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Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl VeS deutsche» Volkes!

Wiesbaden,

Mittwoch, den 27. September

isas.

Für das vierte Quartal d. J. pro Oktober bis Dezember wolle man neue Bestellungen auf dieNassauische Zeitung" nebstAllgemeines Kirchen- und Schulblatt" schleunigst machen bei der nächsten Postanstalt des Her- zogthums für 2 fl 12 kr.

Uebersichten, Erörterungen und Aktenstücke.

Die Aufgabe der Paulskirche.

son-

(Fliegendes Blatt aus Frankfurt.)

Die deutsche Nationalversammlung trat als vcräne Gewalt auf, und wollte die Neugestaltung Deutschland mit Umgehung der Einzelregierungen schaf­fen. Wenn man den damaligen Zustand bedenkt, so wird man nicht läugnen daß sie viel Kraft in Hän­

Die Sache wurde zwar nothdürftig wieder ins Geleise gebracht, aber es mußten bei dieser Gelegen­heit jedem Vaterlandsfreunde große Bedenken kommen; denn jene militärische Feierlichkeit steht in ihrer Wich­tigkeit und in ihren Folgen in gar keinem Vergleiche zu manchem andern, z. B. eben zur Gesandschafts- frage, welche die Centralgcwalt schlechterdings nicht mehr durchsetzen wird, weil es zu spät ist. Aber ohne diese einheitliche diplomatische Vertretung sind wir prak­tisch genommen (man wolle sich doch nicht selbst täu­schen) um keinen Schritt weiter als zu Bundestags- zeiten. Wie wäre es dem deutschen Gesandten mög­lich, in Krieg und Frieden, in Handelssachen und Zoll­verhältnissen ein kräftiges Wort im Namen der ganzen Nation zu sprechen, wenn er als fünftes Nad am Wagen neben dem ebenso mächtigen oder noch mächti­gern preußischen oder österreichischen Botschafter steht? Werden beide in allen Fällen das Gleiche wollen? Schon aus menschlicher Selbstsucht wird keiner ganz überflüssig sein mögen!

Die Vertretung nach außen ist der Schlüssel der ganzen Stellung. Wir haben der Freiheit im Innern mehr als wir vorerst verdauen können aber was soll sie uns ohne Freiheit und Kraft? Auch die Schwei­zer sind frei, aber wo ist ihre Macht, wo ihre Unab­hängigkeit nach außen? Am Ende ist es noch besser, vom heimischen Minister etwas eigenmächtig komman- dirt zu werden, als jedem Pfiff des Auswärtigen fol­gen zu müssen, und, wie die Schweiz oder das muster- baft geregelte Belgien, nur von der Eifersucht der Nachbarn zu leben, deren keiner dem andern einen größern Einfluß gestatten will.

des Vaterlandes! Gesetze machen ist schwer; schwerer ist daß die gemachten befolgt werden. Während sich die Frankfurter Versammlung an den Grundrechten verblutet, drängt sich vor allem die natürliche Frage auf: ob sie auch die Macht haben werde, die einstige Verfassung etwa gegen die Particularansicht des preußischen Parlaments einzuführen. Zu unserm großen Bedauern müssen wir die Frage mit nein be­antworten, woraus hervorgeht, daß sie keine c o n st i- tuirende Versammlung im eigentlichen Sinne des Wortes mehr ist, sondern eine zweite Kammer. so lange sie nun diese leider über allen Zweifel erhabene Thatsache nicht anerkennt und in ihrer falschen -Stel­lung verharrt, so lange wird der Particularismus ihr feindlich gegenüberstehen.

Es gibt nur noch Ein Mittel der Rettung: cs ist die gesetzmäßig geregelte Vertretung jcues Triebes, jenes Particularismus. Wirkliche Macht können wir ihm nicht absprechen, ohne blino zu sein, und wo Macht ist, sollte naturgemäße Vertretung stati- finden. Man gründe also das Staaten- oder Ober­haus nicht erst für die spätere Verfassung, sondern gleich zur Vereinbarung derselben; denn ohne Verein­barung könnt ihr nun einmal nichts mehr erzwingen.

den hatte, und vielleicht Großes vollbracht hätten wenn die Linke, statt allerlei Tollheiten auszukramen, sich mit wahrer Staatsweisheit auf den deutschen nationalen Boden gestellt hätte. Aber nicht bloß die Versamm­lung im Allgemeinen, sondern auch die Linke im be­sondern litt an Professoren und Advokaten, deren un­praktischer Sinn schon gleich anfangs hervortrat, als ein gestellter Antrag, daß vor Feststellung der deutschen Grundverfassung keine andern Versammlungen als cou= stituirend sollten tagen dürfen, verworfen wurde. Man behalf sich statt dessen mit einem papiernen Beschlusse, wonach die Forderungen solcher Versammlungen nur dann gültig sein würden, wenn in Uebereinstimmung mit den Sätzen der Nationalversammlung. Die Fol­gen dieser gutmüthigen Theorie werden mit jedem Tage deutlicher ans Licht treten: der Particularismus er­hielt gesetzliche Kräftigung, und wird nur noch durch eine gewisse Anerkennung beschwichtigt werden können.

