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&" 179.

Raff-niische Wstmg.

Freiheit, Wahrheit und Recht!

Materielles und geistiges Wohl des deutschen Volkes!

Wiesbaden,

Dienstag, den 2K. September.

18418.

Für das vierte Quartal d. J. pro Oktober bis Dezember wolle man nene Bestellungen auf die //Nassauische Zeitung" nebst //Allgemeines Kirchen- und Schulblatt" schleunigst machen bei der nächsten Postanstalt des Her- zogthums für 2 fi* 12 kr.

Uebersichten , Erörterungen und

Aktenstücke.

Die Schleswig-Holsteinische Frage.

Der so eben abgeschlossene Waffenstillstand bringt die Frage über die Herzogthümer wieder auf die Bahn. Nach einer mit Kanonen geführten Erörterung sind wir wieder in einem Federkriege begriffen. Wird die

Diplomatie diesem durch einen annehmlichen Friedens­schluß ein Ende machen? Sie hat sieben Monate vor sich, um diesen zu bewirken. Untersuchung wir ein­mal die sämmtlichen Beschwerden zu, deren Erhebung jene Frage, gegen die Diplomatie und gegen die Re­gierungen Deutschlands, Anlaß giebt.

Man behauptet 1) daß der Krieg nicht nothwen­dig gewesen sei, 2) daß er schlecht geführt worden, 3) daß die Convention von Malmöe die Interessen und die Ehre Deutschlands verletze, und 4) daß die ein-

riae für Deutschland ersprießliche Lösung der Frage mußte das Ganze wie einen Donnerschlag meversauen die Einverleibung des Herzogthums Schleswig, ohne lassen. Zu diesem Entzwecke mußte man das 'Doppâ Ansnater Truppen absenten, die man in das Feld geschickt, Was den ersten Punkt betrifft, so müssen wir fra- mit einem Schlage d'.e feindliche Heereomacht über den aen daß, wenn der^Kricg auch nicht nothwendig, er Haufen werfen, schnell in Jütland Vordringen unb nun gen, orß, ______ B ..... hm, 3>p.1Pit hip Friede Iigdedlliaunaeu vorschreiben.

doch unvermeidlich war. Man wird^ sich der Bewe­gung erinnern, welche der sogenannte offene Brief Chri­stian VII. vor einem Jahre in ganz Deutschland ver­ursachte. Zeitungsartikel, Memoiren, Memoranda in Deiner darauf kreuzten sich. Ganz Deutschland erhob fid/ gegen die Ungerechtigkeit und die Willkür, und auch die Bevölkerung Schleswigs, wenigstens der deutsche Theil, war dieser Ansicht. Man war darüber einig, daß die Einverleibung des Herzogthums in das Kö­nigreich, Dänemark die Nationalität des Herzogthums und seine Constitution vernichte, und ganz gegen den Willen und Wunsch der Einwohner die Bande zerrisse, welche das Herzogthum mit Holstein und dadurch mit Deutschland verbänden. Eben so würde dadurch das Recht der Nachfolge verletzt. Es ging, durch die Frauen, auf das mit Rußland verwandte Haus Hessen über, statt daß es der jüngeren Linie des Prinzen von Au­gustenburg hatte bleiben sollen.

