Eben eingehenden Nachrichten vom 17. aus dem Hauptquartiere des Banus von Croatien, Jella­chich , in Klß Komorn am Platten-See zufolge war derselbe mit leinen Truppen über Kanischa ohne Wi­derstand bis dort vorgerückt. Die magyarischen Nati- onalgarden zerstreuten sich überall oder lösten sich auf. 'M kaiserliche Regiment Hardegg Kürassiere und eine Division vom Regiment Wrbna Chevaurlegers hatte sich unter seine Befehle gestellt. G. M. Graf Adam Telecky hatte dagegen auf eine Vorstellung des Offizier- Corps der zwei Husaren-Regimenter Kaiser Nikolaus und Großfürst Thronfolger, von welchen sich hierauf eine Deputation mehrerer Offiziere in das Lager des Banus begab, seinen Anschluß zurückgenommen und das Commando dieser Regimenter wieder übernommen.

Italien.

Turin, 17. Sept. Ueber die Verlängerung des Waffenstillstandes hat die Regierung noch keine officielle Bekanntmachung erlassen. Alle übrigen Zeichen deuten auf Krieg. Die Rüstungen werden mit größter Thätig­keit fortgesetzt. Gestern kamen General Chiodo, Chef des Generalstabs, und der Generalintendant hier an; heute reiften sie auf Befehl des Kriegsministers nach Alessandria zurück. Die lombardischen Generale Lerchi, Sobrero, Passcro erhalten wieder Kommandos. Von der Natio­nalgarde wird der jüngere Theil 35,000 Mann wirklich mobilisirt.

Neapel, 12. Sept. Es geht das Gerücht, daß der französische Gesandte zu Neapel den König einge- ladeii, sich mit der Besetzung Messinas zu begnügen. Parker und Napier sollen diesen Wunsch unterstützt haben.

Täglicher Anzeiger für Ankündigungen aller Art.

Anzeige.

300 fl., 1200 fl. 1500 fl. 3000 fl. sind gegen gehörige Unterpfande zum Ausleihen bereit.

Nähere Auskunft ertheilt

C886) die Expedition d. Blattes.

Kapital-Gesuch.

âpital dv" 353600 Gulden wird gegen sichere ^^ Zu leihen gesucht. Der Suchende J * imt dem Darleiher direkt und ohne Mäkler zu unterhandeln.

Stahere Auskunft hierüber ertheilt die Expedition dieses ___________(887)

Literarische Anzeige.

Bei Unterzeichnetem ist dorräthig:

Geschichte- GeschemrsAgerr

und

Prophezeiungen

des

Johann Adam Müller,

Bauersmann auf dem Maisbacherhof bei Heidelberg.

Nebst allen dazu gehörigen Originalbriefen in getreuen Abschriften. Mit I. A. Müller's Bildniß.

Geld - Cours.

Neue Louisdor ...........

Pistolen . ..............

Preuss. Friedrichsdor .......

Holländische Zehnguldenstücke .

Randducaten ............

Zwanz.igfrankstücke........

Engl. Souverains ..........

Laubthaler, ganze........

Preuss. Thaler ...........

Fünffrankenthaler ..........

fl.

kr.

11

5

9

56

9

56'/

10

3

5

36

9

37

12

27,

2

43'/.

1

45

(888)

Preis 24 fr.

Nebst:Allgemeines Kirchen- und Schulblatt, Nr. 27."

$ruÄ und Verlag von Wilhelm Friedrich am Friedrichsplatz. Redaction unter Verantwortlichkeit des Herausgebers Wilhelm Friedrich.