Als die Wahl des Reichöverwesers glücklich zu Stande gekommen war, zeigte sich eine Meiliungsver- schiedenheit darüber ob die Einzelregierungen eine Be­stätigung auszusprechen hätten oder nicht. Diesem er­sten Zweifel an der unbeschränkten Machtvollkommen­heit des Parlaments hätte die äußerste Linke vielleicht Vorbeugen können, wenn sie von ihrer Souveränetät einen klügeren, bescheidenern Gebrauch gemacht und weniger auf die Fäuste draußen gepocht hätte. Man verwahrte sich auf allen Seiten, weil es ohne dieses einmal in Deutschland nicht gehen kann; doch wurde der Streit durch die Hoffnung der Fürsten und Völker friedlich beigelegt, und man ließ die Competenzfrage ruhen. In' jenen Tagen erblickten die darniederliegen­den Regierungen hauptsächlich im Reichsverweser ihren Retter aus der Notb; er sollte den Sturm beschwö­ren. Das freudige Volk hoffte nun eine große Na­tion zu sein, mächtig und vom Auslande geachtet. Nur wenige murrten, weil ihnen die allgemeine Zu­friedenheit im Wege stand.

Nachdem sich schon früher der Bundestag zeitgemäß verjüngt, also seinem frühern Wesen nach selbst ver­nichtet batte, zertrat man ihn nochmals sogar dem Na­men nach gründlich, wie etwa der Elephant an den Kleidungsstücken des geflohenen Feindes seine kindische Wuth ausläßt. Umsonst machte Welcker auf die da­durch entstehende Lücke aufmerksam.

Als ächter Patriot und ohne Vorbehalts übernahm der Reichsverweser die schwere moralische Verantwort­lichkeit trott der zahllosen Klippen. Er war so durch­aus nothwendig, daß er den Hülfe suchenden Fürsten Bedingungen hätte stellen können, namentlich die aiigen- blickliche Abberufung aller Gesandten, als das Erste und Unumgänglichste einer einheitlichen Politik nach außen. Die Noth hätte wohl damals durchgesetzt was nun auf Jahre oder gar auf immer verscherzt ist. Doch war die Ankunft des Erzherzogs in Frankfurt ein an und für sich so wichtiger Augenblick der deut­schen Geschichte, daß sich die Brandung legte. Sicht­lich beruhigten sich die Völker; sie hofften und sehnten sich nach Nüchternheit. Aber diejenigen, welche bei der Vereinigung der verschiedenen Stamme.an Wich­tigkeit und Ansehen nur verlieren können, die schliefen nicht. Eine große Anzahl der besitzenden Bürger war durch die verblümten und offenen Angriffe unserer Barbäs und Sobrier scheu geworden; der Partleula- rismus, und alles was damit zusammenhängt, stärkte sich in der allgemeinen Ruhe; sehr klug benutzte er die vielen Wühlereien und das alberne Weltbürgerthum der rothen Republicancr, und setzte sich endlich am 6

August hoch zu Noß mit Degen und Sporn.

Man sah und staunte, und zweifelte nun um so mepr an der unbedingten, Gewalt zu Frankfurt, da von den Fürsten nur Ernst August selbstredend in den Vordergrund getreten war.

wäre schon Zeuge einer soliden Grundlage, gegen die kein Sonderbund siegen würde.

Bildet also ein Staatenhaus, tretet ihm einen Theil eurer Befugnisse ab, und ihr werdet euch dadurch selbst kräftigen! Dann könnt ihr durch Uebereinstimmung der drei Gewalten Beschlüsse fassen und Gesetze ma­chen, und deren GesammtzahlVerfassung" taufen. Ihr mögt sogar Grundrechte berathen! Begnügt euch mit provisorischen Centralgewalten, bis die Weltge­schichte etwas besseres zu Tage fördert, und ffut die Reichsverwcscr durch die Wahl des Unterhauses und die Bestätigung (beziehungsweise Verwerfung) des Slaalcnhauseö. Ohne Staatenbaus wird sich der Particularismus mit thatsächlicher Macht gegen die Nationalversammlung stemmen, es werden krankhafte Zuckungen entstehen, und als Endwirkung ein allge­meines Durcheinander statt der Einigkeit Deutschlands.

Republikanische Thätigkeit in Ober- Franken.

