Einzelbild herunterladen
 

Sh- 181.

Raffautscht Zcituiil,

Wiesbaden

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl deS deutsche» Bölkes!

Donnerstag, den 28. September

Z8Ä8

Für das vierte Quartal d. J. pro Oktober bis Dezember wolle man neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt" schleunigst machen bei der nächsten Postanstalt des Her- zogthums für 2 fl. 12 kr.

Uebersichten , Erörterungen Aktenstücke.

und

Amtlicher Theil.

Der Reichsverweser hat am 24. t. M. de- sinitiv den Abgeordneten der deutschen Reichs-

ten Haufen angegriffen, aus Häusern wohin sie ich geflüchtet hatten, getrieben, und mit empö­render Grausamkeit ermordet. Der Abgeordnete Heckscher wurde in Höchst eine lange Nacht hin­durch von rasenden Pöbelhaufen mißhandelt und mit dem Tode bedroht; auch andere Abgeordnete schwebten in Lebensgefahr.

Das Kriegsgesetz wurde verkündet, die Ent­waffnung der Einwohner verfügt, und die Justiz ist thätig, die zahlreich Verhafteten zu richten und den andern^Schuldigen nachzuforschen.

Aber die Centralgewalt verkennt nicht, daß damit ihre Aufgabe nicht vollendet sei, daß nach den tiefen Erschütterungen, die Deutschland er­fuhr, nebst dem errungenen Gute der Freiheit, das gewahrt, geschützt und dauernd befestigt wer­den soll, bevauernswerthe Mißverständnisse ein­getreten sind, die, indem sie Bürgerkrieg und Anarchie theils schon hervorriefen, theils die Saat dazu gelegt, die Freiheit selbst in Frage stellen und unser Vaterland mit einer furchtbaren Zu-

versammlung Anton Ritter v. Schmerling zum Reichsminister des Innern, den königlich preu­ßischen Generalmajor v. Peucker zum Reichs­minister des Krieges, den Abgeordneten Robert v, Mohl zum Reichsminister der Justiz, den Abgeordneten Hermann v. Beckerath zum Reichs­minister der Finanzen und den Bremischen Se­nator Arnold Duckwitz zum Reichsminister des Handels ernannt, und gleichzeitig die einstwei­lige Leitung der auswärtigen Angelegenheiten dem Reichsminister des Innern übertragen. Zu­gleich hat der Reichsverweser zu Unterstaatsse- cretären für die auswärtigen Angelegenheiten den Abgeordneten Mar von Gagern und Lud- wig v. Biegeleben für das Innere die Abge­ordneten Friedrich Bassermann und Joseph v. Würth, für die Justiz den Abgeordneten Chri­stian Widenmanu, für die Finanzen den Abgc- , ., ...

ordneten Karl Mathy und für den Handel den i sende Maßregeln, zu bewahren, dwprovssvmM

kunst bedrohen.

Eine Fortdauer dieses Zustandes kann nicht geduldet werden, denn er ist ein offenbarer An­griff auf die Wohlfahrt des deutschen Bundes­staates, die, durch alle Theile desselben umfas­

Abgeordneten Johannes Faltari ernannt.

Herr v. Raumer in Paris.

Der Moniteur hat uns in den letzten Monaten so sehr cur Druckfehler gewöhnt daß wir einige Tage abwarten zu müsse» glaubten, ehe wir den in seiner Wummer vom 16. gemeldete» Empfaug des Botschafters Deutschlands beim General Cavaig- nac als von allen Druckenden frei betrachten mochten. Da aber das officielie Organ weder gestern noch heute eine solche Sünde beichtet, sind wir gezwungen seine Unschuld als über allen Zweifel erhaben anzuschen. Wenn aber dem so ist, rann ist es auch nöthig die Form in welcher dieser Empfang offiziell gemeldet wird, naher zu würdigen.Hr. Friedrich v. Raumer bat heute (15.j dem General Cavaignac einen Brief des Erz­herzogs Johann von Oesterreich übergeben, worin Se. f. Hoh. ter Regierung der Republik auzeigt, daß der Bundestag zu Frankfurt in dessen Hände die Central- und BuudeSgewatt Deutschlands gelegt hat." Als was erscheint hier Hr. Fr. v. Raumer, als Gesandter, Botschafter, bevollmächtigter Minister Geschäfts- oder bloßer Briefträger? Unstreitig in dieser Wütern Eigenschaft, da seinem Ramen kein anderer Charakter im Moniteur beigelegt wird. Dann fragt sich aber wieder: ist Hr, v. Raumer in dieser Eigenschaft eines Briefträgers hierher gekommen oder hat er sie erst hier, in Folge der Schwierigkeiten als Gesandter des Reichsverwesers empfangen zu werdm, an- zuuehmen sich entschlossen? So viel wir uns erinnern, meldeten ur Zeit alle deutschen Blätter einstimmig, daß H. v. Raumer zum Gesandten der deutschen Crulralgewalt in Paris" ernannt ist. Auf dem Wege kann er wohl diesen Character nicht ver­loren haben, um bann als Gftfhrtcr und Briefträger hier av- zukommcn. Auch hätte man von vornherein den berühmten Ge­schichtsschreiber zu gut für einen bloßen Briefträger gesunden, und wenn es sich blos darum gehandelt, dem General Cavaig­nac anzuzeigen daß die ehemalige Bunvesgewalt in die Hände res Erzherzogs Johann als Reichsverwesers übcrgegangen, wäre vielleicht die erste beste souveräne Blouse in Frankfurt, Berlin oder Wien ebenso geeignet zu diesem Dienst gewesen. Es ist somit unmöglich daß H. v. Raiwrer in einer andern Eigenschaft denn als Gesandter hergckommen, ebenso ist es »li- mbatieb daß er auf seine eigene Verantwortlichkeit hm diesen Cbâracicr aufaeaeben. Er kann das nur im Einverstandnlß iMWM* -cthan habe»; dann aber will uns

