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Aus Schlesien, 17. Sept. In Nicgcroborfwer­den fleißig Lanzen gefertigt. Die Gemeinde will sich bewaffnen. Sie hat beschlossen, der Gewalt Gewalt entgegenzusetzen und Allen, die in ihren Rechten verletzt und in ihrer Ehre gekränkt werden, Beistand zu leisten. Bei herannahender Gefahr soll die Sturmglocke geläutet werden. Die Gemüther sind noch heftig erregt. Da es auch in den umliegenden Ortschaften wegen Ent- riebt miß der gutsherrlichen Abgaben gährt, so könnten wir leicht eine Massenerhebung der Landleute in nächster Zukunft erleben.

Mainz, 24. Sept. Von Prag sind zwei östenei­ch i sw e Jnfantericregimenter in Eilmärschen auf dem Wege hierher. Der Besuch der Citadelle ist, wegen der dort befindlichen Gefangenen des Frankfurter Aufstandes, allen Civilpersonen aufs strengste untersagt.

Altona, 21. September. Der schleswig-Holsteini­schen Landesversammlung in Kiel laufen wiederholt Adres­sen und Zuschriften auS Hannover, Hessen, Württemberg, Baden, Bayern und Sachsen ein, die, trotz des in Frank­furt gefaßten Beschlusses der Waffenstillstandsannahme, nun entschiedensten Widerstande gegen den Waffenstillstand aufforvern. Die Uebergriffe der dänischen Propaganda in Nordschleswig breiten sich immer mehr aus, zumal da man ihnen bisher weder physischen noch moralischen Wi­derstand entgegengesetzt hat. Vorzugsweise ist cs die Stadt Hadersleben, wo die deutschen Einwohner von den dort wohnenden Tânischgesinuten auf jedmögliche Weise insultirt werden.

Oesterreich. Wien, 19. Sept. sDie Verhandlun­gen über Italien.) Hr. v. Wessenberg befindet sich eben mit dem englischen Botschafter und dem französischen Geschäftsträger in Eonfereuz. Der Gegenstand der­selben kann kein anderer sein als die Wiederaufnahme der Dlocade von Venedig. Doch erklärt sich dieselbe ganz einfach aus dein Herannahen des Ablaufes der Waffenstillstandsfrist, denn die jüngst zugestandeue Ver­längerung konnte in Italien nach nicht bekannt sein, und man wollte auch sardinischer Seits aus die Mög­lichkeit einer Nichterstreckung gefaßt sein. So wenig­stens versucht man sich hier für den ersten Augenblick die Sache zu erklären. Was das Wesen der Ver­handlungen über die italienischen Angelegenheiten an­geht, so scheint uns, werden sie mit dem Fluche aller Skaatserperiinente behaftet sein die seit sechs Monaten gemacht werden sie verfließen im Sande, sie än­dern ihren Charakter unter der Hand, sie sind nichts gegen die allergeringste vollbrachte Thatsache. Man scheint auch über keinen einzigen Punkt einig, und Fra­gen und Antworten weichen einander immer aus, als würden sie von drei gestellt, wenn wirklich die Sprache nur darum zu Gebot steht ihre Gedanken zu verbergen! Wo hinaus will das?

Wien, 20. Sept. (Die ungarische Deputation vom Reichstage nicht angenommen.) Die wichtige Frage über die Zulassung der ungarischen Deputation vor die Schranken des Wiener Reichstags ist, nachdem die De­batte mit großen Heftigkeit für und wider geführt wor­den war, um 8 Uhr Abends durch Abstimmung mit Namensaufruf mit einer Majorität von 78 Stimmen dahin entschieden worden daß die ungarische Deputa­tion nicht angenommen werden soll. Unter 265 Vo­tanten wären 108 dafür und 186 dagegen, und 1 De- putirler der sich des Stimmens enthielt. Später brachte der demokratische Verein in Verbindung mit mehreren Studenten und Ungarn der Deputation einen Fackel- zug, und heute Morgens verließ dieselbe unsere Stadt und kehrte nach Pestb zurück.

