Einzelbild herunterladen
 
  

740

fassung unb Regierung gibt, ohne die wir vor neuen Krisen nicht sicher sind. Der Moment kehrt zum zwei­tenmal nicht wieder; ein erneuerter Barrikadenkampf dürfte schwerlich die Zustande so überliefern, daß kon- stituirende und parlamentarische Gewalten dabei noch fest stehen bleiben. In Paris hat man es versäumt, im rechten Augenblick die Verfassung rasch und in voller Freiheit zu begründen; heute muß man sie unter der Vormundschaft'eines Generals, unter dem Druck eines fast verewigten Belagerungszustandes berathen. Nicht nur bis zum Februar, auch nach dem Februar hat das verhängnißvolleZu spät" seine Geltung erhalten.)

Volksversammlung und Barrikaden in Köln.

Nach der K. Z. vom 26. Sept.

Höchst beklagenswerth sind die Excesse, welche wir gestern erlebten. Wir haben auch unsere Barrikaden gehabt! Die Unruhestifter haben cs wenigstens dahin gebracht, daß die Stadt in Angst und Schrecken ver­setzt wurde. Trotz des ergangenen Verbots versam­melten sich gestern Nachmittags einige Hundert Personen, meist jugendlichen Alters, auf dem Altenmarkte, wo zwar mehrere Abtheilungen Bürgerwehr aufgestellt wa­ren, jedoch, wie verlautet, aus Mangel an überein­stimmenden Befehlen nicht entschieden einschritten. Von einem Tische herab wurden mehrfach, sogar von solchen, die Morgens der Verhaftung entgangen waren, auswie­gelnde Reden gehalten. Einem Polizeikommissär, v. Grâvenitz, wurden unter arger Mißhandlung die Klei­der vom Leibe gerissen und auf die Pumpe am nörd­lichen Ende des Marktes gehängt, welche die Menge umtanzie. Bald nach drei Ubr verliefen siebte in­zwischen durch Neugierige angewachsenen Massen von dem Altenmarkt mit der Parole, daß nm vier Uhr die Versammlung im Eiser'schen Saale fortgesetzt werden solle, zu welcher sich auch eine große Menge einfand. Nachdem auch hier die heftigsten Reden geführt, ging man wieder zum Altenmarkte, wo man nun dazu schritt, die schwarz und weiß angestrichenen Pfähle auszureißen, den größten Theil der Bäume abzubrechen, in der Milte des Marktes zusümmenzulegen und anzuzünben. Aber­mals ließen sich mehrere Redner vernehmen, von denen sogar zum Bauen von Barrikaden, als das letzte Mittel gegen die Maßregeln der Reaktion, aufgefordert wurde, wozu man denn auch alsbald überging. Der Komman­dant der Stadt ließ gegen 5 Uhr der Bürgerwehr die Frage stellen, ob sie bei den noch vorzunehmenden Ver­haftungen starke Hand leisten wolle und sich stark genug fühle, die Ruhe aufrecht zu erhalten. Die Führer traten zu einer Berathung zusammen und es wurde Lie erstere Frage verneint, in Bezug auf die zweite aber mit 25 gegen 5 Stimmen entschieden, daß die Burgerwehr sich nicht stark genug fühle, die Ordnung und die Achtung vor dem Gesetze aufrecht zu erhalt.», worauf die Gar­nison, Infanterie und Kavallerie, sich sofort auf den verschiedenen Plätzen aufstellte und auf dem Neumarkle und am RegierungSgcbäuke Kanonen aufgefahren wur­den. Die Nebenthore wurden geschloffen, die Hauptlhore besetzt, um Zuzug von außen, mit welchem das Gerücht gedroht hatte, zin verbinden. Indessen waren am nörd­lichen und südlichen Ende des Marktes mehrere Barri­kaden gebaut worden; man stürmt in ein paar Eisen- handlungen, um sich Brechstangen und Hauen zu ver­schaffen, der Rathhauskeller wurde erbrochen, um das darin befindliche Holzwerk von Marktbuden und Wim­pelstangen zum Barrikadenbau zu plündern. Das Bauen selbst geschah unter Anleitung weniger einzelner Men­schen, die man an allen Enden thätig sah und von denen einige für Fremde gehalten wurden. Abgeordnete ver­schiedener Demokratenvereine aus den Nachbarstaaten und, wie es heißt, selbst vom Oberrheine, waren hier; wir haben sie selbst gesehen unb hörten sogar in einem Kaffeehause von einem derselben, als fremde Truppen vorüber gingen, den Ausruf:Da sind unsere Nassauer!"