Das Kopenhagener Cabinet beharrte lndcß mchtode- stoweniger bei seinem Entschluß Es hatte nur dw Ittresscn des Königreichs, der Monarchie im Auge. Seine Hauptwaffe war die Bürgschaft, welche Frank­reich und England im J. 1720 geleistet hatten. Es rechnete auf den Beistand dieser Mächte, und in der That haben sich die Cabinette von London un^ Paris für Dänemark, wenigstens offiziös, erklärt. Die «Sprache der ministeriellen Presse Frankreichs und Englands lau­tete unumwunden, wenn auch nicht ritcgcnjd), r ) feindlich gegen Deutschland Die Beweggründe fur diese Politik lagen ziemlich offen vor Augen. Sowohl das monarchische Frankreich, als das heul.ge republi­kanische, konnten sich nicht dazu cntschlwßen, eine Ver­größerung Deutschlands zuzugeben. Die Besitznahme Schleswigs, das für die deutsche Marine eine so große Wichtigkeit hat, konnte weder Frankreich noch Eng and rusagen. Die Unverletzbarkeit Dänemarks, das euro­päische Gleichgewicht, die Wiener Verträge waren für beide Mächte nur seeundäre Beweggründe: der Haupt- Beweggrund lag in der Furcht, Deutschland großer werden und eine Stellung enmehmen zu sehen, die ge- aen die Meere von Osten, wie von Westen gleich ge­fährlich war. Hatte also Deutschland nicht eben des­wegen ein Recht mehr, auf seinen Ansprüchen zu bestc- ben^ Auch war es an und für sich dazu berechtigt.

y So blieben die Sachen bis zu den Begebenheiten, deren Reihe die französische Revolution vom 24. Februar eröffnete. Konnte Deutschland, durch das Ge uhl sei­ner neuen Stärke ermuthigt, und zu einem Gesamm- staat verbunden, gegen die Losung Vcr ^ragesogleich- gültia bleiben, wie cs im vergangenen Jahre gewesen war? Auf keinen Fall! Sollte es aber diese e durch die Gewalt, oder auf diplomatischem Wege, losen.

Die Wahl zwischen diesen beiden Mitteln hing von e Gesichtspunkte ab, aus dem man sie bedrachiete. Hatte die Centralgewalt in Frankfurt nur das Staasrecht berücksichtigen, nur auf dem Gebiet oer weeu oual- Polttik bleiben, d. h. die Einverleibung Lchlesw.gs in Dänemark verhindern, die Nachfolge ordnen, imO-w Verbindung zwischen Schleswig-Holstein und Deutsch-

I land einleiten wollen, so hätte sie dieses Ergebniß ohne Krieg erreichen können. Die Diplomatie würde dieß

haben bewirken können, da bereits ähnliche Lorschläge selbst von Seiten Dänemarks vorlagen. Die Cemral- gewalt in Frankfurt war von den neuen Wendungen und den neuen Ideen, von dem National- und dein Volksgefühl durchdrungen. Alo National- und volks- thümliche Macht des gesummten Deutschland hatte sie die Ansicht, daß sie ihrer auswärtiger Politik eine dop­pelte Richtung geben müßte, und daher das Bewußt­sein der Pflicht, eben so sehr die deutsche Nationalität im Herzogthum Schleswig, wie im Großherzogthum Posen zu unterstützen daher der Plan der Einverlei­bung dieser beiden Provinzen in Deutschland, und da­her die Nothwendigkeit, oder wenigstens die unvermeid-

liehe Wahrscheinlichkeit eines Krieges.

Gehen wir zu dem zweiten Punkte über: ob der Krieg wohlgeführt worden? Es möchte schwer sei», das Gegentheil zu beweisen. Soldaten und Anführer haben ihre Schuldigkeit gethan. Das Heer hat sich mit Ruhm bedeckt. Wenn indeß der Krieg gut geführt worden ist, so ist er schlecht eingeleitet worden. Man mußte das Ganze wie einen Donnerschlag mederfallen

mit dem Degen |oie Friedensbebinguugul vorschreiben. Wahrscheinlich würde Dänemark diese angenommen haben selbst wenn sie sehr lästig gewesen wären. Denn es würde tamalo allein dagestanden haben: Frankreich war viel zu sehr mit seinen inneren Angelegenheiten beschäftigt, England hatte ebenfalls mit den ,einigen zu thun, so wie mit der Beobachtung Dessen, was in 1 Frankreich vorging, und beide Mächte würden haben geschehen lassen. Rußland würde geschwiegen und nur : Schweden vielleicht seine Stimme erhoben haben. Aber ' auch darüber würde man hinweggekommen sein. Wäre 1 Der Krieg auf diese Weise eingeleitet worden, so würde inan bald zu einem beftuitiven und vortheilhaften Frie­densschlüsse, statt zu der Convenlion von Malmöe, ge-