Triest, 18. Sept. (Die Römische Expedition trotz des FriedcnsvertragS.) Laut Berichten von Ve­nedig ist daselbst Durando mit etwa 2200 Croeiati, von Ancona kommend, gelandet. Wäre unsere Flotte direct nach Venedig gesegelt, so hätte sie alle fangen können. Gestern langte der Imperator?, eine Barke bugsirend, hier an, welche in den Gewässern von Ve­nedig ungehalten wurde, und die 130 Crociati an Bord hatte. Sie befinden sich im Castell. Sowohl diese als die in Venedig angekommenen hatten in Vi- zensa capitnliit. Die französischen Kriegsschiffe nah­men ihre Mund- und Wasservorrätbe ein, ein Zeichen daß sie bald absegeln werden. Ich öffne nochmals den Brief um Ihnen unzuzeigen daß, nach soeben ausge­gebenem officiellen Bericht, die Crociati von Ravenna kamen, und daß die Schiffspapiere von der dortigen Behörde ausgestellt waren, was deutlich beweist daß man im Kirchenstaat trotz dem Tractal mit Weiden, nicht aufrichtig mit Oesterreich handelt. Die Barke

mit den Kreuzfahrern wurde sogleich nach Ravenna um ter Begleitung zurückgesandt. (A. Z.)

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Dänemark.

Kopenhagen, 20. Sept. DieBerliner Ztg." will, daß, falls Preußen nicht mit Dänemark in den Herzogthümern die übrig gebliebenen Bedingungen der Convention erfüllen will, die dänische Armee Schles­wig ohne Aufenthalt besetzen und die holsteinischen Hä­fen und den Canal auf strengste blokiren müsse.

Zugleich meldet die amtlicheDep. Tidning," daß, du von den für die Administration der Herzogtümer gewählten Männern nur Graf Moltke angenommen habe, der König um 10. Sept. an ihrer Stelle den Amtmann Johannsen und den Bischof von Alsen und Arröe, Hansen, für Schleswig, ernannt habe, der Re- gierungscommisfion beizutreten, undFädrelandct" sagt noch deutlicher, daß Carl Moltke nicht äufgegeben sei, und macht Deutschland verantwortlich für jede Abweichung, und sei es auch nur ein Haarbreit, von den einmal geschlossenen Bestimmungen.

Kammerherr Rcedtz und der Präsident der schleswig-holsteinischen Regierung, Graf Carl Moltke, sind beim König in Sonderburg gewesen. Der letztere wollte von dort nach Schleswig retsen.

Ungarn.