hcnlohe nahm das Testament zu sich, sowie Alles übrige. Während dessen erhielt Hr. v. Bethmann Nachricht, Man habe General v. Auerswald in einem Graben gesunden. Er eilte mit hessischen Truppen dahin. Die Leiche war von höchst verdächtigen Leuten umgeben. Man legte sie aus eine Bahre und brachte sie unter militärischer Escorte in seine Wohnung, ins Innere der Stadt. Die Ringe und sonstige Baarschaft nahm Herr v. Bethmann in Verwahr. Fürst Lichnowskp empfahl auf der Bahre noch dringend, den Gärtner Schmidt zu belohnen, der Haus und Leben großmüthig für ihn in die Schanze geschlagen.

* Bilder von J. Stahl.

VII.

Der Trommler.

NaH Rußland voran dem Heere Ein blühender Junge schritt; Der nahm statt der blutigen Wehre Nur seine Trommel mit.

Doch mehr als jede Muskete Hat feine Trommel gethan; Wenn sie mit gewaltiger Rede Dem Heere gewirbelt voran.

Mit einer unbegreiflichen Schnelligkeit wurden Barri­kaden am östlichen Ende des Hofes gebaut, zu denen man selbst mehrere Nachen beischleppte und außerdem Pflaster ein großes Trottoir aufbrach. Alle Baugerüste in den benachbarten Straßen, das Zimmerholz am Dom sogar wurde geraubt und selbst 12 oder 13 der Lin- denbäume auf dem Lorenzplätzchen abgesägt wie man behauptet, unter dem Kommando eines Führers der Bürgerwehr! An der Hacht und am östlichen Zugegan der kleinen Straße unter Goldschmied, an der kleinen Budengasse, an dem östlichen Zugänge zum Wallrafs- platze, zu der man bas Schilderhaus der Komman­dantur benutzte, ferner am nördlichen Eingänge der Hochstraße, amFreischützen," wo viele Fenster zerstört wurden, auf der Hochstraße, an der großen Budengaffe und an der Schildgasse, wo noch gegen cilf Uhr gebaut wurde und von welcher die rothe Fahne wehte. Auf dem Märkte, oben Marspforten, in der untern Schild­gasse und in manchen andern Straßen hatte man das Gaslicht gelöscht, die Laternen zertrümmert und mehr­fach die Röhren beschädigt. In der Schildgasse, am Eingänge der Herzogstraße, hatte man den Todtenwagen der evangelischen Gemeinde umgeworfen und mit schwe­ren Steinen verbarrikadirt. Als die anrückenden Trup­pen dieselben wegräumten, stürzte ein Soldat, sein Ge­wehr ging los, der Schuß streifte einem Offizier den Handschuh, fuhr einem Unteroffizier durch die Hand und zerschmetterte einem hinter der Barrikade Stehenden der Art den Arm, daß er wohl noch heute wird am- pulirt werden müssen. Dies ist der einzige Fall einer Verwundung, die uns bekannt werden ist. In der Schilder,gaffe zertrümmerte man den Laden eines Büch­senmachers, Jungen drangen hinein, sollen sich aber nur einiger Gewehre bemächtigt haben. In der Marspfor- tengasse erbrach und plünderte man das Lager eines Kletbermachers. Gegen 8 Uhr zwang man die Küster von Groß St. Martin und St. Columba, Sturm zu läuten, doch erschollen nur einzelne Glockenschläge. Der­selbe Versuch soll auch im Domthurme gemacht, aber sofort vereitelt worden sein. In der Trankgasse hatte man ebenfalls eine Barrikade aufgeworfen, auf welcher sich auch Leute befanden; als aber hier eine Kompagnie Soldaten unter Trommelschlag anrückte, stoben die Bar­rikadenbauer wie Spreu aus einander. Wir