bedünkeii daß Hr. v. Raumer sowohl als das Rcichsministertum dic Würde Deutschlands, die Achtung vor der noch unbestimmt

Erlaß des Reichsverwesers an sämmtliche Regierun­gen des -eulschcn Dnndesstaates.

Von ter provisorischen Centralgewalt für Deutschland,

Am 18. September 1848 wütheten zu Frank­furts. M., dem Sitze der Centralgewalt und der deutschen Nationalversammlung tte Schreck- nisse des blutigen Aufruhrs.

Die unter dem längst verführten Volke ver­breiteten falschen Auslegnngen über den Be chluß der Nationalversammlung vom 16 Sept. 18 - wodurch der zu Malmöe abgeschlossene Mass fenstillstand nicht ferner zu beanstanden ser brachten lange vorbereitete Pläne zur âssuh-

. Sevt. 1848 wurde nächst Frank-

fu^t3 eine groß- Sottocrfammtung abgch°l!c", Kei » r Mr* essen g-pr-rig. und znm

Ä ter früheren Nach, durch grob-Err-ff- aeftört worden war, wurde so gefährlich bedroht, daü der Senat das Reichsininistenum aufforderte, Bf nun Schutz- der N°.i°»°l»-rs-*ml« no­tigen Vork-vmug-" seltfl 3""'gJ. . ( i<

y Unter dem Schutze zweier aus Mamz bei

^tuaonc hielt die Nationalversamm- 18 Sep!. 1848 Vormittags Sitzuug, lung am 1 . ______ ^.,f->n deren Versuch,

umringt von

gewaltsam in durch Reichstruppen

Uhr bis gegen

regeln demnächst Hand in Hand mit den deut- ................. _

sZn Nenierunaen, sie wird sie dahin treffen, umgränztc» Centralgewalt dem Ausland gtMÜber besser ss -en Jiegierungvii, j i < wabrt batten, würben sie auf alle Anknüpymg riplomatischc.

daß dem Gesetze, dessen Vollzug in mancyeu VeUchungen mit der Republik verzichtet Htioeu, als in b»m sie TfiPtsan Dontscklands stille steht, wieder Geltung UI Üner wahrhaft dcnmtyigeudcn Weise mit dem General Ca- ^yerlen jjeuqcytance jiiuc vaianac in Beziehung getreten sind. Wir wissest nicht unter

und kräftige Wirksamkeit werde. Die gonn tie ^.^noten des Reichsverwesers in Voubon

ist dabei über die thätige und St. Petersburg empfangen wurden. Allein wenn Rußland ri|d)C iLentralgewallnv England berechtigt sind mit strenger diplomatischer Etikette

Mitwirkuna aller Regierungen, die, wie sie weiss, ! deutschen ßentralqewalt gegcnüberzutretcn, weil sie das um Ventfdjen Sötte He Segnungen »er gren ««</"tXÄ'Ä