Pcsth, 16. Sept. Die Nachrichten, die wir ge­stern Nachts aus dem südwestlichen Ungarn erhielten, haben hier die ungeheuerste Sensation erregt. Jella- chich hat sich des ocbcutendeu, wohlhabenden Handels­platzes Groß-Kanischa bemächtigt, und die ungarischen Truppen haben sich auf Keszihely am Plattensee zu­rückgezogen. Aber das war noch nicht alles, man Zer­fuhr zugleich, daß der Oberbefehlshaber der gegen Cro- atten agirenden Armee, Generalmajor Adam Teleky (ein Ungar aus Siebenbürgen), sich mit Jellachich verbunden, denselben als Freund begrüßt und ihm als Wegweiser gedient habe. Teleky soll erklärt haben, daß er mit Jellachich durch einen und denselben Eid verbunden sei, und daß er folglich gegen denselben nie kämpfen werde! Die Sache wurde gestern spät in der Nacht in der Nepräsentantcnkammer bekannt, und man kann sich leicht vorstellen, mit welcher Ueberraschung sie ausgenommen ward. Es wurden sogleich mehrere energische Beschlüsse gefaßt, darunter der, daß Erzher­zog Stephan augenblicklich das Oberkommando der Armee übernehmen solle. Das letztere geschah auch, nachdem der Erzherzog erklärt hatte, daß er mit seinem letzten Blutstropfen das Land zu vertheidigen bereit sei, so lange man auf gesetzlichem Wege verblei­ben werde. Kossuth erklärte, daß er untergesetzli­chem Wege" nur die Erhaltung der Krone verstehe, welche er auch garantiren wolle, sonst aber sei er ge­sonnen, alle Mittel zu ergreifen, um das Vaterland zu retten. Elzherzo,;" Stephan ist bereits henteMor- gcns in Begleitung zweier Commissäre zur Armee ab­gegangen. Gestern und heute sind auch 4 bis 5000 Freiwillige und etwas Artillerie dahin aufgebrochen. Man fürchtet aber hier noch weitere Abfälle von Sei­ten der regulären Truppen. Eine Deputation des Reichstags wird an den Wiener Reichstag entsendet, tun demselben die Sympathien Ungarns kundzugeben. Solche Manifestationen geschehen hier immer, wenn das Land in bedrängter Lage ist sonst bürdet man Oesterreich die Staatsschuld allein auf, macht sich über dasselbe lustig, stößt es mit den Füßen zurück u. s. w. Die Ruhe ist übrigens hier nicht einen Augenblick ge­stört worden. In der gestrigen Sitzung des Reprä­sentantenhauses wurde den Bauern auch der Zehent erlassen.

Vom ungarisch-kroatischen Kriegsschauplatz. Eben eingehenden Nachrichten vom 17. aus dem Hanptquar- lier des Banus v. Kroatien Jellachich zu Kiß-Komorn am Plattensee war derselbe mit seinen Truppen über Kanischa ohne Widerstand bis dort vorgerückt. Die magyarischen Nationalgarden zerstreuten sich überall oder lösten sich auf. Ein Cavallerieregimcnt, eine Division eines anderen CavallerieregimentS haben sich unter die Befelle des BanuS gestellt. G. M. Graf Adam Teleky hatte dagegen auf eine Vorstellung des Offieiercorps der zwei Hufarenregimeuter Kaiser Ni­kolaus und Großfürst-Thronfolger, von welchem sich eine Deputation mehrerer Olfi'eicre in daS Lager des Banns begab, seinen Anschluß zurückgenommen, und das Comniaudo dieser Regimenter wieder übernommen.

(W. Z.)

Republik Frankreich.

Paris, 19. Sept. Fünfzig Millionen, auf die Jahre 1848 bis 1851 vertheilt, find auf Lamorciere's

Antrag zur Colonisation Algiers bewilligt. Es werden zu diesen landwirtschaftlichen Niederlassungen unbefähigte und unbemittelte Arbeiter, hauptsächlich aus Paris und Lyon, mit ihren Familien geworben.

Paris, 22. Sept. Gestern Abend, nach ziemlich ruhiger Proclamation der drei neuen Abgeordneten zur Nationalversammlung, hatten wir eine Ministerkrists. Die ZeitungPatrie" brachte gestern Abend um 8% Uhr bereits zwei Ministerlisten: Bedeau Auswärtiges, Dufaure Justiz, Vivien Inneres, Leo von Malleville Un­terricht, de la Moriciere Krieg, Goudchaur Finanzen, Ver- ninac Seewesen und Tourrci Ackerbau und Handel'. Die zweite Liste lautet: Dufaure Inneres, Bedeau Auswärti- ges, de la Moriciere Krieg, Goudchaur Finanzen, Karl Dupin Unterricht, Vivien Justiz, Malleville Staatsbauten, Tourrei Ackerbau und Handel, Baudin Marine. Die große Tagesfrage ist: welches Ministerium wird Cavaignac zu Stande bringen? Wird er abdanken, wird er sich denRothen" in die Arme werfen, wird er sich an Le- dru Rollin anschließen? Lange hat die Senard-Basti- de'sche Verwaltung nicht mehr zu leben.