haben gestern gegen eilf Uhr noch die einzelnen Barrikaden besucht, fanden aber nur auf der am östlichen Zugänge am Wallrafoplatze Leute und die rothe Fahne, dann auf der an der Schildergasse, mit deren Bau man noch beschäftigt war, wie auch unter Goldschmied und am östlichen Zugänge zum Domhofe, unter Gottes Gnaden; allenthalben waren aber nur wenige Menschen beim Bauen thätig und unter diesen, nach der Sprache zu urtheilen, viele Fremde. Mehrere Bürgerwehrabthei­lungen palrouillwten durch die Straßen, gingen aber nur festen dazu über, ' ^rnkadendau Be­griffenen zu stören, wie denn auch das Militär nur eine beobachtende Stellung einnahm und vor Allem den Verkehr mit dem Rhein, resp. Deutz, offen zu erhalten strebte. Anerkennenswert!) war die ruhige Haltung der Solvaten, die namentlich am Wallrafsplatze arg ver­höhnt wurden. An verschiedenen Orten fielen Schüsse, die aber in die Luft gefeuert wurden. Während der 'Nacht wurde am manchen Barrikaden noch fortgebaut, wenn die Patrouillen wieder in einiger Entfernung waren, doch verlief diese im Allgemeinen ruhig. Diesen Morgen nach 5 Uhr drangen mehrere in den Glocken­thum des Domes und fingen an Sturm zu läuten, wur­den aber von einem in der Nähe stehenden Militär- posten zum Theile aufgegriffen und zur Haft gebracht. Auch wurden noch andere Verhaftungen vorgenommen. Mit Tagesanbruch fing man sogleich an, die Barri­kaden wegzuräumen, wobei Arbeiter und Soldaten be­schäftigt waren, so baß die Passage bald wieder in allen Straßen frei war, da auch sofort das aufgerissene Pflaster wieder gelegt wurde. In den Hauptstraßen und namentlich, wo sich dieselben kreuzen, sind Militär- pikets ausgestellt, um zu verhindern, daß die Passage

Sie mahnte zum blutigen Schlagen, Sie führte die Krieger zurück, Als mit Moskaus schrecklichen Tagen Den Kaiser verlassen sein Glück.

Und als zu der Heimaterde

Der todte Kaiser gebracht, Da schlug mit finstrer Geberde Ein Greis die Trommel mit Macht.

Da schlug er mit heftigem Schlage Der Trommel Fell entzwei, Als ob an jenem Tage Sein Alles begraben sei.

Und warf sie nieder zu Boden, Zerbrach sie mit kräftigem Tritt: Da unten schlummern die Todten, So vergehe denn du auch mit;

Du warst dem Kaiser im Spiele DeS Kriegs gar wohl bekannt; Du führtest ihn endlich zum Ziele In seinem Heimatland;

So lange der Kaiser gefangen Auf glühendem Jnselstrand Hast still und zag du gehangen, Bestaubt und stumm an der Wand;

durch die Haufen von Neugierigen, welche durch die Strußen wandeln, gehemmt werde. Auf dem Neu­markte stehen auch noch eine Eskadron Lanzenreiter und acht bespannte Geschütze, wie deren auch auf dem Ge- rconsdriesch und vier an der Regierung aufgepflanzt sind. Starke Patrouillen durchziehen die Straßen und sichern die vollständig wieder hergestellte Ruhe. Mehr­fach sind die Läden zwar noch verschlossen, doch ist der Verkehr ungehemmt. Wie wüst auch die Vorfälle des gestrigen Tages waren, wie roh auch die Zügel­losigkeit einzelner Menschen aus dem Pöbel, sd war es doch nur das durch den Wahnsinn eines kleinen Häuf­leins von Volksverführern zur Schmach der Stadt Köln hervorgerufene Werk.