kommen sein. ,

Nun der dritte Punkt. Verletzt tie Convention von Malmöe wirklich die Würde und das Interesse Deutschlands, so baß man ihn hätte zurüüwcisen dür­fen? Nach unserer Ansicht kann man die Ehre und Würde bei dieser Frage füglich bei Seilen setzen. Wir haben oben gesagt, was man in dieser Hinsicht hatte thun sollen, und was man gethan hat. Was die In­teressen betrifft so verhält es sich anders damit. Aller­dings sird gewisse Interessen verletzt worden: die aber, welche der Krieg verletzt hatte, heilt die Convention auch gewissermaßen wieder. Die preußischen Hafeii werden den Handel und ter Schiffahrt wieder eröff­net. Dies ist ein Vortheil und ein Beweis mehr, wie sehr Deutschland einer Seemacht bedarf. Die Con­vention ist für das Herzogthum Schleswig sehr unvor- theilhaft, und der 7. Art. vollkommen reaktionär Die sämmtlichen Maßregeln der provisorischen Regierung zurückuchmen, heißt, den absolutistischen Ideen der a- msche» Partbe. neue Nahrung geben, außerbcm abu das Nauonal-Gesühl und das Nat>onal-Jnleresse mit Hüften treten. Die Centralgewalt darf verlangen, daß Dieser Artikel mod.fiicirt werbe, tote kann, nach un­serer Ansicht, eine Bedingung ter Ratificalion daraus machens Wollte man indeß einen (casus belli) ba raus machen, so würde es immer bessern l«1' vention anzunehmen, und später, mit den Wagen in Ä. »- «° ü- M Lösung der Frage ausfaUe»? Deutschland kann nui eine wollen. Es muß wollen, baß der deutsche Theil Schleswigs, Süd-Schleswigs, von den, Königreich und der Krone Dänemark getrennt, und Deutschland uw verleibt werde. W.rd indeß der Vorschlag von Dä­nemark und Den betreffenden Mächten genest wer­den? Dafür ist wenig Wahrscheinlichkeit. Der K g Friedrich wird wohl dabei beharren, sich daS Recht und ten Titel des Herzogs von Schleswig zu bewahren. Was die Theilung betriff-, so durfte sie weniger Schwie­rigkeit finden. Die Einver leibung selbst wird aber immer zu Widerstreit Anlaß geben. Man spricht von ter englischen Vermittlung; die französische durfte, unserer Ansicht nach, genehmer sein.

Wie dem aber auch sein mag, so verlangt d'e Ge­rechtigkeit, das Ehrgefühl und daS Interesse, daß bet

deutsche Theil Schleswigs, unter welchem Titel es auch sei, mit Deutschland verbunden werde. Die Häfen von Eckernförde, der Schley und von DlückSburg sind Deutsch­land unumgänglich nothwendig, und die ganze künftige Seemacht Deutschlands ruht dort. In der Ostsee con- centriren sich die seemännischen Verbindungspunkte Rußlands, Schwedens und Dänemarks. Die deutsche Küste bis zur Ostsee ist sehr reich, der Handel mannig­fach und bereits sehr ausgedehnt. Diesen Handel zu schützen; im Falle eines Krieges, namentlich mit Schwe­den oder Dänemark, und eine Land-Armee durch die Flotte unterstützen zu können dieß ist die Bestim­mung und die Pflicht der deutschen Flotte. Dieß ist ihre Aufgabe, und der Schlüssel zur Lösung dieser Auf­gabe liegt in den östlichen Häfen Schleswigs. Die westlichen Häfen sind indeß noch wichtiger. Sie ha­ben gegen Frankreich und England hin die Aussicht: sie beherrschen die Elbe-, Weser-, und Rhein-Mündun­gen. Dort liegt der ganze auswärtige Handel Deutsch­lands. Wie wird man aber diesen Handel ohne See­macht schützen können? Wie wird man an eine See­macht denken können, ohne die Häfen von Tönningen, Husum und Tendern im Auge zu haben?