- ^ ^ "«br k»r Hrhtuum »ervuratl^.^ âiches Recht nicht zuerkennen. Die vereinigten Staaten

haben nicht erst gewartet bis ganz Frankreich durch Die Rati? onalversammlung die in Paris iinprovisirte Republik und deren vrovisorische Regierung anerkannt hatte, der Präukeut der ver- einigten Staaten hat die französische Repnblik sobald anerkannt als er davon Kenntniß erhalten. Warum hat Frankreich hier eine streng monarchische Etikette eingehalten? Unstreitig weil cs von ver deutschen Einheit nichts wissen will; alsdann aber mußte man in Frankfurt fein rcmüthigeudeö Zugestaiwmß machen und sich nicht damit begnügen daß H. v. Raumer vor dem erlauchten und bervorragcndcn Staatsoberhaupte Frairk- reid)^ - wie Hr. Senard nach dem ,Cour>.cr du Havre dtst General Cavaiauac sehr repubiicanlich bezeichnet hat âls bloßer Briefträger des Reichsverwesers erscheine. Em solcher &iwfana hat schlechterdings keinen diplomatischen Character, K leine Anerkennung der deutschen Centralgewalt darm, unb es wäre ebenso gut, aber nicht demüthigend für Deutsch- ............. , , . - c acwescn, wenn H. v. Raumer das Schreiben des Erzhcr- f>rilk und Stütze finde, und dann gewiß frcudlg ^ tjc Sp0^ tem @tneral Cavaignac überschlckt hatte.

Halt Utw Iiiivy ö y y I granfflirter Nationalversammlung hat

"' - " fem ^ 8 w?

° In Vieser Richtuug nimmt die Y^

Centralgewalt jetzt schon die kräftige M-twlrrung ^nvniß machten, aller deutschen Regierungen dahin in Anspruch, daß sie ihre Behörden und Beamten, und jene Institute, die zur Vertheidigung der Ordnung und der Gesetze bestehen, zur, eifrigen Pflicht-

heit, des Friedens und der Ordnung verbürgt wissen wollen, nicht in Zweifel, und wird ihre Unterstützung nur mit Erfolg in Anspruch neh-

Wer indem sie erkennt, daß tte Herrschaft der Gesetze dort, wo sie geschwächt ist, her gestellt werden muß, vertraut sie, es werde dem Muthe und dem Pflichtgefühl Jener, die vor Allem beru­fen sind, ihre Mitbürger vor Anarchie zu be­wahren, Ernst sein in Erfüllung dieser Pflicht, damit an ihnen das deutsche Volk, was den Frieden und die Herrschaft der Gesetze wünscht,

drohenden Haufen, deren Versuch, dort wo sie hierin nachließen, ernft-

i den Sitzungssaal ernzudnngen, ^mahnen, damit dem theilweise emgerlssenen truppen vereitelt wurde. Von 2 - per Gesetzlosigkeit, nvttr nwlchem ^

n 9 Uhr Abends dauerte der Stra- ^unde der wahren Freiheit letten, kräftig M die zahlreich errichteten Barri- ^ gesetzt werde.

W^ * &en ^

flehen fortwährend auf die Truppen ser, aus welcycn er / M»rgens war gefeuert wurde. Erst am .

gesetzliche Macht vollständig Meister

ein Ziel gesetzt werde.

Frankfurt a. M., den 22. September 1848 Der Reichhverweser:

l--

>er

t W ersten M»ââ-» '°m»7 »ie è-idm »g-°-d«°,-n »er °mesch°>> -rsmnmlnng, Fürst, y^^J, 61Mtt, Vic in bürgerlicher Kleidung »"° > bewaffnet «6 »er Stadt »Iten, ran bewaffne.

(gez) Erzherzog Johann.

Der Reichsminister des Innern: (gez.) Schmerling,

Sitzung der coustituirenden National- Versammlung.

Frankfurt, 25. $#t. Tagesordnung: Fortsetzung Berathung über die Grundrechte, nach vorgängige

Abstimmung über §. 18. Der Präsident Herr v. Ga. aern eröffnet die Sitzung um 9% Uhr Vormittags, ui- vcm er ein an ibn gerichtetes Schreiben deS Reichsvcrwe- sers die definitive Bildung des neuen Reichsministe­riums enthaltend, zur Kenntniß der Versammlung bringt Der Vorsitzende zeigt den Austritt der Ab- geordneten v. Festi ans Trento und von Auers- perg aus Thurn am Hart aus der Nationalver- ! sam»«lung an, und verliest ein Schreiben des Prioritäts- und Petitionsauöschuffes, worin derselbe die Wahl der Abgeordrreten Simson aus Königsberg und Fuchs aus Breslau yi Vorsitzenden dieser Commission mittheist. Eine Zuschrift des Ausschusses für Wehrangelegenheiten [ betrifft die Vornahme einer Crgänzungswahl für den durch