Nassauisches.

D Kammer - Verhandlungen.

47. Sitzung.

Wiesbaden, 26. September.

(Schluß.) §. 19.

Dem Gemeinderath steht in Gemeinden von mehr als 2000 Seelen unter Zustimmung des Bürgerausschusses, in kleineren Gemeinden unter Zustimmung der Gemeinde­versammlung das Recht zu, das Einkaufsgeld theilweise oder ganz nachzulassen, wenn es für die Gemeinde von besonderem Werth ist, den Aufzunehmeuden zu erhalten.

Die Gemeindeversammlung und in Orten, in welchen ein Bürgerausschust besteht, kann dieser Ausschuß auch das Erforderniß des guten Leumunds des Anfzunehmenden nachsehen."

Dieser §. wird ohne Aenderung angenommen. 8. 20.

Die Einkaufssumme ist zum Grundstocksvermögen zu ziehen, das Kapital darf nicht zu lausenden Ausgaben ver­wendet werden."

Auch dieser §. wird ohne Discussion angenommen und damit für heute die Berathung dieses Gesetzes geschlossen.

Hierauf erstattet Hehn er Bericht über das Budget:

I. Der Zchntablösungscommission.

da dieselbe schon seit dem ersten Mai aufgehoben ist, so beträgt die Anforderung nur 3388 fl. Diese Summe wird auf Antrag der Commission ganz genehmigt.

II. Z olld ire ction.

Es werden angefordert 23,825 fl. und mit einigen Abstrichen genehmigt.

III. Generalsteuerdirection.

Es werden angefordert 66,393 fl. und mit wenigen Abstrichen genehmigt.

Hebner erstattet ferner noch Bericht über das Gesuch

U^WWWWMMWW^WWWWWWWMM^ derselben betreffend. Der Bericht entwickelt, wie zwar nicht das Recht, aber die Billigkeit dafür spreche, daß diese alten Soldaten, die früher die Folgen des Krieges hätten spüren müssen, als ihre jünger» Kampfgenossen, auch die Wohlthaten dieses Militär-Pensionsgesetzes vom Jahr 1845 zu Theil werden möge, und trägt schließlich darauf an, diese Vergünstigung vom 1. Juli 1848 post- . numerando auszahlen zu lassen.

W i m p f bekämpft diesen Antrag und will zur Tages­ordnung übergegangen haben.

Wenkenbach spricht sebr energisch für den Com- mifstonsantrag. Er bezieht sich auf die landständischen Verhandlungen vom Jahr 1847. Schon damals sei von der Kammer dieser Wunsch ausgesprochen und nur durch die Nachlässigkeit der Regierung nicht ausgeführt worden. Er beantragt deßhalb, vom 1. Juli 1847 an diese Ver­günstigung nachträglich auszahlen zu lassen.

Naht stimmt Wimpf bei, indem er auf ein neues Pensionsgesetz gewartet haben will.

Es wird darüber noch eine Zeitlang debattirt, besonders von Zollmann, Wimps und Leisler.

Bei der Abstimmung wird der Antrag von Wimpf

Wie heute die Glocken tönten,

Da bist du fröhlich erwacht Und deine Wirbel dröhnten: Mein Kaiser, gute Nacht!""

Da wischte er an den Wangen Mit der Hand die Thränenflut; Da ist er hinausgegangen, Ein ächtes Soldatenblut.

Die das sahen, staunten und riethen. Wer ist es, wer hat ihn gebannt?" Zwei greise Invaliden Drückten sich weinend die Hand.

Vermischtes.

General Pfuel war früher in Diensten des Königs von Westphalen. Er ist es gewesen, der in der Schlacht bei Dresden die Kanone gerichtet hat, durch welche Moreau gelobtet worden ist.