Wenigstens den Besitz Süd-Schleswigs für Deutsch­land zu sichern, das wird die Aufgabe der Diplomatie sein: geschieht dies nicht, so dürfte ein neuer Krieg vielleicht unvermeidlich werden. I. W.

83. Sitzung der constituirenden National­versammlung.

Es wird zur Tagesordnung gestritten. v. Moring erstattet Namens' deS Bureaus Bericht über die zur Heizung und Beleuchtung derPaulökirche eingegangenen Plane, deren Anzahl auf sechs sich beläuft. Der mit diesem Bericht verbundene Antrag lautet: Die National­versammlung wolle vor Allem ihren Dank sämmtlichen Herrn Offerenten für die Bereitwilligkeit aussprechen, womit sic das Bureau in diesem Geschäfte unterstützt; ferner das Projekt der Warmwasserheizung des Herrn Biercher aus Köln genehmigen und das Bureau er­mächtigen, den betreffenden Kontrakt zur Ausführung abzuschließen; ferner dem Bureau den Auftrag ertheilen, in Betreff der Beleuchtung mit dem Offerenten zu ver­handeln und sein Projekt genehmigen. Nachdem Rei­chard, Löw und Jordan aus Berlin üb.r diesen Gegen­stand gesprochen, saßt die Versammlung den Beschluß, die wèicern Verfügungen in dieser Angelegenheit dem Bureau zu überlassen.

In der Fortsetzung der allgemeinen Diskussion über Artikel 4 hat das Wort Reinhard aus Boitzenburg: Während Frankfurt in Belagerungszustand sich befindet und wir hier beisammen sind, um daS Wohl des Volkes zu berathen, will ich eS versuchen, über die Angelegen­heiten der Volksschule zu sprechen. Unzählige Klagen und Bittschriften sind in dieser Beziehung eingegangen, welche theils durch innere, theils durch äußere Uebel hervorgerufen worden sind. Ein Grundubel in der Volksschule ist, daß die Jugend allzusehr für den Ytm- mel, weniger aber für den Staat vorbereitet wird und daß der Unterricht in den Volksschulen wohl aus Ge- dächlmßdinge, nicht aber auf Bildung des Verstandes und des Urtheils sich erstreckt. Wirft man einen Blick in die Lehrbücher, so sollte man meinen, die Nation sollte ui einer Schaar von Theologen und Consistonal- rätben erzogen werden. Unsere Volksschule rst schlecht, schlecht für Deutschland. Cousin's Lob ist unrein Be­weis, daß unsere Schulen besser als jene Frankreichs sind. Ein anderes weniger günstiges Urtheil haben bre prak- tischen Engländer über unser Schulwesen gefallt. Vetter steht in Deutschland die Volksschule unter dem Trium­virat des Staats, der Kirche und der Gemeinde. Dieses Verhältniß ist Sklaverei, wenn auch eine klassische, da im Alterthume die Erziehung der Jugend den Sklaven übergeben war. Die Gemeinde betrachtet den Lohn der Lehrer als ein großes Almosen. Wehe dem Lehrer, ter nicht den Glauben seines Inspektors hat. Die Klagen der VolkSschullehrer haben ein sehr altes Datum. Der Polizeistaat wollte sie nicht hören; er unterdrückte die Lehrervereine nud legte sein Veto auf weitere Klagen. Der Redner entwirft ein Bild von dem Zustande e Schulwesens in den Ein^elstaaten und schließt sich allen jenen Anträgen an, welche eine Besserstellung des eh- rerftanbed bezwecken.