Lage und Stimmung wechseln von Woche zu Woche. Noch vor drei Wochen konnte man hoffen, daß die re­publikanischen Bestrebungen sich nach und nach gänzlich verlieren würden, so allgemein war die Ueberzeugung deS größeren Theils der Bevölkerung geworden, daß diese Bestrebungen nur zur schrecklichsten Unordnung und zum gänzlichen Ruine deS Handelâ und der Gewerbe führen könnten. Die Zögerungen und Schwankungen in Frank­furt, die Unüberlegtheit in den Verhandlungen mit-

nemark übcc Len Waffenstillstand von Selten Preußens und des Relchsministeriums, haben den demokratische» Vereinen einen neuen Schwung gegeben; sie haben ihre früher f$on' große Thätigkeit verzehnfacht, aller Orten tauchen ihre Versammlungen auf, offen und entschieden stellen sie ihre Forderungen, und es ist gar kein Zweifel, daß sie täglich Anhänger gewinnen und ihrem Ziele nä­her rücken. Vor drei Wochen konnte man noch auf die constitutionell-monarchischen Vereine rechnen; es schien, als ob diese den rechten Weg für die Erhaltung der gewonnenen Freiheiten einschlügen und für Ordnung und Ruhe Bürgschaft boten, indem sie mit derselben Energie wie ihre demokratischen College« sich zusammcnthatcn und dadurch eine Macht bildeten, auf welche im Falle eines Zusammenstoßes gerechnet werden koonte. Diese Thätig- keit hat abgenommcn oder sie hat wenigstens nicht glei­chen Schritt mit der immer wachsenden Thätigkeit gehal­ten, welche die Republikaner fortwährend entwickeln. Man klagt über diese Aenderung, die sich ergeben hat; man spricht von den trüben Aussichten in die Zukunft; aber sei es Trägheit oder sei cs Furcht, man sieht nicht, daß man sich zusammenzufassc« Anstalt mache, daß man den Republikanern eine geschlossene Schaar von Constitutio- nellen entgegenzustellen ernstlich bemüht sei. Auch das Feuer, das im Anfang die verschiedenen FreicorpS be­lebte, die sich zur Ausrechthaltung von Ruhe und Ord­nung zusammengethan hatten, scheint meLcrgebramtt zu sein, manichfalttge Reibungen und Zerwürfnisse im In- nein dieser einzelnen Corps scheinen ihr Zusammenhalten geschwächt und die Wirksamkeit für ihren ursprünglichen Zweck gehindert zu haben. Die Organe der Regierung scheinen auch nicht tu der gerechten Weise einzugrcifen, so nämlich, daß sie ihre Wirksamkeit mit der der Con- stitutionellen identificirten, und dadurch ein entschiedenes Resultat zu Stande brächten. Da nun auch daS Ver­trauen auf die Nationalversammlung in größern Kreisen wankend geworden ist, so ist daS Aergste vorauszuschcn, wenn die gegenwärtige Nnthätigkeit nicht aufhört, wenn sie nicht einer lebhaften Rührigkeit Platz macht. Man muß es Len Republikanern nachsagca, daß sie ihre Sache geschickt zu betreiben wissen nnd daß sie dafür keine Mühe scheuen. Sie legen keinen Augenblick die ^ânbe in den Schooß, die Versammlungen folgen sich Schlag auf Schlag, die Werbungen gehen ununterbrochen fort, ein festes Band verbindet sie durch ganz Deutschland, ihr Verkehr ist im höchsten Grade lebendig, ihre Mittel scheinen nicht unbedeutend. WaS thun die constitutionel- len Vereine dagegen $ Sie haben bedeutende Talente in ihrer Mitte, gewandte Redner, Leute die eine voll­ständige Einsicht in die gegenwärtige Lage haben, und was nicht das geringste ist, sie haben der Mehrzahl ihrer Glieder nach etwas und zum Theil sehr Viel zu verlie­ren. Das alles sollte sie zur rechten, zur zweckmäßigen Thätigkeit antreiben, die kein anderes Ziel haben könnte,

Vor einiger Zeit schickten die Einzelstaaten Ge­sandte nach Frankfurt, damit sie sich, soweit thnnUch, mit den Reichsministern möchten ins Einvernehmen setzen. Diese Einrichtung überbietet an Ohrenbla,erei und Intrigue sogar den alten Bundestag- und befrie­digt gar niemand. Wir brauchen ein Staatenhaus nennt es provisorisch oder nicht, welches verhandelt, seine Protokolle veröffentlicht, und bet dessen Abstim­mungen eine mit der Größe jedes Staates ungefähr in Verhältniß stehende Stimmenzahl gilt. jebe Utto zelregierung, klein oder groß, hätte als ^solche wie Stimme und zwar bei weniger als einer Million See­len II ii r diese; größere Länder würden außerdem sur jede Million Einwohner eine weitere stimme fuhren. Freilich kann man diesem Entwürfe dasselbe ent^em- halten, was bei dein preußischem Vorschläge Bedenken erregte: daß nämlich die kleineren Staaten sich fugen müssen, wenn Oesterreich und Preußen überclnslunmen. Aber hierin liegt schon deßwegen keine Uiigerechtigkeit, weil zu einem gültigen Gesetze auch der Rcichsverwe- ser und daS Unterhaus mit einer derartigen osternuchlsch- preußischen Ansicht einverstanden sein mußten. Dagegen bewte man bi, (,«- Mast, »'«"

läge, das von beiden Häusern durch Mehrheitsbeschluß angenommen und von dem Reichsverweser gulgche.ßen worden ! Ein solches Gesetz könnte gegen vereinzelten Widerstand doch im Nothfall auch mit physischer Ui- walt durchgesetzt werden; denn sein Zustandekommen