Malland. Der Repressalienbefehl gegen Tessin lau­tet, datirt 15. Sept.: »Der offenbar feindselige Geist, der von der Regierung des Kantons Tessin unausgesetzt an den Tag gelegt wird, hat den Feldmarschall Radetzky zu folgenden Maßregeln gezwungen ; 1) Alle in der Lombar­dei sich aufhaltenden Tessiner erhalten den Befehl, bis zum 18. d. M. in ihr Vaterland zurückzukehren. In der Bekanntmachung wird den Betreffenden mitgetheilt werden, daß das feindselige Benehmen der Tessiner Re­gierung gegen die österreichische das einzige Motiv ihrer Entfernung sei. 2) Mit dem 18. d. M. hören alle po­stalischen und commerciellen Verbindungen mit diesem Kanton auf. 3) Kein Paß der tessinischen Regierung nach der Lombardei wird als gültig angesehen werden, wenn er nicht mit dem Visum des österreichischen Ge­sandten in der Schweiz versehen ist." Indessen hofft man doch, daß die in Mailand sich aufhaltenden Tessiner, welche nicht in übelem Rufe stehen, bleiben dürfen. In Mailand ist Alles darauf gespannt, was die Tagsatzung thun werde. Hier sieht man obige Maßregel als streng, aber sehr begreiflich an, da die Flüchtlinge in Tessin die Lombardei immerfort beunruhigen.

Am 13. d. M. ist eine französische Flotte, bestehend aus zwei Linienschiffen und vier Dampfern, i n Venedig eingelaufen.

sTelegraphische Nachrichten.) Der Brand in Messina hat aufgehört, die Ruhe kehrt zurück; die Municipalre- gierung ist eingesetzt. Melazzo ist unterworfen, der Däm­pfer Vesuvio genommen, die Kreuzer an der Küste in voller Thätigkeit. Die (neapolitanische) Flotte ist gegen Süden gesegelt: zwei sicilianische Kanonierbarken wurden aufgebracht.

Trennte

Baden. Freiburg, 24. Sept., Nachmittags 5 Uhr. So eben sind 1600 Mann hessisches Militär hier eingerückt. Von 2 bis gegen 3 Uhr Nachmittags hörte man in der Richtung von Staufen eine starke Kano­nade. Jetzt vernimmt man, die Aufständischen hätten heute früh diese Stadt besetzt, seien Nachmittags aber von Seiten der Reichstruppen angegriffen und nach hef­tigem Kampf in wilde Flucht geschlagen worden. Da­gegen, heißt eS, nähert sich eine andere Abtheilung der Freischaaren unserer Stadt. 6 Uhr Abends. So eben werden von Seiten des Magistrats Vorsichtsmaß­regeln für den Fall eines Angriffs auf die hiesige Stadt von Seiten der Aufrührer angeordnet. 9 Uhr Abends In diesem Augenblick wird für 1000 Mann preußisches Militär, das in einigen Stunden eintreffen soll, Quar­tier bestellt. Seit einigen Stunden werden Vertheidi- gunqsmaßregeln ergriffen; eS wird Material zum Bau von Barrikaden herbeigeführt. Man scheint ernstlich einen Angriff zu befürchten. Der Bahnhof ist immer­während mit Neugierigen ungefüllt, welche die Bahn­züge erwarten, um Nachrichten zu vernehmen. Seit dem 22. d. M. haben wir keine Basler und Lörracher Blätter erhalten, da die Postverbindungen immer noch theilweise unterbrochen sind. Die Zahl der Freischaaren wird sehr verschieden angegeben. Gutunterrichtete ver­sichern, daß sie nicht 2000 bis 3000 Mann übersteigt.

Druckfehler-Berichtigung.

In unserer gestrigen Nr. hat sich in dem letzten Ar- tikelchen unter der RubrikNeueste Nachrichten" ein gro­ber Druckfehler eingeschlichen. Nämlich in der dritten Zeile von unten sind nach: Gustav Grafen v. Keller die Worte:zum N e i ch 6 k o m m i ssä r" einzuschalten

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